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Freie Syrische Armee

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Syrien 1961Datei:Flag of Syria (1930–1958, 1961–1963).svg Freie Syrische Armee


Free Syrian Army
Armée syrienne libre
الجيش السوري الحر
Aufstellung 29. Juli 2011
Staat Syrien
Truppenteile * Datei:Syria-flag 1932-58 1961-63.svg Faruq-Brigade
Stärke Bis zu 35.000 (Okt. 2015)<ref name=al-monitor>Mona Alami: Can FSA get back on its feet after Russian intervention? 31. Dezember 2015, abgerufen am 21. Januar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Unterstellung Datei:SyrianNationalCoalitionOfficialLogo.svg Nationalkoalition Syriens
Datei:Syrischer Nationalrat.png Syrischer Nationalrat
Spitzname FSA
Farben Schwarz, Rot, Weiß und Grün
Schlachten Bürgerkrieg in Syrien
Führung
Brigadegeneral Abdelilah Baschir (Stabschef, 16. Februar 2014 – Gegenwart)<ref name=aljaz18Feb14>Free Syrian Army fires military chief. Al Jazeera English, 18. Februar 2014, abgerufen am 16. September 2014.</ref>
Brigadegeneral Selim Idriss (Stabschef, Dezember 2012 bis 16. Februar 2014)<ref name="Huff_unifiedcommand_8Dec2012">Bassem Mroue, Suzan Fraser: Syria Rebels Create New Unified Military Command. Associated Press, 8. Dezember 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Dezember 2012; abgerufen am 8. Dezember 2012.</ref><ref name="ThReut_unifiedcommand_8Dec2012">Khaled Yacoub Oweis, Jason Webb: Syrian rebels elect head of new military command. Thomson Reuters, 8. Dezember 2012, abgerufen am 8. Dezember 2012.</ref>
Oberst Riad al-Asaad (Oberbefehlshaber, Sept. 2011–Gegenwart symbolische Rolle seit Dezember 2012)<ref name="Huff_unifiedcommand_8Dec2012" />

Die Freie Syrische Armee (arabisch الجيش السوري الحر, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), Kürzel FSA) ist der bewaffnete Arm der Gruppe „Nationalkoalition syrischer Revolutions- und Oppositionskräfte“, die seit 2011 aufgrund des Syrischen Bürgerkriegs existiert.<ref>Christoph Leonhardt: Religion und Gewalt in Syrien. Legitimierung und Mobilisierung unter der Assad-Dynastie (1970–2020), in: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 19, Münster 2024, S. 64f., ISBN 978-3-643-25119-0 Religion und Gewalt in Syrien. In: lit-verlag.de. Abgerufen am 10. Juli 2025.</ref> Ursprünglich wurde sie besonders von einem Teil der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit Syriens getragen,<ref name="nyt20120229">Tim Arango: Syria’s Sectarian Fears Keep Region on Edge in der New York Times am 28. Februar 2012.</ref> verlor aber im Verlaufe des Konfliktes zunehmend an Bedeutung.<ref name="wp230217" />

Die Freischärler gaben ursprünglich als Ziel den Schutz von Zivilisten und den Sturz des Baath-Regimes unter Baschar al-Assad an. Zur Erreichung ihrer Ziele greifen sie auch die staatlichen Sicherheitskräfte der Regierung an. Ein Vorläufer der Armee war die Bewegung Freier Offiziere (حركة الضباط الأحرار, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref>Ulrike Putz: Im Wadi der Nebel-Kämpfer. In: Spiegel Online, 27. Dezember 2011.</ref> Das Motto der FSA ist جيش حر، سوريا حرة / {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) / ‚Freie Armee, Freies Syrien‘, ihre Kennfarben sind Grün, Rot, Weiß und Schwarz.

