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Interfix

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Ein Interfix ist in der Sprachwissenschaft ein Bestandteil eines Wortes, der auftritt, um die Verbindung von Wortteilen zu vermitteln, die nicht direkt aneinanderstoßen sollen. Interfixe haben typischerweise keine eigenständige Bedeutung. Sie stellen daher einen Problemfall für die traditionelle Definition des Morphems dar, die besagt, dass ein Morphem ein Element mit konstanter Bedeutung oder grammatischer Funktion sei.<ref name="lu">Hans Christian Luschützky: Morphem, Morph und Allomorph, in: Geert Booij & al. (Hrsg.): Morphologie: ein internationales Handbuch zur Flexion und Wortbildung. Berlin/New York 2000, ISBN 3-11-011128-4, S. 457 f.</ref> In der Regel werden Interfixe jedoch als Affixe angesehen.

Haspelmath (2002)<ref>Martin Haspelmath: Understanding Morphology. Oxford University Press, 2002, S. 285.</ref> definiert Interfix relativ eng als ein bedeutungsleeres Affix zwischen den beiden Bestandteilen eines Nominalkompositums (N+N). Zugleich werden diese Elemente auch als Suffix am ersten Bestandteil charakterisiert.<ref>Haspelmath 2002, S. 100.</ref> Beispiele sind das -s- in Rettungsboot oder das -n- in Tannenbaum. Die Definition deckt sich an dieser Stelle mit dem Begriff des Fugenmorphems, das manchmal auch nur Fugenlaut genannt wird, eben weil es keine offensichtliche grammatische Funktion hat.

Daneben wird die Bezeichnung Interfix auch für Morpheme zwischen Wortstamm und Suffix verwendet, wie in deutsch regnerisch (vor dem Derivationsmorphem -isch)<ref name="Lohde">Michael Lohde: Wortbildung des modernen Deutschen: ein Lehr- und Übungsbuch, Tübingen 2006, ISBN 3-8233-6211-9, S. 187.</ref> oder lateinisch portare (als Themavokal vor der Flexionsendung des Infinitivs).<ref name="lu" /> Die genannten Elemente werden ebenfalls selbst oft zu den Suffixen gerechnet.

Somit ist das Interfix weniger ein Stellungstyp, sondern eher ein Funktionstyp von Affixen. Der Stellungstyp ist in der Regel der eines Suffixes. Der Status als Suffix lässt sich im Deutschen manchmal in der Koordination von Wortteilen nachweisen: Interfixe verbleiben dann am Ende des ersten Wortteils. Beispiele:

  • Fugenmorphem: Besprechung-s-raum / Besprechungs- und Konferenzraum
  • Bildung eines Satzadverbs aus einem Adjektiv: klug-er-weise / kluger- und vorausschauenderweise<ref>Wilhelm Geuder: Eine Art Wortart: Das Adverb im Deutschen. In: Zeitschrift für Sprachwissenschaft. Vol. 38-2 (2019), S. 191–241, doi:10.1515/zfs-2019-2004. Siehe S. 211.</ref>

Einzelnachweise

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