Gelber Günsel
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| Datei:Ajuga chamaepytis.JPG
Gelber Günsel (Ajuga chamaepitys) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Ajuga chamaepitys | ||||||||||||
| (L.) Schreb. |
Der Gelbe Günsel oder Acker-Günsel (Ajuga chamaepitys) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Günsel (Ajuga) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Art ist in vielen Unterarten von Westeuropa über den Mittelmeerraum bis Zentralasien verbreitet.<ref name="POWO" />
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Gelbe Günsel wächst als einjährige, seltener zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanze und erreicht meist nur Wuchshöhen von 5 bis 15, selten bis zu 25 Zentimetern.<ref name="HegiGams1964" /> Sie duftet aromatisch. Der oft niederliegende oder aufsteigende Stängel kann stark verästelt sein. Er kann aber bis zu 40 cm tief wurzeln.
Im Unterschied zu den meisten Lippenblütlern sind die gegenständigen, 1 bis 3 Zentimeter langen, behaarten Laubblätter des Gelben Günsels jeweils in drei lange, linealische, 1 bis 1,5 Millimeter breite Zipfel gespalten.<ref name="HegiGams1964" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die sehr kurz gestielten Blüten stehen einzeln, manchmal auch zu zweit in den Blattachseln und bilden 1 bis 1,5 Zentimeter lange Scheinähren.<ref name="HegiGams1964" />
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist röhrig-glockig, später kugelig und mehr oder weniger zottig und drüsig behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die zitronengelbe, häufig rotbraun gezeichnete Krone mit sehr kleiner, zweizipfliger Oberlippe und wesentlich längerer Unterlippe erreicht meist 7 bis 15 Millimeter Länge. Die Unterlippe ist gerade vorgestreckt, vierlappig und bräunlich oder rötlich gezeichnet.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubblätter ragen unter der Oberlippe etwas hervor.<ref name="HegiGams1964" /> Nektardrüsen fehlen.<ref name="HegiGams1964" />
Die Klausen sind etwa 3 Millimeter lang und stark netzig-grubig.<ref name="HegiGams1964" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.<ref name="IPCN" /><ref name="InfoFlora" />
Vorkommen
Der Gelbe Günsel ist im südlicheren Europa, im Mittelmeerraum, Südwestasien und Nordwestafrika verbreitet.<ref name="POWO" /> In Europa fehlt der Gelbe Günsel nur in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Irland, im Baltikum und in Belarus.<ref name="POWO" /> In den Niederlanden ist der Gelbe Günsel ausgestorben.<ref name="POWO" />
In Deutschland, wo er als Archäophyt eingewandert ist<ref name="FloraBW" />, wächst er vorwiegend in Äckern oder kurzlebigen Unkrautfluren auf kalkhaltigen, leicht erwärmbaren Böden zwischen Main und Donau sowie in Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Der Gelbe Günsel ist eine Charakterart des Verbands der Mohnäcker (Caucalidion lappulae), kann aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Alysso-Sedion-albi vorkommen. Insgesamt ist der Gelbe Günsel aber stark rückläufig und in der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands, insbesondere als Folge intensiven Ackerbaus und erhöhten Stickstoffeintrages, in Klasse 3 („gefährdet“) eingestuft. Im Mittelmeerraum ist er hingegen ungefährdet. Er steigt im Kanton Wallis bis in eine Höhenlage von etwa 1600 Meter auf.<ref name="HegiGams1964" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Der Gelbe Günsel wurde lateinisch im Mittelalter auch Iva arthetica genannt<ref>Vgl. etwa Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon.</ref><ref>Vgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 144.</ref> Diese Bezeichnungen konnten im Süden auch den Mittelmeer-Günsel (Ajuga iva) meinen.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 166.</ref> Der Gelbe Günsel wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum unter dem Basionym Teucrium chamaepitys <templatestyles src="Person/styles.css" />L. erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" /> 1773 stellte Johann Christian von Schreber diese Art als Ajuga chamaepitys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Schreb. in Plantarum Verticillatarum Unilabiatarum genera et species Seite XXIIII (24) in die Gattung Ajuga.<ref name="Schreber 1773" />
Unterarten
Besonders im Osten des Verbreitungsgebietes ist der Gelbe Günsel sehr formenreich. Je nach Autor gibt es etwa 14 Unterarten:<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Schreb. subsp. chamaepitys: Heimat: West- und Zentraleuropa, Italien einschließlich Sizilien, Nordwest-Afrika.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. chia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schreb.) Arcang. (Syn.: Ajuga chia <templatestyles src="Person/styles.css" />Schreb.): Heimat: Südosteuropa und Osteuropa und nördlich bis etwa 53° im östlichen Russland und östlich bis zum nordwestlichen und westlichen Iran.<ref name="POWO" /> Das Epitheton "chia" bedeutet "von der Insel Chios".
