Hans Bönnighausen
Hans Bönnighausen (Falschschreibung Hans Bönninghausen in einem Fall belegt<ref>Im Artikel zu Hans Bönninghausen im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren)</ref> (* 17. Juni 1906 in Dortmund; † 3. Mai 1988 in Köln) war ein deutscher Maler und Vagabund.
Leben
Bönnighausen stammte aus dem Hause eines Mineralwasserfabrikanten. Nach seinem Schulabschluss durchlief er ein Buchbinder-Volontariat und erhielt eine Anstellung in einer Verlagsbuchhandlung. Doch Fernweh und ein gewisser Hang zur Fugue (wie es die Wissenschaftler bezeichnen) ließen ihn auch aus freiem Entschluss zum Landstreicher werden. Er selbst schrieb darüber später in der Vagabunden-Zeitung: „Eltern und Brüder gaben den ewig Unzufriedenen auf. Und da er sogar noch seine Lebensstellung ... verließ, da hielt man ihn für den verlorenen Sohn ... Er wurde ein ganzer Lump. Ein freier Mensch, Vagabund, Sucher nach der Heimat“.
Gründung der Künstlergruppe
In jener Zeit war er in den Sommermonaten auf Wanderschaft, in den Wintermonaten studierte er bis 1928 an der Kunstakademie Stuttgart. Hier in Stuttgart lernte er auch Hans Tombrock und Gregor Gog, sowie Gerhart Bettermann kennen, allesamt Mitbegründer der Künstlergruppe der Bruderschaft der Vagabunden (1927–1933). 1929 nahm Bönnighausen am 1. Stuttgarter Vagabundentreffen und an der Vagabunden-Kunstausstellung im Kunsthaus Hirrlinger teil. Danach wanderte er durch Jugoslawien, Italien und Griechenland. Er arbeitete in Leipzig und war von 1931 bis zum Verbot 1933 Mitglied der Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (ASSO).
1931 beteiligte er sich an der Ersten Großen Leipziger Kunstausstellung. Im gleichen Jahr heiratete er Helene Harnisch, mit der er einen Sohn namens Rudolf hatte. Bönnighausen spielte auch mit Tombrock zusammen eine kleine Rolle in dem Spielfilm Der Vagabund (Deutschland 1930) unter der Regie von Fritz Weiß.
Wanderschaften
1931 ging Bönnighausen mit Bettermann wieder auf Wanderschaft, diesmal in Italien, Ägypten und Nordafrika. Er verkaufte dabei zahlreiche Bilder. „Da haben wir endlich einmal gelebt“, schrieb er dazu. 1933 kam dann Bönnighausens zweiter Sohn, Klaus, zur Welt. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde die Vagabundenbewegung zerschlagen. Hans Bönnighausen ging in die innere Emigration. Das Adressbuch von Leipzig verzeichnete ihn u. a. 1943 als Kunstmaler in der Pariser Straße (heute Virchowstraße) 31.
In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, und er beteiligte sich an Ausstellungen. Von 1933 bis 1940 war er auch Mitglied im Leipziger Künstlerverein. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft.
Sesshaftigkeit
Nach dem Ende des NS-Staats berief ihn das Ministerium der Landesregierung Brandenburg nach Potsdam. Bönnighausen wurde Referent für Bildende Kunst und Lehrbeauftragter für Kunstpädagogik an der Brandenburgischen Landeshochschule. In den Jahren 1949 bis 1952 war er Landesvorsitzender des Schutzverbandes Bildender Künstler. Er hoffte, sein soziales Engagement in der sowjetischen Besatzungszone fortsetzen zu können, doch er scheiterte am Zwiespalt zwischen sozialistischem Anspruch und den bürokratischen Hürden und ideologischen Zielrichtungen, denen seine Ideale nicht gewachsen waren.
1953 schied er auf eigenen Wunsch aus allen Ämtern aus und siedelte nach Karlsruhe über. Er wurde Mitglied des Badischen Kunstvereins und beteiligte sich 1955 zusammen mit Karlsruher Künstlern an der Documenta 1. 1961 zog Bönnighausen nach Köln. Zunächst war er freischaffend tätig, dann arbeitete er in den Jahren 1966 bis 1976 als Fachlehrer für Kunst- und Werkerziehung an der Realschule Düren. Nach seiner Pensionierung lebte er als freischaffender Künstler in Köln.
1965 wurden in Leipzig auf der Ausstellung 500 Jahre Kunst in Leipzig zwei seiner Bilder aus der Sammlung des Museums der Bildenden Künste Leipzig ausgestellt.<ref>Bot-Check. Abgerufen am 14. März 2026.</ref>
Werke
In seinen künstlerischen Werken, Holz-, Linolschnitten und Zeichnungen hat Bönnighausen neben Landschaftsdarstellungen in erster Linie einfache Menschen in ihrer Arbeitswelt und das Überleben auf der Straße dargestellt („Kokereiarbeiter“, „Heimkehr vom Fang“ oder die „Kauernden“, die „Bettelnde“), der Realismus seiner künstlerischen Haltung hat ihn davor bewahrt, Ideologien zu unterliegen, seine Zeichnungen aus seiner Zeit als Soldat spiegeln die Zerstörungswut kriegerischer Gewalt. Immer wieder stehen Arbeiter und Obdachlose, einfache Menschen im Mittelpunkt der Gemälde.
Nachlass
Das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Dortmund verfügt über den Nachlass Bönnighausens, der aus etwa 160 Holz- und Linolschnitten, Zeichnungen und Aquarellen sowie 50 Druckplatten besteht<ref>Vagabunden Fritz-Hüser-Institut auf dortmund.de, abgerufen am 21. September 2018.</ref>.
Sicher belegte Teilnahme an Ausstellungen in der Zeit des Nationalsozialismus
- 1936: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („Deutsche Graphikschau“)
- 1940, 1942 und 1943: Leipzig, Museum der bildenden Künste („Große Leipziger Kunstausstellung“)
Literatur
- Kunst und Kultur im Gulliver: Hans Bönnighausen – Ein Malervagabund, eine Ausstellung des Fritz-Hüser-Instituts, Edition KARO DAME.
- Klaus Trappmann (Hrsg.): Landstrasse, Kunden, Vagabunden. Gregor Gogs Liga der Heimatlosen, Gerhardt Verlag, Berlin 1980.
- Künstlerhaus Bethanien (Hrsg.): Wohnsitz: Nirgendwo – Vom Leben und vom Überleben auf der Straße, Verlag Frölich und Kaufmann, Berlin 1982.
- Hanneliese Palm und Christoph Steker (Hrsg.): Künstler, Kunden, Vagabunden. Texte, Bilder und Dokumente einer Alternativkultur der Zwanziger Jahre. C.W. Leske, Düsseldorf 2020, ISBN 978-3-946595-08-3.
Weblinks
- Linolschnitt:Nubiermädchen
- Hans Bönninghausen im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
- Homepage Fritz-Hüser-Institut
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bönnighausen, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Bönnighausen, Johannes |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Vagabund |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1906 |
| GEBURTSORT | Dortmund |
| STERBEDATUM | 3. Mai 1988 |
| STERBEORT | Köln |