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Friedenskirche (Hanau)

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Datei:Friedenskirche-hanau001.jpg
Blick auf die Kirche und den Ortsteil Kesselstadt vom südlichen Mainufer aus
Datei:Friedenskirche Hanau archäologische Grabung.jpg
Andeutung der Vorgängerbauten an der Südostecke mit schwarzem Kopfsteinpflaster für die romanische Kirche und Bruchsteinpflaster für den polygonalen gotischen Chor

Die Friedenskirche ist eine evangelische Kirche im Hanauer Stadtteil Kesselstadt. Die neugotische Kirche wurde 1904 nach einem Entwurf von Heinrich Jassoy erbaut.

Lage

Die Kirche liegt auf der Anhöhe Lindenrain an der Philippsruher Allee, die Kesselstadt mit der Hanauer Innenstadt verbindet und am Main entlang führt. Der unterhalb der einstigen Kirche am Mainufer liegende Lindenrain war eine weitgehend hochwassersichere Stelle und schon früh besiedelt.

Geschichte

Datei:Hanau-Kesselstadt evangelische Friedenskirche 20101209.jpg
Friedenskirche
Datei:Jesus, der gute Hirte, ev. Friedenskirche in Hanau-Kesselstadt.JPG
„Jesus als guter Hirte“ im Tympanon der Friedenskirche

Unter dem späteren Chor der Kirche fanden sich neben keltischen Siedlungsresten der vorrömischen Eisenzeit und Belegen eines großen römischen Steinkastells auch Spuren einer frühmittelalterlichen Siedlung aus dem 8./9. Jahrhundert und das Grubenhaus eines Webers aus dem 10. Jahrhundert.

Erstmals wird 1275 eine Kirche auf diesem Platz urkundlich erwähnt, dort wird auch der Ortsname „Kesselstatt“ (Kesselstadt) genannt. Durch archäologische Grabungen 1985 ist eine romanische und eine dem ersten Bau gegenüber größere gotische Vorgängerkirche nachgewiesen. Die Kirche war der Heiligen Katharina geweiht.<ref>Martin Hoppe: Hanau und der Main. Hanau 2006, S. 3.</ref> Die in der archäologischen Grabung festgestellten Fundamente sind im Pflaster des Vorplatzes an der südöstlichen Ecke der Kirche nachgebildet. Der archäologische Befund für den romanischen Bau lässt nur ungenaue zeitliche Rückschlüsse zu und verweist auf die Periode zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert. Etwa um 1470/1471 wurde die romanische Kirche erweitert. Sie war in der Folgezeit bis 1904 das Gotteshaus des Dorfes Kesselstadt. Da das Dorf Kesselstadt zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte, die in der Reformation die Konfession wechselte, wurde auch seine Kirche evangelisch.

Bauwerk

Weil die mittelalterliche Kirche mittlerweile zu klein und zu baufällig geworden war, beschloss das Presbyterium um 1900 die Errichtung einer neuen Kirche, nun nicht mehr östlich, sondern südlich orientiert. Sie wurde in neugotischem Stil erbaut, Wand- und Deckenbemalung haben Anklänge an den Jugendstil.

Für den Neubau setzten sich Pfarrer Johann Friedrich Hufnagel und der Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Kesselstadt, Wilhelm Geibel, ein. Der Entwurf für die Kirche stammt von dem 1863 in Hanau geborenen Architekten Heinrich Jassoy, der als Professor an der Technischen Hochschule Stuttgart lehrte. Am 25. September 1904 wurde die neue Kirche eingeweiht und erhielt den Namen Friedenskirche.

Das in Sandstein gearbeitete Tympanonrelief des Frankfurter Bildhauers Hermann Jess von 1904 zeigt „Jesus als guten Hirten“. Der Kirchturm ist südwestlich in das Kirchengebäude einbezogen, besitzt eine Höhe von 49,5 m und birgt vier Glocken mit den Tönen d′, e′, g′ und a′. Das Gewicht der Ehrenglocke beträgt 2000 kg, das der Vaterunserglocke 650 kg. Die Kirchturmuhr, ebenfalls von 1904, ist die einzige noch erhaltene vollmechanische Turmuhr in Hanau; zweimal in der Woche muss sie mit einer Kurbel von Hand aufgezogen werden.

Die Friedenskirche ist die einzige Hanauer Kirche, die den Zweiten Weltkrieg mit nur geringen Schäden überstand. Als beim Luftangriff im Januar 1945 Luftminen auf den zugefrorenen Main fielen, wurden lediglich ihre Fenster zerstört.

