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Feministische Kunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
"Das Gemälde zeigt das Atelier einer Künstlerin. Eine unbekleidete Frau mit blondem Haar trägt schwarze Handschuhe und schlägt mit der rechten Faust auf ein Gemälde an der Wand. Dahinter mit Farbe bespritzte Leinwände. Auf dem Boden liegt ein Gemälde eines weiblichen nackten Oberkörpers, der nach vorn gebeugt ist, das Gesicht ist mit roten Haaren oder einem roten Tuch bedeckt."
Agnès Thurnauer: Selbstporträt (2015)
Ein Model läuft in einem Kleidungsstück über den Laufsteg, das mit weißer Farbe grob überstrichen ist, auch das Gesicht ist mit weißer Farbe verfremdet, was einen surrealen Effekt erzeugt.
Mary Schepisi: Beauty Interrupted (2011)

Feministische Kunst (englisch feminist art) ist eine Kunstbewegung der zeitgenössischen bildenden Kunst. Der Begriff entstand Ende der 1960er Jahre in den USA und war mit der zweiten Frauenbewegung verknüpft. In der feministischen Kunst befassen sich Künstlerinnen mit weiblicher Identität sowie kollektiven Erfahrungen von Frauen und setzen sich mit konventionellen Geschlechterkonstruktionen und Kunstnormen auseinander.

Begriff

Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert artikulierten bildende Künstlerinnen feministische Themen und Forderungen in ihren Werken, darunter Hannah Höch, Claude Cahun und Alice Lex-Nerlinger. Der Begriff „feminist art“ tauchte jedoch erst in den späten 1960er Jahren in den USA auf. Bereits Anfang der 1970er Jahre gab es am San Francisco Art Institute ein „Feminist Art Program“, das von den Künstlerinnen Judy Chicago und Miriam Schapiro entwickelt worden war. Im deutschsprachigen Raum hat den Begriff „feministische Kunst“ Ulrike Rosenbach zunächst nur für ihre eigene Arbeit geprägt. Neben ihr war Valie Export die einzige, die sich in den 1960er und '70er Jahren selbst als „feministische Künstlerin“ bezeichnete. Der Begriff verbreitete sich im deutschsprachigen Raum durch ein 1976 erschienenes Essay von Silvia Bovenschen über die Frage, ob es eine „‚weibliche’ Ästhetik“ gibt.<ref>Silvia Bovenschen: Über die Frage: gibt es eine ‚weibliche’ Ästhetik? In: Ästhetik & Kommunikation. Band 26, 1976, S. 60–75.</ref><ref>Meike Rotermund: Metamorphosen in inneren Räumen. Video- und Performancearbeiten der Künstlerin Ulrike Rosenbach. Universitäts-Verlag Göttingen 2012, ISBN 978-3-86395-051-4, S. 441.</ref>

Feministische Kunst ist nicht gleichzusetzen mit „Frauenkunst“ oder „weiblicher Kunst“, nicht jede Kunst von Frauen ist feministisch. Die Kunsthistorikerin Margarethe Jochimsen, Kuratorin der Ausstellung Frauen machen Kunst 1976/77 in Bonn, schrieb im Ausstellungskatalog, feministisch sei Kunst, „wenn Künstlerinnen in ihr Gedanken zur Anschauung bringen, die sich im weitesten Sinne aus der diskriminierenden gesellschaftlichen Situation der Frau, aus dem gesellschaftlichen Diktat so genannter weiblicher Funktionen, Eigenschaften und Verhaltensweisen usw. ableiten lassen, gegen die sich Künstlerinnen in irgendeiner Form wenden“.<ref>zitiert von Monika Kaiser, S. 135</ref> Nach Jochimsen ist feministische Kunst ihrem Charakter nach transitorisch. Es gebe sie nur so lange, wie die gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter nicht verwirklicht ist. Dies beträfe auch die Lebenswege von Künstlerinnen, die sich in Lebensphasen, in denen sich der Konflikt zwischen gesellschaftlich zugewiesener Frauenrolle und der Kunstausübung als besonders gravierend erwies, stärker mit feministischen Themen befasst hätten. Daher seien Künstlerinnen nicht ein für alle mal mit einem „feministischen Stempel“ zu versehen.<ref>Monika Kaiser: Was ist feministische Kunst? In: dies.: Neubesetzungen des Kunst-Raumes. Feministische Kunstausstellungen und ihre Räume, 1972-1987, Transcript Verlag, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2408-3, S. 135.</ref>

