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Jägerstab

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Der Jägerstab wurde vom deutschen Reichsluftfahrtministerium und vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (RMfRuK) im März 1944 nach Vorbild des Kessler-Stabes gegründet und war ein Leitungsorgan innerhalb der deutschen Luftrüstung.

Personelle Zusammensetzung

Der Jägerstab wurde geleitet von Karl-Otto Saur, dem Leiter des Technischen Amtes im RMfRuK. Zu den wohl wichtigsten Mitgliedern des Jägerstabes gehörte SS-Obergruppenführer Hans Kammler. Kammler war zeitgleich u. a. Chef der Amtsgruppe C „Bauwesen“ des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts.

Personen im Zusammenhang mit Jägerstab:

Insgesamt waren 1.500 bis 1.700 Mitarbeiter beim Jägerstab beschäftigt.<ref name="eichholtz_kriegswirtschaft"/>

Aufgaben und Geschichte

Er wurde am 1. März 1944 zunächst für sechs Monate befristet gebildet, um „ohne bürokratische Hemmungen durch unmittelbare Befehlsgebung“ die Produktion von Jagdflugzeugen unter den Bedingungen des Totalen Krieges wesentlich zu steigern. Er diente auch zur Organisation der Dezentralisation und der U-Verlagerung im Bereich der Luftwaffe, nachdem eine wirksame Luftverteidigung der Standorte nicht mehr garantiert werden konnte. Am 1. August wurde der Stab nominell aufgelöst, indem gleichzeitig ein personell weitgehend identischer Rüstungsstab die Aufgaben fortführte.

Die erste Maßnahme, die Speer am Tag der Gründung des Jägerstabes unternahm, war wie er nach Kriegsende aussagte, wie beim Heereswaffenamt die Beamten beiseite zu schieben und die Industrie heranzuziehen, in dem er aus allen Hauptausschüssen die Techniker und aus der Heeresrüstung die besten Fertigungsplaner in die Luftwaffenindustrie steckte und die Luftrüstung so auf eine neue Basis stellte. Solche Fachleute wurden auch als Leiter von Außenstellen des Jägerstabes (Werksbeauftragte) eingesetzt.<ref name="eichholtz_kriegswirtschaft">Dietrich Eichholtz: Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft. München 1999, Band 3, Teil 1, S. 18 ff.</ref>

Nach Dietrich Eichholtz stellten sich die führenden Repräsentanten der Rüstungswirtschaft hinter den Jägerstab, da sie nicht unerhebliche Vorteile aus seiner Durchschlagskraft zogen sowie einen Schutz ihrer Werke und des Verkehrswesens vor Luftangriffen erhofften.<ref name="eichholtz_kriegswirtschaft"/>

Die Gründung des Jägerstabes führte zur weiteren Verschmelzung der Luftfahrtindustrie mit der gesamten Rüstungsindustrie (begonnen mit dem Hauptausschuss für Flugzellenbau, dann Hauptausschuss Flugzeugbau) im Rüstungsministerium (Speer) als Ablösung des Generalluftzeugmeisters.

Der Jägerstab setzte sich über früher getroffene Regulierungsentscheidungen und -maßnahmen der Zentralen Planung hinweg und störte so Planungen und Programme in anderen Bereichen der Kriegsproduktion sowie kriegswirtschaftliche Proportionen.<ref name="eichholtz_kriegswirtschaft"/>

Planungen und Untertage-Verlagerungen

Folgende verbunkerte so genannte Jägerfabriken (jeweils 30 m hoch; 300/400 m lang; 90 m breit; bis zu 6 Stockwerke mit 600.000 m² Produktionsfläche) wurden geplant:

U-Verlagerung in Bergstollen:

wichtige unter Tage verlegte Forschungs- und Produktionsstätten:

Rüstungsstab beim Reichsministerium für Bewaffnung und Munition (Speer)

Erhard Milch wurde spätestens am 21. September 1944 zum Stellvertreter Speers (RfRuK) ernannt.

Siehe auch

Literatur

  • Horst Boog, Detlef Vogel, Gerhard Krebs: Das Deutsche Reich in der Defensive – Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien 1943. Band 7 der Reihe Das Deutsche Reich in der Zweite Weltkrieg. Deutsche Verlags-Anstalt 2001, 831 Seiten, ISBN 3421055076.
  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der DDR, Berlin 1981
  • Albert Speer: Anordnung vom 1. März 1944 über die Errichtung des Jägerstabs. In: Dietrich Eichholtz & Wolfgang Schumann, Hgg.: Anatomie des Krieges. Neue Dokumente über die Rolle des deutschen Monopolkapitals bei der Durchführung des Zweiten Weltkrieges.VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften. Berlin 1969. (Mit Register der Personen, der Firmen, der Institutionen, der geographischen Bezeichnungen, sowie einigen Abb.) Dok. 244, S. 443 ff.

Einzelnachweise

<references/>

Weblinks