- Ajuga chamaepitys subsp. cuneatifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Stapf) P.H.Davis (Syn.: Ajuga cuneatifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Stapf): Heimat: westliche, südliche und südöstliche Türkei, nördlicher Irak.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. cypria <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Heimat: nördliches Zypern, südwestliche Türkei.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. euphratica <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Heimat: Östliche Türkei.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. glareosa <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Heimat: Anatolien, Libanon.<ref name="Davis 1980" />
- Ajuga chamaepitys subsp. laevigata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss.) P.H.Davis (Syn.: Ajuga laevigata <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss.): Heimat: Östliche und südöstliche Türkei, Libanon, Syrien, Palästina, nördlicher Irak.<ref name="Davis 1980" /><ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. libanotica <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Heimat: Libanon.<ref name="Davis 1980" />
- Ajuga chamaepitys subsp. mardinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Heimat: südöstliche Türkei, Irak.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. mesogitana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss.) Bornm. (Syn.: Ajuga mesogitana <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss.): Heimat: Anatolien, Libanon.<ref name="Davis 1980" />
- Ajuga chamaepitys subsp. palaestina <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss.) Bornm. (Syn.: Ajuga palaestina <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss.): Heimat: Ostägäische Inseln, Anatolien, Zypern, Libanon, Syrien, Israel/Jordanien.<ref name="Davis 1980" />
- Ajuga chamaepitys subsp. rechingeri <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bilik) P.H.Davis (Syn.: Ajuga rechingeri <templatestyles src="Person/styles.css" />Bilik): Heimat: Östliche Türkei, Syrien.<ref name="Davis 1980" /><ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. suffrutescens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) Pott.-Alap. ex Greuter & Brudet, Heimat: Südliches Spanien, Tunesien, vielleicht auch Algerien.<ref name="POWO" />
- Ajuga chamaepitys subsp. tridactylites <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ging. ex Benth.) P.H.Davis (Syn.: Ajuga tridactylites <templatestyles src="Person/styles.css" />Ging. ex Benth.): Kommt im Sinai, in Saudi-Arabien, Jordanien, Irak und Iran vor.<ref name="MCh" /><ref name="POWO" /><ref name="Davis 1980" />
Trivialnamen
Weitere Bezeichnungen für den Gelben Günsel (in lateinischen Texten oft camaepitheos oder mittellateinisch camepitheos bzw.<ref>Vgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 138.</ref> chamaepitys – Bezeichnungen, die im Süden auch für den Mittelmeer-Günsel standen)<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 166 (dort auch „Camepitis“, „hamepitheos“ und „hamasitheos“ sowie „Quercula minor“).</ref> sind oder waren, zum Teil auch nur regional: Ackergamander, Birnskün, schwarz Cipres, Erdkyfer, Erdpin, Erdweihrauch, Feldzypresse, großer Gamander, klein Gamander (althochdeutsch), klein Gamanderlein (althochdeutsch), Gehtwurz (althochdeutsch), Gihtwurz (althochdeutsch), Gichtwurz (mittelhochdeutsch), Gichwurz (mittelhochdeutsch), Gichtword (mittelniederdeutsch), Gitword (mittelniederdeutsch), Horhave (althochdeutsch), Karse, klein Loig, Romischer Kole, Romes, Romesch, Rumesch, Schlafkräutlein, Schlafkraut, Schlagkräutlein, Schlagkraut, Wittkrud, Zeitheid und Zeitkraut<ref name="Pritzel-Jessen 1882" /> sowie Jelängerjelieber und Gundram.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 166 („Camepitheos – yelengeryelieber, […] gundram“).</ref>
Nutzung als Heilpflanze
Ein Aufguss der oberirdischen Pflanzenteile soll harntreibend wirken. Aufgrund ihrer stimulierenden Wirkung wurde die Pflanze zur Behandlung von Schlaganfällen eingesetzt, was sich auch in ihren Trivialnamen „Schlagkraut“ oder „Schlagkrautgamander“ ausdrückt.<ref name="Enzyklopädie" /> Die Art war schon im Altertum als Mittel bei Schlangen- oder Skorpionsstichen, als schweißtreibendes Mittel und gegen manch andere Leiden im Gebrauch.<ref name="HegiGams1964" />
Literatur
- Martin Hanf: Farbatlas Feldflora. Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-4074-8.
- Andreas Kleinsteuber, Thomas Breunig (Mitarb.): Lamiaceae, Labiatae. In:
Einzelnachweise
<references> <ref name="IPCN"> Ajuga chamaepitys bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="POWO"> Ajuga chamaepitys. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Ajuga chamaepitys (L.) Schreb. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="MCh"> </ref> <ref name="FloraBW"> </ref> <ref name="Pritzel-Jessen 1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 13, eingescannt. </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 562 (Digitalisat). </ref> <ref name="Davis 1980"> P. H. Davis: Ajuga. In: Peter Hadland Davis (Hrsg.): Materials for a Flora of Turkey. XXVII. Labiatae, Plumbaginaceae, Plantaginaceae. In: Notes from the Royal Botanic Garden Edinburgh. Band 38, Nr. 1, S. 23–32 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />(online) ( des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. </ref> <ref name="Schreber 1773"> Johann Christian von Schreber: Plantarum Verticillatarum Unilabiatarum genera et species. Sigfr. Leb. Crusius, Leipzig 1773, S. 24 eingescannt. </ref> <ref name="Enzyklopädie"> </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2539–2541. </ref> </references>
Weblinks
- Ajuga chamaepitys bei Plants For A Future
- Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
- Ajuga chamaepitys (L.) Schreb., Gelber Günsel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB
- Ajuga chamaepitys bei Botanik im Bild – Flora von Österreich.
- Angaben bei gartendatenbank.de
- Datenblatt bei Flora Vascular.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).