Faruk Şen
Faruk Şen (* 21. April 1948 in Ankara; † 25. Januar 2025 in Istanbul<ref>Sözcü vom 26. Januar 2025: Prof. Dr. Faruk Şen hayatını kaybetti, von Ali Gülen, abgerufen am 27. Januar 2025</ref><ref>TAVAK Başkanı Faruk Şen toprağa veriliyor – DW – 27.01.2025. Abgerufen am 27. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Meldung in den WDR Radionachrichten am 25. Januar 2025 um 19.04 Uhr</ref>) war ein türkisch-deutscher Hochschullehrer. Er war in den Jahren 1985 bis 2008 Leiter des Zentrums für Türkeistudien.
Leben
Şen studierte ab 1971 Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Nach der Promotion 1979 wurde er im Jahr 1981 Leiter der „Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und sozialen Eingliederung junger Ausländer (MBSE)“ bei der Volkshochschule in Duisburg und ab 1983 Geschäftsführer des Modellversuchs „Lehrerfortbildung im Bereich Übergang Schule/Beruf“. Im Jahr 1985 erfolgte die Gründung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfT), dessen Direktor er wurde. 1990 ernannte man ihn zum Professor an der damaligen Universität-Gesamthochschule Essen. Am 3. Juli 2008 wurde Şen als Direktor des ZfT suspendiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Abgang mit gütlicher Einigung – Faruk Sen beendet Arbeit bei Essener Zentrum für Türkeistudien ( vom 5. Juni 2016 im Internet Archive)</ref> Nach Kritik an seiner Person, nachdem er die Lage der türkischen Migranten in Deutschland mit der Judenverfolgung in der Nazi-Zeit verglichen hatte, gab Şen im Juli 2008 im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Bundesland Nordrhein-Westfalen seine Stelle zum Jahresende 2008 offiziell auf.<ref name="SPON-565969">Judenvergleich: Türkeiforscher Sen gibt auf. In: Spiegel Online. 15. Juli 2008, abgerufen am 9. Juni 2018.</ref>
Şen war verheiratet mit der Psychiaterin İnci Şen und war Mitglied der SPD.
Kontroverse um Armenier-Genozid
Am 9. März 2006 vertrat Şen in einem Radio-Interview, wenige Tage vor einer Demonstration<ref name="welt_18_03_2006">Streit um Armenier-Resolution – Türkische Nationalisten demonstrieren in Berlin, 18. März 2006, Welt Online</ref> türkischer Nationalisten gegen die Armenier-Resolution des Deutschen Bundestages<ref name="bundestag_resolution_armenier">Resolution des Deutschen Bundestages, Juni 2005 (PDF; 202 kB)</ref>, die Meinung, dass der Völkermord an den Armeniern 1915 kein Völkermord gewesen sei. Şen wörtlich: „Das heißt der Begriff, den wir für Deutschland verwenden, stimmt für das Osmanische Reich nicht. Deswegen würde ich sagen, Völkermord nach dieser Definition stimmt nicht.“<ref name="dradio_sen_09_03_2006">Faruk Sen: Massaker an Armeniern war kein Völkermord, 9. März 2006, Deutschlandradio</ref> Daraufhin wurde er von der innenpolitischen Sprecherin der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Monika Düker<ref name="dradio_dueker_13_03_2006">Grüne: Sen soll erneut zu Völkermord an Armeniern Stellung nehmen – Monika Düker verlangt Erklärung vom Leiter des Zentrums für Türkeistudien, 13. März 2006, Deutschlandradio</ref> sowie den Historikern Wolfgang Benz<ref name="dradio_benz_09_03_2006">„Leugnen von historischen Ereignissen ist bloße Agitation und Propaganda“ – Historiker Benz kritisiert Äußerungen von Faruk Sen, 9. März 2006, Deutschlandradio</ref> und Medardus Brehl<ref name="dradio_brehl_09_03_2006">Genozidforscher: Völkermord an Armeniern ist historisch nachgewiesen – Historiker Medardus Brehl widerspricht Faruk Sen, 9. März 2006, Deutschlandradio</ref> in scharfer Form kritisiert, wonach Şens kategorische Ablehnung des Begriffs „Völkermord“ in Bezug auf den Völkermord an den Armeniern in keiner Weise die aktuelle Debatte wiedergebe (Düker), die von Şen getätigte Äußerung unwissenschaftlich und bloße Agitation und Propaganda sei (Benz) und der Völkermord an den Armeniern sich im Gegensatz zu Şens Darstellung historisch als auch juristisch nachweisen lasse (Brehl). Şen hat zu der Kritik öffentlich nie Stellung genommen.
Auszeichnungen
- Deutsch-Türkischer Freundschaftspreis München 2005
- Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen 1997
- Bundesverdienstkreuz am Bande 2003<ref name="faz-">Bundesverdienstkreuz für Faruk Şen. In: www.faz.net. FAZ.net, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 6. Februar 2024. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Literatur (Auswahl)
- Faruk Sen: Gründung, Struktur und wirtschaftliche Funktion der türkischen Arbeitnehmergesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland für die sozioökonomische Lage der Türkei. – Münster, 1980. – Hochschulschrift: Münster (Westfalen), Universität, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, Diss.
- Faruk Sen und Sinan Özel: Auswirkungen einer Vollmitgliedschaft der Türkei auf den EU-Haushalt 2004–2006. – Essen: Stiftung Zentrum für Türkeistudien, 2004. -(zft-aktuell ; 104)
- Faruk Sen, Martina Sauer und Dirk Halm: Euro-Islam : eine Religion etabliert sich in Europa ; Stand, Perspektiven, Herausforderungen. – Essen: Stiftung Zentrum für Türkeistudien, 2004. – (zft-aktuell; 102)
- Faruk Sen: Die neuen Juden Europas, Leitartikel in der türkischen Wirtschaftszeitung 'Referans' vom 19. Mai 2008
Weblinks
- Literatur von und über Faruk Şen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Nachrichten über die aktuellen (seit Ende Juni 2008) Kontroversen, zusammengestellt von Faruk Şen in türkischen und deutschen Medien. In: www.bteu.de. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar)
- Benachteiligte sollten andere verstehen. In: Tagesspiegel. 27. Juni 2008 (Online)., F. Şen und Ishak Alaton
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Şen, Faruk |
| KURZBESCHREIBUNG | türkischer Hochschullehrer, Leiter der Stiftung Zentrum für Türkeistudien |
| GEBURTSDATUM | 21. April 1948 |
| GEBURTSORT | Ankara |
| STERBEDATUM | 25. Januar 2025 |
| STERBEORT | Istanbul |
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