Hermann Berthold
August Hermann Berthold (* 19. August 1831 in Berlin; † 23. Dezember 1904 in (Berlin-)Schöneberg)<ref name=":0">StA Schöneberg I, Sterbeurkunde Nr. 1410/1904</ref> war ein deutscher Unternehmer in der Herstellung von Messinglinien und Schriftguss. Er vereinheitlichte das typografische Punktsystem und passte es an das metrische System an; damit schuf er für Deutschland ein einheitliches Schriftsatzmaß-System.
Leben
Hermann Berthold wurde 1831 als Sohn eines Druckers in Berlin geboren. Nach seiner Ausbildung zum Feinmechaniker arbeitete Berthold zunächst in Paris im kaiserlich französischen galvanischen Institut. Im Jahr 1858 gründete er ein Institut für Galvanotypie in Berlin, in dem Kupferplatten gehärtet, galvanoplastische Arbeiten für den Buchdruck durchgeführt und Galvanoplastiken hergestellt wurden. 1861 erweiterte Berthold in Zusammenarbeit mit G. Zechendorf sein Institut unter der Firma Zechendorf & Berthold; hinzu kamen eine Schriftgießerei, eine Messinglinienfabrik, und eine Werkstatt für Stereotypie.
Berits 1864 trennte sich Berthold von Zechendorf und konzentrierte sich auf die Produktion von Messinglinien, Galvanoplastiken und Werkzeugen. Das Unternehmen firmierte nun unter H. Berthold, Schriftgießerei und Messinglinienfabrik. In dieser Zeit verbesserte Berthold einige Buchdruckerwerkzeuge wie den Winkelhaken durch einen Keilhebelverschluss oder das Setzschiff mit einem Rand aus Mahagoniholz. Für die Herstellung der Messinglinien entwickelte er auch neue Werkzeuge wie den Linienhobel, mit dem sich die Liniendicke präzise beeinflussen ließ. 1869 erwarb Berthold ein eigenes Haus in der Tempelhofer Vorstadt und richtete dort seinen Betrieb ein. Durch seine unternehmerischen Aktivitäten kam er zu Wohlstand, der es ihm ermöglichte, 1883 im noblen Ostseebad Heringsdorf ein Fereinhaus bauen zu lassen, das heute als Villa Oechsler bekannt und wegen eines Mosaiks von Antonio Salviati von kunsthistorischer Bedeutung ist.
Berthold leitete sein Unternehmen bis 1888, sein Nachfolger wurde A. Selberg. Im Dezember 1904 starb Hermann Berthold in der Schöneberger Anstalt Maison de Santé<ref name=":0" /> und wurde auf dem Friedhof Grunewald beerdigt.
Leistungen
Die bedeutendste Tat von Hermann Berthold war die Herstellung des Urmaßes (Typometer). Bis zum Jahr 1878 gab es keine einheitliche Umsetzung des Didot-Systems. Das heißt, die Abstufungen zwischen Schriftgrößen sowie die Höhe der Schrift beziehungsweise der Lettern wurden in den Ländern Europas unterschiedlich gehandhabt. Manche Druckerei hatte sogar ihre eigene Haushöhe. Dies erschwerte den Zulieferern der Druckereien, etwa den Schriftgießereien, die Arbeit erheblich.
Berthold begann 1878 mit der Entwicklung des Typometers; unter Mithilfe von Wilhelm Foerster, dem Direktor der Normal-Eichungskommission, stellte Berthold das Urmaß her. Es gründet auf der Einheit Meter. Ein Meter entspricht 2660 typografischen Punkten bei einer Temperatur von 0 °C. Damit war etwa 1880 das deutsche Normal-System geschaffen. Die Normalhöhe der Schrift beträgt danach 62 ⅔ typografische Punkte. Nun ließen sich für alle Betriebe Lettern, Linien und anderes Material in einheitlichen Maßen und damit effizienter fertigen.
Zum Messen von typografischen Längen wie Schriftgrößen und Zeilenabständen dient ein auf diesem Maß basierendes Typometer, ein meist 30 cm langes, transparentes Kunststofflineal.
Berthold hatte sich ebenso mit der Herstellung von Schriftlinien einen Namen gemacht. Im Unterschied zu anderen benutzte er Messing zur Herstellung, was für mehr Stabilität und Präzision sorgte. So fertigte er als Erster Achtelpetit-Linien.
Literatur
- Severin Corsten, Günther Pflug u. a. (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. 2. Auflage, Band I. Anton Hiersemann, Stuttgart 1987, ISBN 3-7772-8527-7, S. #.
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- Hans-Jürgen Wolf: Geschichte der graphischen Verfahren. Ein Beitrag zur Geschichte der Technik. Historia Verlag, Dornstadt 1990, ISBN 3-9800257-4-8, S. #.
Weblinks
- Hermann Berthold auf typolexikon.de
Einzelnachweis
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