Falsches Weißes Stängelbecherchen
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| Falsches Weißes Stängelbecherchen | ||||||||||||
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| Datei:Hymenoscyphus pseudoalbidus 136946.jpg
Fruchtkörper von Hymenoscyphus fraxineus | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Hymenoscyphus fraxineus | ||||||||||||
| (T. Kowalski) Baral, Queloz, Hosoya |
Das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus<ref>Hans-Otto Baral, Valentin Queloz, Tsuyoshi Hosoya: Hymenoscyphus fraxineus, the correct scientific name for the fungus causing ash dieback in Europe. In: IMA Fungus. Band 5, Nr. 1, 1. Juni 2014, ISSN 2210-6340, S. 79–80, doi:10.5598/imafungus.2014.05.01.09, PMID 25083409, PMC 4107900 (freier Volltext).</ref>, Syn.: T. pseudoalbidus; vor der Rechtschreibreform: Falsches Weißes Stengelbecherchen) ist eine 2010 neu beschriebene Pilzart aus der Unterabteilung der Echten Schlauchpilze.<ref name="Queloz2011" /> Hymenoscyphus fraxineus lebt auf den Blattspindeln abgeworfener Eschenblätter. Seine Nebenfruchtform Chalara fraxinea löst das Eschentriebsterben an Gemeiner Esche und Schmalblättriger Esche aus.<ref name="LWF" />
Hauptfruchtform
Die Fruchtkörper des Falschen Weißen Stängelbecherchens sind weiße becherförmige Apothecien mit einer Größe von 2 bis 7 mm, die von Juni bis August<ref name="GminderKarasch2023" /> auf den Blattspindeln im Vorjahr abgefallener Blätter erscheinen. Die von den Asci freigesetzten Ascosporen sind klebrig und sollen größer sein (15–22 µm) als bei der verwandten Art Hymenoscyphus albidus mit einer Sporenlänge von 8–20 µm. Die freigesetzten Ascosporen werden über den Wind verbreitet, was die schnelle Ausbreitung des Eschentriebsterbens erklärt.<ref name="Queloz2011" />
Nebenfruchtform Chalara fraxinea
Bei der Suche nach dem Erreger des Eschentriebsterbens wurde 2006 in Polen der Pilz Chalara fraxinea als Nebenfruchtform eines unbekannten Pilzes entdeckt.<ref name="CF1">T. Kowalski: Chalara fraxinea sp. nov. associated with dieback of ash (Fraxinus excelsior) in Poland. In: Forest Pathology. Band 36, Nr. 4. Wiley, 11. Juli 2006, S. 264–270, doi:10.1111/j.1439-0329.2006.00453.x.</ref> Seit 2008 hielt man ihn fälschlicherweise für die Nebenfruchtform des Weißen Stängelbecherchens (Hymenoscyphus albidus). Dieser Schlauchpilz ist seit 1851 bekannt, aber nie als schädigender Parasit in Erscheinung getreten. Seit 2010 ist bekannt, dass Hymenoscyphus fraxineus die Hauptfruchtform von Chalara fraxinea ist<ref name="Queloz et al. 2010">V. Queloz, C. R.Grünig, R. Berndt, T. Kowalski, T. N. Sieber, O. Holdenrieder: Cryptic speciation in Hymenoscyphus albidus. In: Forest Pathology. Wiley, 30. März 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Oktober 2013; abgerufen am 18. Oktober 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, die sich mit bloßem Auge und dem Mikroskop nicht von Hymenoscyphus albidus unterscheiden lässt, sondern nur durch die Untersuchung des Erbgutes.
Ökologie
Chalara fraxinea lebt parasitär in den Geweben der Blätter, Triebe und verholzten Teilen von Eschen und ist nach Ansicht einiger Forscher am vermehrten Absterben dieser Bäume in Europa beteiligt.<ref name="Cech2007" />
Chalara fraxinea befällt junge wie alte Bäume. Ungewöhnlich im Vergleich zu den meisten anderen Baumparasiten ist, dass gesunde, vitale Individuen besonders schwer getroffen werden. Es gibt Vermutungen, dass sich der Pilz aufgrund der gestiegenen Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa durchsetzen konnte. Seine Verbreitung begann wahrscheinlich im Baltikum. Nachgewiesen war er 2008 in Skandinavien, Großbritannien, Polen, Tschechien, Slowenien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Symptome des Befalls sind schüttere Kronen sowie vertrocknende Blätter und Zweige. Da der Pilz die Leitungsbahnen befällt, stirbt der Baum von oben her ab. An der Rinde bilden sich gelblich- oder rötlich-braune Nekrosen.<ref name="Mrasek2008" />
Das Eschentriebsterben durch den Befall mit Chalara fraxinea ist vom Typus zunächst eine Erkrankung der Blätter und grünen Triebe, später auch der verholzten Teile, wobei von den inneren Geweben nicht primär die Gefäße, sondern v. a. das Parenchym der Holzstrahlen und das Mark besiedelt werden. Die auffälligen Rindennekrosen, die mitunter auch an eine Rindenbranderkrankung erinnern, sind eher ein sekundärer Schaden durch das Absterben lebender Rinde und des Kambiums. Die Erkrankung wird auch als „Eschensterben“ oder „Eschenwelke“ bezeichnet.<ref name="Engesser2014" />
Chalara fraxinea kann nach der Infektion durch konkurrierende Arten vollständig verdrängt werden.<ref name="CF2">T. Kowalski, O. Holdenrieder: Pathogenicity of Chalara fraxinea. In: Forest Pathology. Band 39, Nr. 1. Wiley, 8. August 2008, S. 1–7, doi:10.1111/j.1439-0329.2008.00565.x.</ref>
Epidemiologie
Der neue Pilz tritt in der Schweiz mindestens seit 1978 auf.<ref name="bazonline">Eschensterben: Woher kommt der tödliche Keim? In: Basler Zeitung. 8. April 2010, abgerufen am 24. April 2011.</ref> Warum der Pilz zum Auslöser einer neuen Krankheit wurde, war 2009 noch unklar. Es wurde spekuliert, dass er durch Mutation oder Hybridisierung mit einer noch unbekannten Art entstanden sein könnte und dass Umwelteinflüsse die Schädlichkeit des Pilzes verstärkt hätten.<ref name="CF3">T. Kowalski, O. Holdenrieder: The teleomorph of Chalara fraxinea, the causal agent of ash dieback. In: Forest Pathology. Wiley, 23. Februar 2009, doi:10.1111/j.1439-0329.2008.00589.x.</ref> Seit 2012 wird davon ausgegangen, dass Chalara fraxinea ursprünglich aus Asien stammt, wo er zumindest in Korea und Japan heimisch ist. Die dortigen Eschenarten scheinen – bedingt durch die lange Koexistenz – eine Art Resistenz entwickelt zu haben und werden durch den Pilz nur wenig geschädigt.<ref>Ania Lichtarowicz: Ash dieback: Chalara fungus 'originated in Asia'. In: BBC News. 12. Dezember 2012, abgerufen am 16. Oktober 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Forscher sind seit 2013 dabei, europäische Eschen, die eine natürliche Resistenz gegen den Pilz aufweisen, zu selektieren und herauszuzüchten.<ref>Sangita Myska: Ash dieback: Scientists test for resistant trees. In: BBC News. 25. Oktober 2013, abgerufen am 25. Oktober 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Makroskopische und mikroskopische Merkmale
In Kultur bildet der Pilz ein mäßig wachsendes Luftmyzel, das anfangs weiß ist, sich später aber rotbräunlich bis gräulich oder schwarz verfärbt. Die vegetativen Hyphen sind durchscheinend bis olivbraun mit nur wenigen Verdickungen. In älteren Kulturen treten verdickte, pigmentierte Zellen auf. Die Phialiden stehen solitär an den vegetativen Hyphen und sind 20 bis 40 µm lang.<ref name="Schumacher2007" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Cech2007"> Thomas Cech, Ute Hoyer-Tomiczek: Aktuelle Situation des Zurücksterbens der Esche in Österreich. In: Forstschutz Aktuell. Band 40, 2007, S. 8–10 (bfw.ac.at [PDF; 134 kB]). </ref> <ref name="Engesser2014">Roland Engesser: Eschenwelke. In: Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Waldschutz Schweiz. 25. September 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Januar 2015; abgerufen am 27. Januar 2015.</ref> <ref name="GminderKarasch2023"> Andreas Gminder und Peter Karasch: Das Kosmos Handbuch Pilze. Kosmos, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-440-17027-4, S. 692. </ref> <ref name="LWF"> Das Eschentriebsterben. In: Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Abgerufen am 27. Januar 2015. </ref> <ref name="Mrasek2008"> Volker Mrasek: Pilz-Parasit: Eschensterben alarmiert Forstexperten. 6. November 2008, abgerufen am 27. Januar 2015. </ref> <ref name="Queloz2011"> Valentin Queloz, Christoph R. Grünig, Reinhard Berndt, Tadeusz Kowalski, Thomas N. Sieber, Ottmar Holdenrieder: Cryptic speciation in Hymenoscyphus albidus. In: Forest Pathology. Band 41, 2011, S. 133–142, doi:10.1111/j.1439-0329.2010.00645.x. </ref> <ref name="Schumacher2007"> Jörg Schumacher, Alfred Wulf, Sindy Leonhard: Erster Nachweis von Chalara fraxinea T. KOWALSKI sp. nov. in Deutschland – ein Verursacher neuartiger Schäden an Eschen. In: Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes. Band 59, Nr. 6, 2007, S. 121–123 ( (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2022. Suche im Internet Archive )). </ref>
</references>
Weblinks
- Eschentriebsterben (BT-Drs. 19/3196)
- FAQ – Häufige Fragen zum Eschentriebsterben (www.waldwissen.net)
- Was tun, wenn die Eschen sterben? Handlungsempfehlungen beim Eschentriebsterben (www.waldwissen.net)
- Informationen der Bayerischen Landesanstalt für Land- und Forstwirtschaft
- Informationen der Forschungsgruppe Forstschutz und Dendrologie an der ETH Zürich
- Symptome von Chalara fraxinea an Eschen im Bild auf forestryimages.org
- Informationssammlung zur Eschenwelke vom schweizerischen WSL
- Pilzbefall an Eschen: Wie geht es weiter? am 24. April 2017 auf ndr.de