Geschichte

Die zweite Frauenbewegung entwickelte sich zeitgleich mit einem Aufbruch in der Kunst. Neue Kunstformen wie Performance und Body-Art öffneten den Werkbegriff hin zu einem situations- und handlungsbetonten Prozess, lösten die strikten Grenzen zwischen Kunst und Alltag auf und thematisierten das Verhältnis von Künstler und Leben. Aus dem Zusammenspiel mit dem Feminismus entstand die neue Kunstbewegung feministische Kunst. Sie umfasste Künstlerinnen in Europa und in den USA, die begannen gegen die Vormachtstellung von Männern in der Kunstwelt kämpfen. Sie gründeten Aktionsgemeinschaften, demonstrierten vor Museen gegen den Ausschluss von Künstlerinnen, organisierten Symposien und kuratierten ihre Ausstellungen selbst, gründeten Verlage und Zeitschriften und verfassten Manifeste. Valie Export rief 1972 in ihrem Manifest Women's Art auf: „die kunst, die der mann uns aufdrängt, verändern, heißt, die facetten der frau, die der mann gebaut hat, zerstören“.<ref>Gabriele Schor: Feministische Avantgarde. Eine radikale Umwertung der Werte, In: dies. (Hrsg.): Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er-Jahre aus der Sammlung Verbund, Wien, Prestel Verlag, München 2016, ISBN 978-3-7913-5627-3, S. 26</ref>

"Ein dreieckiger Tisch mit aufwendig bestickten Gedecken und unterschiedlich gestalteten Gedecken, auf einer reflektierenden Oberfläche stehend, umgeben von dunkler, dramatischer Beleuchtung."
Judy Chicagos Kunstinstallation The Dinner Party (1974–1979)

In ihren Arbeiten konzentrierten sich feministische Künstlerinnen auf Themen wie stereotype Weiblichkeitsbilder, Körperlichkeit, Sexualität, sexuelle Gewalt und stellten Machtverhältnisse und Hierarchien in Frage. Ein Thema war die Passivität, die seit Jahrhunderten mit der Rolle der Hausfrau und Mutter verbunden war. Sie trugen jedoch auch grundlegend zur Weiterentwicklung von Kunstformen bei. Sie nutzten als Ausdrucksmittel Medien wie Photographie, Film und Video, die ihnen weniger von der männlich bestimmten Kunstgeschichte vorgeprägt zu sein schienen als Malerei und Bildhauerei. Sie schufen Rauminstallationen, mit denen sie Frauen zugedachte private Räume besetzten und neu definierten, sowie Performances und Aktionen, für die sie ihren eigenen Körper zum Material ihrer Kunst machten.<ref>Jeanie Forte: Focus in the Body: Pain, Praxis and Pleasure in Feminist Performance. In: Critical theory and performance. Janelle G. Reinelt, Joseph R. Roach, S. 248 ff, abgerufen am 5. April 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die Performance- und Aktionskunst war in den 1960er Jahren wesentlich von Frauen getragen. Diese Künstlerinnen zeigten früher als es in den Gender Studies diskutiert wurde, dass soziales Geschlecht (gender) mit dem Körper verbunden ist, und dass es der Körper ist, der mit heteronormativen Vorstellungen und Fantasien aufgeladen wird.<ref>Gabriele Klein: Kunstpraxis von Frauen: künstlerische Praxis und genderspezifische Kunstforschung, in: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, VS Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1363</ref> Wegweisend war die Performance Cut Piece von Yoko Ono von 1964, deren Themen Marina Abramovic mit ähnlichen Strukturen in ihrer Performance Rhythm 0 1974 wiederaufnahm,<ref>Peggy Phelan: The Returns of Touchs. Feminist Performances, 1960–80, in: WACK! Art and the Feminist Revolution, MIT University Press, 2007, Cambridge/London 2007, ISBN 978-0-914357-99-5, S. 346–361, hier S. 350</ref> und das Tapp- und Tastkino von Valie Export von 1968. Sie luden dazu ein mit unerschütterlich passiven weiblichen Körpern zu interagieren und konfrontierten mit der Objektifizierung von Frauen.<ref>Lara Shalson: Performing Endurance. Art and Politics since 1960, Cambridge University Press 2018, ISBN 978-1-108-42645-9, S. 44, S. 27</ref>

"Drei große abstrakte Schwarzweißzeichnungen auf einer Leinwand, die aussehen wie riesige, zum Teil behaarte Schrauben. Zwei Personen stehen davor betrachten das Bild."
Judith Bernstein: Phallic Screws (1979)

Die 1970er Jahre waren die Hochphase feministischer Kunst in den USA, vor allem in New York und Los Angeles, in Großbritannien und in Deutschland. Jeremy Strick, Direktor des Museum of Contemporary Art, Los Angeles (MOCA) nannte 2007 in der Rückschau die feministische Kunst dieser Jahre „die einflussreichste internationale Kunstbewegung der Nachkriegszeit“.<ref>Blake Gopnik: What Is Feminist Art? In: The Washington Post. The Washington Post, 22. April 2007, S. 1,3, abgerufen am 5. April 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Feminist art of the 1970s was “the most influential international movement of any during the postwar period,” declares Jeremy Strick, director of the Museum of Contemporary Art in Los Angeles.“</ref> Zu ihrer Zeit fand sie jedoch oft keine Präsenz in etablierten Kunstinstitutionen. Judith Bernstein begann 1969 Serien wandgroßer Kohlezeichnungen von behaarten Rundkopfschrauben. Mit der offensichtlichen Gleichsetzung von Schrauben und Phallus verspottete sie männliche Vorherrschaft. Die Zeichnungen drückten die Wut aus, die viele Frauen empfanden.<ref>Roberta Smith: Review: Judith Bernstein Weaves Feminist Messages. In: New York Times. 31. Juli 2015, S. 22</ref> Als eines der Werke aus der Serie mit dem Titel Horizontal<ref>Judith Bernstein HORIZONTAL, 1973. Abbildung auf der Website der Art Basel 2015</ref> für die Kunstausstellung Women's Work – American Art 1974 am Philadelphia Civic Center nominiert wurde, bestand dessen Direktor John Pierron darauf, dass das Kunstwerk ausgeschlossen wird. Es wurde als „moralisch verwerflich“ zensuriert.<ref>Daniela Hahn: Chronologie von 1968 bis 1980, in: Gabriele Schor (Hrsg.): Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er-Jahre aus der Sammlung Verbund, Wien. Prestel Verlag, München 2015, ISBN 978-3-7913-5445-3, S. 477</ref> Daraufhin gab es eine Petition zahlreicher Künstler, die jedoch Pierron ungerührt ließ. Erst anlässlich einer Solo-Ausstellung 2012 im New Museum of Contemporary Art wurden die Phallic Screws als „Meisterwerke feministischen Protestes“ gewürdigt.<ref>Ken Johnson: Once Banished, Never Silenced. ‘Judith Bernstein: HARD’ at the New Museum. In: New York Times. 21. Dezember 2012, S. C30</ref>

"Kirchturm im Umbau, eingehüllt in ein Gerüst mit einem weißen Tuch, auf dem ein roter Text steht. Im Vordergrund: bronzenes Reiterdenkmal. Blauer Himmel, vereinzelte Wolken."
Katharina Cibulka: „Solange Machtpolitik unsere Lebens(t)räume zerstört bin ich Feminist:in.“, Transparent an der Johanneskirche Düsseldorf, Juni 2025

Nicht alle Künstlerinnen, die sich in ihrer Kunst mit Geschlechterrollen, Weiblichkeitsbildern und geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen auseinandersetzten, sahen sich als feministische Künstlerinnen, wie Marina Abramović oder Niki de Saint Phalle.<ref>Gabriele Klein: Kunstpraxis von Frauen: künstlerische Praxis und genderspezifische Kunstforschung. In: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. VS Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1363.</ref> Gleichwohl werden Performances von Abramović aus den 1970er Jahren, mit denen sie die traditionelle Rolle von Frauen in der Kunst kritisierte und parodierte,<ref>Marina Abramović. In: WACK! Art and the Feminist Revolution, Museum of Contemporary Art, Los Angeles. MIT University Press Group, Cambridge/London 2007, ISBN 978-0-914357-99-5, S. 209–210.</ref> und die voluminösen Nanas von Niki de Saint Phalle<ref>Niki de Saint Phalle. In: WACK! Art and the Feminist Revolution, Museum of Contemporary Art, Los Angeles. MIT University Press Group, Cambridge/London 2007, ISBN 978-0-914357-99-5, S. 292–293.</ref> mit feministischer Kunst assoziiert.

Laut Gabriele Klein (2019) ist die aktuelle Situation in der Kunst durch eine „Musealisierung und Historisierung der Feministischen Avantgarde und dem Abflauen der genderspezifischen Kunstforschung“ geprägt. Es sei ambivalent, wenn ihre einstige gesellschaftliche Sprengkraft im Kanon der Künste zur Konvention werde, aber zugleich würden auch vergessene Künstlerinnen wiederentdeckt. Andrerseits sei die radikale Ästhetik der feministischen Avantgarde in die Kulturindustrie überführt und von Künstlerinnen wie Madonna, Lady Gaga oder Beyoncé als Pop in Video-Clips und Bühnenperformances aufbereitet und vermarktet oder in Protestaktionen wie von Pussy Riot oder Femen übersetzt worden.<ref>Gabriele Klein: Kunstpraxis von Frauen: künstlerische Praxis und genderspezifische Kunstforschung, in: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, VS Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1365</ref>

Feministische Künstlerinnen der jungen Generation, darunter Petra Collins oder Arvida Byström, nutzen Social-Media-Kanäle, um Bilder von Sexualität und ästhetischen Normen zu inszenieren, mit denen sie das Ziel eines anderen Umgangs damit verfolgen.<ref>Gabriele Klein: Kunstpraxis von Frauen: künstlerische Praxis und genderspezifische Kunstforschung, in: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, VS Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1363</ref> Die Kunstprojekte im öffentlichen Raum der Serie Solange von Katharina Cibulka basieren wie die Lichtinstallationen von Jenny Holzer auf Text. Mit 56 Quadratmeter großen Kreuzstich-Stickereien in Pink auf Staubschutznetzen weist Cibulka auf feministische Themen hin und verhüllt damit Gebäude, die seit Jahrhunderten Männerdomänen sind. Das Baugerüst vor der Fassade der Wiener Kunstakademie verhängte sie mit dem Slogan „As long as the art market is a boys' club, I will be a feminist“, das Baugerüst des Innsbrucker Doms mit „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist“.<ref>Protesting Art Market ‘Boys’ Club’, Artist Takes Over Vienna’s Academy With Feminist Message, Frieze, 23. Juli 2018</ref> Der Generalvikar hatte darum gebeten, „Feminist“ und nicht „Feministin“ zu schreiben, damit klar würde, dass er persönlich dahinterstehe.<ref>Carola Padtberg: Feministische Parole verhüllt Innsbrucker Dom, Spiegel Online, 27. Juli 2018</ref>

Repräsentanz in Kunstinstitutionen

Repräsentanz von Frauen in der Kunstwelt war von Anfang an eins der zentralen Thema feministischer Künstlerinnen. In einem Artikel der Kunsthistorikerin Linda Nochlin mit dem Titel Why have there been no great Women Artists? (Warum hat es keine großen Künstlerinnen gegeben?) im Jahr 1971, der den Grundstein für die feministische Kunstwissenschaft legte,<ref>Korsmeyer, Carolyn: Feminist Aesthetics, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2012 Edition), Edward N. Zalta (ed.).</ref> diskutierte sie die sozialen und kulturellen Einschränkungen von Künstlerinnen und ihren Ausschluss aus den Kunstinstitutionen. Ausstellungen, die feministische Künstlerinnen und Kunstwissenschaftlerinnen in den 1970er und '80er Jahren kuratierten, sowie Publikationen zielten darauf ab, den Beweis zu erbringen, dass Frauen trotz Ausgrenzung als Künstlerinnen gearbeitet hatten.<ref>Angelika Richter: Das Gesetz der Szene, Transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4572-9, S. 57</ref>

"Zwei schwarz gekleidete Frauen mit Gorillamasken stehen vor einem schwarz-weißen Plakat, auf dem der Rückenakt einer Frau im Stil von Edouard Manet zu sehen ist, die ebenfalls eine Gorillamaske trägt. Der Text auf dem Plakat hinterfragt die Frauendiskriminierung in Kunstmuseen.
Guerrilla Girls vor dem Victoria and Albert Museum, London

Mit der rhetorischen Frage „Do women have to be naked to get into the Met. Museum?“ (Müssen Frauen nackt sein, um in das Met.Museum zu kommen?) auf einem Plakat vor dem Museum of Modern Art protestierte die feministische Künstlerinnengruppe Guerrilla Girls 1989 gegen die sexistische Diskriminierung von Frauen in der Kunstwelt. Zu der Zeit machten Künstlerinnen in der Sektion Moderne Kunst des Met Museums lediglich fünf Prozent aus und 85 Prozente der Akte waren weiblich. Die Aktion machte darauf aufmerksam, dass die Frau zwar eine der liebsten Inspirationsquellen sowie häufiges Sujet der abendländischen Malerei ist, jedoch nur selten auch als Schöpferin von Kunst präsent. Wie die feministischen Installationskünstlerinnen Barbara Kruger und Jenny Holzer nutzten die Guerilla Girls die visuelle Sprache der Werbung, insbesondere des Flypostings (wildes Plakatieren), um ihre Botschaften schnell und verständlich zu vermitteln.<ref>Elizabeth Manchester: Guerrilla Girls. Do Women Have To Be Naked To Get Into the Met. Museum? 1989, Tate Modern, Dezember 2004/February 2005</ref>

In einem Artikel von 2004 schrieb Nochlin, dass Frauen in der Kunst mittlerweile nicht mehr die Ausnahme seien, sondern ein selbstverständlicher Teil des Kunstbetriebs.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Linda Nochlin: A Life of Learning (Memento des Vorlage:IconExternal vom 26. März 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.acls.org (PDF; 9,1 MB) S. 17,2: „Women artists are no longer “exceptions,” brilliant or not, but part of the rule.“</ref> Nach Gabriele Klein zeigen jedoch verschiedene Studien aus europäischen und nordamerikanischen Ländern, dass Frauen im Kunstbetrieb keineswegs gleichgestellt sind und noch immer das Bild des „männlichen Kunstgenies“ dominiert, was sich in Berufspositionen, Einkommen und Ansehen ausdrückt.<ref>Gabriele Klein: Kunstpraxis von Frauen: künstlerische Praxis und genderspezifische Kunstforschung, in: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, VS Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1364</ref> Als das Museum of Modern Art 2012 Cindy Sherman eine Retrospektive widmete, bemängelte die Kunstkritikerin Roberta Smith in der New York Times, das Museum habe eine große Chance vertan, weil es eine der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit nicht auf gleich großer Fläche gewürdigt habe wie zuvor Willem de Kooning, Martin Kippenberger oder Richard Serra.<ref>Roberta Smith: Photography’s Angel Provocateur. ’Cindy Sherman’ at Museum of Modern Art, The New York Times, 23. Februar 2012</ref>

Zu den Kunstinstitutionen, die speziell feministische Kunst ausstellen oder sammeln, zählen einige der Frauenmuseen. Das 2007 eröffnete Elizabeth A. Sackler Center for Feminist Art im Brooklyn Museum in New York widmete zahlreiche Ausstellungen der feministischen Kunst von den 1990er Jahren bis in die Gegenwart und deren Einfluss auf internationale Kunstbewegungen. Die Sammlung Verbund in Wien legt einen Schwerpunkt auf die internationale Feministische Avantgarde der 1970er Jahre.

Ausstellungen

Die Liste enthält Ausstellungen, die der feministischen bildenden Kunst gewidmet waren oder kuratiert wurden, um Kunst von Frauen Repräsentanz zu verschaffen.

"Zwei Frauen sitzen auf den obersten Stufen einer Treppe, die zu einem Gebäude mit der Aufschrift „Womanhouse“ führen. Umgeben von Grün wirken sie in ein Gespräch vertieft."
Womanhouse, 1972 (Cover des Ausstellungskatalogs)
- Kunsthalle Hamburg: 2015<ref>Carsten Probst: Hamburger Kunsthalle. Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre, Deutschlandfunk, 14. März 2015</ref>
- Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien: 2017.<ref>Ausstellung „Woman“: Einschnürungen und Ausbrüche, Der Standard, 12. Mai 2017</ref>
- Staatsgalerie Stuttgart: 22. März – 26. Juni 2025
- Sprengel Museum Hannover: 5. Juli – 28. September 2025
- Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, Brasilien: 28. März – 28. Juni 2026
- Kunstmuseum Luzern: Sommer – Herbst 2027<ref>STAND UP! Feministische Avantgarde in der Staatsgalerie Stuttgart, N-News, 10. Juni 2025</ref>

Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Liste von feministischen Künstlerinnen (bildende Kunst)

Die folgende Liste von Künstlerinnen ist unvollständig und enthält die Namen von Frauen, die sich selbst als feministische Künstlerinnen verstehen oder von denen Werke oder Schaffensphasen zur feministischen Kunst gezählt werden:<ref>Ausstellungsführer: WACK! Art and Feminist Revolution. Museum of Contemporary Art, Los Angeles 4.–16. Juli 2007 (englisch; mit Liste der teilnehmenden Künstlerinnen; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF: 989 kB, 9 Seiten auf moca.org (Memento vom 7. Juli 2010 im Internet Archive)).</ref><ref>Gabriele Schor: Feministische Avantgarde: Kunst der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND. Prestel, Wien/München 2015, ISBN 978-3-7913-5445-3.</ref>

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Siehe auch

Literatur

  • Gabriele Schor (Hrsg.): Feministische Avantgarde. Kunst der 1970er-Jahre aus der Sammlung Verbund, Wien. Prestel Verlag, München 2015, ISBN 978-3-7913-5445-3.
  • Hilary Robinson (Hrsg.): Feminism Art Theory. An Anthology 1968–2014. Wiley-Blackwell, 2015, ISBN 978-1-118-36060-6.
  • Monika Kaiser: Neubesetzungen des Kunst-Raumes. Feministische Kunstausstellungen und ihre Räume 1972–1987. Transcript, Bielefeld 2013, ISBN 978-3-8376-2408-3.
  • Barbara Paul: Feministische Interventionen in der Kunst und im Kunstbetrieb. In: Barbara Lange (Hrsg.): Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland, Bd. 8: Vom Expressionismus bis heute. Prestel, 2006, ISBN 978-3-7913-3125-6, S. 480–497.
  • Patrizia Gozalbez Canto: Feministische Kunst/Fotografie als subversive Taktik. In: Thomas Ernst et al. (Hrsg.): SUBversionen: Zum Verhältnis von Politik und Ästhetik in der Gegenwart. Transcript Verlag, 2007, ISBN 978-3-8394-0677-9, S. 221 ff.
  • Lisa Gabrielle Mark (Hrsg.): WACK! Art and the Feminist Revolution, Museum of Contemporary Art, Los Angeles, Begleitpublikation zur Ausstellungstour 2007 bis 2009. MIT University Press Group, Cambridge/London 2007, ISBN 978-0-914357-99-5.

Film

Weblinks

Commons: Feminist art – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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