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Japanisches Geißblatt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Japanisches Geißblatt
Datei:Lonicera japonica flowers.jpg

Japanisches Geißblatt (Lonicera japonica)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Kardenartige (Dipsacales)
Familie: Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)
Gattung: Heckenkirschen (Lonicera)
Art: Japanisches Geißblatt
Wissenschaftlicher Name
Lonicera japonica
Thunb.

Das Japanische Geißblatt<ref name="FdG" /><ref name="Fitschen2007" /> (Lonicera japonica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heckenkirschen (Lonicera) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Japan, Korea und im östlichen China. Sie wird aufgrund der dekorativen und stark duftenden Blüten häufig als Zierpflanze verwendet.

Beschreibung

Datei:Lonicera japonica, Leaf.JPG
Zweig mit gegenständigen, einfachen Laubblättern
Datei:Starr 071024-0039 Lonicera japonica.jpg
Blüten
Datei:Lonicera japonica, Fruit.JPG
Beeren

Vegetative Merkmale

Das Japanische Geißblatt ist ein halbimmergrüner,<ref name="FoC2011" /> immer- oder wintergrüner, rechtswindender oder niederliegender Strauch mit hohlen Ästen. Die Rinde ist dicht gelb-braun und teilweise drüsig behaart.<ref name="FdG" /> Die Zweige werden nach einer Weile hohl.<ref name="FoC2011" />

Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist 3 bis 8 Millimeter lang und dicht gelb-braun behaart. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 8 Zentimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 4 Zentimetern eiförmig, länglich oder lanzettlich mit spitzem oder zugespitztem oberen Ende, gerundeter oder mehr oder weniger herzförmiger Basis und bewimpertem, manchmal gewelltem Blattrand. Die Blattoberseite ist entlang der Blattadern behaart, die -unterseite spärlich bis dicht behaart.<ref name="FdG" /><ref name="FoC2011" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von April bis Juni. Die Blüten befinden sich achselständig in sitzenden Paaren auf einem 2 bis 40 Millimeter langen Blütenstandsschaft, die zu den Zweigspitzen hin kürzer werden. Die blattartigen Tragblätter sind bei einer Länge von 1 bis 3 Zentimetern eiförmig bis elliptisch. Die kleinen Vorblätter sind etwa 1 Millimeter lang, flaumig behaart und haben eine bewimperte, gerundete oder gestutzte Spitze.<ref name="FdG" /><ref name="FoC2011" />

Die stark duftenden, zwittrigen Blüten besitzen einer doppelte Blütenhülle. Die Kelchlappen sind bei einer Länge von 1 bis 2 Millimetern dreieckig mit spitzem oberen Ende und auf der Unterseite und entlang des Blattrands dicht behaart. Die Blütenkrone ist zweilippig, weiß und später gelb oder purpurfarben außen und weiß innen, 3 bis 5 Zentimeter lang, behaart mit dazwischenliegenden langen Drüsenhaaren. Die Kronröhre ist 1,5 bis 3 Zentimeter lang und an der Basis nicht gewölbt. Die obere Lippe ist unregelmäßig vierfach gelappt, die Lappen sind 2 bis 8 Millimeter lang, die lange die Unterlippe ist zurückgebogen. Die langen, schlanken Staubblätter sind kahl und etwa gleich lang oder länger als die Blütenkrone. Der kahle, unterständige Fruchtknoten ist bei einer Länge von etwa 2 Millimeter kugelförmig und die benachbarten Fruchtknoten sind untereinander frei.<ref name="FoC2011" /> Der Blütenbecher ist kahl.<ref name="FdG" /> Der lange, schlanke Griffel mit kopfiger Narbe ist kahl und reicht bis zum Rand der Krone oder darüber hinaus. Es sind Nektarhaare unten in der Kronröhre vorhanden.<ref name="FdG" /><ref name="FoC2011" />

Die Früchte reifen von Oktober bis November. Die glänzende, bei einem Durchmesser von 6 bis 7 Millimetern runde Beeren färben sich bei Fruchtreife schwarz. Die braunen Samen sind bei einer Länge von etwa 3 Millimetern, eiförmig oder ellipsoid.<ref name="FdG" /><ref name="FoC2011"/>

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=18.<ref name="FoC2011" />

Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in den gemäßigten Gebieten Asiens in Japan im Süden der Inseln Hokkaidō, auf Honshū, Kyushu und Shikoku, auf der Koreanischen Halbinsel, auf Taiwan und in den östlichen chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Yunnan sowie Zhejiang.<ref name="FoC2011"/><ref name="GRIN"/> In vielen Gebieten ist das Japanische Geißblatt ein Neophyt, so in mehreren Teilen Europas, auf den Azoren und auf Madeira, in Südafrika, Australien, Neuseeland, den Vereinigten Staaten mit Hawaii und im südlichen Südamerika.<ref name="GRIN"/>

Das Japanische Geißblatt wächst in China in Gebüschen und lichten Wäldern, auf Berghängen und entlang von Straßen, in Höhenlagen von 800 bis 1500 Metern.<ref name="FoC2011" /> Man findet es auf sauren bis alkalischen, humosen, sandig-lehmigen bis lehmigen, nährstoffreichen Böden an licht- bis halbschattigen Standorten. Das Japanische Geißblatt ist mäßig frosthart.<ref name="FdG" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Das Japanische Geißblatt wurde aufgrund seines Ausbreitungspotenzials und der Schäden in den Bereichen Biodiversität, Gesundheit bzw. Ökonomie in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten der Schweiz aufgenommen.<ref name="BAFU">Bundesamt für Umwelt BAFU: Invasive gebietsfremde Arten. (admin.ch [abgerufen am 6. August 2019]).</ref><ref name="Buholzer">S. Buholzer, M. Nobis, N. Schoenenberger, S. Rometsch: Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz. Hrsg.: Infoflora. (infoflora.ch [PDF; abgerufen am 24. April 2026]).</ref> In der Schweiz kommt das Japanische Geißblatt besonders im Tessin vor, aber auch in Graubünden, Waadt und Genf.<ref name="Schmeil-Fitschen2024" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Lonicera japonica erfolgte 1784 durch Carl Peter von Thunberg in Johan Andreas Murray: Systema Vegetabilium, 14. Auflage, Seite 216 (dort „Lonicera iaponica“ geschrieben).<ref name="GRIN" /> Das Artepitheton japonica verweist auf das Verbreitungsgebiet in Japan.<ref name="Genaust2005" />

Das Japanische Geißblatt (Lonicera japonica) ist eine Art aus der Gattung der Heckenkirschen (Lonicera) in der Unterfamilie Caprifolioideae innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae).

Je nach Autor gibt es etwa zwei Varietäten:<ref name="FoC2011" />

  • Lonicera japonica var. chinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Watson) Baker mit außen purpurfarbener und innen weißer Blütenkrone. Das Verbreitungsgebiet befindet sich in der chinesischen Provinz Anhui und möglicherweise auch in Guizhou und Zhejiang. Das Taxon wurde 1825 von William Watson als eigene Art Lonicera chinensis beschrieben, und von John Gilbert Baker 1871 als Varietät der Art Lonicera japonica zugeordnet.<ref name="FoC2011" />
  • Lonicera japonica <templatestyles src="Person/styles.css" />Thunb. var. japonica mit weißer und später gelb-weißer Blütenkrone.<ref name="FoC2011" />
Datei:Variegated form of Lonicera japonica 001.JPG
Gegenständige Laubblätter der Sorte ‘Aureoreticulata’
Datei:The Botanical register (Plate 70) BHL8484.jpg
Illustration aus The Botanical register, Tafel 70

Verwendung

Mehrere Sorten des Japanischen Geißblatts werden häufig aufgrund der dekorativen und stark duftenden Blüten als Zierpflanzen verwendet, darunter:<ref name="FdG" />

  • ‘Aureoreticulata’ mit stark verzweigtem, buschigem, 2 bis manchmal 4 Meter hohem Wuchs. Die Blätter haben eine auffallende hell- oder zitronengelbe Aderung. Die Blüten sind wenig zahlreich und weiß.
  • ‘Dart's Acumen’ mit starkem, rasch den Boden bedeckenden Wuchs. Die Blätter sind elliptisch, die Blüten weiß und leicht rot überlaufen und im Verblühen gelb. In Mitteleuropa blüht die Sorte von Juni bis September.
  • ‘Halliana’ mit starkem, 4 bis 5 Meter hohem Wuchs. Die Blätter sind dunkelgrün, die Blüten zahlreich, weiß und im Verblühen hellgelb.

Im Juni 2020 veröffentlichten Forscher der Universität Mainz eine Studie, nach der ein Inhaltsstoff des Japanischen Geißblatts möglicherweise gegen Erkrankungen an Sars-CoV-2 (Covid-19) wirkt.<ref name="Grävemeyer2020" /><ref name="Greten2020" />

Literatur

  • Qiner Yang, Sven Landrein, Joanna Osborne, Renata Borosova: Caprifoliaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 19: Cucurbitaceae through Valerianaceae, with Annonaceae and Berberidaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2011, ISBN 978-1-935641-04-9. Lonicera japonica Thunberg in Murray. S. 637 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  • Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 3., korrigierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 384.
  • Jost Fitschen: Gehölzflora. 12., überarbeitete und ergänzte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 3-494-01422-1, S. 575.

Weblinks

Commons: Japanisches Geißblatt (Lonicera japonica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Lonicera japonica Thunb. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Genaust2005"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996), S. 313. </ref> <ref name="Fitschen2007"> Jost Fitschen: Gehölzflora. 12., überarbeitete und ergänzte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 3-494-01422-1, S. 575. </ref> <ref name="FdG"> Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 3., korrigierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 384. </ref> <ref name="FoC2011"> Qiner Yang, Sven Landrein, Joanna Osborne, Renata Borosova: Caprifoliaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 19: Cucurbitaceae through Valerianaceae, with Annonaceae and Berberidaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2011, ISBN 978-1-935641-04-9. Lonicera japonica Thunberg in Murray. S. 637 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="Grävemeyer2020"> Arne Grävemeyer: Virtual Drug Screening: Bekannte Medikamente stoppen das Virus in der Simulation. Abgerufen am 10. Juli 2020. </ref> <ref name="Greten2020">Henry Johannes Greten, Thomas Efferth, Onat Kadioglu, Mohamed Saeed: Identification of novel compounds against three targets of SARS CoV-2 coronavirus by combined virtual screening and supervised machine learning. In: Bulletin of the World Health Organization. WHO, 21. März 2020, abgerufen am 10. Juli 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Schmeil-Fitschen2024"> Gerald Parolly: Carifoliaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage, Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 838. </ref> </references>