Ausstattung

Der Kirchenraum ist zweischiffig. Das Hauptschiff weist drei Joche auf, wobei das hintere davon weitgehend von Eingangsbereich und Orgelempore eingenommen wird. Das westlich gelegene Seitenschiff wird in seiner ganzen Länge horizontal durch eine Empore geteilt. Oberhalb der Seitenfenster sind die vier Evangelisten dargestellt: Markus als Löwe, Johannes als Adler, Lukas als Stier und Matthäus als geflügelter Mensch.

Der Taufstein, das älteste Stück der Kirche, wurde der Inschrift zufolge 1590 von Johannes Opilio Plebanus gestiftet und stammt vermutlich aus dem Vorgängerbau. Das Ölgemälde an der östlichen Längswand stellt die Trauer bei der Grablegung Christi dar. Geschaffen vom Karlsruher Künstler Ludwig des Coudres, wurde es auf der Kölner Kunstausstellung 1861 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und 1898 von der Familie J. Waltz gestiftet. Aus der abgebrochenen Maria-Magdalenen-Kirche stammen auch noch die beiden alten Opferstöcke am Eingang.

1954, zum 50-jährigen Bestehen, wurde die Kirche innen völlig erneuert. Dabei wurden die Chorfenster von dem Groß-Auheimer August Peukert neu gestaltet. Das mittlere Fenster hat das Thema „Jesus am Kreuz“, die beiden seitlichen Fenster die Themen „Verkündigung“ und „Abendmahl“. Die letzte Innenrenovierung fand 1985 statt. In den letzten Jahren wurde mit erheblichem Aufwand und Unterstützung durch die staatliche Denkmalpflege der Naturstein der Fassaden renoviert.

Orgel

Datei:Kesselstadt Friedenskirche Orgel (01).jpg
Voigt-Orgel von 2009 hinter dem historischen Prospekt von 1756/1906

Für den Vorgängerbau steuerte Johann Georg Zinck 1756 eine neue Orgel mit einem Manual hinter einem fünfteiligen Prospekt bei. Für die neue Kirche bauten die Gebrüder Ratzmann 1906 ein neues seitenspieliges Werk mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal ein. Dabei wurde der Zinck-Prospekt übernommen und an den Seiten durch Pfeifentürme und kleine verbindende Felder erweitert. 1954 erfolgte ein Umbau durch Walcker, 1969 ein Erweiterungsumbau auf 31 Register im Sinne der Orgelbewegung durch Bernhard Schmidt. Die Orgel wurde umdisponiert, die Traktur elektrifiziert und mit einem freistehenden Spieltisch versehen. Nachdem immer mehr Mängel aufgetreten waren, baute die Firma Mitteldeutscher Orgelbau A. Voigt 2008/2009 ein neues Werk hinter dem historischen Prospekt unter Einbeziehung eines Großteils der vorhandenen Register ein.<ref>Krystian Skoczowski: Die Orgelbauerfamilie Zinck. Ein Beitrag zur Erforschung des Orgelbaus in der Wetterau und im Kinzigtal des 18. Jahrhunderts. Haag + Herchen, Hanau 2018, ISBN 978-3-89846-824-4, S. 152.</ref> Die heutige Disposition umfasst 25 Register und lautet wie folgt:<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20190428170804

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I Hauptwerk C–g3
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Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Blockflöte 4′
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Oktave 2′
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Mixtur III–IV
Trompete 8′
II Schwellwerk C–g3
Geigenprincipal 8′
Gedackt 8′
Salicional 8′
Principal 4′
Flaut travers 4′
Nasard 223|{{#if:2|22|{{#if:2|12|⁄}}}}}}′
Waldflöte 2′
Mixtur III–V
Dulcian 16′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Principalbass 8′
Gedacktbass 8′
Choralbass 4′
Posaune 16′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
    • Superoktavkoppeln: II/I, II/II, I/P, II/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, II/II

Literatur

  • Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986. Teil 1. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 33.) Marburg 1984, S. 80 f.
  • Peter Jüngling: Hanau-Kesselstadt. Zur Archäologie einer Pfarrkirche in Hanau. (= Hanauer Schriften zur Archäologie und Geschichte, Band 1.) Hanau 2004.
  • Carolin Krumm (Bearb.): Stadt Hanau. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen.) Wiesbaden 2006, ISBN 3-8062-2054-9.
  • Festschrift zur Einweihung der Friedenskirche in Kesselstadt am 25. September 1904. Kesselstadt 1904. (als Nachdruck: Hanau 1979.)
  • Jakob Rullmann: Versuch einer Geschichte des Pfarrdorfes Kesselstadt. 1881. (als Nachdruck: 1999.)

Weblinks

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Einzelnachweise

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