Gründung und Ziele

Die Formation der bewaffneten Oppositionsgruppe wurde am 29. Juli 2011 in einem Webvideo angekündigt, herausgegeben durch eine Gruppe, die sich selbst als Deserteure des syrischen Militärs bezeichnete. Darin werden auch Mitglieder der syrischen Armee aufgerufen, zu desertieren und der FSA beizutreten.<ref>Joshua Landis: Free Syrian Army Founded by Seven Officers to Fight the Syrian Army. Syria Comment, 29. Juni 2011, abgerufen am 7. August 2011.</ref> Der Anführer der Männer Riad al-Asaad, welcher sich selbst als Oberst bezeichnet, kündigte an, dass die FSA mit den Demonstranten der Proteste in Syrien 2011 zusammenarbeite, um das System zu stürzen und erklärte, dass alle Sicherheitskräfte, die Zivilisten attackieren, gerechtfertigte Ziele der FSA sind.<ref name="wtarc">Defecting troops form 'Free Syrian Army', target Assad security forces. World Tribune, 3. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. November 2011; abgerufen am 7. August 2011.</ref><ref name="sharq">Syrian Army Colonel Defects forms Free Syrian Army. Asharq Alawsat, 1. August 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. September 2011; abgerufen am 7. August 2011.</ref>

Riad al-Asaad betonte, dass die Freie Syrische Armee keine anderen politischen Ziele habe als den Sturz des Präsidenten Baschar al-Assads.<ref name=AlArabiya>Commander of Free Syrian Army: Al Asad to face Gaddafi’s fate. Trend, 10. Oktober 2011, abgerufen am 22. Oktober 2011.</ref><ref name=Abbas>Thair Abbas: Asharq Al-Awsat visits the Free Syrian Army. Asharq al-Awsat, 10. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 25. April 2012; abgerufen am 22. Oktober 2011.</ref> Die Freie Syrische Armee behauptet, dass der Konflikt in Syrien kein religiöser sei und dass sie in ihren Reihen auch Alawiten hätten, die gegen die Regierung opponieren. Es werde keine Vergeltungsmaßnahmen geben, wenn das Ziel erreicht sei.<ref name="Hafez_1">Salam Hafez: Syrian Opposition Call for No-Fly Zone. The Journal of Turkish Weekly, 8. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. November 2011; abgerufen am 8. Oktober 2011.</ref>

Zusammensetzung

Datei:FSA rebels cleaning their AK47s.jpg
Kämpfer beim Säubern ihrer Waffen (2012)

Die Freie Syrische Armee bestand zunächst angeblich aus übergelaufenem Personal der Streitkräfte Syriens um den desertierten Oberst Hussein Harmoush.<ref>Christoph Leonhardt: Religion und Gewalt in Syrien. Legitimierung und Mobilisierung unter der Assad-Dynastie (1970–2020), in: Konfrontation und Kooperation im Vorderen Orient 19, Münster 2024, S. 64., ISBN 978-3-643-25119-0 Religion und Gewalt in Syrien. In: lit-verlag.de. Abgerufen am 10. Juli 2025.</ref> Hinzu kam eine Vielzahl an Zivilisten, die gegen die syrische Regierung kämpften, um ihre jeweiligen Heimatorte zu verteidigen. Als dritte Gruppe gab es auch ausländische Kämpfer, insbesondere aus dem Libanon und Libyen, aber auch aus anderen arabischen Ländern, die sich der FSA aus unterschiedlichen Motiven anschlossen.<ref name=Albayrak /> Teile der FSA waren über den „Obersten Militärrat“ von Selim Idriss auch mit dem Syrischen Nationalrat verbunden.<ref>Syrian opposition to co-ordinate with Free Syrian Army. In: BBC News. 1. Dezember 2011, abgerufen am 20. Januar 2013.</ref>

