Franz Schmidberger
Franz Schmidberger FSSPX (* 19. Oktober 1946 in Riedlingen, Württemberg-Hohenzollern) ist Priester der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. und war von 1982 bis 1994 ihr zweiter Generaloberer.
Leben
Frühes Leben bis zur Priesterweihe
Schmidberger wuchs als jüngstes Kind neben zwei älteren Schwestern (ein älterer Bruder war schon im Kleinkindalter verstorben) in einer Bauernfamilie auf. Er besuchte in Göffingen die Volksschule, in der acht Klassen in einem Raum von einem Lehrer unterrichtet wurden.<ref>Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 8 f.</ref> Aufgrund von Wachstumsstörungen, unter denen er als Kind litt, entstanden Zweifel an dem ursprünglichen Plan, dass er als einziger männlicher Nachkomme den elterlichen Hof übernehmen sollte und die Eltern betrieben seinen Wechsel an das Gymnasium in Riedlingen,<ref>Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 12</ref> wo er im Oktober 1966 die Abiturprüfung bestand.<ref>Schmidberger:Erinnerungen. Vom Bauenbub zum Generaloberen, S. 14</ref>
Nach dem Abitur entschloss sich Schmidberger zu einem Studium der Wirtschaftsmathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Schmidberger immatrikulierte sich zum Wintersemester 1966/67. Während seiner Studienzeit schloss er sich einer Gruppe um den Philosophieprofessor Reinhard Lauth an, was er in seinen Erinnerungen als eine entscheidende Lebenswende beschrieb.<ref>Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 15</ref>
1972 schloss Schmidberger sein Studium mit dem Diplom ab und trat nach kurzer Tätigkeit als Lehrer im Landschulheim in Schondorf am Ammersee<ref>Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 26</ref> noch im selben Jahr im schweizerischen Ecône in das Priesterseminar der von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Priesterbruderschaft St. Pius X. ein. Am 3. Februar 1974 empfing Schmidberger die Tonsur, am 30. März 1974 und am 2. Juni 1974 die niederen Weihen. Am 8. Dezember 1975 spendete ihm Erzbischof Lefebvre in Econe das Sakrament der Priesterweihe. Die Primizfeier sollte am 13. Dezember 1975 in der Wallfahrtsbasilika Birnau am Bodensee stattfinden, jedoch verbot der damalige Erzbischof von Freiburg i. Br., Hermann Schäufele, die Feier in der Kirche, weswegen Schmidberger auf den Campingplatz in Birnau-Maurach ausweichen musste.<ref>Schmidberger: Erinnerungen. Vom Bauernbub zum Generaloberen, S. 43</ref>
Tätigkeiten für die Priesterbruderschaft
Am 6. Januar 1977 gründete Schmidberger in seiner Eigenschaft als Distriktsoberer für Deutschland die Katholische Jugendbewegung (KJB), bis heute die Jugendorganisation der Priesterbruderschaft St. Pius X.<ref>Die Gründung der Katholischen Jugendbewegung</ref>
1978 gründete Schmidberger im Auftrag Lefebvres das Internationale Priesterseminar Herz Jesu im Schloss Zaitzkofen und wurde 1979 zum deutschen Distriktoberen der FSSPX ernannt.
Generaloberer
Als Generalvikar Erzbischof Lefebvres folgte er diesem von 1982 bis 1994 als zweiter Generaloberer der Piusbruderschaft. In seine Amtszeit als Generaloberer fielen die ohne Genehmigung von Papst Johannes Paul II. durchgeführte Weihe von vier Bischöfen der Bruderschaft und der Tod von Erzbischof Levebvre.
Im Vorfeld des Generalkapitels war über die Möglichkeit der Wiederwahl des Generaloberen diskutiert, diese aber später bestätigt worden. Im Generalkapitel selbst wurde Schmidberger allerdings nicht wiedergewählt. In seinen Erinnerungen äußert er sich nur diskret über die Hintergründe:
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| {{#if:trim|Offensichtlich stellten sich einige Mitglieder desselben wegen der raschen Ausbeitung des Werkes Fragen und waren beunruhigt durch öftere Abgänge. Eine häufige Reaktion bei solchen Fällen trat zutage: Man lastete die Untreue der Mitglieder der Autorität an. Gott segne das Apostolat in den Ländern Osteuropas nicht, hörte ich sagen. Damit soll allerdings nicht behauptet werden, es habe in der Leitung nicht auch den einen oder anderen Fehler gegeben. Doch Vollkommenheit gibt es auf Erden nicht, weder in den Menschen um uns herum, noch in den Institutionen, am allerwenigsten in uns selbst.}}
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Spätere Aufgaben in der Piusbruderschaft
Nach dem Generalkapitel 1994 war er erster Assistent des ihm als Generaloberer nachfolgenden Bischof Bernard Fellay. Im Sommer 1996 übernahm er die Leitung des österreichischen Distrikts der Bruderschaft in Jaidhof; ab 2003 war er Regens am Priesterseminar in Zaitzkofen. Seit 2006 war er erneut deutscher Distriktoberer mit Sitz in Stuttgart, um dann ab dem 15. August 2013 bis zum Sommer 2020 wieder als Regens dem Priesterseminar in Zaitzkofen vorzustehen<ref>Quellen: [1], 22. Juni 2020.</ref>.
Im Sommer 2020 trat Schmidberger in den Ruhestand ein. 2021 veröffentlichte er seine Memoiren.
Auffassungen
Stellung zum Zweiten Vatikanischen Konzil
Schmidberger lehnt, wie die Piusbruderschaft überhaupt, die grundsätzliche Ausrichtung des Zweiten Vatikanischen Konzils ab.<ref>Es sei „durch das II. Vatikanische Konzil und die daraus folgenden Reformen die Kirche der Erniedrigung und die Seelen dem Verderben ausgeliefert und dem Dreifaltigen Gott die schuldige Ehre geraubt“ worden - so Schmidberger in einem Begleitschreiben an die deutschen Bischöfe vom Oktober 2008</ref> Hans Urs von Balthasar habe „katholische Einrichtungen“ und „das katholische Dogma“ geschleift. Die „moderne Exegese“ habe, „inspiriert von dem protestantischen Rationalisten Bultmann, den Glauben in der Kirche“ abgebaut, Rahner habe „sein Zerstörungswerk“ „mit der Verkündigung des »anonymen Christen«“ „in Gang“ gesetzt. Johannes XXIII. habe eine „Angleichung an die geänderten Zeitverhältnisse“ propagiert, anstatt „zur Heiligkeit aufzubrechen“.<ref>Schmidberger: Die Zeitbomben des Zweiten Vatikanischen Konzils, Vortrag in Mainz am 9. April 1989, OCLC 301992567; später etwa: der Geist des Konzils sei der „verderbliche Geist der Entthronung Unseres Herrn“; „Die katholische Kirche ist heute nicht mehr ein 800 Millionen umfassendes Heer, die wohlgeordnete Schlachtreihe Gottes, sondern ein müder Haufen von Erlahmten, Eingeschlafenen, Fahnenflüchtigen, denen die Sache des Meisters vollkommen gleichgültig ist oder die gar mit dem Feind gemeinsame Sache machen.“</ref> Zudem habe, entgegen der Ausrichtung des Konzils, die Kirche „an erster Stelle“ nicht den Einsatz für eine „humanere ... Welt“, sondern eine „übernatürliche“ Aufgabe.<ref>Zeitbomben</ref> Das Konzil und die daraus hervorgegangenen Reformen habe zu jener „Notsituation“ geführt, welche die unrechtmäßige Bischofsweihe durch Lefebvre rechtfertige.<ref>Im erwähnten Begleitschreiben spricht Schmidberger von einer „Notsituation, hervorgerufen durch den im II. Vatikanum triumphierenden Liberalismus und die neue Theologie“</ref>
