Zum Inhalt springen

Ferdinand Schlöth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Ferdinand Schlöth.png
Ferdinand Schlöth
Datei:Ferdinand Schlöth Ganymed Tondo.jpg
Ferdinand Schlöth: Ganymed, 1859
Datei:Stans Winkelrieddenkmal.jpg
Winkelrieddenkmal auf dem Dorfplatz in Stans, aufgestellt 1865
Datei:St Jakobsdenkmal zu Basel-Ferdinand Schlöth.jpg
St. Jakobsdenkmal in Basel, 1871
Das Krieger Denkmal aus Marmor erinnert an die Niederlage der eidg. Krieger am 26. August 1444 in der Schlacht von St. Jakob an der Birs. In dieser blutigen Auseinandersetzung starben 1300 Krieger der Eidgenossenschaft und 2000 Krieger des franz. Heeres. Einweihung 1872, restauriert 2010
Denkmal für die Schlacht bei St. Jakob an der Birs
Datei:Basilisk mit Basler Wappen.jpg
Basilisk seit 2008 beim Tierpark Lange Erlen, entworfen 1879, gegossen 1880

Lukas Ferdinand Schlöth (* 25. Januar 1818 in Basel; † 2. August 1891 in Lutzenberg AR; bestattet in Thal SG; heimatberechtigt in Basel) war ein Schweizer Bildhauer des Spätklassizismus.

Leben

Lukas Ferdinand Schlöth wuchs als Sohn des aus Berlin stammenden Schlossers Heinrich Ludwig Schlöth in Basel auf. Er absolvierte zuerst eine Schlosserlehre bei seinem Vater und war mehrere Jahre in dessen Werkstatt tätig. Nach dem Tod des Vaters 1839 führte er zunächst die Werkstatt gemeinsam mit dem älteren Bruder Friedrich Ludwig Schlöth weiter. Daneben nahm er Zeichenunterricht bei Hieronymus Hess und besuchte die Modellierklasse des Bildhauers Johann Heinrich Neustück. Ab 1843 liess er sich in Rom zum Bildhauer ausbilden. Zu seinen Lehrern gehörte wohl der Landsmann Heinrich Maximilian Imhof, zu dem das Verhältnis später in eine gehässige Rivalität umschlug.<ref>Stefan Hess, Tomas Lochman (Hrsg.): Klassische Schönheit und vaterländisches Heldentum. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891). Basel 2004, S. 26 und S. 47.</ref> 1847 eröffnete er dort ein eigenes Atelier. 1874 heiratete er die vermögende Witwe Emma Müller-Gengenbach und kehrte in die Schweiz zurück. Danach lebte und arbeitete er abwechslungsweise in Basel und in Lutzenberg (Kanton Appenzell Ausserrhoden).

Werk

Aus einem Wettbewerb für ein Winkelried-Denkmal in Stans ging er 1855 siegreich hervor. Dessen Einweihung 1865 machte Schlöth zu einem der renommiertesten Bildhauer der Schweiz. Es folgte das ebenso heroische Denkmal für die Schlacht bei St. Jakob an der Birs in Basel (1872 eingeweiht)<ref>Altbasel: St. Jakobs Denkmal. Abgerufen am 17. Juli 2019.</ref><ref>Basler Bauten: St. Jakobsdenkmal. Abgerufen am 12. Oktober 2019.</ref>. Ferdinand Schlöth setzte mit diesen beiden Monumenten neue Massstäbe in der Kategorie des politischen Denkmals, wenn auch seine Lösungen fast ohne direkte Nachfolge blieben. 1873 gewann er zudem den Wettbewerb für das Tegetthoff-Denkmal in Wien, doch wurde sein Entwurf nicht ausgeführt, ebenso seine preisgekrönten Entwürfe für das Zwingli-Denkmal vor der Wasserkirche in Zürich. Neben Denkmälern schuf Schlöth vor allem Rundplastiken und Reliefs mit mythologischer, biblischer oder allegorischer Thematik sowie zahlreiche Bildnisbüsten, darunter einen ganzen Zyklus von Gelehrtenbüsten für das Museum in Basel (fertiggestellt 1876). 1870 wurde der Solothurner Richard Kissling sein bekanntester Schüler. Ein weiterer Schüler von Schlöth in Rom war Baptist Hörbst. In den 1850er-Jahren beeinflusste Schlöth zudem den jungen Reinhold Begas. Zu seinen späten Schülern gehörte auch sein Neffe Achilles Schlöth.

Schlöths Werk war geprägt vom Spätklassizismus in der Nachfolge Bertel Thorvaldsens, nahm aber auch Anregungen von neueren Strömungen in der abendländischen Plastik (Realismus, Neobarock) in sich auf. Fast alle seine Werke sind aus weissem Carrara-Marmor gefertigt und zeigen eine für die Thorvaldsen-Schule charakteristische subtile, differenzierte Oberflächenbehandlung. Bei einzelnen ohne Auftrag geschaffenen Arbeiten ging Schlöth über die Geschmacksgrenzen des Klassizismus hinaus, etwa beim sinnlich-expressiven Relief Mänade und Pan von 1853 (heute im Schweizerischen Nationalmuseum) oder bei einem 1883 modellierten, nicht erhaltenen Faun, den Schlöth um ein aus Rom mitgebrachtes Horn, ein «objet trouvé», herum formte.

Werke (Auswahl)

Ausstellungen

Literatur

  • Arnold Winkelried, sein Denkmal in Stans. Ausstellungskatalog. Nidwaldner Museum Stans, Stans 1986.
  • Max Burckhardt: Zur Geschichte des St. Jakob-Denkmals und des St. Jakob-Festes. In: Basler Jahrbuch. 1939, S. 94–126
  • Dorothea Christ: Maler und Bildhauer der Basler Künstler Gesellschaft 1850–1950. Ausstellungskatalog. Kunsthalle Basel, Basel 1980.
  • Karl Flüeler: Das Winkelried-Denkmal von Stans. Stans 1965.
  • Stephan E. Hauser: Schlöth, Lukas Ferdinand. In: Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst. Band 2. Zürich 1998, S. 940 f.
  • Stefan Hess, Tomas Lochman (Hrsg.): Klassische Schönheit und vaterländisches Heldentum. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891). Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Skulpturhalle Basel. Basel 2004, ISBN 3-905057-20-4.
  • Stefan Hess: Zwischen Winckelmann und Winkelried. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891). Berlin 2010, ISBN 978-3-86805-954-0.
  • Tomas Lochman: Antiche sculture nell’opera dell’artista svizzero Ferdinand Schlöth (1818–1891). In: Mario Guderzo (Hrsg.): Gli ateliers degli scultori. Atti del secondo convegno internazionale sulle gipsoteche. Fondazione Canova, Possagno. Terra Ferma 2010, ISBN 978-88-6322-073-5, S. 145–156.
  • Brigitte Meles: Das St. Jakobs-Denkmal von Ferdinand Schlöth. In: Werner Geiser (Hrsg.): Ereignis – Mythos – Deutung, 1444–1994 St. Jakob an der Birs. Basel 1994, S. 140–164.
  • Brigitte Meles: Das St. Jakobs-Denkmal in Basel. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-074-4 (Schweizerische Kunstführer.)
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 17. Leipzig 1909, S. 875 (online).
  • Alexander Schlatter: Auch ein Selbstporträt des Künstlers: St. Jakobs-Denkmal, St. Jakobs-Strasse. In: Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt. Jahresbericht 2010. S. 28–29.
  • Martina Stähli: Der Einfluss der zweiten Basler Künstlergesellschaft auf den Entstehungsprozess des zweiten St. Jakobsdenkmals von Ferdinand Schlöth, in: Axel Christoph Gampp (Hrsg.): Der Kunst und der Geselligkeit. Die drei Basler Künstlergesellschaften 1812–1900. Publikation aus Anlass der Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel, Basel: Basler Künstlergesellschaft, 2014, ISBN 978-3-033-04697-9, S. 73–83.
  • Franz August Stocker: Ferdinand Schlöth. In: Vom Jura zum Schwarzwald. 9 (1892), S. 53–80.
  • Dieter Ulrich: Lukas Ferdinand Schlöth. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2010
  • Otto Waser: Schlöth, Lukas Ferdinand. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Redigiert von Carl Brun. Band 3. Frauenfeld 1913, S. 57–62.

Weblinks

Commons: Ferdinand Schlöth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein