Hainchen (Limeshain)
Hainchen Gemeinde Limeshain
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(1379)&title=Hainchen 50° 16′ N, 9° 0′ O
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dim=10000 | globe= | name=Hainchen | region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code | type=city
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| Höhe: | 133 m | |||||
| Fläche: | 5,54 km² | |||||
| Einwohner: | 1379 (2022)<ref name="EW2022">Wetteraukreis: Bevölkerung: Einwohner/-innen nach Ortschaften. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. August 2023; abgerufen am 11. September 2023.</ref> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 249 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1971 | |||||
| Postleitzahl: | 63694 | |||||
| Vorwahl: | 06048 | |||||
Hainchen ist ein Ortsteil der Gemeinde Limeshain im hessischen Wetteraukreis.
Geografische Lage
Hainchen liegt zwischen der inneren und äußeren Wetterau auf einer Höhe von 140 m über NN, 8,5 km südwestlich von Büdingen.
Geschichte
Mittelalter
Bekanntermaßen erstmals urkundlich erwähnt wird Hainchen am 7. Oktober 1322 als zum Heyne (bei) Lintheim.<ref>Reimer, UB Hanau, S. 183 nr. 198 Anm. 1.</ref> Damals war der Ortsname Zu dem Hain. 1319 wird ein Pfarrer erwähnt, also existierte eine Kirchengemeinde. Deren Kirche war der Heiligen Margarethe geweiht. Das Patronat lag bei den Grafen von Hanau. Zum Kirchspiel gehörte auch Höchst an der Nidder. Die Kirchengemeinde gehörte zum Erzbistum Mainz. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf.
Neuzeit
Das Dorf gehörte zur Kellerei Naumburg, die Graf Philipp III. von Hanau-Münzenberg 1561 kaufte. Als Dorf der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Erbstadt in der Reformation zunächst lutherisch und mit der „Zweiten Reformation“ in der Grafschaft unter Graf Philipp Ludwig II. 1597 reformiert.
1643 wurde die Kellerei – und somit auch Hainchen – seitens der Grafschaft Hanau an die Landgrafschaft Hessen-Kassel verpfändet. Grund waren finanzielle Forderungen von Hessen-Kassel an die Grafschaft Hanau-Münzenberg aus der Befreiung der Stadt Hanau durch Truppen der Landgrafschaft 1636. Das Pfand wurde nicht mehr ausgelöst. 1736, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg an Hessen-Kassel, wurde aber noch 50 Jahre lang als Sekundogenitur für jüngere Prinzen des Hauses Hessen-Kassel, zunächst für Wilhelm (VIII.) 1736–1751, dann für Wilhelm (IX.) 1760–1786, genutzt. Während dieser Zeit verblieb Hainchen außerhalb dieser Sekundogenitur weiter bei der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Erst 1786 kam es zur administrativen Wiedereingliederung der Kellerei Naumburg in die nun hessen-kasselische Grafschaft Hanau. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand Hainchen ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807 bis 1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel Hainchen an das Großherzogtum Hessen und wurde dort dem Amt Ortenberg eingegliedert, das 1821 im Landratsbezirk Nidda, ab 1832: Kreis Nidda aufging. Durch die Revolution von 1848 gehörte Hainchen kurzfristig bis 1852 zum Regierungsbezirk Nidda, anschließend zum Kreis Büdingen.
- Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Hainchen, Himbach und Rommelhausen zur neuen Gemeinde Limeshain.<ref>Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 29. November 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 48, S. 1917, Punkt 1571; Abs. 7. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,1 MB]).</ref><ref></ref>
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Hainchen angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
- vor 1736: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Kellerei Naumburg
- ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Kellerei Naumburg
- ab 1806: Kaiserreich Frankreich,<ref group="Anm.">Infolge der Napoleonischen Kriege.</ref> Fürstentum Hanau, Amt Ortenberg (Militärverwaltung)
- ab 1810: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Fürstentum Oberhessen, Amt Ortenberg
- ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Amt Ortenberg<ref name="NLVK" /> (zur Standesherrschaft Stolberg gehörig)
- ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Nidda<ref name="STH-Oberhessen" /><ref group="Anm.">Trennung zwischen Justiz (Landgericht Ortenberg) und Verwaltung.</ref>
- ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Nidda
- ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen
- ab 1867: Norddeutscher Bund,<ref group="Anm.">Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied.</ref> Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen
- ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Büdingen
- ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Büdingen<ref name=RB1937 /><ref group="Anm.">Im Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst.</ref>
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen,<ref group="Anm.">Infolge des Zweiten Weltkriegs.</ref> Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Büdingen
- ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Gemeinde Limeshain
Bevölkerung
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hainchen 1221 Einwohner. Darunter waren 78 (6,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 192 Einwohner unter 18 Jahren, 519 waren zwischen 18 und 49, 258 zwischen 50 und 64 und 252 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 531 Haushalten. Davon waren 147 Singlehaushalte, 159 Paare ohne Kinder und 165 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 105 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 339 Haushaltungen leben keine Senioren.<ref name="Z2011E" /> Im Jahr 1961 wurden 703 evangelische (90,01 %) und 60 katholische (7,68 %) Christen gezählt.<ref name="lagis" />
Einwohnerentwicklung
| Hainchen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2022 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 589 | |||
| 1840 | 625 | |||
| 1846 | 644 | |||
| 1852 | 666 | |||
| 1858 | 635 | |||
| 1864 | 565 | |||
| 1871 | 518 | |||
| 1875 | 545 | |||
| 1885 | 551 | |||
| 1895 | 529 | |||
| 1905 | 534 | |||
| 1910 | 576 | |||
| 1925 | 609 | |||
| 1939 | 557 | |||
| 1946 | 847 | |||
| 1950 | 839 | |||
| 1956 | 780 | |||
| 1961 | 781 | |||
| 1967 | 864 | |||
| 1970 | 909 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 1.221 | |||
| 2015 | 1.356 | |||
| 2019 | 1.370 | |||
| 2022 | 1.379 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Gemeinde Limeshain<ref name="EW" /><ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />; 2022<ref name="EW2022" /> | ||||
Kulturdenkmäler
Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Hainchen
Infrastruktur
Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3191. Westlich führt die Bundesautobahn 45 an Hainchen vorbei.
Im Ort gibt es:
- eine evangelische Kirche
- zahlreiche Fachwerkhäuser
- eine Mehrzweckhalle
- die Kindertagesstätte Abenteuerland
- einen Dorfladen<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 7. Mai 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Persönlichkeiten
- Bernd Schneidmüller (* 1954), Historiker, geboren in Hainchen
Flora und Fauna
In den Ortsteilen Hainchen und Himbach der Gemeinde Limeshain gibt es viele Streuobstwiesen, die seit langem das Landschaftsbild prägen. Die Streuobstwiesen sind unter anderem ein wichtiger Lebensraum für viele selten gewordene Vogelarten. Für den Gartenrotschwanz sind die Streuobstwiesen von Hainchen eines der Gebiete mit der höchsten Siedlungsdichten von Gartenrotschwänzen in ganz Hessen.<ref>Stefan Stübing, Gerd Bauschmann: Artenhilfskonzept für den Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) in Hessen. Gutachten im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Bad Nauheim 24. Juni 2013, S. 127.</ref> Weitere typische Vogelarten, die in den Streuobstwiesen Hainchens vorkommen, sind Steinkauz, Wendehals und Grünspecht.
Die Gemeinde Limeshain plant, für die erste interkommunale Landesgartenschau 2027 einen Streuobstlehrpfad anzulegen, um die Bedeutung dieser erhaltenswerten Flächen wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und die Bürger und Bürgerinnen für dieses Thema zu sensibilisieren. In einem ersten Schritt erfolgte dafür im Jahr 2022 eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Streuobstbestände innerhalb der Gemeinde.<ref>Erfassung der Streuobstbestände in der Gemeinde Limeshain. Abgerufen am 23. Mai 2025.</ref>
Im Norden von Hainchen erstreckt sich zu beiden Seiten der Landstraße zwischen Lindheim und Hainchen das Naturschutzgebiet Im Rußland und in der Kuhweide bei Lindheim. Insbesondere für gefährdete Vogelarten ist das Naturschutzgebiet eines der letzten Rückzugsgebiete im Wetteraukreis und darüber hinaus. Der Große Brachvogel findet hier eines seiner letzten Vorkommen in ganz Hessen.<ref>Josef Tiefenbach, Frank Uwe Pfuhl: Naturschutzgebiet "Im Rußland und in der Kuhweide bei Lindheim". Hrsg.: Regierungspräsidium Darmstadt und Forstamt Nidda. 1. Auflage. Dezember 2008.</ref> Für den Wiesenpieper war das Naturschutzgebiet einst eines der bedeutendsten Brutgebiete im Wetteraukreis, allerdings ist sein Brutbestand stark zurückgegangen.<ref>Lars Wichmann, Gerd Bauschmann: Artenhilfskonzept für den Wiesenpieper (Anthus pratensis) in Hessen. Gutachten der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Friedberg 12. April 2015, S. 48.</ref> Sehr stark profitiert von zahlreichen Naturschutzmaßnahmen, insbesondere der Anlage von Gewässern, haben beispielsweise die Bestände von Weißstorch und Laubfrosch, die einst im Gebiet ausgestorben waren.
Literatur
- Siegfried R.C.T. Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Baudenkmale in Hessen. Wetteraukreis I. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Braunschweig 1982, ISBN 3-528-06231-2, S. 265–268.
- Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 38.
- Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926, S. 106.
- Vorlage:HessBib
Weblinks
- Webauftritt der Gemeinde Limeshain
- Hainchen, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Anmerkungen und Einzelnachweise
Anmerkungen <references group="Anm." />
Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Hainchen, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 421 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 181 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="EW">Einwohnerzahlen Stand: 31.12.2015. In: Webauftritt. Gemeinde Limeshain, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Juli 2016; abgerufen im März 2021. </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 52 und 106, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021. </ref> <ref name="DF">Einwohnerzahlen Stand: 31.12.2019. In: Webauftritt. Gemeinde Limeshain, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. März 2021; abgerufen im März 2021. </ref> </references>