Hyperbolos
Hyperbolos (Vorlage:GrcS; † 411 v. Chr.) war ein athenischer Lampenhändler und Politiker des 5. Jahrhunderts v. Chr., der um 422 v. Chr. führender Demagoge werden wollte und dafür vor allem den Spott der Komödie erntete. Um 417 v. Chr. wurde er als letztes Opfer des attischen Scherbengerichts aus Athen verbannt.
Aufstieg
Hyperbolos, Sohn des Antiphanes aus dem Demos Perithoides, hatte als Lampenhersteller oder -vertreiber in Athen ein Vermögen erworben, das er nach Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs einsetzte, um eine Karriere als Politiker zu starten. 425/24 v. Chr. war er zunächst Stratege gewesen, ohne sich sonderlich auszuzeichnen. Nach dem Tod des Kleon in der Schlacht von Amphipolis avancierte Hyperbolos 422 v. Chr. zum Führer der radikalen Demokraten, die eine Aussöhnung mit Sparta ablehnten und deshalb 421 v. Chr. gegen den Nikiasfrieden opponierten.<ref>{{ #if:Franz Kiechle|Franz Kiechle: |}}{{ #if:Hyperbolos|Hyperbolos|Hyperbolos }}. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart {{#switch: 2 | 1 = 1964 | 2 = 1967 | 3 = 1969 | 4 = 1972 | 5 = 1975 }}{{#if:1274|, Sp. 1274{{#if:|{{#ifexpr: <>1274|{{#ifexpr: 1274+1=| f{{#if:|.}}|–}}}} |}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if: | ({{{6}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:KlP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:KlP |format=@@@ |1=1=N>0 |2=1=<=5 |3=2=n |4=3=n |5=4=* |6=5=* |7=6=* |8=Fundstelle=*}}</ref>
Von Kleon, einem ehemaligen Gerber oder Lederhändler, übernahm Hyperbolos insbesondere den Part als Einpeitscher der unkultivierten Masse in der Volksversammlung. Die Sorgen der Bildungsbürger über diesen Aufstieg kamen daraufhin im politischen Kommentar der attischen Komödie zum Ausdruck, vor allem in den Stücken der Dichter Aristophanes und Eupolis. Als Führer der Kriegspartei wurde Hyperbolos jedoch bald durch den brillanten Alkibiades in den Schatten gestellt. Um 420 v. Chr. war er Ratsherr. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine politische Karriere ihren Zenit wohl schon überschritten, da Aristophanes seine Dichterkollegen verhöhnte, weil sie immer noch auf den „ärmlichen Wicht“ einstampften, statt sich lohnendere Opfer für ihren Spott zu suchen.<ref>Aristophanes, Die Wolken 540–555.</ref>
Ostrakismos
Hyperbolos intrigierte indes weiter gegen die führenden Staatsmänner Nikias und Alkibiades. Vermutlich 417 v. Chr. (oder 415 v. Chr.) beantragte er einen Ostrakismos (Scherbengericht), um wenigstens einen seiner beiden Gegner loszuwerden. Die beiden ansonsten verfeindeten Parteiführer schlossen jedoch ein Zweckbündnis und bewirkten durch ihre Absprache, dass die meisten Stimmen auf Hyperbolos entfielen, der damit auf zehn Jahre aus Athen verbannt wurde.<ref>Vgl. Herbert Heftner: Der Ostrakismos des Hyperbolos: Plutarch, pseudo-Andokides und die Ostraka. In: Rheinisches Museum für Philologie, Band 143, 2000, PDF.</ref> Der Komiker Platon widmete dem überraschenden Ausgang einige Zeilen einer Komödie, die von Plutarch überliefert sind:<ref>Plutarch, Alkibiades 13 und Nikias 11.</ref>
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Exil und Tod
Der Historiker Thukydides berichtet, dass Hyperbolos nach Samos ins Exil ging, wo er im Jahr 411 v. Chr. von oligarchischen Putschisten ermordet wurde. Thukydides nennt ihn „einen niedrigen Kerl, den das Scherbengericht verbannt hatte nicht aus Angst vor seiner Macht und seinem Ansehen, sondern wegen seiner Schlechtigkeit und als Schande der Stadt“.<ref>Thukydides, VIII 73,3.</ref>
