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Geschlechterdemokratie

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World Pride, London 2012

Geschlechterdemokratie ist ein strategischer Ansatz von Geschlechterpolitik.<ref>Peter Döge: Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik. Blockaden und Perspektiven einer Neugestaltung des Geschlechterverhältnisses. Bielefeld 2001.</ref> Er setzt darauf, dass sich nicht nur Frauen, sondern auch Männer und non-binäre Personen an der expliziten geschlechterpolitischen Ausgestaltung einer Gesellschaft, Organisation oder eines Unternehmens beteiligen. Er bezeichnet die Absicht, demokratische Verhältnisse unter den Geschlechtern herzustellen. Um dies zu erreichen, finden u. a. Gendertrainings statt, die das Bewusstsein für Ungleichheiten entwickeln und schärfen und Wege aufzeigen sollen, die Geschlechterverhältnisse zu demokratisieren. Der Begriff Geschlechterdemokratie wurde von der Berliner Soziologin Halina Bendkowski entwickelt und geprägt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jenseits von EMMA. Oder: Wie werden das Wissen und die Diskussionen des Feminismus (Memento des Vorlage:IconExternal vom 1. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.linksnet.de. In: UTOPIE kreativ. Nr. 158, Dezember 2003, S. 1144–1146.</ref>

Der Ansatz der Geschlechterdemokratie kam in den 1990er Jahren zusammen mit dem Ansatz des Gender-Mainstreaming auf.

Geschichte des Begriffs

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Johanna-Dohnal-Platz in Wien. In einer von Johanna Dohnal herausgegebenen Publikation erschien der Begriff „Geschlechterdemokratie“ 1993 erstmals in einem Buchtitel.

Halina Bendkowski zufolge entwickelte sie selbst den Begriff Anfang der 1990er Jahre, als sie „im Auftrag der österreichischen Frauenministerin Johanna Dohnal in den USA nach innovativen Projekten gegen häusliche Gewalt recherchierte“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jenseits von EMMA. Oder: Wie werden das Wissen und die Diskussionen des Feminismus (Memento des Vorlage:IconExternal vom 1. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.linksnet.de. In: UTOPIE kreativ. Nr. 158, Dezember 2003, S. 1144–1146.</ref> Erstmals als Titel erschien der Begriff dann 1993 in einer Publikation der österreichischen Bundesministerin für Frauenangelegenheiten: „Test the West: Geschlechterdemokratie und Gewalt“.<ref>Test the West: Geschlechterdemokratie und Gewalt. Bd. 1 von Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt. Hrsg. von Johanna Dohnal, Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, Wien 1993.</ref>

Die Pioniere des geschlechterdemokratischen Ansatzes lehnten eine fixe Definition des Begriffs ab. So schrieb Bendkowski: „Sobald Begriffe lexikalisch erfasst und theorierecycelt sind, haben sie ihr vitales Leben schon meist hinter sich. Ja, auch Begriffe leben, besonders die, die für und in politischen Realauseinandersetzungen gewonnen worden sind.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Jenseits von EMMA. Oder: Wie werden das Wissen und die Diskussionen des Feminismus (Memento des Vorlage:IconExternal vom 1. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.linksnet.de. In: UTOPIE kreativ. Nr. 158, Dezember 2003, S. 1144–1146.</ref> Gunda Werner, die 1999 Grundsätze für Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung umriss, erklärte: „Die Geschlechterdemokratie hat weder fertige praktische noch theoretische Konzepte. Sie ist eine Suchbewegung nach neuen Orientierungen und Modellen.“<ref>Gunda Werner: Geschlechterdemokratie 2000. Zehn Thesen zur Diskussion. Oktober 1999 (PDF-Dokument).</ref> Dennoch lassen sich Eckpunkte dieser frühen Ansätze von Geschlechterdemokratie benennen:

Anderenorts wird auf die nicht widerspruchslose Vielschichtigkeit des Prinzips verwiesen:

„Entstanden in der Anti-Gewalt-Debatte zielt [der Begriff Geschlechterdemokratie] auf einen Perspektivwechsel mit dem Ziel, Männer in ihren verschiedenen Positionen (...) stärker in die Verantwortung zu nehmen. In der Institutionen- und Organisationsdebatte wurde Geschlechterdemokratie vor allem als Alternative zur herkömmlichen Frauen- und Gleichstellungspolitik diskutiert. Als feministische Utopie erhält der Begriff v.a. eine Platzhalterfunktion für eine Vielzahl an feministischen Visionen.<ref>Juliette Wedl, Jutta Bieringer: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschlechterdemokratie – Begriffsgeschichte und Problemfelder. Eine Einleitung. t (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) In: Femina Politica, 2/2002</ref>“

