Zum Inhalt springen

Halbkugelige Teufelskralle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Halbkugelige Teufelskralle
Datei:Phyteuma hemisphaericum 070707.jpg

Halbkugelige Teufelskralle (Phyteuma hemisphaericum) in den Zillertaler Alpen

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)
Unterfamilie: Campanuloideae
Gattung: Teufelskrallen (Phyteuma)
Art: Halbkugelige Teufelskralle
Wissenschaftlicher Name
Phyteuma hemisphaericum
L.

Die Halbkugelige Teufelskralle (Phyteuma hemisphaericum), auch Grasblatt-Teufelskralle genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Teufelskrallen (Phyteuma) innerhalb der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Beschreibung

Datei:Phyteuma hemisphaericum Atlas Alpenflora.jpg
Illustration aus Atlas der Alpenflora

Vegetative Merkmale

Die Halbkugelige Teufelskralle ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 25 Zentimetern. Sie wächst aufrecht mit Verzweigungen an der Basis und bildet oft kleine Horste.<ref name="Finkenzeller1985" /> Die Sprossachse gliedert sich zum einen in einen gestauchten, rosettenbildenden Abschnitt zum anderen in einen gestreckten Abschnitt, an welchem die Stängelblätter angeordnet sind.<ref name="Finkenzeller1985" />

Die grasartige Spreite der Grundblätter ist schmal-linealisch bis rinnenförmig-borstlich gestaltet und meist ganzrandig. Einige Grundblätter können auch eine linealisch-spatelförmige Form aufweisen. Die Breite variiert zwischen 1 und 2 Millimetern. Zum Grund hin verschmälert sich die Spreite allmählich stielartig, zur Spitze hin ist sie nicht verbreitert. Die sitzenden Stängelblätter sind kürzer als die Grundblätter. Sie zeigen eine linealische Form.<ref name="Finkenzeller1985" /><ref name="TelaBotanica" /> Nebenblätter werden keine ausgebildet.<ref name="Rothmaler2011" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis August. Die zwittrigen und radiärsymmetrischen Blüten sind zu zehn bis zwölf in kugeligen Köpfen angeordnet. Der Köpfchendurchmesser beträgt 10 bis 20 Millimeter. Die Hüllblätter des Blütenstandes besitzen einen eiförmigen Grund. Nach oben hin sind sie zugespitzt. Sie sind meist ganzrandig, am Grund jedoch weisen sie eine entfernte Zähnelung auf. Die Einzelblüten besitzen keinen Blütenstiel.<ref name="Rothmaler2008" /><ref name="Fischer2005" />

Die dunkelblauen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch endet in fünf schmal-lanzettliche Kelchzipfeln, die etwas länger als die Kelchröhre sind<ref name="TelaBotanica" />. Die schmal-röhrige, 8 bis 12 Millimeter lange, dunkelblaue Krone weist vor der Blütenentfaltung meist eine krallenförmige Krümmung auf. Nach dem Aufblühen ist die Kronröhre in fünf bandförmige, linealische Abschnitte geteilt.<ref name="Rothmaler2008" /> Die Kronzipfel sind während der Anthese zunächst an den Spitzen und am Grund miteinander verbunden, später sind sie frei.<ref name="Rothmaler2008" /><ref name="Finkenzeller1985" /> Die fünf freien Staubblätter besitzen an der Basis dreieckig verbreiterte Staubfäden und freie Staubbeutel, die rötlichen Pollen enthalten. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen.<ref name="Hess2005" /> Der behaarte Griffel überragt die Blütenkrone.<ref name="Finkenzeller1985" /> Die meist drei Narben sind fädlich gestaltet.<ref name="Rothmaler2011" />

Die Kapselfrucht öffnet sich seitlich mit zwei bis drei Poren.<ref name="Rothmaler2011" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.<ref name="Oberdorfer2001" />

Vorkommen und Nutzung

Datei:Phyteuma hemispaericum.jpg
Habitus

Die Halbkugelige Teufelskralle gedeiht in den Gebirgen des nördlichen Spaniens und zentralen Frankreichs, dem Apennin und den Alpen.<ref name="Rothmaler2008" /> Es gibt Vorkommen in den Ländern Spanien, Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland und Österreich.<ref name="Euro+Med" /> Ihre Hauptvorkommen erreicht sie in Höhenlagen von 1900 bis 2800 Metern. Funde wurden ab 600 bis 3600 Metern festgestellt.<ref name="Rothmaler2008" /> In Österreich ist sie in der subalpinen bis alpinen Höhenstufe häufig in den Bundesländern Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg verbreitet. In Deutschland kommt sie nur im Allgäu und im Wettersteingebirge vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Vorarlberg von der Ifersguntalpe bei 1800 Metern bis zum Elferkopfgipfelin in eine Höhenlage von 2387 Meter auf.<ref name="Dörr-Lippert" />

Diese kalkmeidende Pflanze gedeiht meist in Silikatfelsfluren, bodensauren Magerrasen (Krummseggenrasen) und Zwergstrauchheiden. Sie gilt als Zeigerpflanze für stickstoffärmste Standorte (N=1)<ref>Eintrag Phyteuma hemisphaericum L. bei Botanischer Informationsknoten Bayern

</ref>.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 1 (stark sauer), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Sie ist eine Charakterart der Ordnung bodensaure Hochgebirgssteppen der Alpen, alpine Krummseggenrasen (Caricetalia curvulae)<ref>Pflanzengesellschaften/Gasteinertal: Alpine Krummseggenrasen, Gastein im Bild</ref>, kommt aber auch in Gesellschaften des Verbandes Borstgrasweide (Nardion) oder in der Assoziation Nacktriedrasen der Alpen (Elynetum myosuroidis) vor.<ref name="Oberdorfer2001" /><ref>Eintrag Elynetea, Lexikon der Biologie, Springer-Verlag</ref>

Als Zierpflanze ist die Teufelskralle über ihre natürlichen Vorkommen hinaus verbreitet. Selten wird sie in Steingärten angepflanzt. Sie benötigt kalkarme Böden an einem vollsonnigen Standort, an dem sie dennoch nicht zu großer Hitze ausgesetzt ist.<ref name="Rothmaler2008" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Phyteuma hemisphaericum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum in Band 1 auf Seite 170.<ref name="Linné1753" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Finkenzeller1985"> </ref> <ref name="Rothmaler2008"> </ref> <ref name="Rothmaler2011"> </ref> <ref name="Fischer2005"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="TelaBotanica"> Datenblatt mit Verbreitung in Frankreich bei Tela BotanicaLe réseau de la botanique francophone. Abgerufen am 31. Dezember 2024. </ref> <ref name="Hess2005"> Dieter Heß: Systematische Botanik Ulmer Verlag, Stuttgart 2005, (UTB; 2673) ISBN 3-8252-2673-5. Seite 203f. </ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 562. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum Band 1, 1. Auflage, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 170 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="InfoFlora"> Phyteuma hemisphaericum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Euro+Med"> S.Castroviejo, J.J.Aldasoro & M.Alarcón; with contributions from R.Hand (2010+): Campanulaceae: Datenblatt Phyteuma hemisphaericum In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Halbkugelige Teufelskralle (Phyteuma hemisphaericum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien