Johann Georg Faust
Johann Georg Faust, auch Georg Faust (* wahrscheinlich um 1480 in Knittlingen, in verschiedenen Quellen werden auch Simmern,<ref>Laut Georg Witkowski: Der historische Faust. In: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Neue Folge, 1. Jahrgang (1896/97), S. 298–350, {{#if: vmc-AQAAMAAJ
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In allen Zeugnissen über Faust, die zu seinen Lebzeiten niedergeschrieben wurden, erscheint er immer mit dem Vornamen Georg oder Jörg. Von einem Johann Faust wird erst mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod geschrieben, weil er selbst wohl den häufig verwendeten ersten Vornamen Johann aussparte.<ref>Günther Mahal: Faust. Untersuchungen zu einem zeitlosen Thema, 1998, S. 59.</ref> Aus Berichten über Faust entstand in Verbindung mit älteren Magiergeschichten der in vielen literarischen und musikalischen Werken verarbeitete Fauststoff.
Herkunft aus Knittlingen oder Helmstadt
Faustus ist ein lateinischer Gelehrtenname, der in der Zeit der Renaissance üblich war. Faustus bedeutet „der Glückliche“. Der Namensträger wollte sich damit als glücklich und glückbringend sowie humanistisch gebildet darstellen.<ref>Jochen Schmidt: Goethes Faust. Erster und zweiter Teil. Grundlagen, Werk, Wirkung. C. H. Beck, München 2001, S. 11.</ref> In Knittlingen ist Faust allerdings auch als Familienname 1546–1566 durch die Maulbronner Musterungslisten verbürgt.<ref>Konstantin Huber, Jürgen H. Staps, Manfred Metzger, Horst Naumann, Gerhard Fritz (Hrsg.): Die Musterungslisten des württembergischen Amtes Maulbronn 1523–1608. Edition mit Beiträgen zur Namenkunde, Militär- und Regionalgeschichte. Pforzheim 1999.</ref> Zum historischen Faust sind nur neun zeitgenössische Quellen bekannt, die überwiegend „Georg“ als Vornamen angeben. Diese enthalten größtenteils auch nur wenige und von den jeweiligen Autoren subjektiv eingefärbte Informationen. Der Geburtsort Fausts ist umstritten. Neben dem baden-württembergischen Knittlingen wird auch Helmstadt bei Heidelberg genannt. Das thüringische Roda spielt als Geburtsort nur in der Faust-Sage eine Rolle.
In Knittlingen, das bis 1504 zur Pfalz gehörte, befinden sich heute ein umfangreiches Faust-Museum und Faust-Archiv. Das umstrittene historische Dokument für Knittlingen als Geburtsort Fausts ist die Abschrift der Urkunde eines Immobilienkaufs im Jahr 1542. Diese handschriftliche Abschrift wurde von dem Lehrer Karl Weisert 1934 mit einem Bleistift gefertigt. Das Original ist während des Zweiten Weltkriegs verbrannt. Die Richtigkeit der Abschrift Weiserts wurde am 3. März 1934 vom damaligen Bürgermeister Lehner mit Unterschrift und Stempel bestätigt.<ref>„Beglaubigung. Die Richtigkeit der vorgezeigten Abschrift des im Keller des Knittlinger Rathauses in einer Kiste gefundenen Kaufvertrags vom Jahre 1542 (betr. Geburtshaus des Dr. Faust) wird auf Grund vorgelegten Kaufbriefs bescheinigt. Knittlingen, den 3. März 1934“. Da die Originalurkunde verbrannt ist, kann theoretisch eine Art „Geschichtsfälschung“ zugunsten Knittlingens nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Überschrift „Beglaubigung“ ist verwaltungsrechtlich streng genommen zweifelhaft, da entsprechende Texte nicht beglaubigungsfähig sind. Zu den Zweifeln vgl. Peter Thaddäus Lang: Zur Biographie des historischen Faustus. Die Frage nach der Zuverlässigkeit einer Quelle aus Knittlingen. In: Württembergische Kommission für Landesgeschichte u. a. (Hrsg.): Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. Band 44, 1985, S. 308–315, der Wortlaut des umstrittenen Dokuments steht auf S. 314.</ref> Danach bezeichnet ein Knittlinger Kaufbrief das Haus neben der heutigen Stadtkirche als das Gebäude „allwo Fausten born“:
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Außerdem zitierte der aus Ansbach gebürtige Johannes Manlius im Jahr 1563 eine Äußerung seines Wittenberger Lehrers Philipp Melanchthon, er habe den Knittlinger Faust gekannt:
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Melanchthon stammte aus dem fünf Kilometer entfernten Bretten.<ref>Vgl. dazu auch Günther Mahal: Faust-Museum Knittlingen. 1984, S. 12.</ref> In einem Protokoll der Stadt Ingolstadt aus dem Jahr 1528 ist von einem „Dr. Jörg Faustus von Haidlberg“ die Rede.<ref>Protokolle der Stadt Ingolstadt. Originale in Ingolstadt, Stadtarchiv, Ratsprotokolle, 1523/94 fol. 70v und 1527/30 fol. 49v. Erster Druck in: Ostermair: Zur Faust-Sage. Doctor Faust 1528 in Ingolstadt. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte. Band 32, 1872/73, Heft 2/3, S. 336: „Am Mittwoch nach viti 1528 ist einem der sich genant Dr. Jörg Faustus von Heidelberg gesagt, dass er seinen Pfennig anderswo verzehre, und hat angelobt, solche Erforderung für die Obrigkeit nicht zu ahnden noch zu äffen.“</ref> In dem Wettertagebuch des Rebdorfer Priors Kilian Leib wird ein „Georgius Faustus helmstet.“ genannt.<ref>Wettertagebuch aus dem Jahr 1528 des Rebdorfer Priors Kilian Leib [1471–1553]. Original in München, Bayerische Staatsbibliothek, 4° L. impr. c. n. mss. 73, fol. 257r. Text im Original lateinisch. Erster Druck in: Karl Schottenloher: Der Rebdorfer Prior Kilian Leib. In: Riezler-Festschrift. Beiträge zur bayerischen Geschichte. Gotha 1913, S. 92 f.: „Georgius faustus helmstet. sagte am 5. Juni: wenn Sonne und Jupiter im gleichen Grad ein und desselben Sternzeichens stehen, dann werden Propheten geboren (wohl solche wie seinesgleichen). Er versicherte, daß er Kommendator oder Präzeptor einer kleinen Niederlassung der Johanniter im Grenzgebiet Kärntens sei, einem Ort namens Hallestein.“</ref> Das abgekürzte Wort „helmstet.“ hat die These vom „Georg Helmstetter“ hervorgebracht, der sich nur im selbstgewählten Beinamen Faustus genannt hätte. Tatsächlich immatrikulierte sich im Januar 1483 an der Universität Heidelberg ein Georgius Helmstetter dioc. Warmaciensis, der am 1. März 1487 zum Lizentiaten promoviert wurde und sich bis zum Frühjahr 1489 in Heidelberg aufhielt.<ref>Badische Historische Kommission: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 85, 1933, S. 232.</ref> Der Name Faustus ist aber nirgendwo in den Registern mit dem Namen Georgius Helmstetter verbunden.