Gemeiner Flieder
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Gemeiner Flieder (Syringa vulgaris) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Syringa vulgaris | ||||||||||||
| L. |
Der Gemeine Flieder oder Gewöhnliche Flieder (Syringa vulgaris) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) gehört. Veraltete Bezeichnungen für den Gemeinen Flieder sind Syringe<ref>Jacob Grimm; Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854 ff., Stichwort „(Gemeine) Syringe“.</ref> und Lilach.<ref>Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. (unter Mitwirkung von Wilhelm Wissmann und Wolfgang Pfeifer): Band I–V, Leipzig, Stuttgart und Wiesbaden 1943–1979, Band III (ab Spalte 481) und IV hrsg. von Heinz Paul, Band V (Registerband) 1958 mit Wilhelm Wissmann; Neudruck Köln 2000. ISBN 3-88059-982-3, Band IV, Sp. 69 f. und 546 f.</ref>
Beschreibung
Die Pflanze wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum mit Wuchshöhen zwischen 2 und 6 Meter. Der Stammdurchmesser erreicht bis zu 20 Zentimeter. Die rundlichen Zweige haben eine graue oder braungrüne Rinde, die an den Ästen und am Stamm längsrissig ist.
Die gegenständig angeordneten Laubblätter werden zwischen 5 und 12 Zentimeter lang und sind 1 bis 3 Zentimeter gestielt. Die dreieckigen bis leicht herzförmigen und kahlen Blätter sind zugespitzt und ganzrandig.
Die stark riechenden, vierzähligen, zwittrigen und kurz gestielten Blüten mit doppelter Blütenhülle stehen in dichten, endständigen Rispen. Die Krone ist stieltellerförmig. Es sind nur 2 kurze, fast sitzende Staubblätter in der Kronröhre und ein oberständiger, zweikammeriger und kahler Fruchtknoten mit kurzem Griffel und zweilappiger Narbe vorhanden. Blütezeit ist von April bis Mai. Die typischen Blütenfarben sind Schattierungen von bläulichem und rötlichem Violett in vielen Abstufungen, von zarten Pastelltönen bis zu dunklen Nuancen, außerdem Weiß und Rosa. Nach den Blüten wurden die Farbnamen „Lila“ (aus dem Französischen) und „Flieder“ benannt; unter dem letzteren Begriff versteht man ein helles bis mittleres Violett.
Als Früchte werden längliche, zweiklappige, bräunliche, holzige, spitze und viersamige Kapseln mit beständigem Kelch gebildet. Die abgeflachten Samen sind rundum kurz geflügelt und bis etwa 1 Zentimeter lang. Die Fruchtreife setzt ab September ein.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 38, 44 oder 46.<ref name="IPCN" />
Verbreitung
Der Gemeine Flieder ist in Südosteuropa und Vorderasien verbreitet. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet reicht vom zentralen Albanien bis zum nördlichen Rumänien.<ref name="WCSP" /> Nach POWO hat die Art ursprüngliche Vorkommen im früheren Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland.<ref name="POWO" /> Die Art wird häufig in zahlreichen Gartensorten angepflanzt und ist vielfach an Felshängen oder Bahndämmen eingebürgert. Sie ist ein Neophyt in einigen Ländern Europas, Asiens und Nordamerikas.<ref name="WCSP" /> Als Standort werden lichte Wälder und Gebüsche bevorzugt. Nach Oberdorfer kommt die Art in Mitteleuropa in Gesellschaften des Verbands Berberidion vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt in Südtirol bis 1520 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Hegi1966" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Das Bundesamt für Naturschutz schätzt den Gemeinen Flieder als invasive Art ein und hat ihn auf die Managementliste der Schwarzen Liste invasiver Arten gesetzt, da er einheimische Arten verdrängen kann.<ref>Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen, S. 192 f (PDF-Seite 194 f).</ref>
Geschichte
Im Jahr 1560 wurde der Gemeine Flieder vom kaiserlichen Gesandten Ogier Ghislain de Busbecq aus Konstantinopel nach Wien gebracht. Er soll aber schon vorher etwa 902 von Arabern nach Spanien gebracht worden sein, ist aber nicht nach Mitteleuropa gekommen.<ref name="Hegi1966" /> Seit Ende des 16. Jahrhunderts ist er zuerst in Frankreich, später in Bauerngärten in Mitteleuropa zu finden. Aber erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Züchtung von Syringa vulgaris-Hybriden eine Fülle von neuen Farben und Farbmischungen hervorbrachte, wurde er auch in Gärten beliebt. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 9 als Syringa vulgaris.
Inhaltsstoffe
Aus dem Gemeinen Flieder wurde 1841 das Syringin isoliert.<ref>Alphons Meillet: Lilacin. In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. 40 (3), 1841, S. 319–320. doi:10.1002/jlac.18410400342.</ref><ref>Alphons Meillet: Ueber das Lilacin, das bittre Princip der Lilas (Syringa vulgaris). In: Archiv der Pharmazie. 79 (3), 1842, S. 354–356. doi:10.1002/ardp.18420790312.</ref><ref>Franz J. Bernays: Ueber das Syringin. In: Pharmaceutisches Central-Blatt. 12, 1841, S. 938–939. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Franz J. Bernays: Ueber einen neuen krystallisirbaren Pflanzenstoff, das Syringin aus der Syringa vulgaris. In: Repertorium für die Pharmacie. 74, 1841, S. 348–351. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Zudem leiten sich namentlich wie auch strukturell davon folgende chemische Verbindungen ab: Syringol, Syringaalkohol, Syringaaldehyd, Syringasäure und Acetosyringon.
Nutzung
Das recht schwere und harte, seltene und schöne Holz kann z. B. zum Drechseln oder Schnitzen verwendet werden.<ref>Flieder auf materialarchiv.ch.</ref>
Literatur
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-12-819644-1, S. 680 ff.
- Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
- Bruno P. Kremer, Gunter Steinbach (Hrsg.); Reinhild Hofmann: Strauchgehölze: erkennen & bestimmen. München 2002, ISBN 3-576-11478-5.
Weblinks
- Syringa vulgaris L., Gewöhnlicher Flieder. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Gemeiner Flieder. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Gewöhnlicher Flieder bei Baumkunde.
- Wie der Flieder nach Mitteleuropa kam, Pressetext der Freien Universität Berlin, 13. Mai 2002 (Abruf am 18. Mai 2022)
Einzelnachweise
<references> <ref name="IPCN">Syringa vulgaris bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Oberdorfer2001"></ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Hegi1966">Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3, Seite 1912–1917. Verlag Carl Hanser, München 1966.</ref> <ref name="InfoFlora"> Syringa vulgaris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="POWO">Syringa vulgaris. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> </references>