Franz Werner von Tamm
Franz Werner von Tamm, auch bekannt unter den Namen Dapper, Daprait, Varnertam und Monsù da Prè (* 6. März1658 in Hamburg; † 10. oder 20. Juli 1724 in Wien), war ein deutscher Maler des Barock, der sich auf Stillleben, Jagdstücke und Tierdarstellungen spezialisierte.<ref name=":0">De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Verlag De Gruyter, 2009.</ref>
Leben
Franz Werner von Tamm erhielt seine Ausbildung in Hamburg bei Diedrich von Sosten und Johann Joachim Pfeiffer. Um 1686 begab er sich nach Rom, wo er bis mindestens Ostern 1696 nachweisbar ist. Er heiratete dort 1692 Giustina, eine Schwester des Augsburger Goldschmieds Johann Paul Bendel. Bei den Bentvueghels trug er vermutlich den Beinamen Dapper; bei Lione Pascoli erscheint er unter den Namen Daprait und Francesco Varnertam. Er verkehrte in Rom mit den Brüdern Jan Frans und Pieter van Bloemen und wurde von Carlo Maratta und Gaspar van Wittel an einflussreiche Kunstliebhaber empfohlen.<ref name=":0" />
Auf dem Rückweg aus Rom soll Franz Werner von Tamm laut Pascoli längere Zeit in Florenz verbracht haben. Seit 1695 ist er in Wien als kaiserlicher Hofmaler verzeichnet. Um 1702 war er in Passau tätig, ab 1707 im Dienst des Fürsten von Liechtenstein in Wien. Ein für 1724 vermuteter Besuch in Hamburg lässt sich nicht bestätigen: Das Bildnis der Kinder Barthold Hinrich Brockes (Hamburg, Kunsthalle), das angeblich gemeinsam mit drei weiteren Malern in Hamburg ausgeführt worden sein soll, wurde 1721 von Brockes gerollt nach Wien gebracht, wo Tamm seinen Anteil daran ausführte. Von seinen in Rom geborenen Söhnen wurden Kaspar und Franz Maler; Jakob wurde Goldschmied.<ref name=":0" />
Werk
Franz Werner von Tamms Œuvre umfasst neben Stillleben auch Bildnisse und Historienbilder. Sein Aufenthalt in Passau galt der Ausführung von Altarbildern, darunter das Hochaltarbild der Stadtpfarrkirche St. Paul. Prägend für seine Hauptmotive war die Stilllebenmalerei im Umkreis Abraham Brueghels in Rom. Tamm kombinierte Blumen- und Früchtestillleben mit Landschaftsausblicken, antikisierenden Architekturelementen und verzierten Vasen. Den Höhepunkt seiner römischen Zeit stellt ein großformatiges Bilderpaar dar, das im Wettstreit mit einem gleichartigen Paar von Karel van Vogelaer entstand; alle vier Werke befinden sich seit 1699 im Palazzo Pallavicini Rospigliosi. Für seine Blumenstillleben mit Figuren, oft in Girlandenform, ist eine Zusammenarbeit mit der Werkstatt Carlo Marattas nachgewiesen.<ref name=":0" />
In Wien arbeitete er mit Peter Strudel zusammen und wandte sich verstärkt dem Jagdstillleben zu, darunter das Gemälde Totes Wild von einem Jagdhund bewacht von 1706 im Kunsthistorischen Museum Wien. Tamm stand stilistisch in der Tradition von Frans Snyders, Jan Weenix, Melchior d'Hondecoeter, Jan Fyt und Jan de Heem. In Rom beeinflusste er Maler wie Pietro Navarra, Egidio Pospul, Christian Berentz und Karel van Vogelaer; in Wien wurde er zum maßgeblichen Vertreter des barocken Stilllebens mit Wirkung auf Ignaz Heinitz von Heinzenthal und Johann Zagelmann.<ref name=":0" />
Werke befinden sich unter anderem in den Staatlichen Kunstsammlungen Augsburg, der Gemäldegalerie Berlin, der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, der Kunsthalle Hamburg, dem Prado Madrid, dem Stift Schlierbach sowie im Belvedere und in der Sammlung Liechtenstein in Wien.<ref name=":0" />
- Werke von Franz Werner Tamm (Auswahl)
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Früchtestillleben
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Stillleben mit Kaninchen, Blumen und Früchten
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Hausflügel und Kaninchen (Detail)
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Stillleben mit Blumen
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Totes Wild, von einem Jagdhund bewacht
Literatur
- Hermann Arthur Lier: Tamm, Franz Werner. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 363 f.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
- Alessandro Marabottini (Hg.), Lione Pascoli: Vite de' pittori, scultori, ed architetti moderni, Perugia 1992.
- Friedrich Noack, Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/Berlin 1927.
- Giovanna Bocchi; Ugo Bocchi, Pittori di natura morta a Roma. Artisti stranieri 1630–1750, Duc Arti, Viadana 2004.
- Klára Garas, Franz Werner von Tamm, in: Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Nr. 74, Budapest 1991, S. 31–49.
- Lione Pascoli, Vite de' pittori, scultori, ed architetti moderni, 2 Bde., Rom 1730–1736.
- Stefania Rudolph, Franz Werner von Tamm, in: Antichità viva, Jg. 18, Nr. 2, 1979, S. 12–20.
- Ulrich Thieme; Felix Becker (Hg.), Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 32, E. A. Seemann, Leipzig 1938.
Weblinks
- Werke von Franz Werner Tamm in: Digitales Belvedere
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tamm, Franz Werner |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler der Barockzeit |
| GEBURTSDATUM | 1658 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 1724 |
| STERBEORT | Wien |