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Ich hab mich ergeben

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Ich hab mich ergeben ist ein 1820 von Hans Ferdinand Maßmann gedichtetes und unter dem Titel Gelübde veröffentlichtes patriotisches Volks- und Studentenlied.

Datei:Ich hab' mich ergeben.ogg
Instrumentalfassung, gespielt von der United States Navy Band (als Nationalhymne der Föderation Mikronesien)

Text

Datei:Ich hab mich ergeben (1823).jpg
Ich hab mich ergeben, Druckfassung 1823

Das Lied besingt die patriotische Hingabe des lyrischen Ichs zu Deutschland als einem Land „voller Liebe und Leben“ und besingt die Ursprünge Deutschlands, der (gedruckten) deutschen Sprache und des Protestantismus.

<poem style="margin-left:2em;">

1. Ich hab mich ergeben mit Herz und mit Hand dir, Land voll Lieb’ und Leben, mein deutsches Vaterland!

2. Mein Herz ist entglommen, dir treu zugewandt, du Land der Frei’n und Frommen, du herrlich Hermannsland!

3. Du Land, reich an Ruhme, wo Luther erstand, für deines Volkes Tume reich ich mein Herz und Hand!

4.<ref>Diese Strophe erstmals 1824 in der Sammlung: Heinrich Dittmar (Hrsg.): Der Lebensfrühling. Ein Lesebuch für die Jugend. Erster Theil. Georg Reimer, Berlin 1824, S. 306 f. (Nr. 71), hier mit der Überschrift „Lied eines deutschen Knaben“ und der Autorangabe „Von M.“ (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). In der anonym publizierten Anthologie Wächterlieder am Rheine, Schweinfurt 1841, S. 54 f. (Digitalisat in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.) ersetzte diese eingeschobene Strophe die Lutherstrophe erstmals ganz. Im Deutschen Turn-Liederbuch 1868, S. 79, erschien das Lied wieder in der sechsstrophigen Fassung. Da Maßmann das Vorwort für dieses Buch schrieb, dürfte diese Fassung von ihm autorisiert, die Strophe also von ihm selbst ergänzt worden sein.</ref> Will halten und glauben an Gott fromm und frei, will, Vaterland, dir bleiben auf ewig fest und treu.

5. Ach Gott, tu erheben mein jung Herzensblut zu frischem freud’gen Leben, zu freiem frommen Mut!

6. Lass Kraft mich erwerben in Herz und in Hand, zu leben und zu sterben fürs heil’ge Vaterland!

</poem>

Die dritte Strophe wird häufig ausgelassen, so auch im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch.<ref>Ich hab mich ergeben im Allgemeinen Deutschen Kommersbuch</ref> Der Grund dürfte das konfessionelle Bekenntnis zu Martin Luther sein, aber auch die dritte Zeile, wo das Wort Volkstum in die schon seit mittelhochdeutscher Zeit nicht mehr selbständigen Bestandteile „deines Volkes Tume“<ref>Hilkert Weddige: Mittelhochdeutsch: eine Einführung. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45744-4, S. 88 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> zerlegt wird, zudem in der Dativform statt des von der Präposition verlangten Akkusativs.

Melodie

Das Lied verwendet in etwas abgewandelter Form die „Thüringer Volksweise“, die August Daniel von Binzer seinem 1819 gedichteten burschenschaftlichen Lied Wir hatten gebauet ein stattliches Haus zugrunde legte.<ref>Tobias Widmaier: Wir hatten gebauet ein stattliches Haus (2011). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon</ref> Sie wurde auch von Johannes Brahms als Leitmotiv in seiner Akademischen Festouvertüre verwendet.

<score sound ="1"> \layout { \context { \Score \remove "Bar_number_engraver" } } \relative c' { \set Staff.midiInstrument = #"clarinet"

              \set Score.tempoHideNote = ##t \tempo 4 = 108
              \key f \major \time 4/4 \partial 4
            c4 | a'2 g4 a4 | f2 c4 c4 | c'2 bes4 c4 | a2 r4 f4 |
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            d'4 d4 f4 d4 | c2 a4 c4| c4 bes8 (a8) bes4 c4| a2 r4| \bar "|."

} \addlyrics {

    Ich | hab mich er -- | ge -- ben mit   | Herz und mit               | Hand, dir |
    Land voll Lieb und   | Le -- ben, mein | deut -- sches Va -- ter -- | land, dir |
    Land voll Lieb und   | Le -- ben, mein | deut -- sches Va -- ter -- | land.

} </score>

Verwendung als Hymne und in anderen Zusammenhängen

Datei:DLF Pausenzeichen.mid
Deutschlandfunk Pausenzeichen

Im Deutschland der Nachkriegszeit wurde das Lied verschiedentlich anstelle einer deutschen Nationalhymne eingesetzt. Nach 1945 wurde es von den westdeutschen Rundfunkanstalten zum Sendeschluss gespielt.<ref>Eberhard Pikart, Dirk Mende (Hrsg.): Theodor Heuss: Der Mann, das Werk, die Zeit. Sonderausstellung des Schiller-Nationalmuseums, Katalog. Theodor Heuss Archiv, Stuttgart 1967, DNB 458328561, S. 321; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> Bei der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949<ref>Staatsakt mit Händel. In: Der Spiegel. Nr. 22, 1949 (online).</ref><ref>Bundeszentrale für politische Bildung: Der Parlamentarische Rat, abgerufen am 21. Mai 2019.</ref> sowie bei der konstituierenden Sitzung des ersten Bundestages am 7. September 1949 wurde das Lied gesungen. Das Lied der Deutschen wurde erst 1952 als deutsche Nationalhymne bestimmt.

Der 1962 gegründete Deutschlandfunk verwendete die fünfte Melodiezeile („dir, Land voll Lieb’ und Leben“) als Pausenzeichen.<ref>Carl Dietmar: Chronik Köln. 3. Auflage. Chronik Verlag, Gütersloh 1997, ISBN 3-577-14445-9, S. 476; eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref> In den Zeiten des Kalten Krieges wollte der Deutschlandfunk zum Schutz seiner Hörer in Ostblockländern bewusst auf das Abspielen der Nationalhymne verzichten, so dass das Pausenzeichen erneut gleichsam die Dienste einer Ersatzhymne leistete.<ref>deutschlandfunk.de: Pausenzeichen als Ersatzhymne. 31. August 2012, abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>

Die Nationalhymne der Föderierten Staaten von Mikronesien Patriots of Micronesia verwendet die gleiche Melodie. Ihr englischer Text ist eng an den von Ich hab mich ergeben angelehnt. Deutschland unterhielt dort von 1899 bis 1914 eine Kolonialpräsenz.

Literatur

  • Joachim Burkhard Richter: Hans Ferdinand Maßmann: Altdeutscher Patriotismus im 19. Jahrhundert. Walter de Gruyter, Berlin 1992, ISBN 3-11-012910-8, insbesondere S. 111–121; DOI:10.1515/9783110858679, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..

Weblinks

Commons: Ich hab mich ergeben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />