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Jean-Paul Riopelle

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Jean-Paul Riopelle (* 7. Oktober 1923 in Montreal; † 12. März 2002 in L’Isle-aux-Grues) war ein kanadischer Maler und Bildhauer aus der Bevölkerungsgruppe der frankophonen Kanadier. Er war ein international anerkannter Vertreter des Action Painting und ist einer der großen kanadischen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Leben und Wirken

Jugend und Ausbildung

Jean-Paul Riopelle wurde 1923 in Montreal geboren. Er begann schon in jungen Jahren zu zeichnen und bereits als er 6 Jahre alt war, vertraute ihn sein Vater Léopold den Künstler Henri Bisson aus Montreal an, der als Zeichenlehrer an der École Saint-Louis-de-Gonzague in Montreal tätig war. Etwa zehn Jahre lang trafen sie sich jeden Samstag, um Landschaften, Figuren und Stillleben zu malen.<ref>Jean-Paul Riopelle und der Ausdruck zwischen Farbschichten. Abgerufen am 7. April 2026.</ref> 1930 stirbt sein jüngerer Bruder Pierre unerwartet. Diese Erfahrung mit dem Tod hinterlässt offenbar tiefe Spuren bei ihm.

Eigentlich wollten seine Eltern, dass Jean-Paul Architekt wird; 1941 bis 1942 studiert er am Polytechnikum, der École polytechnique de Montréal und besucht zwei Jahre lang auch Architekturkurse. Seine ersten Landschaften malt er in Saint-Fabien, einem im Städtchen in der Region Bas-Saint-Laurent. Schließlich begann er 1940 ein Studium der Mathematik. Dieses brach er ab und studierte von 1942 bis 1945 an der École des beaux-arts de Montréal sowie an der École du meuble de Montréal (ab 1959 umgewandelt in Fachschule für angewandte Kunst).<ref>Drucke, Lithographien von RIOPELLE Jean-Paul von der Galerie Le Coin des Arts in Paris vorgeschlagen. Abgerufen am 7. April 2026.</ref> Beide sind heute Fakultäten, die in die stattliche Institution Université du Québec à Montréal (UQAM) eingegliedert wurden.

Einer seiner Professoren damals war der franko-kanadische Maler Paul-Émile Borduas. Borduas war einer der wichtigsten kanadischen Maler, der innovativ war zu seiner Zeit und der auf seine Weise zur künstlerischen Moderne des Landes beigetragen hat.

Und obwohl die Eltern Riopelle's ihm keine finanzielle Unterstützung mehr gewährten, setzte er seine künstlerische Laufbahn fort. Er wird Mitglied der Künstlerbewegung „Les Automatistes“ und einer der Unterzeichner des Manifests „Refus global“, das darauf abzielte, die traditionellen Schemata in der Malerei, sowohl der figurativen als auch der geometrischen Abstraktion, hinter sich zu lassen. 1946 nimmt er an der ersten Ausstellung der Gruppe in Montreal teil.<ref>Sammlung im Obersteg: Jean-Paul Riopelle, Composition, 1951. In: Sammlung im Obersteg, Schweiz (Hrsg.): Katalog Nr. 154. 1. Auflage. S. 184 - 185 (sammlung-im-obersteg.ch [PDF]).</ref> Im selben Jahr heiratet er die kanadische Tänzerin und Choreografin Françoise Lespérance, mit der er bis zu seinem Lebensende verheiratet war.

Karriere als bedeutender Künstler

1946 verließ er seine Heimat, reiste zuerst nach New York und übersiedelte 1948 definitiv nach Paris, wo er führende Künstler des Action Painting, Surrealismus, Automatismus, Tachismus und Informel kennenlernte, die seine künstlerische Entwicklung beeinflussten. Er traf sich mit Schriftstellern, die dem Surrealismus nahe standen, wie Aimé Césaire, und mit Malern wie Francis Picabia und Nicolas de Staël.<ref>Biografie Jean-Paul Riopelle. In: Jean-Paul Riopelle. Le Coin des Arts Thaddée Poliakoff Fine Art / Saint-Germain-des-Prés / 6 rue de l’Echaudé, 75006 Paris Le Marais / 53, rue de Turenne, 75003 Paris, 1. Januar 2026, abgerufen am 7. April 2026.</ref> Riopelle gehörte weiterhin zur kanadischen Künstlergruppe „Les Automatistes“.<ref>Adeline Vasquez-Parra: Histoire du Québec des origines à nos jours. Éditions Tallandier, Paris 2025, ISBN 979-1-02106190-3, S. 254.</ref> Sein Lehrer Borduas hatte diese Gruppe bereits 1945 ins Leben gerufen.

Jean-Paul Riopelle war in Deutschland einer der Teilnehmer der documenta II (1959) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.

1956 lernte er die amerikanische abstrakte Expressionistin Joan Mitchell kennen, die seine Lebensgefährtin wurde. Diese Liebesbeziehung löste sich bis zum Ende des Jahres 1979 auf und Riopelle kehrte nach Kanada zurück. Als Hommage zum Werk dieser beiden Künstler hatte das Musée national des beaux-arts du Québec vom 12. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018 eine Ausstellung organisiert und durchgeführt.<ref>Musée national des beaux-arts du Québec: Mitchell/Riopelle Un couple dans la démesure. In: Mitchell/Riopelle, un couple dans la démesure. Musée national des beaux-arts du Québec, 12. Oktober 2017, abgerufen am 7. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Titel der Ausstellung lautete: "Mitchell / Riopelle, un couple dans la démesure" (dt. „Mitchell / Riopelle, ein Paar der Extraklasse“).

Künstlerischer Stil und Werk

Sein früheres farbenfrohes Werk, in welchem seine geometrische Komposition durch den Einsatz von Spateln und Spachteln unterstrichen wird, gehört zur lyrischen Abstraktion. In der französischen Künstlerzeitung DERRIERE LE MIROIR ist u. a. die Ausgabe 185 aus 1970 zusammen mit dem Künstler herausgebracht worden.

Für den Jahrgang 1978 des Weingutes Mouton Rothschild entwarf Riopelle das Etikett. Er bereitete hierfür zwei Entwürfe vor; da es jedoch nicht möglich war, sich für nur einen Entwurf zu entscheiden, wurden beide Entwürfe jeweils für die Hälfte des Jahrgangs verwendet.

Schüler und Assistent von Jean-Paul Riopelle war Michel Vermeulen, der 1990 bis 1994 in seiner Werkstatt unter anderem an dem Monumentalwerk Hommage à Rosa Luxembourg mitarbeitete.<ref>Curriculum Vitae. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. August 2018; abgerufen am 7. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Als seine ehemalige Freundin Joan Mitchell 1992 starb, schuf Riopelle dieses monumentale Spraybild zu ihren Ehren, das viele für sein Meisterwerk halten. Es ist 40 Meter lang und 1,55 Meter hoch und im Musée national des beaux-arts du Québec ausgestellt.

Jean-Paul Riopelle starb am 12. März 2002 in seinem Haus auf der Insel L’Isle-aux-Grues in der Nähe der Stadt Québec.

Ausstellungen

Auszeichnungen

Literatur

Weblinks

Commons: Jean-Paul Riopelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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