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Gold-Hahnenfuß

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Gold-Hahnenfuß
Datei:Ranunculus auricomus Sturm52.jpg

Artengruppe Ranunculus auricomus, Illustration

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae
Gattung: Hahnenfuß (Ranunculus)
Art: Gold-Hahnenfuß
Wissenschaftlicher Name
Ranunculus auricomus agg.
L.

Der Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.), manchmal auch Goldgelber Hahnenfuß, Goldschopf-Hahnenfuß oder Goldhaar-Hahnenfuß genannt, ist eine formenreiche Artengruppe aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Sie ist eine wichtige Modellgruppe in der Evolutionsbiologie, die für die Erforschung der Entstehung von Apomixis, Polyploidie und Artentstehung von großer Bedeutung ist.<ref name="Karbstein2022" />

Datei:Ranunculus auricomus kz05.jpg
Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus agg.)
Datei:Ranunculus auricomis.jpg
Blüte
Datei:Ranunculus auricomus agg 15042026.jpg
Typische Blüte mit einem fehlenden Blütenblatt

Beschreibung

Der Gold-Hahnenfuß ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimeter. Die Stängel tragen am Grund kleine Niederblätter. Die Grundblätter sind lang gestielt und haben eine ungeteilte, nierenförmig-rundliche Spreite mit gekerbt-gezähntem Blattrand, die aber auch drei-, fünf- oder mehrspaltig sein kann.<ref name="Karbstein2020" /><ref name="HodacKarbstein2023" /> Es liegt Heterophyllie vor. Die zwei bis vier Stängelblätter unterscheiden sich stark von den Grundblättern: sie sind sitzend, fingerartig geteilt und haben linealische bis lanzettliche, teilweise gekerbt-gezähnte Zipfel.<ref name="Karbstein2020" /><ref name="HodacKarbstein2023" />

Die Blütenstiele sind rund und nicht oder undeutlich gefurcht. Der Blütenboden ist kahl bis behaart.<ref name="Karbstein2020" /> Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Es sind immer fünf Kelchblätter vorhanden. Von den gelben Kronblättern sind nicht immer fünf voll ausgeprägt. Die diploid-sexuellen Stammarten besitzen meist eine vollständige Anzahl von Kronblättern, während die polyploid-apomiktischen Hybridtaxa (auch als „Kleinarten“ geführt) oftmals eine reduzierte Anzahl aufweisen.<ref name="Karbstein2021" /> Die Anzahl der Kronblätter hängt dabei auch von umgebenden Umweltfaktoren ab. Blütezeit reicht von März bis Mai. Die Bestäubung erfolgt durch Fremdbestäubung (Insektenbestäubung) bei den Selbstinkompatibilität Stammarten, und oft durch Selbstbestäubung bei den selbstkompatiblen Apomikten.<ref name="Karbstein2020b" /><ref name="Karbstein2021" />

Die dicht behaarten Nüsschen sind bei einer Länge von 3 bis 4 Millimeter eiförmig und enden in einem kurzen, hakigen Schnabel. Die Apomikten können, je nach Umweltbedingungen und genetischer Disposition, einen geringen Prozentsatz sexueller Samen innerhalb eines Nüsschens produzieren.<ref name="Karbstein2021" /> Die Fruchtreife erfolgt von Juli bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt meist 2n = 16 in den diploid-sexuellen Stammarten, und 2n = 32 in den tetraploid-apomiktischen Hybridtaxa.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Der Gold-Hahnenfuß ist ein Hemikryptophyt und eine Schaftpflanze. Eine vegetative Vermehrung erfolgt durch das Rhizom.

Er ist ein Frühjahrsblüher. Obwohl die kronblattartigen Perigonblätter und Nektarien oft reduziert sind oder fehlen, erfolgt trotzdem Blütenbesuch durch Bienenverwandte, Zweiflügler oder kleine Käfer.

Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Zufallsausbreitung oder durch Zoochorie, beispielsweise durch die Rote Waldameise (Formica rufa).

Vorkommen

Der Gold-Hahnenfuß kommt vor allem in Laub- und Auwäldern, in extensiv genutzten sickerfeuchten Bergwiesen und Sumpfwiesen, oft auch in Gärten und Parks vor.<ref name="Karbstein2021" /> Außerdem bevorzugt er neutrale bis kalkige, nährstoffreiche und grundwasserdurchzogene Lehmböden. Er steigt bis in die alpine Höhenstufe, an der Bernina bis 2100 Meter Meereshöhe.<ref name="DamboldtZimmermann1974" />

Die ökologischen Zeigerwerte, beispielsweise nach Landolt et al. 2010 in der Schweiz, sind: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = x, Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

In der Artengruppe des Gold-Hahnenfußes werden mehr als 800 beschriebene Taxa zusammengefasst. Eine aktuelle Studie basierend auf phylogenomischen und geometrisch-morphometrischen Methoden hat die 12 existenten diploiden, teilweise tetraploiden Taxa zu 5 Stammarten basierend auf neusten Artkonzepten und Methoden der integrativ taxonomischen Forschung zusammengefasst.<ref name="Karbstein2020" /> Eine der Stammarten, Ranunculus cassubicifolius, kommt auch in Süddeutschland und Österreich entlang des Nordalpenrandes, aber auch in den Karpaten vor. Die anderen Stammarten sind in den Pyrenäen und dem Zentralmassiv (Ranunculus envalirensis), in Österreich und Slowenien (Ranunculus notabilis), in den Apenninen (Ranunculus marsicus) und in den Karpaten (Ranunculus flabellifolius) verbreitet. Weitere aktuelle Studien basierend auf den 75 weitverbreitetsten europäischen, apomiktischen Taxa haben gezeigt, dass die Apomikten zum größten Teil durch Hybridisierung, Rückkreuzungen zu den Elternarten und Polyploidisierung entstanden sind, und oft Polyphylie als auch morphologisch nicht eindeutig auftrennbar sind.<ref name="Karbstein2022" /><ref name="HodacKarbstein2023" /> Sie wurden daher als Nothotaxa (Hybridtaxa) eingestuft.<ref name="MelzheimerHoerandl2022" />

Die klassische Gliederung in Ranunculus auricomus, Ranunculus cassubicus und Ranunculus fallax lässt sich nicht aufrechterhalten. Für Zentraleuropa werden mehr als 100 Nothotaxa angegeben.<ref name="MelzheimerHoerandl2022" />

Literatur

  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5, S. 285, 287 (Abb.), 289–299.
  • (Abschnitt Ökologie)
  • Eva Borchers-Kolb: Ranunculus sect. Auricomus in Bayern und den angrenzenden Gebieten. I. Allgemeiner Teil. In: Hermann Merxmüller (Hrsg.): Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Band 19, 1983, ISSN 0006-8179, S. 363–429 (archive.org [PDF; 26,2 MB]). – Eva Borchers-Kolb: Ranunculus sect. Auricomus in Bayern und den angrenzenden Gebieten. II. Spezieller Teil. In: Hermann Merxmüller (Hrsg.): Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Band 21, 1985, ISSN 0006-8179, S. 49–300 (archive.org [PDF; 87,5 MB]). Digitalisat des gesamten Zeitschriftenbands 21 bei archive.org (32 MB). – Eine der wenigen Überblicksdarstellungen für ein größeres Gebiet in Deutschland.

Einzelnachweise

<references> <ref name="MelzheimerHoerandl2022">Volker Melzheimer, Elvira Hörandl: Ranunculus sect. Auricomus. Die Ranunculaceae der Flora von Zentraleuropa, 2022, 1–147, https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/68734 .</ref> <ref name="Karbstein2020b">Kevin Karbstein, Elisabeth Rahmsdorf, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Elvira Hörandl: Breeding system of diploid sexuals within the Ranunculus auricomus complex and its role in a geographical parthenogenesis scenario. Ecology and Evolution, 10, 24, 2020, 14435–14450, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ece3.7073 .</ref> <ref name="Karbstein2022">Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Natascha Wagner, Pia Marinček, Birthe H. Barke, Claudia Paetzold, Elvira Hörandl: Untying Gordian knots: Unraveling reticulate polyploid plant evolution by genomic data using the large Ranunculus auricomus species complex. New Phytologist, 235, 5, 2022, 2081–2098, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nph.18284 .</ref> <ref name="Karbstein2021">Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Ellen Lorberg, Mareike Daubert, Elvira Hörandl: Moving beyond assumptions: Polyploidy and environmental effects explain a geographical parthenogenesis scenario in European plants Molecular Ecology, 30, 11, 2021, 2659–2675, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/mec.15919 .</ref> <ref name="Karbstein2020">Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Ladislav Hodač, Franz G. Dunkel, Mareike Daubert, Elvira Hörandl: Phylogenomics supported by geometric morphometrics reveals delimitation of sexual species within the polyploid apomictic Ranunculus auricomus complex (Ranunculaceae). Taxon, 69, 6, 2020, 1191–1220, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/tax.12365 .</ref> <ref name="HodacKarbstein2023">[[Ladislav Hodač, Kevin Karbstein, Salvatore Tomasello, Jana Wäldchen, John P. Bradican, Elvira Hörandl]]: Geometric morphometric versus genomic patterns in a large polyploid plant species complex Biology, 12, 3, 2023, 418, https://www.mdpi.com/2079-7737/12/3/418 .</ref> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 412–415.</ref> <ref name="InfoFlora"> Ranunculus auricomus aggr. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="DamboldtZimmermann1974">Jürgen Damboldt, Walter Zimmermann: Familie Ranunculaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band III, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1974, Seite 288–289.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Gold-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien