Kufiya
Kufiya (arabisch{{#if:كوفية| {{#invoke:Vorlage:lang|fold}}{{#if:| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:Kūfīya|, DMG {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| <templatestyles src="IPA/styles.css" />
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Arabische Nationalisten machten die Kufiya ab 1916 zum Symbol ihres Kampfes für einen von den Osmanen unabhängigen großarabischen Staat im Nahen Osten, ab 1938 zum Symbol des Arabischen Aufstands gegen Großbritannien und den Jischuw im Mandatsgebiet Palästina sowie zum Mittel, kompromissbereite arabische Gegner auszuschalten.
In den 1960er Jahren wurde die vom PLO-Führer Jassir Arafat getragene schwarzweiße Kufiya zum Symbol der palästinensischen Nationalbewegung in ihrem – auch mit gewaltsamen, terroristischen Mitteln – geführten Kampf gegen den Staat Israel. Seitdem ist die Kufiya im deutschsprachigen Raum als „Palästinensertuch“, „Pali-Tuch“, „Pali-Schal“ oder „Arafat-Schal“ bekannt, entgegen ihrer über die Palästinensergebiete hinausgehende Verbreitung und Entwicklungsgeschichte im Nahen Osten.
Etymologie
Verbreitet ist die Volksetymologie, das Wort „Kufiya“ gehe zurück auf die irakische Stadt Kufa. Yedida Stillman hält dies für falsch; plausibler sei eine Erklärung als europäisches Lehnwort: Reinhart Dozy beispielsweise verwies in diesem Zusammenhang auf ital. cuffia (span. cofia, port. coifa, franz. coiffe, engl. coif) oder scuffia (span. escofia, franz. escoffion), „Bundhaube“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Material, Formen und Verwendung
Das Tuch ist quadratisch mit einer durchschnittlichen Seitenlänge von etwa vier Fuß (~122 cm).<ref name="BC307">Beverly Chico: Hats and Headwear Around the World: A Cultural Encyclopedia. Bloomsbury Publishing, London 2013, ISBN 978-1-61069-062-1, S. 307</ref> Es trägt meist ein gleichmäßiges, gewürfeltes, kariertes und gestreiftes Muster. Stoffe, Farben und Muster sind vielfältig. Meist besteht die Kufiya aus Baumwolle (arabisch Hatta),<ref name="TS563">Ted Swedenburg: Seeing Double, Ann Arbor 1992, S. 563</ref> seltener aus Wolle oder Seide. Qualitativ hochwertige Kufiyas bestehen aus einem nahtlosen, schweren und reißfesten Stoff mit einem eingewebten Muster.
Die Kufiya kann und wird auf verschiedene Weise im Nahen Osten getragen. So können etwa die Ecken vorn oder hinten herunterhängen, zusammengebunden oder hochgeklappt sein. Farben und Tragweise verraten oft die regionale Herkunft des Trägers. In der arabischen Beduinenkultur setzte sich eine Tragweise durch, bei der die Kufiya das Gesicht umrahmt und über den Kopf gezogen, eine darauf gelegte schwere schwarze Kordel – der Aqal – verhindert das Hinunterrutschen des Tuchs. Insbesondere auf der arabischen Halbinsel in Ländern wie Saudi-Arabien, Kuwait, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist diese Form verbreitet.
Bei Beduinen im Irak ist die traditionelle Kufiya meist rot und weiß, ebenso bei den Haschimiten in Jordanien.<ref name="BC308">Beverly Chico: Hats and Headwear Around the World: A Cultural Encyclopedia. Bloomsbury Publishing, London 2013, ISBN 978-1-61069-062-1, Lemma Ghutra and Agal.</ref> In den Golfstaaten Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate ist sie oft nur weiß. Dort heißt die Variante aus leichtem Stoff Ghutra, die schwere Shamag.<ref name="BC307" /> In Oman wird das Tuch zum Turban gewickelt. In den Emiraten wird darunter eine Mütze getragen. In Palästina wird das Tuch oft nach Jassir Arafats Vorbild zu einem Dreieck gefaltet und die Falte mitten über der Stirn platziert. Dies soll die Umrisse der Region Palästina andeuten.<ref name="BC307" />
In Palästina, Jordanien und Libanon trägt die Kufiya meist ein schwarzweißes Schachbrettmuster mit Knoten oder Quasten am Rand.<ref name="BC307" /> Diese Form wurde früher in den Palästinensergebieten hergestellt, bis Massenware aus China den Markt beherrschte.<ref>Palästinensertuch kämpft mit Kopien aus China. FAZ, 1. September 2008</ref> Der letzte verbliebene Produzent im Westjordanland ist die Firma Hirbawi Textiles in Hebron.
Geschichte
Die Kufiya hatte ursprünglich keine spezifisch religiöse, ethnische oder politische Bedeutung. Ein Tuch als Kopfbedeckung war bei Männern im Orient seit dem Altertum üblich – aus Anstand und als praktischer Kälte- und Sonnenschutz.<ref>Jane Tynan: Insurgent Trend, in: Djurdja Bartlett (Hrsg.): Fashion and Politics, New Haven / London 2019, S. 126</ref>
Nach manchen Forschern stammt die Kufiya oder Guthra vom Gebetsschal Tallit ab. Beverly Chico wendet ein, dass gläubige Juden diesen jedoch nur zum Beten und Rezitieren von Tora-Geboten getragen hätten, nicht als Alltagskleidung und auch immer ohne Stirnband. Chico verweist stattdessen auf den Propheten Mohammed, der bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor seinem Tod (632) einen Wickel um den Kopf getragen haben soll, festgehalten durch ein schwarzes Band<ref name="BC308" /> – was wiederum der Journalist Elon Gilad als spätere Tradition erklärt, entstanden in einer Zeit, in der der Turban bereits als Markenzeichen des Islam galt.<ref name="EG" />
Im Osmanischen Reich trugen Beduinen und Fellachen auf dem Land meist eine weiße Baumwollkufiya über einer Kappe. Ältere Männer wickelten sie zu einem Turban. In den Städten markierte sie einen niedrigen Sozialstatus des Trägers. Dagegen trugen die Efendis der Mittel- und Oberschicht üblicherweise einen rotbraunen Fes. Bis 1830 verordnete die Regierung diesen als ausschließliche Kopfbedeckung türkischer Männer und verbot den im Islam bis dahin üblichen Turban. Im Ersten Weltkrieg starteten arabische Nationalisten in Damaskus eine Kampagne, dass Araber die Kufiya tragen sollten, um sich von den Fes tragenden Türken zu unterscheiden. Die Kämpfer der Arabischen Revolte (1916–1918) trugen die Kufiya als Teil ihrer Uniform.<ref>Ted Swedenburg: Seeing Double, Ann Arbor 1992, S. 563f.</ref> Auch der britische Agent T. E. Lawrence, der die Revolte mit anführte, trug dabei die Kufiya. Der Film Lawrence von Arabien (1962) popularisierte die Kufiya als Symbol heroischer Kämpfer im Westen.<ref>Joseph Donica: Head Coverings, Arab Identity, and New Materialism. In: Ileana Baird, Hülya Yağcıoğlu (Hrsg.): All Things Arabia, Leiden 2020, S. 167</ref>
Palästinensische Kufiya als Nationalsymbol und in internationaler Verwendung
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Auch in der Region Palästina war die Kufiya traditionell die Kopfbedeckung von Beduinen und wahrscheinlich von Bauern. Seit den 1930er-Jahren wurde sie in Palästina mehrfach und auf unterschiedliche Weise politisch aufgeladen, beginnend mit ihrer Verwendung durch Aufständige im Rahmen des Arabischen Aufstands von 1936 bis 1939.
Nachdem sich ab den 1950er-Jahren die schwarz-weiße Kufiya als die genuin palästinensische Kufiya etabliert hatte, wurde sie zunehmend auch in andere Regionen exportiert und dort wieder unterschiedlich reinterpretiert und ausgedeutet:
- Im globalen Norden wurden sie ab den 1960ern in mehreren Wellen popularisiert und dabei jeweils unterschiedlich ausgedeutet: Als Markenzeichen der Friedensbewegung, als Kennzeichen rechtsextremer anti-israelischer Gesinnung, während der 80er und der Mitt-2000er als entpolitisiertes Modeaccessoire, in Österreich als Markenzeichen der jugendkulturellen Krocha-Bewegung, außerdem als militärisches Equipment und davon abgeleitet als Männlichkeit markierende „tough-guy-Kufiya“.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> In jüngerer Zeit überlagern sich insbesondere zwei gegensätzliche Deutungen: einerseits als Symbol politischen Widerstands im Allgemeinen und im Besonderen der „palästinensischen Sache“, andererseits als Zeichen für Antisemitismus oder Sympathie mit terroristischen Organisationen.
- Ab den 1970ern nach Iran, dort sowohl als Ausdruck der Solidarität mit den Palästinensern und des Widerstands gegen westliche Einflussnahme, als Symbol des reformorientierten politischen Lagers und in Form der staatlich eingeführten Chafiye gleichzeitig als Symbol des politischen Establishments,
- Bei Kurden unter der Bezeichnung Puschi als Symbol für den Widerstand. In der Folge wurde sie in der Türkei als Kennzeichen von Anhängern der Arbeiterpartei Kurdistans interpretiert und ist daher im öffentlichen Raum verboten.
- In Israel seit den 2000er-Jahren als genuin „israelische Kefiyyeh“, die als „symbolische Waffe“ im Nahostkonflikt<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}: „symbolic weapon in the Middle East conflict“.</ref> Zugehörigkeit von Israelis zu Israel betonen und sich zugleich bewusst von der palästinensischen Symbolik des Originals abgrenzen soll,
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Muhammad bin Zayid al-Nahyan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, mit weißer Kufiya.
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Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, seit 2023 Premierminister von Katar, mit Kufiya bei einem Staatsempfang.
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Turban-Kufiya bei Masud Barzani, von 2005 bis 2017 Präsident der irakischen Autonomen Region Kurdistan.
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Angehörige der religiösen Bewegung der Jesiden mit Kufiyat (wohl im Irak).
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Omanische Tänzer mit zum Turban gebundenen Kufiyat.
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Special Air Service in Nordafrika, 1943
Weblinks
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- Eberhardt Rathgeb: Von der Beute zum Bekenntnis: das Palituch. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. November 2004
- Fashiontrend Palästinensertuch: „Die Damen sind ganz wild darauf“. In Spiegel Online, 28. Februar 2009, zum Modetrend in Nahost
Einzelnachweise
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