Wenngleich Schmidberger für eine „Abweisung des zerstörerischen Konzilsgeistes“ eintritt, hält er es für möglich und notwendig, „die Texte selbst an[zu]nehmen, indem man ihnen eine katholische Interpretation gibt“, sie „im Lichte der Tradition interpretier[t]“.<ref>So in einem Begleitschreiben an die deutschen Bischöfe vom Oktober 2008, bei dem es sich um eine leicht ergänzte Fassung des „Zeitbomben“-Vortragstextes von 1989 handelt</ref> Allerdings lehnen Schmidberger und die Piusbruderschaft zahlreiche zentrale Lehren des Konzils explizit ab – in seinen eigenen Worten „insbesondere den Ökumenismus, die Religionsfreiheit und die Kollegialität“<ref>Begleitschreiben. Dem folgt die im Kontext eindeutig rhetorische Frage: „Oder sollen wir in einem rein praktischen Abkommen, wie Kardinal Castrillòn Hoyos es dringend wünscht, die beanstandeten Konzilstexte grundsätzlich anerkennen ...?“</ref>. Diese gingen „an den Rand der Häresie“, seien „Lügen“<ref>Zeitbomben - dort gegen die Lehre von AN, dass Menschen im Hinduismus das göttliche Geheimnis zum Ausdruck bringen; „Sie suchen in der Weise des aszetischen Lebens oder durch tiefe Betrachtung oder auch, indem sie mit Liebe und Vertrauen Zuflucht zu Gott nehmen, Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Situation.“</ref>, „verderblich“, ein „Generalangriff auf das Christentum“, „Gotteslästerung“<ref>Zeitbomben</ref> oder Teufelswerk.<ref>Zeitbomben: „Hier ist wieder einmal der Diabolus, der Durcheinanderwerfer und Verwirrer, am Werk“ - dort gerichtet gegen die Konzilsaussage, dass einzelne Kirchenglieder nicht mit voller Glut aus der göttlichen Wahrheit leben; Schmidberger: hier werde „die objektive göttliche Schöpfungs- und Erlösungsordnung mit der subjektiven Verwirklichung im Einzelmenschen, mit der Anwendung in der konkreten Person vermischt“. Die Lehre von der „Hierarchie der Wahrheit“ nennt er ein „teuflisches Hintertürchen“ und einen „Generalangriff auf das Christentum“.</ref> Unter die abgelehnten Konzilsaussagen fallen insbesondere:
Lehren des Ökumenismus-Dekrets Unitatis redintegratio
Dieses spricht „getrennten Kirchen“ (im Plural) „Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heiles“ zu.<ref>UR 3</ref> Des Weiteren zielt das Konzil auf eine „Zusammenarbeit in den Aufgaben des Gemeinwohls“ und eine Zusammenkunft „zum gemeinsamen Gebet“ dort, „wo es erlaubt ist“.<ref>UR 4</ref> – Dagegen Schmidberger: Die Kirche könne „in keiner Weise mit anderen Religionsgemeinschaften verglichen oder als von christlichen Denominationen nur graduell, quantitativ verschieden dargestellt werden“. Das Konzil fordere ferner dazu auf, im Dialog mit dem Protestantismus „eine ganze Anzahl der inhaltsreichsten Dogmen“ zu „verschweigen“.<ref>Zeitbomben; UR 11 formuliert. „Die Art und Weise der Formulierung des katholischen Glaubens darf keinerlei Hindernis bilden für den Dialog mit den Brüdern.“</ref> Die Konzilslehre einer Hierarchie der Wahrheit sei „eine Ungeheuerlichkeit“.<ref>Zeitbomben; „Zwar gibt es eine Ordnung der Dogmen insofern, als das eine aus dem anderen fließt, das eine also das ändere direkt zur Grundlage hat; aber nie und nimmer in dem Sinn, daß das eine weniger wichtig als das andere wäre; denn wer auch nur ein einziges Dogma bewußt in Abrede stellt, der stellt die das Dogma tragende Autorität Gottes und damit jedes Dogma, den gesamten Glauben, in Abrede.“</ref>
