Hans-Ulrich Rülke
Hans-Ulrich „Uli“ Rülke (* 3. Oktober 1961 in Tuttlingen) ist ein deutscher Politiker der Freien Demokratischen Partei (FDP). Er war von 2006 bis 2026 Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg und dort von 2009 bis 2026 der letzte Vorsitzende FDP/DVP-Fraktion. Zudem ist er seit 2025 auch Landesvorsitzender der FDP Baden-Württemberg. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026, bei der die FDP erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in den baden-württembergischen Landtag verfehlte, kündigte Rülke den Rückzug von allen politischen Ämtern an.
Ausbildung und Beruf
Nach dem Abitur in Singen leistete Rülke seinen Wehrdienst in Roth bei Nürnberg und Neuhausen ob Eck. Danach studierte Rülke Germanistik, Politik, Geschichte und Soziologie an der Universität Konstanz. Dieses Studium schloss er 1987 mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Anschließend wurde er 1991 mit einer Arbeit zu Gottesbild und Poetik bei Klopstock zum Dr. phil. promoviert. Im Jahr 1993 legte er das zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab (Assessorexamen). Danach arbeitete er zunächst als Lehrer am Hilda-Gymnasium in Pforzheim, bis er von 2001 bis 2006 als Fachberater für das Oberschulamt Karlsruhe tätig wurde.<ref>Abgeordnetenprofil Rülke. Landtag Baden Württemberg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2019; abgerufen am 26. Februar 2019.</ref> Er war Studiendirektor am Hilda-Gymnasium in Pforzheim. Er ist aktuell aufgrund seines Beamtenstatus beurlaubt<ref>Landtag Baden Württemberg - Rülke. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2019; abgerufen am 6. Februar 2020.</ref> im Dienste des Landes Baden-Württemberg.
Partei
Rülke trat 1985 in die FDP ein. Im Jahr 2000 wurde er Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Pforzheim/Enzkreis, 2001 Mitglied des Landesvorstands der FDP Baden-Württemberg. 2013 unterlag er mit 188 zu 199 Stimmen Michael Theurer bei der Wahl zum FDP-Landesvorsitzenden.<ref>Knappe Niederlage für Rülke: Theurer ist FDP Landeschef. In: pz-news.de. 2. November 2013, abgerufen am 5. November 2024.</ref> Von 2013 bis 2024 war er stellvertretender Landesvorsitzender der Partei. Am 5. Januar 2025 wurde Rülke als Nachfolger Theurers zum Landesvorsitzenden der FDP Baden-Württemberg gewählt.<ref>FDP-Parteitag: Rülke führt die Liberalen im Land. In: zeit.de. 5. Januar 2025, abgerufen am 7. Januar 2025.</ref>
Im Januar 2018 wurde Rülke von den Vorsitzenden der FDP-Fraktionen in Europa, Bund und den Ländern zum Sprecher der FDP-Fraktionsvorsitzendenkonferenz<ref>Sprecher. Abgerufen am 6. Februar 2020.</ref> gewählt. Er koordiniert in dieser Funktion die inhaltliche Arbeit der FDP in den Parlamenten und repräsentiert die FDP-Fraktionen nach außen. Innerhalb der liberalen Partei vertritt er die Fraktionen in den beiden wichtigsten Führungsorganen der FDP, dem Bundespräsidium sowie dem Bundesvorstand.
Kommunal- und Landespolitik
Rülke wurde 1999 in den Gemeinderat von Pforzheim gewählt und war von 2001 bis April 2011 dort Vorsitzender der FDP-Fraktion. Seit Mai 2014 ist er Fraktionsvorsitzender der FDP/Freie-Wähler-Gemeinderatsfraktion. Seit Juni 2019 ist er Vorsitzender der FDP/FW/UB/LED-Fraktion und damit Chef der größten Fraktion im Pforzheimer Kommunalparlament. Der Pforzheimer Gemeinderat wählte ihn im Juli 2019 einstimmig zum Ersten Stellvertretenden Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim im Ehrenamt.
Bei der Landtagswahl 2006 wurde Rülke über ein Zweitmandat im Wahlkreises Enz in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt. Am 16. Juni 2009 wurde er erstmals von der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg zu deren Vorsitzenden gewählt. Nach dem Wiedereinzug in den Landtag am 27. März 2011 wurde er abermals zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Er war zudem finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. Zur Landtagswahl 2016 trat Rülke zusätzlich noch im Wahlkreis Pforzheim an.<ref>Roland Murschel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FDP: Der Alternative zur Alternative ( vom 24. März 2016 im Internet Archive) In: Südwest Presse, 3. März 2016, abgerufen am 19. März 2016.</ref> Er errang für die FDP in beiden Wahlkreisen ein Mandat. Da er in Pforzheim mit 10,6 % um 0,2 Prozentpunkte besser abschnitt, vertritt er nun diesen Wahlkreis im Parlament, während der Ersatzkandidat Erik Schweickert den Wahlkreis Enz repräsentiert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zwei auf einen Streich ( vom 24. März 2016 im Internet Archive) In: Mühlacker Tagblatt, 15. März 2016, abgerufen am 19. März 2016.</ref>
Auch 2016 und 2018 wurde er wieder im Amt des Vorsitzenden der FDP/DVP-Landtagsfraktion bestätigt und blickt mittlerweile auf die längste Amtszeit<ref>FDP/DVP-Fraktion: FDP/DVP Landtagsfraktion bestätigt Rülke einstimmig im Amt des Vorsitzenden. In: FDP/DVP-Fraktion. Abgerufen am 6. Februar 2020.</ref> eines Vorsitzenden in der Geschichte dieser Fraktion zurück. Bei der Landtagswahl 2021 konnte er erneut über ein Zweitmandat im Wahlkreis Pforzheim in den Landtag einziehen.
Bei den Landtagswahlen 2016, 2021 und 2026 war er jeweils Spitzenkandidat seiner Partei.<ref>Südwest-Liberale küren Rülke als Spitzenkandidaten. In: landtag-bw.de. 20. Juli 2024, abgerufen am 5. November 2024.</ref>
Nachdem die FDP bei der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg mit 4,4 % der Stimmen erstmals den Wiedereinzug in den Landtag verpasst hatte, kündigte Rülke an, vom Amt des Landesvorsitzenden der FDP Baden-Württemberg zurückzutreten. Er begründete dies damit, die politische Verantwortung für das Wahlergebnis übernehmen zu wollen.<ref>Landtagswahl in Baden-Württemberg - Nach Wahldebakel kündigt FDP-Landeschef Rülke Rücktritt an. Abgerufen am 10. März 2026.</ref>
Politische Positionen
Während der Covid-19-Pandemie sagte er, er sei nicht überzeugt von der Wirksamkeit nichtmedizinischer Mund- und Nasenbedeckungen.<ref>Hans-Ulrich Rülke hält Alltagsmasken nicht für tauglich. In: stuttgarter-zeitung.de, 5. Oktober 2020.</ref>
Nach der Landtagswahl 2021 entstand eine Grün-Schwarze Regierung anstelle einer denkbaren Ampel. Nach dem Scheitern der Koalitionsgespräche wurden Rülke von der SPD populistische Methoden vorgeworfen.<ref>SPD kritisiert Rülke-Auftritte. 9. August 2022, abgerufen am 8. August 2023.</ref> 2023 räumte Rülke einer zukünftigen Koalition mit den Grünen nur geringe Chancen ein und bezeichnete die Grünen als den politischen Hauptgegner.<ref>Theo Westermann: "Die Grünen haben sich radikalisiert", meint Hans-Ulrich Rülke, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. 8. August 2023, abgerufen am 8. August 2023.</ref><ref>Katja Korf, Kara Ballarin: FDP–Fraktionschef Rülke: „Die Grünen sind unser Hauptgegner“. 1. August 2023, abgerufen am 8. August 2023.</ref>
Rülke sprach sich wiederholt für einen Abbau von Gas mittels Fracking gerade auch in Deutschland und einen Weiterbetrieb der Kernkraftwerke aus.<ref>Theo Westermann: FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke: "Es ist offensichtlich, dass es Blödsinn ist, die AKWs abzuschalten". 8. August 2022, abgerufen am 8. August 2023.</ref>
Persönliches
Rülke ist evangelisch, verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Pforzheim.<ref>Dr. Hans-Ulrich Rülke. In: FDP/DVP-Fraktion. Abgerufen am 1. August 2025.</ref>
Sonstiges
Rülkes Rede<ref>Hans-Ulrich Rülke: Rülke: Tausendjahrvergleiche von Bernd Höcke sind Nazi-Diktion. 11. Oktober 2017, abgerufen am 20. März 2018.</ref> im Landtag von Baden-Württemberg am 11. Oktober 2017 zur Debatte „Gefahr für die Demokratie durch zunehmende Missachtung der demokratischen Spielregeln durch gewählte Volksvertreter“, die durch die AfD beantragt wurde, entwickelte sich unter anderem durch die Ausstrahlung in der ZDF-heute-show zum Internet-Hit.<ref>Rede von Rülke gegen AfD entwickelt sich zu Hit im Internet. In: sueddeutsche.de. 19. Oktober 2017, abgerufen am 3. August 2020.</ref>
Rülke war oder ist Mitglied folgender Aufsichtsräte, Verwaltungsräte, Kuratorien oder Beiräte: Landesbank Baden-Württemberg, Steinbeis-Stiftung, LBBW-Immobilien Management GmbH, Baden-Württemberg International, SV SparkassenVersicherung, Sparkasse Pforzheim Calw, SWP Stadtwerke Pforzheim GmbH, SVP Stadtverkehr Pforzheim, Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg e. V.<ref>Landtag Baden Württemberg - Rülke. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2019; abgerufen am 6. Februar 2020.</ref>
Rülke ist Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.<ref>EUROPA-UNION Baden-Württemberg. Abgerufen am 2. September 2025.</ref>
Weblinks
- Website von Hans-Ulrich Rülke
- Abgeordnetenprofil beim Landtag Baden-Württemberg in der 16. Wahlperiode
- Profilseite bei der FDP/DVP-Fraktion
Einzelnachweise
<references />
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Baden-Württemberg: Hans-Ulrich Rülke | Bayern: Matthias Fischbach | Berlin: Christoph Meyer | Brandenburg: Zyon Braun | Bremen: Bettina Schiller | Hamburg: Finn Ole Ritter | Hessen: Thorsten Lieb | Mecklenburg‑Vorpommern: René Domke | Niedersachsen: Konstantin Kuhle | Nordrhein‑Westfalen: Henning Höne | Rheinland‑Pfalz: Daniela Schmitt | Saarland: Angelika Hießerich-Peter | Sachsen: Matthias Schniebel | Sachsen‑Anhalt: Lydia Hüskens | Schleswig‑Holstein: Christopher Vogt | Thüringen: Torsten Klöppel
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Wolfgang Haußmann (1952–1964) | Hermann Saam (1964–1967) | Hermann Müller (1967–1971) | Karl Moersch (1971–1974) | Martin Bangemann (1974–1978) | Jürgen Morlok (1978–1985) | Walter Döring (1985–1988) | Friedrich-Wilhelm Kiel (1988–1990) | Georg Gallus (1990–1991, geschäftsführend) | Roland Kohn (1991–1995) | Walter Döring (1995–2004) | Birgit Homburger (2004–2013) | Michael Theurer (2013–2024) | Hans-Ulrich Rülke (seit 2025)
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Wolfgang Haußmann (1952–1953) | Otto Gönnenwein (1953–1956) | Eduard Leuze (1956–1960) | Walter Nischwitz (1960–1964) | Friedrich Stock (1964–1968) | Eduard Leuze (1968–1969) | Johann Peter Brandenburg (1969–1976) | Jürgen Morlok (1976–1984) | Hinrich Enderlein (1985–1988) | Walter Döring (1988–1996) | Ernst Pfister (1996–2004) | Ulrich Noll (2004–2009) | Hans-Ulrich Rülke (seit 2009)
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Baden-Württemberg: Hans-Ulrich Rülke | Bremen: Thore Schäck | Hessen: Wiebke Knell und Stefan Naas | Mecklenburg-Vorpommern: David Wulff | Nordrhein-Westfalen: Henning Höne | Rheinland-Pfalz: Steven Wink | Sachsen-Anhalt: Andreas Silbersack | Schleswig-Holstein: Christopher Vogt
Kursiv = Partei- und Fraktionsvorsitzender
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Präsidium
Vorsitzender: Christian Dürr
Stellvertretende Vorsitzende: Wolfgang Kubicki | Svenja Hahn | Henning Höne | Schatzmeister: Michael Georg Link
Gewählte Beisitzer im Präsidium: Florian Toncar | Lydia Hüskens | Susanne Seehofer
Generalsekretärin: Nicole Büttner | Bundesgeschäftsführerin: Maria Wandel
Vertreterin der Fraktion im Europaparlament: Marie-Agnes Strack-Zimmermann
Ehrenvorsitzender: Hermann Otto Solms
Beratende Mitglieder des Präsidiums: Karl-Heinz Paqué | Hans-Ulrich Rülke | Steffen Saebisch
Weiterer Bundesvorstand
Gewählte Mitglieder des Bundesvorstands: Judith Skudelny | Katja Hessel | Daniela Kluckert | Zyon Braun | Thore Schäck | Finn Ole Ritter | Thorsten Lieb | Gero Pickert | Konstantin Kuhle | Moritz Körner | Steven Wink | Angelika Hießerich-Peter | Torsten Herbst | Andreas Silbersack | Christopher Vogt | Linda Teuteberg | Otto Fricke | Jens Teutrine | Maria Westphal | Johannes Vogel | Wiebke Knell | Anja Schulz | Ria Schröder | Jens Brandenburg | Frank Schäffler | Franziska Brandmann | Muhanad Al-Halak | Alexander Müller | Maren Jasper-Winter | David Dietz | Marko Miholic | Helmer Krane | Marie-Florence Mahwera
Ombudsmitglied: Christopher Gohl
Beratende Mitglieder des Bundesvorstands: Nemir Ali | Manfred R. Eisenbach | Frank Hoffmeister | Michael Kauch | Benjamin Kurtz | Jacqueline Krüger | Detlef Parr | Mario Burow
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rülke, Hans-Ulrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Rülke, Uli |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (FDP), MdL |
| GEBURTSDATUM | 3. Oktober 1961 |
| GEBURTSORT | Tuttlingen |
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