Fluorethen
Fluorethen ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der aliphatischen ungesättigten Halogenkohlenwasserstoffe und organischen Fluorverbindungen.
Gewinnung und Darstellung
Frédéric Swarts synthetisierte Fluorethen erstmals 1901. Er nutzte dabei die Reaktion von Zink mit 1,1-Difluor-2-bromethan. Heute wird es industriell auf zwei Wegen hergestellt: Erstens durch Reaktion von Ethin mit Fluorwasserstoff und Quecksilberverbindungen oder Aluminium-, Zinn- oder Zinkfluoriden als Katalysator:<ref>Günter Siegemund, Werner Schwertfeger, Andrew Feiring, Bruce Smart, Fred Behr, Herward Vogel, Blaine McKusick: Fluorine Compounds, Organic. In: Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, Wiley-VCH, Weinheim, 2002. Vorlage:DOI</ref><ref>Hans-Jürgen Arpe: Industrielle Organische Chemie: Bedeutende Vor- und Zwischenprodukte. ISBN 978-3-527-31540-6. S. 246ff</ref>
- <math>\mathrm{HC{\equiv}CH + HF \rightarrow CH_2{=}CHF}</math>
Und zweitens durch katalytische Dehydrofluorierung oder Dechlorierung von 1,1,1-Trifluorethan bzw. 1,1-Chlorfluorethan:
- <math>\mathrm{CH_3CHClF \rightarrow CH_2{=}CHF + HCl}</math>
Es wird durch die U.S. Environmental Protection Agency (EPA) als High Production Volume Chemical eingestuft, da seine Produktionsmenge 1990 mehr als eine Million Pfund betrug.<ref name="ntp">13th Report on Carcinogens (RoC): Vinyl Halides (Selected), abgerufen am 18. November 2014.</ref>
Eigenschaften
Fluorethen ist ein hochentzündliches, farbloses Gas mit etherischem Geruch. Es ist schwerer als Luft und wenig löslich in Wasser. Es ist chemisch instabil und neigt zur Polymerisation. In Druckgasflaschen liegt es in verflüssigter Form vor. Beim Ausströmen der Flüssigkeit oder beim Entweichen großer Gasmengen bilden sich Nebel, die sich am Boden ausbreiten. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 3,46439, B = 593,551 und C = −30,039 im Temperaturbereich von 123,8 bis 201,0 K.<ref name="Stull">Stull, D.R.: Vapor Pressure of Pure Substances Organic Compounds. In: Ind. Eng. Chem. 39 (1947) 517–540, Vorlage:DOI.</ref> Es besitzt eine kritische Temperatur von 54,73 °C, einen kritischen Druck von 51,12 bar, eine kritische Dichte von 0,322 kg/l und eine Tripelpunkt-Temperatur (Schmelztemperatur) von −160,5 °C.<ref name="GESTIS" />
Fluorethen bildet leicht entzündliche Dampf-Luft-Gemische.<ref name="ChemSafe">Chemsafe Datenbank für sicherheitstechnische Kenngrößen im Explosionsschutz, PTB Braunschweig/BAM Berlin, abgerufen am 29. Oktober 2024.</ref> Der Explosionsbereich liegt zwischen 2,9 Vol.‑% (56 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 28,9 Vol.‑% (553 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).<ref name="ChemSafe" /> Die Zündtemperatur beträgt 375 °C.<ref name="GESTIS" /><ref name="ChemSafe" /> Der Stoff fällt somit in die Temperaturklasse T2.
Verwendung
Fluorethen wird zur Herstellung von Polyvinylfluorid (PVF) und zur Copolymerisation mit Chlortrifluorethylen und Hexafluorpropylen verwendet.<ref name="GESTIS" /> Es wurde früher unter der Bezeichnung R1141 als Kältemittel eingesetzt.
Sicherheitshinweise
Es besteht der Verdacht einer krebserzeugenden Wirkung.<ref name="ntp" />
Einzelnachweise
<references />