<ref>Dies räumt auch Frank Baron ein, der trotzdem die Helmstadt-These verteidigt: „Jedenfalls erwarb sich ein Mann namens Georg von Helmstadt (in den Matrikeln auch einfach Georg Helmstetter genannt) in Heidelberg jenen höchsten Grad philosophischer Ausbildung, auf den Faustus später sehr stolz war. Seinen Familiennamen hat Georg von Helmstadt ebenso konsequent verschwiegen wie später Faustus.“ Frank Baron: Faustus. 1982, S. 18.</ref> Unberücksichtigt bleibt bei diesen Spekulationen außerdem, dass „Faust wie ein Großteil der damaligen Knittlinger Bevölkerung wohl als Helmstädter Leibeigener geboren worden war und daß er leicht in Erfahrung bringen konnte, daß im Raum um Rebdorf dieses pfälzische Adelsgeschlecht große Besitzungen und wichtige Ämter innehatte. Wenn er sich dem Prior Kilian Leib als ein „helmstet.“ und zudem als Komtur der Johanniter vorstellte, konnte er auf günstigen Empfang rechnen.“<ref>Günther Mahal, Brigitte Bruns, Ottmar Maier (Hrsg.): Faust-Museum Knittlingen. Exponate, Materialien, Kommentare. Daxer, Stuttgart 1980, S. 20.</ref>
Weisheit, Schwarzkunst oder Prahlerei
Faust erschien in vielen Städten im süddeutschen Raum. Er trat als Philosoph, Wunderheiler, Alchemist und Wahrsager auf. Viele sahen in dem als Quacksalber und Storger auftretenden „Magier“ allerdings nur einen Betrüger und Hochstapler. Besondere Anfeindungen erfuhr er von Klerikern. Für die Zeit vor 1506 existieren keine gesicherten Belege für Fausts Wirken. Im Gegensatz zu anderen auch als Magier angesehenen Gelehrten seiner Zeit wie Agrippa von Nettesheim, Trithemius und Paracelsus war er vor allem als Praktiker bekannt.<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Zum Magie-Begriff in der Renaissance-Medizin und -Pharmazie. 1984, S. 105 f.</ref>
Bericht des Trithemius
Belegt ist ein Aufenthalt Fausts im Jahr 1506 in der Nähe von Gelnhausen. Davon berichtet ein im Jahr 1507 verfasster Brief des Abtes Johannes Trithemius an Johann Virdung, worin Trithemius, ein wie Faust, Agrippa und Paracelsus auch als Magier geltender Gelehrter,<ref>Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Zum Magie-Begriff in der Renaissance-Medizin und -Pharmazie. In: Rudolf Schmitz, Gundolf Keil (Hrsg.): Humanismus und Medizin. Acta humaniora, Weinheim 1984 (= Deutsche Forschungsgemeinschaft: Mitteilungen der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 99–116, hier: S. 104–106.</ref> sich abfällig über Faust äußert. Das handschriftliche Original befindet sich in der Vatikanischen Bibliothek. Es handelt sich um die erste, längste und folgenreichste zeitgenössische Quelle. Der Mann nannte sich, mit Titel, nach Trithemius: „Magister Georgius Sabellicus, Faustus iunior. fons necromanticorum, astrologus, magus secundus, chiromanticus, agromanticus, pyromanticus, in hydra arte secundus“.<ref>[1]</ref>
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Im Erfurter Wirtshaus
In einem 1513 geschriebenen Brief des Humanisten Mutianus Rufus, der Faust in einer Herberge getroffen hat, wird dieser als „ein bloßer Prahler und Narr“ bezeichnet.