Am 23. September 2011 vereinigte sich die Freie Syrische Armee mit der Bewegung Freier Offiziere und wurde zur größten Oppositionsarmee.<ref name=Albayrak>Ayla Albayrak: Turkey Plans Military Exercise on Syrian Border. Wall Street Journal, 4. Oktober 2011, abgerufen am 4. Oktober 2011.</ref><ref name=Burch>Johnathon Burch: War is only option to topple Syrian leader. Reuters, 7. Oktober 2011, abgerufen am 7. Oktober 2011.</ref> Die genaue Zahl der Soldaten, die zur Freien Syrischen Armee überliefen, ist unbekannt. Westliche Geheimdienstquellen schätzten die Zahl der Kämpfer im Oktober 2011 auf mehr als 10.000 Überläufer.<ref>Nada Bakri: Defectors Claim Attack That Killed Syrian Soldiers. The New York Times, 26. Oktober 2011, abgerufen am 20. Januar 2013.</ref> Nach Angaben ihres Anführers Riad Asaad im November 2011 gewann die Freie Syrische Armee jedes Mal, wenn sie einen Angriff durchführte, „100 bis 300 weitere Mitglieder“.<ref>www.businessweek.com</ref> Im Dezember 2011 soll es nach Angaben der Aktivisten etwa 15.000 bis 25.000 Überläufer von den syrischen Streitkräften gegeben haben,<ref name=IWPR>Salem Hafez: Syria: How Far Has Uprising Spread? Institute for War and Peace Reporting, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. September 2013; abgerufen am 27. Oktober 2011.</ref> im März 2012 gab die Freie Syrische Armee an, 50.000 bis 60.000 Soldaten zu kommandieren.<ref name="ZO">Thomas Seibert: Syriens Flüchtlinge wollen Waffen. In: Die Zeit. 21. März 2012, abgerufen am 21. März 2012.</ref>

90 % der FSA-Kämpfer waren sunnitische Muslime,<ref name="Hafez_1" /> kleine Minderheiten in der Armee waren Alawiten<ref name="Hafez_1" /> und einige Drusen. Mehr als 15 % der FSA-Einheiten sind Kurden.<ref>„Syria’s Druze minority is shifting its support to the opposition“. The Washington Post, 8. Februar 2013. Abgerufen am 22. Februar 2013.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Druze preachers in Swaida urge defections“ (Memento vom 18. November 2018 im Internet Archive). The Daily Star, 18. Februar 2013. Abgerufen am 22. Februar 2013.</ref> Des Weiteren gab es palästinensische Rebellenkommandeure in dem Flüchtlingslager Jarmuk im Süden von Damaskus.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Syrian rebels arm Palestinians against Assad“ (Memento des Vorlage:IconExternal vom 13. Mai 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ca.reuters.com. Reuters, 31. Oktober 2012. Abgerufen am 22. Februar 2013 (engl.).</ref> All diese Angaben ließen sich allerdings zu keinem Zeitpunkt von unabhängiger Seite überprüfen.

Aufstieg

<templatestyles src="Mehrere Bilder/styles.css" />

Ethnisch-Religiöse und von der FSA und Verbündeten kontrollierte Gebiete (Juni 2014) Syriens
Ethnisch-religiöse Zusammensetzung Syriens (Die FSA setzt sich größtenteils aus sunnitischen Arabern zusammen)<ref name="Holliday2011_SFS">Joseph Holliday, The Struggle For Syria In 2011 – an operational and regional analysis (englisch; PDF), The Institute for the Study of War (ISW), Middle East Security Report 2, Washington, D.C., Dezember 2011, 28 S., hier S. 11, Map 2.</ref>
Militärische Lage in Syrien mit den von der FSA und Verbündeten kontrollierten Gebieten (Grün) im Juni 2014

Beim großangelegten strategischen Vorgehen schien es zwischenzeitlich, als ob zunächst die alawitische Küstenregion vom Landesinneren abgetrennt werden könnte. Die Linie, an der dies geschehen sollte, verlief entlang der Städte Kusseir, Homs, Hama und Idlib. Dieses „Großlibanon“ sollte dann, vergleichbar der Rolle Bengasis 2011 in Libyen, als Aufmarschgebiet für weitere Kämpfe dienen.<ref>Karin Leukefeld: ai schont Assad-Gegner in junge Welt am 25. Mai 2012.</ref> Während die FSA in diesen Regionen, insbesondere in Homs, lange sehr stark war, verschob sich im Laufe des Jahres 2012 das Aktionsgebiet der FSA immer stärker Richtung Norden in die Provinzen Idlib und Aleppo, während sie in Homs und Umgebung zeitweise zurückgedrängt wurde. Die FSA kontrollierte dort mehrere Grenzposten in die Türkei und konnte sich somit von dort logistisch versorgen. Dieses Gebiet war bis auf einige Militärstützpunkte fast vollständig der Kontrolle der syrischen Regierung entglitten.<ref>www.reuters.com</ref> Die Gegend um Damaskus war trotz massiver Präsenz der Sicherheitskräfte ebenfalls Operationsgebiet der FSA, wie auch schon die Gefechte um die Stadt Zabadani im Winter 2011/2012 zeigten. Der gesamte Landesteil östlich der Provinzhauptstadt Raqqa war bis auf wenige Militärstützpunkte etwa nahe Deir ez-Zor nicht mehr unter Kontrolle der syrischen Regierung. Während die FSA die Städte entlang des Euphrat sowie angrenzende Wüstengebiete beherrschte, hatten im Nordwesten bewaffnete kurdische Milizen die Macht übernommen.<ref>www.understandingwar.org (engl.)</ref>