Lehren der Konstitution über die Kirche Lumen gentium
Dem Konzilstext zufolge subsistiert die einzige Kirche Christi in der katholischen Kirche.<ref>LG 8</ref> Hier werde eine „wirklich häretisch(e)“ Annahme vorausgesetzt, nämlich, dass „die Kirche Gottes rein wesensmäßig, gedanklich getrennt werden kann von der katholischen Kirche, daß zwei verschiedene Einheiten bestehen (Kirche Christi und katholische Kirche), die in akzidentieller Weise, also zufällig zusammenfallen“.<ref>Zeitbomben</ref> So werde die Aussage jedenfalls auch von Josef Ratzinger verstanden.<ref>Zeitbomben, unter Berufung auf Johannes Rothkranz: Die Kardinalirrtümer des Hans Urs von Balthasar (Vorwort von Walter Hoeres, Verlag Anton A. Schmid 1988, ISBN 978-3-929170-01-6. Schmidberger: „Die Kirche Gottes könne sich auch in anderen Religionsgemeinschaften ausdrücken, Gestalt annehmen; und damit sind wir genau bei der Leugnung der Absolutheit der Kirche, der Absolutheit Jesu Christi, der Absolutheit Gottes, der Sünde gegen das erste Gebot.“</ref> Tatsächlich ist gemäß einer Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre diese Passage anders zu verstehen.<ref>Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche vom 29. Juni 2007</ref>
Auch die Konzilslehre einer doppelten Autorität, jener des Papstes und jener der Bischöfe in Verbindung mit dem Papst, und zwar nicht nur in Konzilien, lehnt Schmidberger ab.<ref>Vgl. Zeitbomben</ref>
Lehren des Dekrets über die nichtchristlichen Religionen Nostra aetate
Das Konzil kommt dem Hinduismus, Buddhismus, Islam und Judentum verhältnismäßig weit entgegen. Dagegen meint Schmidberger, dass „diese nichtchristlichen Religionen den Menschen eher ... von der vollen übernatürlichen Wahrheit, dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus, abhalten als zu ihr hinführen.“<ref>Zeitbomben; „sie sind nicht nur keine Heilswege, sie sind viel eher Systeme des Widerstands gegen den Heiligen Geist. Sie befreien den Menschen nicht, sondern sie halten ihn gefangen im Irrtum, im Dunkel des Unglaubens und nicht selten in Leidenschaft und Unmoral. Es ist beispielsweise tausendmal schwieriger - ja praktisch unmöglich - einen Mohammedaner zur Kirche zu bekehren als einen Heiden aus dem afrikanischen Busch.“</ref>
Konkret gebe es, so Schmidberger, im Hinduismus „kein Erbarmen und keine Barmherzigkeit“, sondern ein „völlige(s) Fehlen der Nächstenliebe“, was in der Reinkarnationslehre wurzele.<ref>Zeitbomben; „Und die geplagten, unerlösten, zum Teil haßerfüllten Gesichter drücken etwas ganz anderes aus als Vertrauen und Liebe.“</ref>