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Kloster Maulbronn
Eine historische Quelle berichtet über den Aufenthalt von Faust im Kloster Maulbronn im Jahre 1516. Johann Entenfuß war zu der Zeit ein baufreudiger Abt. Im Fürstlich Württembergischen Dienerbuch aus dem 17. Jahrhundert berichtet der Archivar Philip Jacob Zeiter: „Johannes Entenfuß de Evisheim […] ist Dr. Fausten deß Zauberers Collega gewesen, welcher diesen Abbte zu Maulbronn besucht.“ Durch die Bautätigkeiten geriet das Kloster in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten – und vielleicht hatte Abt Entenfuss deshalb Faust zu Hilfe gerufen. Heute verweist der sogenannte Faustturm an der Südostecke des Klosters auf Doktor Faustus.<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:Georg Schwedt|Georg Schwedt: }}{{#if:|{{#if:UNESCO-Tag im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn „Die Alchimistenküche des Doktor Faust“|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=UNESCO-Tag im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn „Die Alchimistenküche des Doktor Faust“}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.chf.de/benzolring/2009/06-07.html%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=UNESCO-Tag im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn „Die Alchimistenküche des Doktor Faust“}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.chf.de/benzolring/2009/06-07.html}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=UNESCO-Tag im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn „Die Alchimistenküche des Doktor Faust“}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:Berufskolleg für Chemie, Pharmazie, Biotechnologie und Umwelt2009-06-07{{#if: 2020-07-31 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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Bamberg, Kloster Rebdorf und Ingolstadt
Faust war 1520 in Bamberg, um dem Bamberger Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg ein Horoskop zu erstellen. Dies geht aus einer Hofkammerrechnung des Bischofs hervor, in der es heißt: „Item X guld[en] geben und geschenckt doctor faustus ph[ilosoph]o zuuererung hat m[einem] g[nedigen] herrn ein nativitet [Horoskop] oder Indicium [Geburtshoroskop] gemacht, zalt am Sontag nach stolastice Jussit R[everendissi]mus“.<ref>Hofkammerrechnung des Bamberger Bischofs Georg III. [1470–1522], Schenk von Limpurg, 1520. Original gefertigt von Kammermeister Hans Muller (Bamberg, Staatsarchiv, Bestand A 231, Nr. 1741). Erster Druck in: Johann Mayerhofer: Faust beim Fürstbischof von Bamberg. In: Vierteljahrsschrift für Litteraturgeschichte 3, 1890, H. 1, S. 177 f. Nachgewiesen bei Günther Mahal, Brigitte Bruns, Ottmar Maier (Hrsg.): Faust-Museum Knittlingen. Exponate, Materialien, Kommentare. Daxer, Stuttgart 1980, S. 20.</ref>
1528 muss sich Faust im Kloster Rebdorf aufgehalten haben, nahe bei Eichstätt, wie sich aus dem bereits oben erwähnten Wettertagebuch des Priors Kilian Leib ergibt. „Georgius faustus helmstet. sagte am 5. Juni: wenn Sonne und Jupiter im gleichen Grad ein und desselben Sternzeichens stehen, dann werden Propheten geboren (wohl solche wie seinesgleichen). Er versicherte, daß er Kommendator oder Präzeptor einer kleinen Niederlassung der Johanniter im Grenzgebiet Kärntens sei, einem Ort namens Hallestein.“<ref>Original in München, Bayerische Staatsbibliothek, 4° L. impr. c. n. mss. 73, fol. 257r. Text im Original lateinisch. Erster Druck in: Karl Schottenloher, Der Rebdorfer Prior Kilian Leib. In: Riezler-Festschrift. Beiträge zur bayerischen Geschichte. Gotha 1913, S. 92 f.</ref>
Im selben Monat besuchte Faust Ingolstadt, von wo er allerdings bereits nach kurzer Zeit wegen seiner Wahrsagerei ausgewiesen wurde. Dazu verzeichnen die Ratsprotokolle der Stadt: „Am Mittwoch nach viti [17. Juni] 1528 ist einem der sich genant Dr. Jörg Faustus von Heidelberg gesagt, dass er seinen Pfennig anderswo verzehre, und hat angelobt, solche Erforderung für die Obrigkeit nicht zu ahnden noch zu äffen.“<ref>Günther Mahal: Faust. Die Spuren eines geheimnisvollen Lebens. 1. Aufl. Scherz, Bern 1980, S. 235 ff.; vgl. dazu auch nochmals die Fußnote oben zu den Ratsprotokollen, 1523/94 fol. 70v und 1527/30 fol. 49v.</ref>
Die 1530er Jahre
Vier Jahre später hielt sich Faust in Nürnberg auf. Dies geht aus der Geleit-Ablehnung des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters hervor, welche sich in den Archiven der Stadt befindet. Darin heißt es: „Doctor Fausto, dem grossen Sodomitten und Nigromantico zu furr, glait ablainen. Burg[ermeister] Ju[ni]or.“<ref>Staatsarchiv Nürnberg: Nürnberger Ratserlasse, aus Nr. 810.</ref> Die Waldeckische Chronik von Daniel Prasser berichtet von einem Aufenthalt Fausts in Korbach 1536, insoweit mangelt es aber an bestätigenden Parallelquellen.<ref>Günther Mahal, Brigitte Bruns, Ottmar Maier (Hrsg.): Faust-Museum Knittlingen. Exponate, Materialien, Kommentare. Daxer, Stuttgart 1980, S. 31.</ref>
Der Tübinger Professor Joachim Camerarius beschrieb Faust 1536 als einen Sterndeuter:
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}} Der Wormser Stadtarzt Philipp Begardi äußerte sich 1539 kritisch zu Fausts Heilmethoden.
