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Harry Walter (Werbefachmann)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Harry Walter (* 20. März 1929 in Berlin; † 31. Dezember 2013 in Fort St. James, British Columbia, Kanada) war ein deutscher Fotojournalist, Werbeagent und Geschäftsführer in der Werbebranche.

Leben

Harry Walter war der Sohn des Werbeberaters Alfred Walter, einem leitenden Angestellten der Berliner Anschlag- und Reklamewesen GmbH (BEREK), und Ella Scholz, Tochter der Berliner Stadtverordneten Gertrud Scholz. Harry Walter wuchs in einem sozialdemokratisch geprägten familiären Umfeld auf. Bis zum Jahr 1943 besuchte er das Leibniz-Gymnasium in Berlin und kam dann bis Kriegsende zur Marine. Im Jahr 1945 geriet er in Kriegsgefangenschaft und floh daraus zurück nach Berlin. Dort machte er ab 1946 eine Lehre (Grafisches Gewerbe) im Berliner Verlag „Telegraf“ seines Onkels, des Journalisten und Verlegers Arno Scholz. Nach Abschluss der Lehre arbeitete er ab 1950 als Bildreporter/Fotojournalist für die Illus (Telegraf-Verlag) und war ab 1952 als freier Journalist tätig.

Walter studierte dann in den Jahren 1957 bis 1959 Kommunikation (und Sozialpsychologie) in Berlin und arbeitete ab 1959 bei der Werbeagentur (Hubert) Troost in Düsseldorf.<ref>WiWo 29. April 2003: Unternehmen. Porträt Hubert Troost. Aus dem Bauch</ref> Er wurde Chef der Bildabteilung dieser Werbeagentur.<ref>Betty Grünberg, Hubert Maessen (Hrsg.): Harry Walter: 60. o. O. 1989, S. 53.</ref> Im Jahr 1962 bekam er ein lukratives Angebot von Rolf W(ilhelm) Eggert, dem ehemaligen Werbechef des Flensburger Rum-Herstellers „Pott“, der 1960 eine eigene Werbeagentur in Düsseldorf gegründet hatte. Walter verließ Troost und wurde bei der Werbeagentur R. W. Eggert in Düsseldorf 1963 Mitglied der Geschäftsführung und als „Creative Supervisor“<ref>Betty Grünberg, Hubert Maessen (Hrsg.): Harry Walter: 60. o. O. 1989, S. 55.</ref><ref>9. Medaillenverleihung 1984 an Rolf W. Eggert. Dr. Kurt Neven DuMont-Medaille. In: www.wak.de. Westdeutsche Akademie für Kommunikation, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. November 2014; abgerufen am 12. August 2025.</ref> Leiter der Abteilung Gestaltung.

Im Jahr 1964 wurde er Schatzmeister im Art Directors Club Deutschland (ADC), dessen Mitbegründer er war.

Wahlkampagnen

Datei:Willy Brandt Wahlplakat 1972.jpg
Von Walter gestaltetes Werbeplakat für Willy Brandt zur Bundestagswahl 1972 mit dem von ihm geschossenen und durch den Wahlkampf zu überragender Bekanntheit gelangten Foto des Bundeskanzlers

Ab 1969 gestaltet er Werbekampagnen für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) auf Bundes- und Landesebene. Er übernahm 1969 als geschäftsführender Gesellschafter der Agentur ARE Kommunikation GmbH in Neuss die Werbung für die SPD, deren Mitglied er seit 1946 war, im Bund und in den Bundesländern. Walter setzte neue Maßstäbe in der politischen Werbung in Westdeutschland durch die kreative und konsequente Anwendung von Mitteln und Medien der kommerziellen Werbung. Bekannt wurden vor allem folgende Wahlkämpfe:

Zusammen mit Jupp Darchinger begleitete Walter Willy Brandt im Sommer 1972 als Fotograf auf einer Informationsreise in verschiedene Kurorte und Fremdenverkehrszentren in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern. Dabei gelang ihm am 18. August 1972, noch rechtzeitig vor Beginn des Wahlkampfs, vor dem Rathaus von Murnau am Staffelsee in Bayern ein Schnappschuss des Bundeskanzlers, der durch die Verwendung als Hauptmotiv im SPD-Bundestagswahlkampf desselben Jahres ungeheure Verbreitung fand und zu einem der bis heute bekanntesten Porträtbilder Willy Brandts avancierte.<ref>Sven Haarmann: Willy-Wahl ’72 – Fotogrüße aus Murnau. Friedrich Ebert Stiftung, 19. November 2022, abgerufen am 12. April 2026.</ref> Allerdings wurde das Originalfoto von Walters Werbeagentur für die Verwendung im Wahlkampf etwas retouchiert: Die Blickrichtung der Augen ist leicht zum Betrachter verschoben, sodass Brandt vom Plakat aus direkt in die Kamera zu blicken scheint, und der Hintergrund, wo im Originalbild unter anderem eine störende Hand mit Regenschirm unmittelbar hinter Brandts Kopf zu sehen war, wurde durch den Hintergrund eines anderen Fotos aus derselben Serie ersetzt.<ref>Hier Walters Originalfoto zum Vergleich (Urheberrechte beachten), vgl. Sven Haarmann: Willy-Wahl ’72 – Fotogrüße aus Murnau.</ref> In dieser veränderten Form ist das Bild bis heute eine der meistverwendeten Fotografien Brandts und wird unter anderem von der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Deutschen Bundestag und den Willy-Brandt-Stiftungen als prägendes Titelmotiv in ihren Veröffentlichungen über den Politiker verwendet.<ref>Portal zur Geschichte der Sozialdemokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung; Willy-Brandt-Ausstellung vom Herbst 2019 im Deutschen Bundestag; gemeinsame Online-Biografie von Willy Brandt der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und der Norwegisch-Deutschen Willy Brandt-Stiftung; alle abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Sein Kontrahent bei der CDU, der einstige CDU-Bundesgeschäftsführer Peter Radunski, nannte ihn den „Vater der politischen Werbung in Deutschland“.<ref>Peter Radunski: Der Vater des modernen Wahlkampfs. In: Politik und Kommunikation, 10. Januar 2014, abgerufen am 12. April 2026.</ref>

Walter arbeitete auch für sozialdemokratische Parteien anderer Länder, zum Beispiel bei den Präsidentschaftswahlen 1970 und 1972 in Österreich (Bruno Kreisky, SPÖ), Israel (Schimon Peres), 1982 in Costa Rica (Luis Alberto Monge Álvarez) und 1986 in Portugal (Mário Soares).<ref>Harry Walter ist tot. In: Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 5. Januar 2014.</ref>

Weitere Tätigkeit

Walter war ab 1979 tätig in der Internationalen Beratung Latein-Amerika und ab 1983 Weltpräsident des IAPC (International Association of Political Consultants). Mehrere Jahre war er Honorarkonsul (Konsul a. h.) für Costa Rica in der Bundesrepublik Deutschland und Träger des Bundesverdienstkreuzes 2. und 1. Klasse sowie seit 1992 Ehrenbürger von Little Rock, Arkansas. Walter war Mitglied im Rotary Club International und ab 1983 Weltpräsident der International Association of Political Consultants (IAPC).

Im Jahr 1999 war er geschäftsführender Gesellschafter des „Instituts für Strategie, Analyse, Planung und Publikationen“ sowie der „Filmmakers Produktions- und Vertriebs-GmbH“ und erster Vorsitzender der „AG – die Aktive Generation e.V.“ in Krefeld.

Im Jahr 1980 ließ sich der passionierte Jäger auf der Pinchi Ranch in der kanadischen Provinz British Columbia nieder,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kontakt (Memento vom 18. Mai 2011 im Internet Archive), abgerufen am 5. Januar 2014</ref> wo er am 31. Dezember 2013 starb.<ref>C&E Staff: Campaign pioneer Harry Walter dies in Canada. In: www.campaignsandelections.com. Campaigns & Elections, 2. Januar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2014; abgerufen am 12. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Buchveröffentlichung

  • mit Jana Polgart: Campaigning international. Helmut Schmidt Medien, 2013, ISBN 978-3-00-038087-7.
  • Tomi Ungerer (Zeichner): Die Eifel und Willy Brandt. Texte von Lothar Lewien und Jürgen Holzapfel. Fotos von Harry Walter. Verlag der SPD-Pressedienste, Bonn 1972.

Literatur

  • Walter, Harry. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1302.
  • Hubert Maessen: Harry Walter: 60 – Die Biographie des Vaters der politischen Werbung in Deutschland, ISAP (Institut für Strategie, Analyse und Planung), Neuss 1989
  • Brigitte Schellmann: Who’s who in German: Biographisches Kompendium in deutscher Sprache, Band 1, Schellmann, 1999, ISBN 3-931230-09-0, S. 871.
  • Norbert Beleke, Karin Di Felice: Wer ist wer?: Das Deutsche Who’s Who, 2006, ISBN 3-7950-2042-5, S. 1403.

Film

  • Harry Walter – der Königsmacher. Filmportrait. De Campo-Film Köln für WDR-Fernsehen, 1989. Regie: Ulrike Filgers. 45 Minuten.

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

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