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Henri Cordier (Bergsteiger)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:The french climber Henri Cordier.jpg
Henri Cordiers Leichnam nach der Bergung

Henri Cordier (* 1856; † 7. Juni 1877 oberhalb von La Bérarde; auch Henry Cordier) war ein französischer Bergsteiger. In seiner kurzen zweijährigen Karriere erreichte er als erster Franzose das Niveau der englischen Mitglieder des Alpine Clubs, die in den sogenannten „Goldenen Jahren“ des Alpinismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die bergsteigerische Erschließung der Alpen dominierten. Mit seinen Bergführern und teilweise mit Bergkameraden des Alpine Clubs führte er bedeutende Erstbesteigungen im Mont-Blanc-Massif und in den Dauphiné-Alpen (Massif des Écrins) durch.

Großtouren und Erstbesteigungen

  • 21. Juni 1876: Erstbesteigungsversuch der 3983 m hohen La Meije – damals einer der letzten großen unberührten Gipfel – über die Nordwand durch die Corridors mit den Bergführern Jakob Anderegg, Andreas Maurer und J. Bouillet (aus la Grave).
  • 28. Juni 1876: Aiguille du Plat de la Selle<ref>siehe Artikel fr:Aiguille du plat de la Selle in der französischsprachigen Wikipedia</ref> in der Soreiller-Gruppe des Massif des Écrins, 3597 m, mit den Bergführern Jakob Anderegg und Andreas Maurer.<ref name="Labande" />
  • 3. Juli 1876: Südgrat des Le Râteau<ref>siehe Artikel fr:Le Râteau in der französischsprachigen Wikipedia</ref>, 3809 m, im Massif des Écrins, mit Jakob Anderegg, Andreas Maurer.
  • 15. Juli 1876: Südostgrat des Finsteraarhorn mit Jakob Anderegg und Kaspar Maurer.<ref name="Ballu"> Yves Ballu: Les alpinistes, Glénat, 1997</ref>
  • 31. Juli 1876: Cordier-Couloir in der Nordwand der 4122 m hohen Aiguille Verte im Montblanc-Massiv mit Thomas Middlemore, John Oakley Maund und den Bergführern Jakob Anderegg, Andreas Maurer und Johann Jaun<ref name=Ballu/>
  • 4. August 1876: Cordier-Route in der Nordwand der Les Courtes (neben Aiguille Verte und Les Droites im Montblanc-Massiv) mit Thomas Middlemore, John Oakley Maund und den Bergführern Jakob Anderegg, Andreas Maurer und Johann Jaun.<ref name="Ballu"/>
  • 7. August 1876: Erstbesteigung des Ostgipfels der Les Droites (im Montblanc-Massiv, niedrigster 4000er der Alpen), mit Thomas Middlemore, John Oakley Maund und den Bergführern Jakob Anderegg, Johann Jaun d. J. und Andreas Maurer.
  • 12. August 1876: Erstbesteigungsversuch des Piz Bernina über den Nordgrat, den er als absolut unmöglich bezeichnete (er wurde dennoch schon zwei Jahre danach erklettert).
  • 1. Juni 1877: Erneuter Besteigungsversuch der Meije über den Tabuchetgletscher mit Jakob Anderegg und Andreas Maurer.
  • 7. Juni 1877: Erstbesteigung des 3563 m hohen Le Plaret<ref>siehe Artikel fr:Le Plaret in der französischsprachigen Wikipedia</ref> im Massif des Écrins mit Jakob Anderegg et Andreas Maurer.<ref name="Labande">François Labande: Guide du Haut-Dauphiné. Massif des Écrins. Hrsg.: Éditions de l'envol. Band 1, 1995, Partie nord: Râteau, Soreiller, Meije, Grande Ruine.</ref>

Unfall

Beim Abstieg vom Plaret machte die erfolgreiche Gruppe, nachdem sie die Spaltenzone erfolgreich gemeistert und das Seil abgelegt hatte, auf dem unteren Teil eines Gletschers Rast. Cordier ging dann voraus und versuchte vor den Augen seiner entsetzten Begleiter einen steilen Schneehang über dem hier in zwei bis drei Meter unter der Oberfläche dahinschießenden Gletscherfluss hinunterzurutschen. Die Schneefläche brach plötzlich ein und Cordier wurde von dem Wildwasser unter das Eis mitgerissen und ertrank. Seine Leiche konnte erst am folgenden Tage im Rahmen einer aufwändigen aber vergeblichen Rettungsaktion geborgen werden. Henri Cordier war nur 21 Jahre alt geworden.<ref>siehe Weblink Extraordinary Alpine Accidents</ref><ref>Artikel La montagne c'est pointu im französischen Bergsteigerblog chaps.canalblog</ref>

Erinnerung

An Henri Cordier erinnert im Massif des Écrins der oberhalb des Glacier Blanc gelegene und nach ihm benannte Pic de Neige Cordier, den erstmals am 3. August 1877 Paul Guillemin, Émile Pic und Pierre Estienne erstiegen. Außerdem erhielt man seinen Namen für die Nachwelt in zwei Erstlingsrouten fest, die er 1876 mit Thomas Middlemore, John Oakley Maund und den Führern Jakob Anderegg, Andreas Maurer und Johann Jaun begangen hatte: dem Cordier-Couloir in der Nordwand der Aiguille Verte und der Cordier-Route in der Nordwand der Les Courtes (beide im Montblanc-Massiv).

Literatur

Weblinks

Commons: Henri Cordier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />