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Jerchel (Gardelegen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Jerchel
Hansestadt Gardelegen
Das Ortswappen bitte nur als Dateipfad angeben!
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(306)&title=Jerchel 52° 28′ N, 11° 19′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(306) 52° 28′ 7″ N, 11° 19′ 17″ O
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Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 16,02 km²
Einwohner: 306 (31. Dez. 2022)<ref name="EW-2022" />
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 039087
Lage von Jerchel in Sachsen-Anhalt

Jerchel ist ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.<ref name="Hauptsatzung" />

Geografie

<mapframe latitude="52.46846" longitude="11.32140" zoom="14" width="200" height="300" align="right" /> Jerchel, ein erweitertes Rundplatzdorf mit Kirche, liegt etwa zehn Kilometer südwestlich der Stadt Gardelegen und etwa zehn Kilometer nördlich von Calvörde zwischen der Colbitz-Letzlinger Heide und dem Naturpark Drömling. Im Süden fließen der Grenzgraben und der Brückengraben in die Wanneweh.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>

Nachbarorte sind Sachau im Osten, Sylpke und Solpke im Nordwesten, Weteritz im Norden, Potzehne im Südosten und Jeseritz im Südwesten.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>

Geschichte

Mittelalter bis Neuzeit

Jerchel war ursprünglich ein Rundplatzdorf (Rundling), wie aus dem Urmesstischblatt von 1823 hervorgeht. Es wurde nach dem Dorfbrand von 1823 wesentlich verändert.<ref name="HOB-12" />

Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1417 berichtet von Viehdiebstählen: genommen II rinder vor dem dorfe gherchel und vor dem dorfe gerchel genommen eyn rint. Der Bericht ist in einer Klageschrift und Schadensrechnung des Markgrafen Friedrich von Brandenburg vom 24. Mai 1420 gegen den Magdeburger Erzbischof Günther wegen der Landesbeschädigungen durch den Erzbischof und dessen Untertanen zu finden.<ref name="Riedel-3-3, S. 336" /> Weitere Nennungen sind 1473 Gerchel, 1687 Gerchell,<ref name="HOB-12" /> 1804 heißt es Gerchel siehe Jerchel.<ref name="Bratring-1" />

Auf der Top50-Karte von 2003 waren noch die beiden Wohnplätze Lunau im Osten und Haagen im Süden des Dorfes eingezeichnet sowie eine 6 Kilometer südöstlich gelegene nicht mehr bewohnte Exklave Jerchel am Hauptvorflutgraben, die ehemalige Kolonie Jerchel.<ref name="Top50" />

Eingemeindung

Ursprünglich gehörte das Dorf zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1810 lag es im Landkanton Gardelegen auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Gemeinde zum Kreis Gardelegen, dem späteren Landkreis Gardelegen.<ref name="HOB-12" />

Ab dem 25. August 1952 gehörte die Gemeinde Jeggau zum Kreis Gardelegen. Am 1. Juli 1994 wurde die Gemeinde in den Altmarkkreis Salzwedel umgegliedert.<ref name="Metzler-Poeschel" />

Die Gemeinde Jerchel wurde zum 1. Januar 2011 per Landesgesetz in die Hansestadt Gardelegen eingemeindet.<ref name="GemNeuglG SAW" /><ref name="Destatis" />

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1734 092
1774 164
1789 173
1798 172
1801 167
1818 121
Jahr Einwohner
1840 295
1864 385
1871 361
1885 350
1892 [0]331<ref name="Zahn-1928" />
1895 320
Jahr Einwohner
1900 [0]358<ref name="Zahn-1928" />
1905 365
1910 [0]408<ref name="Zahn-1928" />
1925 378
1939 391
1946 561
Jahr Einwohner
1964 398
1971 361
1981 326
1993 299
2006 320
2012 [00]302<ref name="EW-2012" />
Jahr Einwohner
2017 317
2021 [0]300<ref name="EW-2022" />
2022 [0]306<ref name="EW-2022" />

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006:<ref name="HOB-12" />

Religion

Die evangelischen Christen der Kirchengemeinde Jerchel gehörten früher zur Pfarrei Berge.<ref name="Almanach1903" /> Am 15. April 1910 wurde in Solpke eine Pfarrei geschaffen, der die Kirchengemeinde Jerchel zugeordnet wurde.<ref name="AB-RB-Magdeburg 1910" /> Heute wird die Kirchengemeinde Jerchel betreut vom Pfarrbereich Letzlingen im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.<ref name="Pfarrbereich" />

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Jerchel stammen aus dem Jahre 1909.<ref name="Machholz" />

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Hildegard in Gardelegen im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.<ref name="Bistum-MD" />

Politik

Bürgermeister

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Jerchel war Roger Schmid.

Eine Ortschaft mit einem Ortschaftsbürgermeister entstand nach der Eingemeindung nicht. Es ist stattdessen ein Mal im Jahr eine Bürgersprechstunde im Ortsteil vorgesehen.<ref name="AZ 2022" />

Wappen

Das Wappen wurde am 5. Mai 2003 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten von Grün und Gold; vorn am Spalt ein silbernes zwölfspeichiges Rad, hinten ein Wickenzweig mit 12 grünen Blättern und 12 blauen Blüten.“

Die Farben der früheren Gemeinde sind Grün-Gold (Gelb).