Rezeption
Während seiner kurzen Karriere als Führer in der Volksversammlung enthüllte Hyperbolos offenbar eine überdurchschnittliche Zahl menschlicher Schwächen, die ihn bald zum bevorzugten Ziel der attischen Komödie machten. Besonders hartnäckig zeigte sich Aristophanes, der ihn zwischen 425 und 405 v. Chr. in mindestens sieben Stücken erwähnte. Gewöhnlich wird er dabei als hässlich, ungebildet, verworfen, hinterhältig und gemein dargestellt.<ref>Aristophanes, Die Acharner 846; Die Ritter 739, 1304, 1363; Die Wolken 551, 557, 623, 876, 1065; Die Wespen 1007; Der Frieden 681, 921, 1319; Die Thesmophoriazusen 840; Die Frösche 570.</ref> In der Komödie Der Frieden heißt es, dass das Volk ihm in seiner Verzweiflung nur deshalb nachlief, weil es von seinen Lampen Erleuchtung erwartete.<ref>Aristophanes, Der Frieden 690f.</ref>
Aristophanes stand mit seinem Spott jedoch nicht allein, und in der Komödie Marikas ({{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) seines Konkurrenten Eupolis wird Hyperbolos als „Sklave barbarischer Herkunft karikiert, der seine Bildung in Barbierstuben aufgeschnappt hat“.<ref>{{ #if:Walther Kraus|Walther Kraus: |}}{{ #if:Eupolis|Eupolis|Hyperbolos }}. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart {{#switch: 2 | 1 = 1964 | 2 = 1967 | 3 = 1969 | 4 = 1972 | 5 = 1975 }}{{#if:438|, Sp. 438{{#if:439|{{#ifexpr: 439<>438|{{#ifexpr: 438+1=439| f{{#if:|.}}|–439}}}} |}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if: | ({{{6}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:KlP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:KlP |format=@@@ |1=1=N>0 |2=1=<=5 |3=2=n |4=3=n |5=4=* |6=5=* |7=6=* |8=Fundstelle=*}}</ref> Der Dramatiker Hermippos dichtete auf Hyperbolos und seine vermutlich trunksüchtige Mutter seine Brodweiber, und der Komiker Platon widmete beiden sogar ein ganzes Stück mit dem Titel Hyperbolos.
Quellen
- Aristophanes: Die Acharner 846; Die Ritter 739, 1304, 1363; Die Wolken 551, 557, 623, 876, 1065; Die Wespen 1007; Der Frieden 681, 921, 1319; Die Thesmophoriazusen 840; Die Frösche 570.
- Eupolis: Fragmente
- Plutarch: Alkibiades 13; Nikias 11.
- Thukydides: Peloponnesischer Krieg 8, 73.
Literatur
- Hans Neumann: Die Politik Athens nach dem Nikiasfrieden und die Datierung des Ostrakismos des Hyperbolos. In Klio 29, 1936, S. 36–49, {{#invoke:Vorlage:Handle|f|scheme=doi|class=plainlinks|parProblem=Problem|errCat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:DOI|errClasses=error editoronly|errHide=1|errNS=0 4 10 100}}.
- {{ #if:Franz Kiechle|Franz Kiechle: |}}{{ #if:Hyperbolos|Hyperbolos|Hyperbolos }}. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 2, Stuttgart {{#switch: 2
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- W. R. Connor: The new politicians of fifth-century Athens. 1971.
- Peter J. Rhodes: The Ostracism of Hyperbolos. In: Robin Osborne, Simon Hornblower (Herausgeber): Ritual, Finance, Politics: Athenian Democratic Accounts presented to David Lewis. Oxford, 1994, S. 85–99.
- Herbert Heftner: Der Ostrakismos des Hyperbolos: Plutarch, pseudo-Andokides und die Ostraka. In: Rheinisches Museum für Philologie, Band 143, 2000, S. 32–59, PDF.
