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Hunds-Kerbel

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Hunds-Kerbel
Datei:Anthriscus caucalis plant.jpg

Hunds-Kerbel (Anthriscus caucalis)

Systematik
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Untertribus: Scandicinae
Gattung: Kerbel (Anthriscus)
Art: Hunds-Kerbel
Wissenschaftlicher Name
Anthriscus caucalis
M.Bieb.

Der Hunds-Kerbel (Anthriscus caucalis),<ref name="FloraWeb" /> auch Hundskerbel geschrieben, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kerbel (Anthriscus) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung

Datei:Anthriscus caucalis sl3.jpg
Oberer Bereich des Stängels mit Laubblättern und Blütenstand, gut zu erkennen ist die Blattscheide
Datei:Anthriscus caucalis kz32.jpg
Blüten
Datei:Anthriscus caucalis sl6.jpg
Früchte

Vegetative Merkmale

Der Hunds-Kerbel ist eine zierliche, einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 80, selten bis zu 100 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" /> Er bildet dünne Wurzeln. Die Pflanzenteile riechen, wenn man sie zerreibt, stark aromatisch; der Geruch erinnert an Fichtennadeln.<ref name="Fischer-Adler2008"/> Der runde, aufrechte bis aufsteigende Stängel ist verzweigt, kahl und am Grund oft purpurfarben.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" />

Die wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattscheiden sind hautrandig und zottig behaart. Die dunkel-grüne Blattspreite ist drei- bis vierfach fiederschnittig.<ref name="FloraWeb" /> Die Blattoberseite ist kahl und am Rand sowie auf der -unterseite auf den Blattnerven dicht abstehend behaart.<ref name="Thellung1965" /> Die Blattabschnitte letzter Ordnung sind eiförmig bis länglich, gegen den Grund tief eingeschnitten, ihre Zipfel sind linealisch-länglich.<ref name="Thellung1965" />

Generative Merkmale

Die doppeldoldigen Blütenstände stehen scheinbar blattgegenständig und sind drei- bis fünfstrahlig.<ref name="FloraWeb" /> Eine Hülle fehlt.<ref name="FloraWeb" /> Die Strahlen sind kahl oder nur an den Knoten spärlich behaart.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" /> Die Hüllchen sind einseitswendig und ein- bis fünfblättrig.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" /> Die relativ kleinen Blüten sind grünlich-weiß. Die Kronblätter sind etwa 0,5 mm lang, kurz ausgerandet, mit sehr kurzem undeutlichem eingebogenem Spitzchen.<ref name="Thellung1965" />

Die Fruchtstiele sind zur Reifezeit verdickt und am oberen Ende mit einem weißen Borstenkranz versehen.<ref name="Thellung1965" /> Die bei Reife dunkel-braunen bis schwarzen Teilfrüchte sind bei einer Länge von 4 bis 5 mm und einer maximalen Dicke von 1,5 mm eiförmig, dicht hakig borstig und besitzen einen 1 bis 2 mm langen Schnabel.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" /> Das Griffelpolster ist spitz-kegelförmig, der Griffel ist sehr kurz und vom Polster kaum abgesetzt.<ref name="FloraWeb" /><ref name="Thellung1965" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:Anthriscus caucalis herbarium (06).jpg
Herbarbeleg (Bitte keine Pflanzenteile Naturbeständen entnehmen)

Ökologie

Der Hunds-Kerbel ist eine ausgesprochen thermophile Ruderalpflanze und Therophyt<ref name="FloraWeb" />.

Die Blütezeit liegt in den Monaten April bis Juni. Es erfolgt meist Selbstbestäubung, wobei sich die Staubblätter nach innen biegen.<ref name="Thellung1965" /> Vereinzelt wurden Fliegen als Blütenbesucher beobachtet.<ref name="Thellung1965" />

Die hakenförmigen Diasporen ermöglichen eine Klettausbreitung durch Tiere.<ref name="FloraWeb" /> Nach der Fruchtreife im Juli stirbt das Pflanzenexemplar rasch ab.<ref name="Thellung1965" />

Vorkommen

Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Nordafrika über Europa bis Vorderasien. Der Hunds-Kerbel ist vom Mittelmeerraum nach Norden bis Mitteleuropa verbreitet.<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" /> Er ist beispielsweise in Norwegen<ref name="Euro+Med" /> und Nordamerika, Japan, Korea, und Neuseeland eine Neophyt. Gebietsweise ist der Hunds-Kerbel in neuerer Zeit in Ausbreitung (beispielsweise in Franken), vielleicht infolge des Klimawandels.

Der Hunds-Kerbel steigt bei Neuenburg bis in eine Höhenlage von 550 Meter und am Fuß der Balmfluh bei Solothurn bis 700 Meter auf.<ref name="Thellung1965" />

Der Hunds-Kerbel gedeiht auf frischen, nährstoffreichen, meist kalkarmen, lockeren, humosen und gern sandigen Lehmböden. Pflanzensoziologisch kommt er in Pflanzengesellschaften des Verbands Sisymbrion und auch im Verband Alliarion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen Scandix anthriscus durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 256. Das Artepitheton anthriscus ist in der Gattung Anthriscus nicht verwendbar; so musste auf die nächstgültige Veröffentlichung zurückgegriffen werden. Diese erfolgte 1808 durch Friedrich August Marschall von Bieberstein in Flora Taurico-Caucasica, Band 1, Seite 230 als Anthriscus caucalis.<ref name="GRIN" /> Weitere Synonyme für Anthriscus caucalis <templatestyles src="Person/styles.css" />M. Bieb. sind beispielsweise: Anthriscus caucalis var. gymnocarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Moris) Cannon, Anthriscus caucalis var. neglecta <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Reut. ex Lange) P.Silva & Franco, Anthriscus neglecta <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss. & Reut. ex Lange, Anthriscus scandicinus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Weber) Mansf., Anthriscus vulgaris <templatestyles src="Person/styles.css" />Pers., Caucalis scandicina <templatestyles src="Person/styles.css" />F. H.Wigg., Torilis anthriscus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Gaertn. und Torilis scandicina <templatestyles src="Person/styles.css" />(F.H.Wigg.) C.C.Gmel.<ref name="Euro+Med" />

Trivialnamen

Für den Hunds-Kerbel bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Ackerkletten, Ackerpeterlein, Bettel, Bettlersläuse, Drehkraut (Oldenburg), Heckenkerbel, Klettenkörbel (Schlesien), Klettenkörffel (mittelhochdeutsch), Klettenpeterlein (mittelhochdeutsch), wilde Petersilie, Schafkerbel und Zirmet.<ref name="Pritzel1882" />

Verwendung

Die fermentierten Stängel werden im Kaukasus gegessen.<ref>Andrea Pieroni, Renata Sõukand: Ethnic and religious affiliations affect traditional wild plant foraging in Central Azerbaijan. In: Genet. Resour. Crop. Evol. 66, 2019, S. 1495–1513, doi:10.1007/s10722-019-00802-9, PDF.</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Anthriscus caucalis M. Bieb., Hunds-Kerbel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Anthriscus caucalis M. Bieb. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Fischer-Adler2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand, 2011+: Apiaceae.: Datenblatt Anthriscus caucalis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. </ref> <ref name="Pritzel1882"> Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 85. (eingescannt). </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. S. 1030–1032. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. </ref> </references>

Literatur

Weblinks

Commons: Hunds-Kerbel (Anthriscus caucalis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien