Zum Inhalt springen

Inosin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox Chemikalie

Inosin ist ein seltenes Nukleosid der RNA. Es besteht aus der β-D-Ribofuranose (Zucker) und dem Hypoxanthin, einer Base, die ein Purin als Grundgerüst hat, welches als Zwischenprodukt des Purinstoffwechsels entsteht.

Eigenschaften

In der tRNA paart Inosin im Anticodon als Nukleotid in der Wobble-Position mit Cytidin, Uridin und Adenosin. Diese Modifikation wurde in manchen tRNAs von Eukaryoten, Prokaryoten und Chloroplasten gefunden.<ref>AP. Gerber und W. Keller: An adenosine deaminase that generates inosine at the wobble position of tRNAs. In: Science 286(5442), 1999, S. 1146–1149; PMID 10550050; Vorlage:DOI.</ref> Beim sogenannten RNA-Editing wird Adenosin durch das Enzym ADAR (Adenosine Deaminase acting on RNA) in Inosin umgewandelt. In Backhefe wird die Umwandlung von Adenosin in Inosin in der tRNAAla an Position 34 durch die tRNA-spezifische Deaminase Tad2p/3p, ein Heterodimer, katalysiert; an Position 37 geschieht dies durch Tad1p.

Datei:TRNA-Ala yeast.svg
Eine tRNAAla aus der Backhefe (Saccharomyces cerevisiae).
Inosin ist hier an Position 34 mit I gekennzeichnet. Methyliertes Inosin (m1I) ist an Position 37 hervorgehoben.

Inosin wird bei der Konstruktion degenerierter Primer für die Polymerase-Kettenreaktion verwendet. Es dient hier als „neutrale“ Base, die Paarungen mit allen vier Basen eingehen kann. Allerdings ist die Paarung in allen vier Fällen energetisch ein wenig ungünstig und nicht für alle vier Basenpaarungen gleich. Die günstigste Paarung wird mit Cytosin eingegangen, gefolgt von Adenin. Die Paarung mit Guanin und Thymin sind beide etwa energetisch gleich und am ungünstigsten.<ref>S. C. Case-Green, E. M. Southern: Studies on the base pairing properties of deoxyinosine by solid phase hybridisation to oligonucleotides. In: Nucleic Acids Res., 22 (2), 1994, S. 131–136. PMID 8121796. Vorlage:PMC.</ref>

Verwendung

Inosin wurde für die Anwendung bei Patienten mit Morbus Parkinson getestet. Das Zwischenprodukt im Purinstoffwechsel wird im Körper teilweise zu Harnsäure umgewandelt. Ein hoher Harnsäurespiegel konnte mit einer langsameren Progression der Parkinson-Krankheit in Zusammenhang gebracht werden.<ref name="PMID22490478">C. C. Sun et al.: Association of serum uric acid levels with the progression of Parkinson's disease in Chinese patients. In: Chinese medical journal. Band 125, Nummer 4, 2012, S. 583–587, PMID 22490478.</ref><ref name="DOI10.1016/j.parkreldis.2011.01.013">Tua Annanmaki et al. (2011): Uric acid and cognition in Parkinson’s disease: A follow-up study., Parkinsonism & Related Disorders. 17, S. 333–337, Vorlage:DOI.</ref>

Eine Phase-II-Studie konnte nun zeigen, dass es unter der Behandlung zu keinen schweren Nebenwirkungen kommt,<ref name="PMID24366103">M. A. Schwarzschild et al.: Inosine to Increase Serum and Cerebrospinal Fluid Urate in Parkinson Disease: A Randomized Clinical Trial. In: JAMA Neurology 71(2), 2014, S. 141–150; PMID 24366103; Vorlage:DOI.</ref> auch wenn hohe Harnsäurespiegel theoretisch die Gefahr von Gicht, Nierensteinen und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bergen. Die Studie zeigte für alle drei Erkrankungen kein erhöhtes Risiko während der Inosin-Behandlung.

Inosin gilt als möglicherweise wichtige Komponente der chemischen Evolution. In Versuchen wies Inosin vernünftige Raten und Genauigkeit bei RNA-Kopierreaktionen auf (RNA-Welt-Hypothese). Inosin könnte in der frühen Phase der Entstehung des Lebens als Ersatz für Guanosin gedient haben.<ref>Seohyun Chris Kim, Derek K. O’Flaherty, Lijun Zhou, Victor S. Lelyveld, Jack W. Szostak: Inosine, but none of the 8-oxo-purines, is a plausible component of a primordial version of RNA. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 115, 2018, S. 13318, Vorlage:DOI.</ref>

Als unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden allergische Hautreaktionen: Nesselsucht (Urtikaria), Erythem, Harnsäureerhöhung im Urin und Serum, Schwäche und anaphylaktischer Schock beschrieben.

Kontraindikationen sind Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff, Gicht, Niereninsuffizienz, Nierensteine, Hyperurikämie, zerebrale Anfallsleiden, Autoimmunerkrankungen, gastrointestinale Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit.

Handelsnamen

Kombinationspräparate

Delimmun (D), Isoprinosine (D)

Siehe auch

Weblinks

Vorlage:Wikibooks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Gesundheitshinweis