Entwicklungen ab 2013

Im Juli tötete die bis dahin als „al-Qaida im Irak“ bekannte Organisation unter dem Namen Islamischer Staat im Irak und im Scham (das heißt „Großsyrien“, kurz ISIS) den FSA-Kommandeur Kamal Hamami an einer Straßensperre vor Latakia. Darin zeigte sich ein offener Bruch mit der anderen gegen das Baath-Regime kämpfenden Organisation.<ref>Jürg Bischoff: Machtkämpfe im «befreiten» Syrien. In: Neue Zürcher Zeitung, 13. Juli 2013.</ref>

Die Freie Syrische Armee soll im Dezember 2013 zunächst noch etwa 40.000–50.000 bewaffnete Kämpfer umfasst haben.<ref name="wsj" /> Nach Einschätzung des Generalinspekteurs der Bundeswehr Volker Wieker befand sich die Freie Syrische Armee im Frühherbst 2013 als Kampfverband in voller Auflösung und hatte ihre Führungsrolle im Kampf gegen die Regierung an dschihadistische Rebellen wie die al-Nusra-Front eingebüßt.<ref name="Focus 8. September 2013">Focus: Kommandeure drängten Assad schon seit Monaten zu Giftgas-Einsatz, 8. September 2013, abgerufen am 8. September 2013</ref> Jedoch gelangte sie wieder während des Kampfes um Kobanê<ref name="reuters20140927" /> als Verbündeter der kurdischen Volksverteidigungseinheiten gegen die Terrororganisation Islamischer Staat ins Gespräch.<ref name="diezeit20141029" /><ref name="faz20141029" />

Unter Führung von Generalstabschef Selim Idriss musste die Freie Syrische Armee schwere Rückschläge hinnehmen. So konnten die Regierungstruppen in den Regionen Homs und Damaskus Boden gutmachen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />US-Außenminister – Russland hilft Assad bei Zerstörung Syriens (Memento vom 25. Februar 2014 im Internet Archive)</ref> Idriss wurde daher im Februar 2014 von seinen Aufgaben entbunden und durch den kampferfahrenen Kommandanten Abdelilah Baschir ersetzt. Dieser war bis dahin für die Kämpfe in dem Gebiet verantwortlich gewesen, das an die von Israel besetzten Golanhöhen grenzt.<ref name="Reu16042014">Khaled Yacoub Oweis: „Free Syrian Army sacks chief, appoints replacement“ Reuters vom 16. Februar 2014, gesichtet am 16. Februar 2014</ref> Am 17. Februar 2014 wurde Idriss wegen ausbleibender militärischer Erfolge vom Militärrat abgelöst. Unbestätigten Berichten zufolge soll er bereits im Dezember 2013 nach einem Angriff islamistischer Rebellen auf das FSA-Hauptquartier am Grenzübergang Bab al-Hawa aus Syrien geflohen sein.<ref name="wsj" /> Zusammenfassend hat die FSA im Jahr 2013 ein Großteil ihres im Osten kontrollierten Gebietes an den IS verloren (siehe Karte). Anfang Mai 2014 wurde Homs endgültig von Regierungstruppen eingenommen.<ref>Der Fall von Homs. In: Spiegel Online, 3. Mai 2014.</ref>

Nach herben Rückschlägen im Jahr 2013 und im Jahr 2014, gelangte die FSA Anfang 2015 durch ihre Unterstützung der Kurdischen Volksverteidigungseinheiten bei der Schlacht um Kobanê an der syrisch-türkischen Grenze ins Gespräch.<ref name="diezeit20141029" /><ref name="faz20141029" /> Seitdem kann die FSA wieder Geländegewinne im Süden des Landes verzeichnen. So eroberten sie am 25. März 2015 die Stadt Bosra, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.<ref>FSA take control of ancient city Bosra in southern Syria (engl.)</ref><ref>Welt: Rebellen erobern Weltkulturerbe in Bosra – https://www.welt.de/politik/ausland/article138762312/Rebellen-erobern-Weltkulturerbe-in-Bosra.html</ref> Des Weiteren arbeitet die FSA seit 2015 effektiver mit anderen Rebellen zusammen, so nahm sie an der Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Dschisr asch-Schughur teil<ref name="FSA" /><ref>Eaworldview.com:Syria Daily, May 10: Rebels Try to Break Regime’s Last Stand at Hospital in Jisr al-Shughour – https://eaworldview.com/2015/05/syria-daily-rebels-breaking-regimes-last-stand-at-hospital-in-jisr-al-shughour/</ref>, die von einer Allianz von islamistischen Rebellen mit dem Namen Dschaisch al-Fatah, geführt wurde.

Niedergang

2016 sprachen Beobachter von der Freien Syrischen Armee nur noch als einem „Markennamen“, unter dem verschiedenste Gruppierungen auftraten, um ab Ende August unter türkischer Schirmherrschaft gegen die YPG, die von der Internationalen Koalition mit Luftschlägen unterstützt wird, und gegen den IS im Norden Syriens zu kämpfen.<ref>Tim Arango, Anne Barnard und Ceylan Yeginsu: „Turkey’s Military Plunges Into Syria, Enabling Rebels to Capture ISIS Stronghold“, New York Times vom 24. August 2016</ref>

Am 7. April 2016 hatten Rebellengruppen unter dem Banner der Freien Syrischen Armee die Stadt ar-Raʿi und den Grenzübergang erobert, der als wichtiger Stützpunkt des IS im Norden des Gouvernement Aleppo galt. Einige FSA-Rebellen waren nach Einschätzung von Beobachtern mit türkischen Waffen ausgerüstet und wurden durch türkische Artillerie unterstützt.<ref>NZZ: Syrien-Konflikt Rebellen erobern einstige IS-Hochburg</ref>

Im August fasste die Türkei mehrere Rebellengruppen zusammen, die zuvor in den Provinzen Idlib und Aleppo gekämpft hatten. In der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien Ende August 2016 überquerten sie, von der Türkei kommend und in Begleitung türkischer Panzer, die Grenze und besetzten Dscharabulus, das der IS zuvor aufgegeben hatte. Kurze Zeit später verstrickten sie sich jedoch südlich des Ortes in Kämpfe mit SDF-Einheiten. Zu den Rebellengruppen gehörten Kämpfer der Levante-Front, Sultan-Murad-Brigade, der Ahrar al-Scham und der Scham-Legion die während dieser Offensive unter der Eigenbezeichnung „Freie Syrische Armee“ auftraten.<ref>Anne Barnard: „Knowing the Risks, Some Syrian Rebels Seek a Lift From Turks’ Incursion“ New York vom 29. August 2016</ref>

Nachdem islamistische Kämpfer unter den Regierungsgegnern, vereint als Hai’at Tahrir asch-Scham, nach der verlorenen Schlacht um Aleppo, Anfang 2017 begannen, in der den Aufständischen verbliebenen Provinz Idlib andere Oppositionsgruppen systematisch auszuschalten, teilten Kommandeure von Rebellengruppen, die bislang unter dem Banner der „FSA“ in der Region gekämpft hatten, im Februar mit, dass ihnen Vertreter der USA, Saudi-Arabiens und der Türkei gesagt hätten, dass sie vorerst nicht weiter unterstützt würden. Die Geberländer hatten sich offenbar dazu entschieden, um zu verhindern, dass gelieferte Waffen und Munition, wie zuvor geschehen, in die Hände der Terrorgruppen fallen würden. Mit dem Verlust von Idlib hielten moderate Kräfte damit Ende Februar 2017 nur noch begrenzte Gebiete im Süden Syriens und kleine Enklaven bei Aleppo und Damaskus. Bedeutende Erfolge erreichten lediglich die Gruppen, die als „Freie Syrische Armee“ unter türkischem Kommando bei der Operation Schutzschild Euphrat gegen die Terrorgruppe IS kämpften.<ref name="wp230217">Liz Sly und Zakaria Zakaria: „‘Al-Qaeda is eating us’: Syrian rebels are losing out to extremists“, Washington Post vom 23. Februar 2017</ref>

2018

Im Januar 2018 begann die türkische Militäroffensive auf Afrin, bei der die türkische Armee in die syrisch-kurdische Region um Afrin einrückte, um dort kurdische YPG-Milizen zu bekämpfen. Sie wurde dabei von offiziell rund 25.000 FSA-Kämpfern begleitet, nach Einschätzung von Beobachtern sind es nur etwa 5.000 bis 7.000. Turkmenen sollen dabei die Masse der Kämpfer in den von der Türkei aufgestellten FSA-Verbänden stellen. Teile der FSA-Truppen wurden beim Einmarsch in Syrien auf Videos mit neuen Kopfbedeckungen gezeigt, die an Helme erinnern, wie sie Soldaten des Osmanischen Reiches um die Zeit des Ersten Weltkrieges trugen.<ref>Benjamin Barthe: „L’Armée syrienne libre, de la lutte contre Assad à la milice proturque“ Le Monde vom 30. Januar 2018</ref>

Andere Teile der türkischen FSA bei der Operation Afrin sind nach einem Bericht der Zeitung The Independent Kämpfer, die zuvor Teil der Terrororganisation Islamischer Staat waren.<ref>Turkey accused of recruiting ex-Isis fighters to attack Kurds in Syria. In: The Independent. 7. Februar 2018 (independent.co.uk [abgerufen am 27. Februar 2018]).</ref> Sie seien von den türkischen Behörden für die Operation angeworben worden, man hätte sie aber angewiesen, ihre Taktik der Selbstmordangriffe nicht zu verwenden, offenbar um die Tatsache ihrer Teilnahme an den Kämpfen vor der internationalen Gemeinschaft zu verschleiern.<ref>„Turkey accused of recruiting ex-Isis fighters in their thousands to attack Kurds in Syria“ The Independent.co.uk vom 8. Februar 2018</ref>

Im März 2018 berichtete The Region, dass Frauen und Kinder eines getöteten FSA-Anhängers in der Türkei die türkische Staatsbürgerschaft sowie ein Apartment und 30.000 Lira erhalten. Ein kriegsinvalider FSA-Kämpfer erhalte die türkische Staatsbürgerschaft und 15.000 Lira.<ref>Turkey to offer citizenship to the families of killed FSA fighters currently attacking Afrin. In: theregion.org. Abgerufen am 13. März 2018.</ref>

Nach der Besetzung Afrins im März 2018 pries ein Journalist des Guardian die türkische FSA für den schnellen Sieg gegen eine Truppe, die von den USA ausgerüstet worden sei, und nannte die türkische FSA eine aufstrebende Rebellenarmee in Syriens Norden.<ref>„Syrian rebel victory in Afrin reveals strength of Turkish-backed force“ The Guardian vom 22. März 2018</ref> Die Analyseplattform Stratfor rechnete den türkischen Sieg der zahlenmäßigen Überlegenheit der türkeitreuen Truppen und der technischen Überlegenheit der türkischen Armee mit ihrer Artillerie, Luftwaffe und Spezialeinheiten gegen die YPG zu, die selbst fast nur aus leichter Infanterie bestand. Auch sei der Angriff der Türkei und ihrer Verbündeten aus verschiedenen Richtungen vorteilhaft gewesen. Die türkische FSA selbst habe sich in Taktik und Führung verbessert, jedoch ließen Kampfkraft und Disziplin noch zu wünschen übrig.<ref>„Turkey After Afrin“ vom 14. März 2018</ref> Ähnlich argumentierte David Ignatius, entsetzt von den Bildern nach der Besetzung von Afrin, schrieb er, man könne nicht erkennen, ob tatsächlich der NATO-Partner Türkei oder vielleicht doch die Terrorgruppe Islamischer Staat Afrin besetzt hätte. Ignatius folgerte, dass die Türken keine disziplinierten Soldaten hätten, die nach einer möglichen Besetzung von Manbidsch die Ordnung aufrechterhalten könnten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />David Ignatius: „The Turks have taken Afrin. Let’s not let Manbij fall next.“ (Memento vom 22. März 2018 im Internet Archive) Washington Post vom 18. März 2018 [1]</ref>

2019

Datei:Azez’den Akçakale’ye gelen ve Geçici Barınma Merkezi'ne getirilen ÖSO konvoyu.jpg
Unter türkischem Oberbefehl nach Nordsyrien entsandte sunnitische Milizen präsentieren im Oktober 2019 die FSA Flagge.

Im Oktober 2019 setzten die Türken erneut auf die syrischen Islamistengruppen und schickten sie während der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien vor ihren eigenen Truppen gegen die Kurden.<ref>Jürgen Gottschlich: „Luft- und Bodenoffensive der Türkei Dutzende Tote bei Syrien-Invasion“ TAZ vom 10. Oktober 2019</ref> Im Zuge der Absetzbewegungen der Amerikaner aus Nordsyrien gerieten deren Truppen gelegentlich in die Nähe der FSA. Dabei beklagten US-Offizielle deren schlechte Disziplin, da sie die US-Truppen mehrfach unter Beschuss genommen hatten – sei es aus Versehen oder absichtlich.<ref>„Assad Forces Surge Forward in Syria as U.S. Pulls Back“ New York Times vom 14. Oktober 2019</ref>

2024

Im Dezember 2024 drangen etwa 1000 bis 1500 von den US-amerikanischen Spezialkräften in At-Tanf ausgebildete Kämpfer der FSA, im Rahmen der Rebellenoffensive, von At-Tanf (im Gouvernement Rif Dimaschq) kommend in Richtung Damaskus vor.<ref>Mohannad al-Najjar, Asia Haidar, Susanne Koelbl, Maximilian Popp, Christoph Reuter, Fritz Schaap: (S+) Syrien: Diktator Baschar al-Assad steht kurz vor dem Fall. In: Der Spiegel. 7. Dezember 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Dezember 2024]).</ref>

Internationale Unterstützung

Der libysche Nationale Übergangsrat kündigte bereits im November 2011 an, dass er in Gesprächen mit dem Syrischen Nationalrat stehe und es in Erwägung ziehe, Waffen und freiwillige Kämpfer der Nationalen Befreiungsarmee zur Freien Syrischen Armee zu schicken. Nach Angaben von Vertretern des Übergangsrates bieten die Libyer Geld, Waffen und Ausbildungskräfte für jene an, die loyal zum Syrischen Nationalrat stehen.<ref>syrian dissidents to get arms, volunteers from Libya. al Arabiya, 26. November 2011, abgerufen am 27. November 2011.</ref> Nach libyschen Angaben wurden am 29. November mindestens 600 Kämpfer der Libyschen Nationalen Befreiungsarmee von Libyen nach Syrien gesandt, um die Freie Syrische Armee zu unterstützen. Sie drangen von der Türkei aus nach Syrien ein.<ref>m.albawaba.com</ref>

Seit spätestens Mai 2012 sollen Kämpfer der Freien Syrischen Armee und andere Einheiten der syrischen Opposition vom türkischen Geheimdienst in der Türkei und ab Sommer 2013 vom US-Geheimdienst CIA in Jordanien trainiert worden sein.<ref>Michael Weiss: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Syrian rebels say Turkey is arming and training them (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive), The Telegraph, 22. Mai 2012.</ref><ref>CIA bildet Syriens Rebellen für Waffenkampf aus, Focus.de, 22. Juni 2013.</ref> Der amerikanische Dokumentarfilmer Matthew VanDyke, der zuvor im libyschen Bürgerkrieg gekämpft hatte, veröffentlichte 2013 den Film Not Anymore: A Story of Revolution, der für internationale Unterstützung für die FSA werben soll.

