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Hermann Maas (Theologe)

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Hermann Ludwig Maas (* 5. August 1877 in Gengenbach, Baden; † 27. September 1970 in Mainz-Weisenau) war ein deutscher Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden, seit 1945 einer der heute 20 Teilkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Pionier des jüdisch-christlichen Dialogs. Er sah sich als Zionist und war lebenslanger Freund Martin Bubers. Ab 1915 war er Pfarrer an der evangelischen Hauptkirche, der Heiliggeistkirche, in Heidelberg und ab 1933 Mitglied im Pfarrernotbund, der sich gegen den Ausschluss jüdischstämmiger kirchlicher Amtsträger und schließlich auch amtloser jüdischstämmiger Christen, sogenannter Konvertiten, aus der Deutschen Evangelische Kirche zur Wehr setzte.<ref>Biografie beim H. Geschichtsverein.</ref> 1952 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Heidelberg gewählt.

Leben

Hermann Maas war der Sohn von Philipp Maas, evangelischer Pfarrer in Gengenbach, und seiner Ehefrau Maria geb. Goos.<ref>Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten. Verlag Regionalkultur, Heidelberg 2016, S. 21.</ref> Hermann Maas besuchte von 1883 bis Herbst 1890 die Volksschule, dann die Höhere Bürgerschule in Gernsbach (Baden), von Herbst 1886 bis Sommer 1893 das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg und ab Sommer 1893 das Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim, an dem er am 6. Juli 1896 das Abitur ablegte.<ref>ref>Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten. Verlag Regionalkultur, Heidelberg 2016, S. 22–24.</ref> Anschließend studierte er evangelischen Theologie in Halle (Saale), Straßburg und Heidelberg, wo er der Akademisch-Theologischen Verbindung Wartburg angehörte.

Hermann Maas wurde am 11. November 1900 ordiniert.<ref>Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten. Verlag Regionalkultur, Heidelberg 2016, S. 43.</ref> Er war Vikar in Rheinbischofsheim (ab Dezember 1900), in Weingarten (ab August 1901), in Pforzheim (ab November 1901) und in Lörrach (ab Januar 1903).<ref>Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten. Verlag Regionalkultur, Heidelberg 2016, S. 42–48.</ref> Im November 1903 wurde er zum Pfarrverwalter in Laufen/Sulzburg ernannt, ab Oktober 1906 war er Pfarrer daselbst. Ab 1915 war er Pfarrer an der Heiliggeistkirche in Heidelberg.

Datei:Herrmann-Maas-Haus.JPG
Hermann-Maas-Haus in Heidelberg-Kirchheim

Maas war politisch interessiert und engagierte sich in der politischen Arbeit. Sein lebenslanges Interesse waren die friedliche Verständigung der Völker und der Interreligiöse Dialog. Maas knüpfte hierbei umfangreiche internationale Kontakte, die ihm bei seiner Hilfetätigkeit zugunsten verfolgter Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zugutekamen.

1903 nahm Maas am 6. Zionistenkongress in Basel teil, woraufhin er sich selber einen (christlichen) Zionisten nannte.<ref>Hermann Maas: Anwalt der Verfolgten – Rückblick eines 75jährigen (1952). In: Werner Keller und andere (Hrsg.): Leben für Versöhnung – Hermann Maas. Hans Thoma Verlag, Karlsruhe, 2. Aufl. 1997, S. 12–28, hier S. 26.
„Wer aber […] in der Liebe zu Zion eine tiefe Bewegung des Herzens […] in sich selbst verspürt, der bejaht gerade als Christ den echten Zionismius, der keine romantische Stimmung ist, sondern biblischer, gläubiger Realismus.“ (Hermann Maas: Skizzen von einer Fahrt nach Israel., Karlsruhe 1950, S. 75).</ref> Von 1913 bis 1922 leitete er die im Auftrag der Kirchlich-Liberalen Vereinigung in Baden und der Freien Landeskirchlichen Vereinigung für das Großherzogtum Hessen herausgegebene liberale Zeitschrift Süddeutsche Blätter für Kirche und freies Christentum und war als Vertreter der Kirchlich-liberalen Vereinigung von 1914 bis 1919 Mitglied der badischen Generalsynode. 1918 trat er der DDP (Deutsche Demokratische Partei) bei und war für diese über zwei Legislaturperioden im Heidelberger Stadtrat tätig.

1919 schloss er sich den Freimaurern<ref>Wer war Hermann Maas; Evangelische Kirche in Heidelberg</ref> an und wurde Mitglied der Neuwieder Johannisloge.<ref>Freimaurer Neuwied "Zur Wahrheit und Treue"</ref> 1925 war er Delegierter bei der Tagung des Weltbundes für Internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen in Stockholm. In demselben Jahr verursachte er einen Skandal, weil er bei der Beerdigung von Reichspräsident Friedrich Ebert eine Traueransprache hielt, obwohl dieser katholisch getauft und später aus der Kirche ausgetreten war. Unter diesem Vorwand erfolgten disziplinarische Maßnahmen gegen Maas durch seine deutschnational gesinnten und gegen die Republik eingestellten Vorgesetzten in der Badischen Landeskirche.

1932 trat Maas dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus bei. Vom 1. April bis zum 1. Juli 1933 reiste er das erste Mal durch Palästina. Auch im Pfarrernotbund engagierte er sich seit 1933/1934. In Heidelberg leitete er eine Hilfsstelle für rassistisch Verfolgte und arbeitete eng mit dem Büro Grüber in Berlin zusammen. Emil Fuchs schreibt, er habe eine regelrechte „Untergrundbahn“ (ein Begriff aus der US-amerikanischen Sklavenbefreiung) für Verfolgte organisiert. Gemeint ist damit, dass Maas mit seinen internationalen Kontakten bis zum Kriegsbeginn 1939 vielen der verfolgten Juden zur Flucht durch Emigration verhelfen konnte. Trotz drohendem Berufsverbot predigte er gegen die Judenverfolgung des NS-Regimes. 1943 wurde er auf Druck des Regimes durch den badischen Evangelischen Oberkirchenrat zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Schließlich wurde er zur Zwangsarbeit nach Frankreich verschleppt.

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 nahm er seine Tätigkeit als Pfarrer wieder auf. 1945 unterlag er Julius Bender bei der Wahl zum Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, wurde aber im nächsten Jahr Kreisdekan (ab 1956 mit dem Titel Prälat) im Kirchenkreis Nordbaden. 1965 trat er in den Ruhestand. Auch seine internationale Arbeit setzte er fort. Maas war der erste christliche Deutsche<ref>So Gerhard Gronauer: Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972 (= Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte, Reihe B, Darstellungen, Band 57). Göttingen 2013, S. 110, Anm. 249, ISBN 978-3-525-55772-3.</ref>, der offiziell vom Staat Israel (vom Religionsministerium,<ref>"geladen vom Misrad ha datot" (Hermann Maas: Der Staat Israel. Vergangenheit Gegenwart Zukunft, Essen 1950, S. 5)</ref> das Rabbiner Jehuda Leib Maimon leitete) zu einem Besuch im Land eingeladen und empfangen wurde.<ref name="1953NEW">Dr. Maas in Jerusalem.Neue Welt. Unabhängige internationale Zeitschrift, Jahrgang 1953, S. 68 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/new</ref> Im März und April 1950 hielt er sich in Israel auf. 1952 wurde ein Wald in Israel nach Hermann Maas benannt, und 1953 erhielt er zum zweiten Mal<ref>Seine Berichte der Reisen von 1950 und 1953 finden sich unter „Publikationen“.</ref> eine Einladung der israelischen Regierung.<ref name="1953NEW" /> Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte Maas mit einer der höchsten Auszeichnungen des Staates Israel als Gerechter unter den Völkern. In den Jahren 1958, 1962 und 1967 unternahm er weitere Israelreisen.<ref>Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten, Heidelberg 2014, S. 437–450.</ref> Maas gehörte dem Kuratorium der 1963 gegründeten Deutsch-Israelischen Studiengruppe Heidelberg an.<ref>Jonas Hahn: Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948–1972, Göttingen 2025, S. 109.</ref>

Seit 1904 war Hermann Maas mit Kornelie Hesselbacher (1879–1975) verheiratet. Aus der Ehe entstammen drei Töchter.

Ehrungen

Datei:Maas Yad Vashem.jpg
Baum zu Ehren von Hermann Maas, Yad Vashem/Jerusalem 2008
Datei:Hermann Maas, Gedenkstein im Maas-Hain Gilboa-Berge 2.jpg
Gedenkstein im Maas-Hain, direkt östlich vom Park Maʿejan Charod/Gilboa, Israel 2025

Hermann Maas wurde vielfältig ausgezeichnet. 1949 wurde er als erster nichtjüdischer Deutscher nach Israel eingeladen.

Publikationen

  • Skizzen von einer Fahrt nach Israel. Evangelischer Pressverband für Baden, Karlsruhe 1950.
  • Jerusalem, das droben ist. In: Für Arbeit und Besinnung. Kirchlich-Theologische Halbmonatsschrift, Jg. 4, Nr. 14 (15. Juli 1950), S. 314–321 (über die damalige Lage Jerusalems und des Staates Israel kurz nach seiner Gründung).
  • Der Staat Israel. Vergangenheit Gegenwart Zukunft. Lichtweg Verlag, Essen 1950.
  • Anwalt der Verfolgten – Rückblick eines 75jährigen (1952). In: Werner Keller und andere (Hrsg.): Leben für Versöhnung – Hermann Maas. Hans Thoma Verlag, Karlsruhe, 2. Aufl. 1997, S. 12–28.
  • – und will Rachels Kinder wieder bringen in das Land. Reiseeindrücke aus dem heutigen Israel. Eugen Salzer Verlag, Heilbronn 1955.
  • Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. In: Otto Hof (Hrsg.): Dienende Kirche. Hans Thoma Verlag, Karlsruhe 1963, S. 367–383.

Literatur

  • Angela Borgstedt: „... zu dem Volk Israel in einer geheimnisvollen Weise hingezogen“. Der Einsatz von Hermann Maas und Gertrud Luckner für verfolgte Juden, in: Michael Kißener (Hrsg.): Widerstand gegen die Judenverfolgung. Konstanz 1996.
  • Markus Geiger: Hermann Maas – eine Liebe zum Judentum: Leben und Wirken des Heidelberger Heiliggeistpfarrers und badischen Prälaten. Herausgegeben von Peter Blum (= Buchreihe der Stadt Heidelberg, Band 17, Edition Guderjahn). Verlag für Regionalkultur, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-89735-927-7 (Dissertations-Ausgabe, Pädagogische Hochschule Heidelberg, 2014). Oder knapper in Norbert Giovannini (Hrsg.), Moraw, Riese, Rink: Stille Helfer – Eine Spurensuche in Heidelberg 1933–1945. Heidelberg 2019, S. 73ff.
  • Werner Keller u. a. (Hrsg.): Leben für Versöhnung – Hermann Maas (= Edition Zeitzeugen). 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage (169 Seiten). Hans Thoma Verlag, Karlsruhe 1997, ISBN 3-87297-129-8 (1. Auflage unter dem Titel: Redet mit Jerusalem freundlich: Zeugnisse von und über Hermann Maas, erarbeitet von Werner Keller … , Vorwort von Klaus Engelhardt und Reinhold Zundel. Evangelischer Presseverband für Baden, Karlsruhe 1986, ISBN 3-87210-311-3).
  • Nathan Peter Levinson: H. Maas. In: Juden in Baden 1809–1984 – 175 Jahre Oberrat der Israeliten Baden. Karlsruhe 1984, 213–216.
  • Eckhart Marggraf: „Die Kirche muß ein schützender Zaun sein um das ganze leibliche Israel“. Der Einsatz von Hermann Maas für bedrängte Juden. In: Theodor Strohm, Jörg Thierfelder (Hrsg.): Diakonie im „Dritten Reich“. Neuere Ergebnisse Zeitgeschichtlicher Forschung. Heidelberg 1990, S. 305–318.
  • Peter Noss: Maas, Hermann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 5, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3, Sp. 505–510.
  • Markus Schlicher: „Ich stehe bei Ihnen, nicht ‚trotzdem‘ Sie Jude sind, sondern ‚weil‘ Sie es sind.“ Der evangelische Pfarrer Dr. Hermann Maas. In: Wolfram Wette (Hrsg.): Stille Helden. Judenretter im Dreiländereck während des Zweiten Weltkriegs. Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2005, ISBN 3-451-05461-2, S. 125–141.
  • Jörg Thierfelder: Der Heidelberger Pfarrer Hermann Maas und sein Wirken in Heidelberg und Baden 1945–1946. In: Jürgen C. Heß u. a. (Hrsg.): Heidelberg 1945 (= Transatlantische historische Studien, Band 5). Steiner, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06880-5, S. 276–293.

Weblinks

Commons: Hermann Maas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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