Ziele und Ansätze

Ziel des geschlechterpolitischen Ansatzes der Geschlechterdemokratie ist es, Frauen und Männer gleichberechtigt an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teilnehmen zu lassen. Dazu sollen undemokratische Strukturen verändert und gewaltförmige Herrschaft abgebaut werden. „Demokratie“ hat hierbei einen erweiterten Sinn: Gleiche Rechte und Chancen für verschiedenartige Menschen werden anerkannt. Da es eine Vielzahl an geschlechtlichen Identitäten gibt, wird auch die Dichotomie Mann/Frau abgelehnt und gefordert, dass jeder Mensch, unabhängig vom Geschlecht, die Möglichkeit haben müsse, Lebensweg und Beziehungen selbstbestimmt und jenseits stereotyper Vorstellungen über „die“ Männer bzw. „die“ Frauen zu gestalten.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prämissen einer geschlechterdemokratischen Organisationsform (Memento vom 18. Dezember 2015 im Internet Archive) Gunda-Werner-Institut</ref>

In der geschlechterdemokratischen Praxis werden von Männern entwickelte Strukturen und Inhalte der rechtsstaatlichen Demokratie untersucht und in geschlechtergerechte Systeme und Ausdrucksformen umgewandelt. In einer Quelle heißt es, das demokratische Repräsentationsprinzip und der Staat seien aufgrund der Trennung in eine öffentliche Sphäre (in der durch Diskurse Macht und Herrschaft durchgesetzt, aber auch kritisiert werden) und in eine private Sphäre (Hausarbeit) Garant für die bleibende geschlechtliche Trennung. Diese gelte es zu überwinden, indem eine geschlechtergerechte Partizipation, Artikulation und Präsentation entwickelt wird. Im Gegensatz zu der Praxis von Gender-Mainstreaming wird hierfür auch der Zugang zu adäquaten Ressourcen berücksichtigt sowie die Struktur des Staates selbst hinterfragt.<ref>Birgit Sauer: Staat, Demokratie und Geschlecht – aktuelle Debatten. (PDF-Dokument) In: gender…politik… 2003.</ref>

Ein wesentliches Mittel, um Geschlechterdemokratie umzusetzen, sind sogenannte Gendertrainings, bei denen u. a. Rollenvorstellungen hinterfragt werden, der gesellschaftliche Rahmen analysiert wird und Ansätze dafür entstehen sollen, wie in Organisationen eine größere Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden kann.

Geschlechterdemokratie in Organisationen

Einige Beispiele für Organisationen, in denen Geschlechterdemokratie institutionell verankert ist:

Literatur

  • Johanna Dohnal (Hrsg.): Test the West: Geschlechterdemokratie und Gewalt. Bd. 1 von Gewalt gegen Frauen, Frauen gegen Gewalt. Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, Wien 1993, ISBN 978-3-901-19209-8.
  • Femina Politica, Ausgabe 2/2002: Schwerpunkt: Geschlechterdemokratie – ein neues feministisches Leitbild?
  • Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Geschlechterdemokratie wagen!, Königstein/Taunus, 2002.
  • Heinrich-Böll-Stiftung: Schriften zur Geschlechterdemokratie (14 Bände)
  • Walter Hollstein: Geschlechterdemokratie. Männer und Frauen: Besser miteinander leben. Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-8100-3978-1.
  • Annette Jünemann: Geschlechterdemokratie für die Arabische Welt. Die EU-Förderpolitik zwischen Staatsfeminismus und Islamismus, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-04941-6.
  • Helga Lukoschat: Das Konzept der Geschlechterdemokratie und seine Umsetzung in Organisationen, in: Gleichstellungsstelle der Landeshauptstadt Stuttgart (Hrsg.): Chancen und Risiken der Verwaltungsreform für Frauen, Stuttgart 1998, S. 6–13.
  • Ministerium für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales: Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt, Magdeburg 2001.
  • Birgit Sauer: Staat, Demokratie und Geschlecht – aktuelle Debatten. (PDF-Dokument) In: gender…politik…»online«, 2003.
  • Peter Döge: Geschlechterdemokratie als Männlichkeitskritik: Blockaden und Perspektiven einer Neugestaltung des Geschlechterverhältnisses. Bielefeld 2001.

Weblinks

Siehe auch

Anmerkungen

<references />