Erich Gloeden
Erich Albert Friedrich Gloeden<ref name=":0">Geburtsregister StA Berlin IX, Nr. 1735/1888</ref> (geborener Loevy , * 23. August 1888 in Berlin; † 30. November 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Architekt und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.
Leben
Erich Gloeden war der zweite Sohn des bekannten jüdischen Berliner Bronzegießereibesitzers Siegfried Loevy, dessen Firma u. a. für Guss und Montage des Schriftzugs Dem Deutschen Volke am Berliner Reichstagsgebäude verantwortlich war, und von dessen evangelischer Ehefrau Lina geb. Lohmann<ref name=":0" />. Er studierte Architektur und promovierte 1915 an der TH Dresden mit dem Thema Die Grundlagen zum Schaffen Carl Friedrich Schinkels. Um 1918 seinen jüdischen Nachnamen ablegen zu können, ließ sich der getaufte Erich Loevy im Alter von 30 Jahren von Bernhard Gloeden adoptieren. Bernhard Gloeden war ein mit seinen Eltern befreundeter Lehrer.
1938 heiratete Gloeden die Juristin Elisabeth Charlotte Kuznitzky. Den Zweiten Weltkrieg erlebte der Architekt in der Organisation Todt und erfuhr dort durch seine Tätigkeiten in Polen Ende 1942 vom Holocaust.
Gloeden half zusammen mit seiner Ehefrau einer Vielzahl von Juden, im Untergrund zu leben. Auf Empfehlung von Hans Ludwig Sierks gewährte er am 29. Juli 1944 dem General der Artillerie Fritz Lindemann, einem Hauptbeteiligten des Attentats vom 20. Juli 1944, bei dessen Flucht vor der Gestapo Unterschlupf. Zuerst glaubte Gloeden, dass es sich um einen Juden handelte, da Lindemann sich mit dem Namen Exner vorstellte. Lindemann lebte fünf Wochen in einem Nebenhaus der Charlottenburger Wohnung der Familie Gloeden, Kastanienallee 23. Am 3. September wurde die Wohnung von der Gestapo gestürmt und Fritz Lindemann sowie Erich Gloeden, seine Ehefrau und die dort wohnende Schwiegermutter Elisabeth Kuznitzky verhaftet.
Am 27. November 1944 wurde er vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler zum Tod verurteilt, ebenso seine Frau und seine Schwiegermutter. Die Urteile wurden am 30. November in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee in Berlin-Plötzensee durch Enthauptung vollstreckt.<ref>Bengt von zur Mühlen: Die Angeklagten des 20. Juli vor dem Volksgerichtshof.</ref>
Erinnerung
- In der Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee wurde 1963 der Gloedenpfad nach Elisabeth (und Erich) Gloeden benannt.<ref>{{#if: Gloedenpfad-13627-Berlin | Gloedenpfad{{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty|}} | bei Luise | .] In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)}} | {{#switch:a | a | h = {{#if: 07 | |!!! FEHLER! Parameter bez fehlt}}{{#if: G317 | | !!! FEHLER! Parameter id fehlt}}{{#ifeq: a | h | }}Gloedenpfad{{#ifeq: a | h | }}{{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty|}} | . In: Luise. | .] In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins}} | - = Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins | #default = FEHLER! Parameter art=a ungültig!}}}}</ref><ref>Die formale Widmung erfolgte 1963 nur nach Elisabeth Gloeden. Später stellte der Bezirk fest, dass man eigentlich – wie bei der Haeftenzeile – beide Familienmitglieder ehren wollte. In Publikationen des Bezirksamtes aus den 1970er/1980er Jahren werden beide Eheleute genannt. Ein formaler Beschluss durch die BVV ist dazu aber anscheinend nicht erfolgt. Der im Abstand von zwei Minuten ermordete Ehemann wie auch die Mutter sollen jedoch in das Gedenken inbegriffen sein.</ref>
- In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden<ref>Lammerts Rede vom 3. Oktober 2016</ref>, der massiven rechtsnationalen Anfechtungen ausgesetzt war, befasste sich Bundestagspräsident Norbert Lammert ausführlich mit dem tragischen Schicksal Gloedens in der NS-Zeit. Lammert verknüpfte dieses Schicksal – Gloedens Konversion, sein trügerisches Gefühl, in Deutschland akzeptiert und sicher zu sein, die Ermordung in Plötzensee durch die Nazis – dabei mit der Entstehung des Reichstagsschriftzugs Dem Deutschen Volke und einer Reflexion darüber, was heutzutage Deutsch sei. Lammerts Rede wurde als Rede des Jahres 2016 ausgezeichnet.<ref>Begründung des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen zur Rede des Jahres 2016</ref>
Siehe auch
Literatur
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- Erich Gloeden (1888–1944). In: Harald Bodenschatz, Benedikt Goebel, Hans-Dieter Nägelke (Hrsg.): Im Gleichschritt. Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin im Nationalsozialismus. Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Berlin 2023, ISBN 978-3-943164-23-7, S. 15.
Weblinks
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- Erlebnisbericht von Josepha von Koskull über die Verhaftung der Familie Gloeden beim Deutschen Historischen Museum
Einzelnachweise
<references />
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- Deutscher
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- Person, für die im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ein Stolperstein verlegt wurde