Der Buddhismus glaube, so Schmidberger, an die Selbsterlösung und lehre einen Pantheismus. Die „falschen Ausführungen des Konzils“ hätten eine „gewisse Hoffähigkeit für die asiatischen Religionen in Europa erreicht“ und eine „antichristliche Aera“ anbrechen lassen.<ref>Zeitbomben; „Immer mehr asiatisches Gedankengut bricht in Europa, ins ehemals christliche Abendland ein: Reinkarnation, Esoterik und die wahrhaft teuflische Bewegung »New Age« breiten sich aus wie ein Flächenbrand. Letztere durchdringt alle Organismen, die staatlichen wie die gesellschaftlichen, und hat ihre Agenten nicht zuletzt in der UNO sitzen. Der Regenbogen kündet landauf, landab den Tod des Christentums und den Anbruch der antichristlichen Aera an.“</ref> Schmidberger lehnt es ab, dass man dem Konzil zufolge Jugendlichen, welche „sich den Gurus an()schließen“ „nicht sehr verteufeln“ dürfe.<ref>Zeitbomben</ref>
Das Konzil betrachtete den Islam „mit Hochachtung“. Dagegen<ref>Im „Begleitschreiben“ formuliert Schmidberger die rhetorische Frage: „Oder sollen wir in einem rein praktischen Abkommen ... beispielsweise mit Hochachtung den Islam betrachten, der in wenigen Jahren in Deutschland die Kirchenglocken durch den Muezzinruf ersetzt haben wird?“</ref> bezeichnet Schmidberger den Islam als „jene Religion, die unsere Väter mehrfach unter größtem Einsatz und dem Opfer ihres Lebens zurückgeworfen haben, da sie sich zum Ziel gesetzt hat, die Erde durch Feuer und Schwert dem Halbmond zu unterwerfen.“<ref>Zeitbomben; das Konzil unterschlage „den Kampf des Halbmondes gegen die allerheiligste Dreifaltigkeit, gegen die Gottheit Christi; es wird nicht erwähnt der Aufruf im Koran, die Christen zu töten oder zu unterjochen; unterschlagen wird auch die Vielweiberei oder die völlig fleischliche Darstellung der Seligkeit: Man ist umso glücklicher im Himmel, je mehr Frauen man hat! Was dem Islam im 16. und 17. Jahrhundert mit Waffengewalt nicht gelungen ist, das schafft er heute in der nachkonziliaren Aera auf friedlichem Wege. Er besetzt Europa. Frankreich wird überschwemmt von Arabern, Deutschland von Türken, England und Skandinavien von Pakistani.“</ref>
Das Konzil schließt explizit aus, allen zur Zeit Jesu lebenden Juden oder den heutigen Juden den Tod Jesu zur Last zu legen.<ref>NA 4</ref> Dagegen Schmidberger: „die Juden unserer Tage“ seien „nicht nur nicht unsere älteren Brüder im Glauben ...; sie sind vielmehr des Gottesmordes mitschuldig, so lange sie sich nicht durch das Bekenntnis der Gottheit Christi und die Taufe von der Schuld ihrer Vorväter distanzieren“.<ref>Giulio Meotti: Jew Haters in the Vatican www.israelnationalnews.com, 1. März 2012</ref> Mittlerweile hat er diese Aussage jedoch korrigiert: „Die Aussage, die heutigen Juden trügen die Schuld ihrer Väter, muß auf jene Juden eingeschränkt werden, welche die Tötung Jesu Christi gutheißen. Sie ist in der zitierten Verallgemeinerung unrichtig.“<ref>„Stellungnahme“ vom 20. Januar 2009</ref> Derartige Äußerungen sorgten für erhebliche Spannungen mit dem Zentralrat der Juden und der Deutschen Bischofskonferenz.<ref>Peter Wensierski: Problem für den Papst Spiegel Online vom 19. Januar 2009 </ref>
Lehren des Dekrets über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae
Die Lehre des Konzils und des Kirchenrechts<ref>Canon 1351 des CIC 1917</ref> von der Religionsfreiheit akzeptiert Schmidberger nur insoweit, als keiner zur Annahme einer bestimmten Religion gezwungen werden darf. Dagegen hält er es für legitim und notwendig, „im öffentlichen Bereich Menschen zu hindern, ihre falschen religiösen Überzeugungen durch Missionsarbeit, öffentliche Kundgebungen, Errichtung von Gebäuden für ihren falschen Kult zu verwirklichen“. Der Staat müsse den „Alleinvertretungsanspruch“ Christi in „der Gesellschaft auch so weit wie nur möglich ... geltend“ machen.<ref>Zeitbomben</ref> Eine religiöse Neutralität des Staates lehnt Schmidberger ab.<ref>vgl. Zeitbomben</ref> (s. u.) Dabei beruft sich Schmidberger auf die 1864 promulgierte Enzyklika Quanta Cura von Pius IX. Die Ablehnung der Religionsfreiheit ist eine Grundposition der Piusbruderschaft und wurde u. a. 1987 in einer Dubia der Kongregation für die Glaubenslehre vorgelegt und abweisend beschieden.<ref>Vgl. die Dubia Marcel Lefebvres vom 22. Mai 1987. Die Position der Kongregation ist u. a. auch der Nota „zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben“ vom 24. November 2002 zu entnehmen.</ref>
Lehren des Dekrets über die Kirche in der modernen Welt Gaudium et spes
Schmidberger lehnt die Öffnung des Konzils zum modernen Wandel der Lebensbedingungen als „verderblich(en)“ „Heilsoptimismus“ ab; der „Mensch unserer Zeit“ sei „der sinnliche, gesetzlose, materialistische Mensch“.<ref>Vgl. Zeitbomben; das Konzil hatte formuliert: „Die Gläubigen sollen also in engster Verbindung mit den anderen Menschen ihrer Zeit leben und sich bemühen, deren Art und Weise, zu denken und zu empfinden, die sich in der Geisteskultur ausdrückt, vollkommen zu begreifen.“</ref> Dabei beruft sich Schmidberger auf Josef Ratzingers Aussage, dieses Dekret verkünde genau das, was zuvor von Pius IX. verworfen worden sei.<ref>Ratzinger: Theologische Prinzipienlehre, 1982</ref>
Auch andere Formulierungen und institutionelle Neuerungen des zweiten Vatikanums werden von Schmidberger und der Piusbruderschaft abgelehnt. Dazu gehören:
- Theologische Grundlagen des Kirchenrechts wie jene, dass die Kirche Gottes in der katholischen Kirche subsistiere.<ref>Canon 204 § 2 des CIC 1983; vgl. Zeitbomben</ref>
- Das Prinzip einer Autorität der Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Papst<ref>Canon 336 und 337 § 2 des CIC 1983; Schmidberger (Zeitbomben) meint, hier werde die Nota praevia Pauls VI. ignoriert, welche den päpstlichen Primat auch für diese Kontexte unmissverständlich festgehalten habe.</ref>
Auch gewohnheitsmäßige Praktiken des Papstes werden kritisiert, etwa die „Grußbotschaft an die Moslems“ zu Beginn des Ramadan, ein Küssen des Korans,<ref>vgl. Rom: Piusbruderschaft gegen Seligsprechung von Johannes Paul II.</ref> oder die Titulierung der Juden als „unsere älteren Brüder im Glauben“.<ref>So etwa bei einem Synagogenbesuch in Rom 1986; vgl. Zeitbomben</ref> Insbesondere das Treffen Johannes Pauls II. mit den Weltreligionen wird sowohl von Schmidberger<ref>Zeitbomben</ref> wie auch anderen Mitgliedern der Piusbruderschaft<ref>So erklärt Bernard Fellay in einem Communiqué vom 28. Dezember 2001, dass dies „ein neues grösseres Hindernis für eine Annäherung mit dem Vatika“ darstelle, und erklärt in einer „Presseveröffentlichung“ vom 24. Januar 2002 „unsere tiefste Empörung und Mißbilligung“ - „Weil dies Gott in seinem ersten Gebot beleidigt. Weil dies die Einzigkeit der Kirche und ihre Heilsmission leugnet. Weil dies die Gläubigen direkt zum Irrtum des Indifferentismus führt. Weil dies die unglücklichen Ungläubigen und Anhänger anderer Religionen täuscht.“</ref> scharf kritisiert.
Stellung zur Gesellschaftsordnung
Schmidberger lehnt eine religiöse Neutralität des Staates ab und plädiert für eine „christliche Gesellschaftsordnung“, in welcher beispielsweise die Todesstrafe gälte, „keine zivile Ehescheidung“ vorgesehen sei, eine „Unauflöslichkeit der Ehe“ als „einer ihrer Grundpfeiler“ bestehe, „den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen“ der Kampf angesagt werde und der „Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln“ verboten werde, ebenso wie Zinsspekulation, Großbanken, Abtreibung, „Gotteslästerung, Homosexualität und Pornographie“.<ref>Brief an die Freunde und Wohltäter Nr. 45 vom 7. Oktober 1993. Auch veröffentlicht als „Grundsätze einer christlichen Gesellschaftsordnung“, in: Civitas. Zeitschrift für das christliche Gemeinwesen 2007, 43–47 (hg. von Rafael Hüntelmann, Civitas-Institut, Postfach 15 41, 63133 Heusenstamm, verlegt bei editiones scholasticae, Postfach 11 20, D-97335 Dettelbach). Empfohlen wird z. B. auch, dass „ein christlicher Unternehmer sich am Morgen zu Arbeitsbeginn mit seinen Angestellten vor dem Bildnis des gekreuzigten Herrn oder des heiligsten Herzen Jesus versammelte um Arbeit und Mühe des Tages Gott aufzuopfern und Seinen Segen auf das Werk herabzurufen“</ref> Dazu sollten, wie bereits erwähnt, Vertreter von „falschen religiösen Überzeugungen“ daran gehindert werden, „durch Missionsarbeit, öffentliche Kundgebungen, Errichtung von Gebäuden für ihren falschen Kult“ zu werben.<ref>Zeitbomben. Vgl. im Brief an die Freunde: „Da es nur eine wahre, von Gott gestiftete Religion gibt, verbietet sie falsche Religionen und Kulte, oder duldet sie allenfalls nach den Regeln der Klugheit, ohne ihnen jemals ein Naturrecht auf Existenz zuzugestehen. Der christliche Staat fördert nach Kräften das Wirken der Kirche, er schützt und verteidigt sie, da das Verfolgen des zeitlichen Gemeingutes ohne den göttlichen Glauben und die Gnade praktisch unmöglich ist.“</ref> Ihm schwebt eine Gesellschaft vor, in welcher die „Gewalt in Staat und Gesellschaft“ „nicht vom Volke“, nicht „von der Basis aus[geht], sondern von Gott.“<ref>Brief an die Freunde. Dort weiter: „folglich bezeichnet das Volk in Wahlen allein diejenigen, die es regieren sollen, verleiht ihnen aber nicht die Autorität; ebenso wenig kann es Regierungen beliebig absetzen.“</ref> Er lehnt den Grundsatz „one man one vote“ ab.<ref>Brief an die Freunde. Dort weiter: „ Würde nicht ein wesentlich auf die Familienoberhäupter abgestütztes Wahlrecht der Familie als Zelle der Gesellschaft eine ganz andere Stellung verleihen?“</ref> Statt eines Parteiensystems empfiehlt er, dass an deren „Stelle jene christlichen Männer treten, die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichnen“.<ref>Brief an die Freunde. Voraus geht die rhetorische Frage: „Darüber hinaus kann man sich fragen, ob die Parteien wirklich zum Wohl eines Volkes seien oder nicht vielmehr zu dessen Spaltung beitragen.“</ref>
Stellung zum Messritus
Die Piusbruderschaft lehnt den seit 1969 üblichen Ritus der Eucharistiefeier ab. Er schreibt, dass „im neuen Ritus wie er 1969 von Paul VI. eingeführt worden ist, eine vollkommene Änderung der Gebete, der Gesten, der Definition der Messe eingetreten ist, die einen wirklichen negativen Bruch mit der Vergangenheit darstellt. Dieser negative Bruch mit der Tradition gehe einher mit einer Verwässerung des katholischen Glaubens, in dem Sinn, dass die Messe mehr und mehr nur noch als ein mitmenschliches Mahl verstanden wird und der Opfergedanke, die sakrale Atmosphäre völlig verschwindet.“<ref>{{#switch:
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Missbrauch in der katholischen Kirche
Schmidberger vertritt die Auffassung, dass sexueller Kindesmissbrauch in Vereinen sehr viel häufiger vorkomme als in der Kirche. Die Häufung von Missbrauchsfällen in den letzten 50 Jahren führt er auf das 2. Vatikanische Konzil mit seinem „uferlosen Heilsoptimismus“ zurück. Die Missbrauchsfälle seien ein willkommener Anlass für die Massenmedien, die Kirche zu diskreditieren. Schmidberger verbindet den sexuellen Missbrauch durch Kleriker mit Homosexualität. Aus der Tatsache, dass 80 % der Missbrauchsopfer Knaben seien, werde deutlich, dass Homosexualität und Pädophilie aus demselben Übel erwüchsen.<ref>https://web.archive.org/web/20181007044529/http://civitas-institut.online/?p=205</ref>
COVID-19-Pandemie
Zur COVID-19-Pandemie schrieb Schmidberger, die „verrückte Globalisierung“ sei durch Grenzschließungen in Frage gestellt und die „ausufernde Vergnügungssucht […] wenigstens vorübergehend beendet“. Niemand spreche mehr vom „Synodalen Weg“, das „Priestertum der Frau – diese Blasphemie der Stiftung Jesu Christi –“ erübrige sich beim Verbot von öffentlichen Gottesdiensten, die Mütter blieben zu Hause bei ihren Kindern, und Greta Thunberg sei „fast vergessen“.<ref>Johannes Sinabell: mEinblick! Lexikon: Verschwörungstheorien und Covid-19 www.weltanschauungsfragen.at</ref>
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Przekazałem to co otrzymałem. Konsekracje biskupów dokonane przez abpa Marcela Lefebvre 30 czerwca 1988 r. Te Deum, Warszawa/Otwock 1997, ISBN 83-87386-05-7.
- Der Protestantismus in der ökumenischen Bewegung. Vortrag beim Kongreß von "si si - no no" in Albano, 23. April 1998. Rex Regum, Jaidhof 1999, ISBN 3-901851-12-7.
- Das Geheimnis der Gnade – das Geheimnis der Bosheit. Vortrag, gehalten im Institut St. Karl Borromäus, Oberriet, am 18. März 1998. Überarbeitet und ergänzt. Rex Regum, Jaidhof 2003, ISBN 3-901851-34-8.
- Das Sakrament der Beichte. Eine Katechese. Sarto, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-932691-55-3.
- Theologie und Spiritualität des heiligen Meßopfers. Ein Vergleich zwischen dem überlieferten und dem neuen Ritus. Sarto, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-932691-74-4.
- Amt und Person des Petrus. Sarto, Bobingen 2015, ISBN 978-3-943858-67-9.
- Gott, Kirche, Welt und des Teufels Anteil. Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X. (= Edition Patrimonium theologicum). Patrimonium, Aachen 2017, ISBN 3-86417-101-6.
- Die Mächte der Finsternis. Ingo Langner im Gespräch mit Pater Franz Schmidberger von der Priesterbruderschaft St. Pius X. (= Edition Patrimonium theologicum). Patrimonium, Aachen 2019, ISBN 3-86417-125-3.
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Weblinks
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- Chef deutscher Pius-Brüder plädiert für Todesstrafe, und nennt Aids eine „Strafe Gottes“ – Report Mainz vom 9. Februar 2009
Einzelnachweise
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- Römisch-katholischer Geistlicher (21. Jahrhundert)
- Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert)
- Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Pius X.
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