- {{ #if:Peter J. Rhodes|Peter J. Rhodes: |}}{{ #if:Hyperbolos|Hyperbolos|Hyperbolos }}. In: {{#if:Vorlage:Str match|{{#switch: 5
| Suppl. 1 = Walter Eder, Johannes Renger (Hrsg.): Herrscherchronologien der antiken Welt. Namen, Daten, Dynastien | Suppl. 2 = Manfred Landfester (Hrsg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon | Suppl. 3 = Anne-Maria Wittke, Eckart Olshausen, Richard Szydlak (Hrsg.): Historischer Atlas der antiken Welt | Suppl. 4 = Manfred Landfester, Brigitte Egger (Hrsg.): Register zur Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. Register zu den Bänden 13–15/3 des Neuen Pauly | Suppl. 5 = Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart | Suppl. 6 = Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon | Suppl. 7 = Christine Walde (Hrsg.): Die Rezeption der antiken Literatur. Kulturhistorisches Werklexikon | Suppl. 8 = Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik | Suppl. 9 = Manfred Landfester (Hrsg.): Renaissance-Humanismus. Lexikon zur Antikerezeption | Suppl. 10 = Anne-Maria Wittke (Hrsg.): Frühgeschichte der Mittelmeerkulturen. Historisch-archäologisches Handbuch | Suppl. 11 = Falko Daim (Hrsg.): Byzanz. Historisch-kulturwissenschaftliches Handbuch | Suppl. 12 = Leonhard Burckhardt, Michael A. Speidel (Hrsg.): Militärgeschichte der griechisch-römischen Antike. Lexikon | Suppl. 13 = Joachim Jacob, Johannes Süßmann (Hrsg.): Das 18. Jahrhundert. Lexikon zur Antikerezeption in Aufklärung und Klassizismus | Suppl. 14 = Konrad Vössing, Matthias Becher, Jan Bemmann (Hrsg.): Die Germanen und das Römische Reich. Historisch-archäologisches Lexikon }} (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band {{#invoke:Str|cropleft|5|7}}). Metzler, Stuttgart/Weimar|Der Neue Pauly (DNP). {{#if:5|Band 5,|}} Metzler, Stuttgart}} {{#switch: 5 | 1 = 1996 | 2 = 1997 | 3 = 1997 | 4 = 1998 | 5 = 1998 | 6 = 1999 | 7 = 1999 | 8 = 2000 | 9 = 2000 | 10 = 2001 | 11 = 2001 | 12/1 = 2002 | 12/2 = 2002 | 13 = 1999 | 14 = 2000 | 15/1 = 2001 | 15/2 = 2002 | 15/3 = 2003 | 16 = 2003 | Suppl. 1 = 2004 | Suppl. 2 = 2007 | Suppl. 3 = 2007 | Suppl. 4 = 2005 | Suppl. 5 = 2008 | Suppl. 6 = 2012 | Suppl. 7 = 2010 | Suppl. 8 = 2013 | Suppl. 9 = 2014 | Suppl. 10 = 2015 | Suppl. 11 = 2016 | Suppl. 12 = 2022 | Suppl. 13 = 2018 | Suppl. 14 = 2023 | #default = 1996–2023 }}, ISBN {{#switch: 5 | 1 = 3-476-01471-1 | 2 = 3-476-01472-X | 3 = 3-476-01473-8 | 4 = 3-476-01474-6 | 5 = 3-476-01475-4 | 6 = 3-476-01476-2 | 7 = 3-476-01477-0 | 8 = 3-476-01478-9 | 9 = 3-476-01479-7 | 10 = 3-476-01480-0 | 11 = 3-476-01481-9 | 12/1 = 3-476-01482-7 | 12/2 = 3-476-01487-8 | 13 = 3-476-01483-5 | 14 = 3-476-01484-3 | 15/1 = 3-476-01485-1 | 15/2 = 3-476-01488-6 | 15/3 = 3-476-01489-4 | 16 = 3-476-01486-X | Suppl. 1 = 3-476-01912-8 | Suppl. 2 = 978-3-476-02030-7 | Suppl. 3 = 978-3-476-02031-4 | Suppl. 4 = 3-476-02051-7 | Suppl. 5 = 978-3-476-02032-1 | Suppl. 6 = 978-3-476-02033-8 | Suppl. 7 = 978-3-476-02034-5 | Suppl. 8 = 978-3-476-02468-8 | Suppl. 9 = 978-3-476-02469-5 | Suppl. 10 = 978-3-476-02470-1 | Suppl. 11 = 978-3-476-02422-0 | Suppl. 12 = 978-3-476-02471-8 | Suppl. 13 = 978-3-476-02472-5 | Suppl. 14 = 978-3-476-02473-2 | #default = 3-476-01470-3 }}{{#if:802|, {{#switch: 5 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 = S. | #default = Sp. }}802{{#if:|{{#ifexpr: 802 <> |–|}}|}}|}}{{#if:|, {{{Fundstelle}}}}}{{#if:| ({{{6}}})}}.{{#invoke:TemplatePar|match |template=Vorlage:DNP |cat=Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:DNP |format=@@@ |1=1=* |2=2=n |3=3=n |4=4=* |5=5=* |6=6=* |7=Fundstelle=*}}{{#if: 5|{{#switch: 5 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12/1 | 12/2 | 13 | 14 | 15/1 | 15/2 | 15/3 | 16 | Suppl. 1 | Suppl. 2 | Suppl. 3 | Suppl. 4 | Suppl. 5 | Suppl. 6 | Suppl. 7 | Suppl. 8 | Suppl. 9 | Suppl. 10 | Suppl. 11 | Suppl. 12 | Suppl. 13 | Suppl. 14 = | #default = Vorlage:DNP: Ungültige Bandnummer. }}|}}
Einzelnachweise
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