Der Ort Jerchel entstand durch Ansiedlung von 12 Bauern, die mit ihren Ackerwagen aus Tangermünde kommend, sich dort niedergelassen haben und den Ort gründeten. Das halbe zwölfspeichige Wagenrad ist als gemeine Figur ein Symbol für die 12 Ackerwagen der bäuerlichen Siedler. Nach historischen Überlieferungen stammt der Ortsname Jerchel von der mundartlichen Bezeichnung Gerkel für die in der Gegend häufig wachsende Ackerwicke, auch rauhaarige Wicke, genannt. Die Ackerpflanze verankert sich an ihrem Standort fest mit den sie umgebenden Pflanzen und ist daher in ländlichen Regionen ein Symbol für Bodenständigkeit und Verbundenheit mit der Heimat.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Lutz Döring aus Erdeborn gestaltet.

Flagge

Die Flagge der früheren Gemeinde ist Gelb - Grün (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mit dem mittig aufgelegten Gemeindewappen belegt.

Der Ortsteil Jerchel führt das Wappen und die Flagge heute weiter, so ist es in der Hauptsatzung von Gardelegen festgeschrieben.<ref name="Hauptsatzung" />

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Zu Pfingsten findet seit 1908 das Kränzchenreiten statt, eine früher in der Altmark weit verbreitete Tradition an der die Söhne und Großknechte der Bauern teilnahmen. Die Pferde wurden von den Bauern gestellt.<ref name="VS 2018" />
  • Die evangelische Dorfkirche Jerchel ist eine kleine verputzte Saalkirche mit einem quadratischen Fachwerkturm im Westen. Ihr Bau wurde im Jahre 1507 begonnen.<ref name="HOB-12" /> Der Schnitzaltar stammt aus dem Jahre 1516. In der Mitte steht Maria in einer Strahlen-Aureola mit zwei Engeln oben und unten. Das Christuskind liest in einem Buch. Neben Maria links und rechts befinden sich die zwölf Apostel. Die gemalte Predella enthält den gegeißelten Christus und links und rechts 4 Frauen.<ref name="Kunstdenkmale-Gardelegen" />
  • In Jerchel steht vor der Kirche ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, eine Stele aus rotem Granit.<ref name="Denkmalprojekt" />

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="AB-RB-Magdeburg 1910">Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1910, ZDB-ID 3766-7, S. 163.</ref>

<ref name="AZ 2022">Ina Tschakyrow: Wie oft tagten die Gremien seit Mai 2019? In: Altmark Zeitung. 8. Januar 2022 (az-online.de).</ref>

<ref name="Almanach1903">Vorlage:PfarrAlmanachProvinzSachsen1903</ref>

<ref name="Bistum-MD">Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 5. März 2022.</ref>

<ref name="Bratring-1">Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 373, 377 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00390~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref>

<ref name="Denkmalprojekt">Jerchel, Stadt Gardelegen, Altmarkkreis Salzwedel. In: denkmalprojekt.org. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, 1. April 2018, abgerufen am 2. Oktober 2022.</ref>

<ref name="Destatis">StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2011</ref>

<ref name="EW-2012">Einwohnerentwicklung 2012 in den Ortsteilen. In: Volksstimme Magdeburg. 1. Mai 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 20. Februar 2022]).</ref>

<ref name="EW-2022">Elke Weisbach: Die Kurve zeigt wieder nach oben. In: Gardelegener Volksstimme, Gardelegener Kreisanzeiger. 24. Januar 2022, DNB 1047268027, S. 13.</ref>

<ref name="GemNeuglG SAW">Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden im Land Sachsen-Anhalt betreffend den Landkreis Altmarkkreis Salzwedel (GemNeuglG SAW) vom 8. Juli 2010. 8. Juli 2010, GVBl. LSA 2010, 410, § 3, § 4 (sachsen-anhalt.de [abgerufen am 28. Februar 2022]).</ref>

<ref name="HOB-12">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

<ref name="Hauptsatzung">Hansestadt Gardelegen. Der Bürgermeister.: Hauptsatzung der Hansestadt Gardelegen. 27. August 2019, abgerufen am 1. März 2022.</ref>

<ref name="Kunstdenkmale-Gardelegen">Adolf Parisius, Adolf Brinkmann: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Gardelegen (= Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. Heft 20). Otto Hendel, 1897, DNB 362007144, S. 87–88.</ref>

<ref name="Machholz">Vorlage:Kirchenbücher Provinz Sachsen 1925</ref>

<ref name="Metzler-Poeschel">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3824603217 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>

<ref name="Pfarrbereich">Pfarrbereich Letzlingen. Abgerufen am 27. Dezember 2018.</ref>

<ref name="Riedel-3-3, S. 336">Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 3. Band 3. Berlin 1846, S. 336 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D%7B%7B%7B1%7D%7D%7D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001006~SZ%3D00346~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).</ref>

<ref name="Top50">Top50-CD Sachsen-Anhalt, 1:50.000, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2003</ref>

<ref name="VS 2018">Doreen Schulze: Vorjahressieger gewinnen erneut in Jerchel. In: Volksstimme Magdeburg. 23. Mai 2018 (volksstimme.de [abgerufen am 27. Dezember 2018]).</ref>

<ref name="Zahn-1928">Vorlage:BibOCLC</ref> </references>

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