Zum Inhalt springen

Heinzenkunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Kettenpumpe.svg
Schematischer Aufbau einer Heinzenkunst
Datei:Deutsches Museum - Bergbau - Heinzenkunst 2.JPG
Nachbau im Deutschen Museum: Detail Bälle und Rohrtour
Datei:Deutsches Museum - Bergbau - Heinzenkunst 4.JPG
Nachbau einer Heinzenkunst mit Kunstrad im Deutschen Museum
Datei:Fußbetriebenes Wasserschöpfwerk.jpg
Fußbetriebenes Wasserschöpfwerk

Eine Heinzenkunst,<ref name="Quelle 1" /> auch Taschenkunst oder Hängeseilkunst genannt,<ref name="Quelle 7" /> ist eine Wasserhebemaschine,<ref name="Quelle 1" /> die im Bergbau zum Heben des Grubenwassers diente.<ref name="Quelle 7" /> In Salzbrunnen diente sie zur Hebung der Sole und wurde dort auch als Büschelkunst bezeichnet.<ref name="Quelle 1" /> Die moderne Bezeichnung dieser Maschine ist Schöpfkolbenpumpe.<ref name="Quelle 9" /> Die Heinzenkunst wurde Anfang des 16. Jahrhunderts erfunden und 1535 im Harzer Bergbau eingeführt.<ref name="Quelle 3" />

Aufbau

Über eine in einem Gestell gelagerte Antriebsscheibe wurde eine Endloskette gelegt.<ref name="Quelle 2" /> Diese Kette wurde als Heinzenseil bezeichnet.<ref name="Quelle 8" /> Da diese Endloskette eine Ähnlichkeit mit einer Gebetskette hatte, nannte man diese Kette auch Paternosterkette.<ref name="Quelle 9" /> An der Kette waren in kurzen Abständen Lederbälle oder Lederscheiben (Bälle, Taschen, Püschel) befestigt.<ref name="Quelle 2" /> Der Abstand der Lederbälle war gleichmäßig und betrug meist etwa 1–2 Meter. Die Lederbälle waren mit Stroh,<ref name="Quelle 3" /> Haaren<ref name="Quelle 2" /> oder Reisig gefüllt.<ref name="Quelle 3" /> Mit der endlosen Kette wurden die Bälle durch eine senkrecht im Wasser stehende Holzröhre (Rohrtour) gezogen.<ref name="Quelle 2" /> Der Rohrinnendurchmesser und die Größe der Bälle waren so aufeinander abgestimmt, dass die Bälle möglichst eng an der Rohrwandung entlang glitten.<ref name="Quelle 9" /> Die Holzröhre war mit Eisenringen bewehrt und mittels Eisenklammern am Schachtausbau fixiert.<ref name="Quelle 3" /> Die Kette wurde über eine weitere Scheibe, die sich im Schachtsumpf befand, umgelenkt.<ref name="Quelle 9" /> Die obere Scheibe war über eine Welle mit dem Antrieb verbunden. Die Rohrtour stand mit dem unteren Ende im Schachtsumpf, das obere Ende der Rohrtour reichte bis zum erstellten Wasserabflussniveau, das in einem Wasserlösungsstollen oder über Tage liegen konnte.<ref name="Quelle 3" /> Angetrieben wurde die Heinzenkunst zunächst mittels Muskelkraft, solche Antriebe wurden als Tretkunst bezeichnet. Um größere Förderleistungen zu erzielen, wurde die Heinzenkunst später über einen Pferdegöpel angetrieben, man nannte diese Art des Antriebes auch Rosskunst. Um noch größere Wassermengen aus noch größeren Teufen zu heben, wurde die Heinzenkunst mit Wasserkraft angetrieben. Hierbei wurde die Welle von einem Wasserrad, auch Kunstrad genannt, angetrieben.<ref name="Quelle 4" />

Funktion

Im Gegensatz zur ähnlich funktionierenden Bulgenkunst erfolgte die Wasserhebung bei der Heinzenkunst kontinuierlich.<ref name="Quelle 10" /> Wurde das Wasserrad in Drehbewegung versetzt, setzte sich die Kette durch die Antriebsscheibe ebenfalls in Bewegung.<ref name="Quelle 12" /> Durch die Antriebsscheibe wurde die Endloskette mitgenommen und die Lederbälle wurden durch das Rohr gezogen. Dabei wurde die im Rohr stehende Wassersäule von jedem Ball mit nach oben gezogen.<ref name="Quelle 3" /> Das Rohr füllte sich wieder und der nächste Ball nahm dieses Wasser mit.<ref name="Quelle 5" /> So wurden pro Lederball eine Wassersäule von 10 bis 40 Zentimetern gehoben.<ref name="Quelle 11" /> Das Wasser wurde so durch das Rohr gezogen und an der Austrittsstelle in ein Gerinne entleert.<ref name="Quelle 12" /> Dieser Vorgang wiederholte sich, solange die Heinzenkunst angetrieben wurde und genügend Wasser in der Röhre stand.<ref name="Quelle 5" />

Antriebsleistung

Die Antriebsleistung der Heinzenkunst war je nach Antriebsart unterschiedlich. Die geringste Antriebsleistung wurde mit manuell angetriebenen Heinzenkünsten erzielt.<ref name="Quelle 12" /> Bei mit Wasserkraft angetriebenen Heinzenkünsten betrug die Antriebsleistung, je nach Wassermenge und Wasserdruck, der auf das Kunstrad wirkte, etwa 3 Kilowatt. Mit so einer Heinzenkunst konnten pro Stunde etwa 4 m³ Wasser bei einer Förderhöhe von 45 Metern gehoben werden.<ref name="Quelle 6" /> Agricola gibt für die Heinzenkunst eine Förderhöhe von 60 bis 70 Metern an.<ref name="Quelle 3" /> Nachteilig war der geringe Wirkungsgrad der Heinzenkunst. Waren die Püschel so groß, dass sie zu dicht an der Rohrwandung anlagen, ergaben sich zu große Reibungsverluste. Waren die Püschel zu klein, floss das gehobene Wasser teilweise seitlich wieder vorbei und nach unten.<ref name="Quelle 12" />

Einzelnachweise

<references>

<ref name="Quelle 1">Carl Friedrich Richter: Neuestes Berg- und Hütten-Lexikon. Erster Band, Kleefeldsche Buchhandlung, Leipzig 1805.</ref> <ref name="Quelle 2">Ekkehard Henschke: Landesherrschaft und Bergbauwirtschaft. Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 23, 1. Auflage, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1975, ISBN 9783428031245.</ref> <ref name="Quelle 3">Wilfried Liessmann: Historischer Bergbau im Harz. 3. Auflage, Springer Verlag, Berlin und Heidelberg 2010, ISBN 978-3-540-31327-4.</ref> <ref name="Quelle 4">Paul Henk: Historie des Harzer Bergbaus. In: Freunde des Bergbaus in Graubünden. (Hrsg.): Bergknappe, Nr. 112, Druck Buchdruckerei Davos AG, April 2008, S. 2–7.</ref> <ref name="Quelle 5">Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar e. V. (Hrsg.): Schächte des Rammelsberges. Eigenverlag des Fördervereins, Druck Papierflieger Clausthal-Zellerfeld, Goslar 2006</ref> <ref name="Quelle 6">Rolf Meurer: Wasserbau und Wasserwirtschaft in Deutschland. Parey Buchverlag, Berlin 2000, ISBN 3-8263-3303-9.</ref> <ref name="Quelle 7">Johann Georg Krünitz: Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung. Zwey und zwanzigster Theil, bey Joachim Pauli, Berlin 1781.</ref> <ref name="Quelle 8">Johann Karl Gottfried Jacobson: Technologischesa Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handwerker. Zweyter Theil von G bis L, bey Friedrich Nicolai, Berlin und Stettin 1782.</ref> <ref name="Quelle 9">Wasserhebung mit Krafteinsatz. In: Frontinus-Gesellschaft e. V. (Hrsg.): Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft. Heft 28, Druck prime Rate kft., Budapest, ISBN 3-9806091-4-6, S. 78–81</ref> <ref name="Quelle 10">Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar e. V. (Hrsg.): Der Röderstollen. Eigenverlag des Fördervereins, Druck Papierflieger Clausthal-Zellerfeld, Goslar 2010</ref> <ref name="Quelle 11">Herbert Schmidt: Der Silberbergbau in der Grafschaft Glatz und im Fürstentum Münsterberg-Oels. – Von den mittelalterlichen Anfängen bis zum Niedergang. Tectum Verlag, Marburg 2003, ISBN 3-8288-8500-4.</ref> <ref name="Quelle 12">Georg Agricola: Zwölf Bücher vom Berg- und Hüttenwesen. In Kommission VDI-Verlag GmbH, Berlin.</ref>

</references>

Weblinks