Die deutsche Bundesregierung unterstützte die FSA und weitere Gruppierungen mit 2,8 Millionen Euro (2014) und 1,4 Millionen Euro (2015).<ref>Geld für syrische Opposition. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Dezember 2015.</ref>

Kritik

Menschenrechtsverletzungen

Datei:Brigade de la Tempête du Nord 1-2-2018.jpg
Von der Türkei in Syrien eingesetzter Kämpfer unter FSA-Flagge (2018)

Im August 2012 verabschiedete die FSA einen Verhaltenskodex, der ihre Mitglieder dazu verpflichtet, im Kampf gegen die syrische Regierung die Menschenrechte und internationales Recht zu achten und sich an die Genfer Konvention zu halten.<ref>The Guardian: FSA Code of Conduct, abgerufen am 20. November 2012.</ref><ref>National Public Radio: Rebels Defensive, In Syria And On World Stage, abgerufen am 20. November 2012.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Amnesty International: All sides must protect captured or detained individuals in their custody (Memento vom 2. Dezember 2012 im Internet Archive), abgerufen am 20. November 2012.</ref> Dennoch werden einzelnen FSA-Einheiten Übergriffe auf Christen vorgeworfen. Gemäß dem Fidesdienst der römisch-katholischen Kirche beklagt die syrisch-orthodoxe Kircheethnische Säuberungen gegen Christen“ in Homs durch die Faruq-Brigade.<ref name="fides">ASIEN/SYRIEN – Beobachter beklagen Menschenrechtsverstöße der Opposition in Homs während Jesuiten humanitäre Hilfe leisten. Fides Agenzia, 21. März 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. September 2012; abgerufen am 7. April 2012.</ref>

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der FSA, wie auch der regulären syrischen Armee und regierungstreuen Milizen Menschenrechtsverletzungen vor.<ref>Amnesty: Bericht über Angriffe des Regimes auf Zivilisten, abgerufen am 20. November 2012.</ref><ref>In Cold Blood: Summary Executions by Syrian Security Forces and Pro-Government Militias, abgerufen am 19. November 2012.</ref> HRW kritisiert, dass die FSA Minderjährige als Kindersoldaten aufnimmt.<ref>Syria: Opposition Using Children in Conflict Bericht von Human Rights Watch 29. November 2012.</ref>

Mitglieder der FSA verübten Kriegsverbrechen. So wurde Abu Dhib in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilt. „Der Verurteilte war unter dem Dach der Freien Syrischen Armee in Aleppo tätig. Dort übte er unter dem Kampfnamen Abu Dhib (‚Vater des Wolfes‘) eine grausame Schreckensherrschaft aus. Gefangene wurden schwer misshandelt und gefoltert, teils eigenhändig, teils in seiner Verantwortung“.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Höchststrafe für syrischen Kriegsverbrecher.] Deutsche Welle, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 17. Juli 2021.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Korruptionsvorwürfe

FSA-Angehörige sollen nach Berichten der türkischen Tageszeitung Yurt Gazetesi<ref>Ömer Ödemiş: Muhalifler asker cesedini bile satıyor In: Yurt Gazetesi, Istanbul, 9. Oktober 2012.</ref> in Organhandel verwickelt sein.<ref>Hans Springstein: Wie im Kosovo so in Syrien? In: der Freitag, 7. Mai 2013.</ref> Einheiten der FSA wurden von der syrischen Zivilbevölkerung wiederholt der Korruption beschuldigt.<ref>Free Syrian Army losing support as misery soars among the people In: The National. Abgerufen am 9. Mai 2013</ref> In Aleppo wurden FSA-Einheiten beschuldigt, illegal Mehl verkauft zu haben und damit für den Mangel an Brot verantwortlich gewesen zu sein. Daraufhin übernahm die al-Nusra-Front die Kontrolle über Bäckereien und die Brotverteilung in Aleppo.<ref>Syria: how jihadist group Jabhat al-Nusra is taking over Syria’s revolution In: The Telegraph. Abgerufen am 15. April 2013</ref>

Weblinks

Commons: Freie Syrische Armee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="wsj">Top Western-Backed Rebel in Syria Is Forced to Flee In: The Wall Street Journal. Abgerufen am 14. Dezember 2013</ref> </references>

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