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| {{#if:trim|Es wirt noch eyn namhafftiger dappferer mann erfunden: ich wolt aber doch seinen namen nit genent haben, so will er auch nit verborgen sein, noch vnbekannt. Dann er ist vor etlichen jaren vast durch alle landtschafft, Fürstenthuomb vnnd Königreich gezogen, seinen namen jederman selbst bekannt gemacht, vnd seine grosse kunst, nit alleyn der arztnei, sonder auch Chiromancei, Nigramancei, Visionomei, Visiones imm Christal, vnd dergleichen mer künst, sich höchlich berümpt. Vnd auch nit alleyn berümpt, sondern sich auch eynen berümpten vnd erfarnen meyster bekant vnnd geschrieben. Hat auch selbs bekant, vnd nit geleugknet, daß er sei, vnnd heyß Faustus, domit sich geschriben Philosophum Philosophorum etc. Wie vil aber mir geklagt haben, daß sie von jm seind betrogen worden, deren ist eyn grosse zal gewesen. Nuon sein verheyssen ware auch groß, wie des Tessali [Wanderarzt im antiken Griechenland]: dergleichen sein rhuom, wie auch des Theophrasti [Paracelsus, 1493–1541]: aber die that, wie ich noch vernimm, vast kleyn vnd betrüglich erfunden: doch hat er sich imm gelt nehmen, oder empfahen – das ich auch recht red – nit gesaumpt, vnd nachmals auch imm abzugk, er hat, wie ich beracht, vil mit den ferßen gesegnet. Aber was soll man nuon darzuothuon, hin ist hin, ich wil es jetzt auch do bei lassen, luog du weiter, was du zuschicken hast.}}
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Übergang zur Sage
Das letzte zu Lebzeiten Fausts verfasste Zeugnis ist ein Brief Philipp von Huttens vom 15. Januar 1540, in dem er anerkennend zu einem von Faust gestellten Horoskop anmerkte: „Hie habt ihr von allen Gubernationen ein wenig, damit ihr sehet, daß wir hie in Venezola nicht allein bißher unglücklich gewest sein, diese alle obgemelte Armata verdorben seind jnnerhalb 3. Monathe, vor und nach uns zu Sevilla ausgefahren, daß ich bekennen muß, daß es der Philosophus Faustus schier troffen hat, dann wir ein fast [sehr] bößes Jahr antroffen haben, aber Gott hab Lob ist uns fast unter allen andern am besten gangen.“<ref>Vgl. Frank Baron; Faustus. 1982, S. 41.</ref> Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Tod Fausts werden die Berichte über ihn immer abenteuerlicher und bereiten die Wendung zur Sage vor. Aus diesem Zwischenbereich stammt die nicht mehr zu Lebzeiten Fausts niedergeschriebene Schilderung Johann Weyers, eines Schülers Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheims. Er berichtet in dem 1568 veröffentlichten De praestigiis daemonum von einer Inhaftierung Fausts gegen Ende der dreißiger Jahre in Batenburg, einem Teilort der heute niederländischen Gemeinde Wijchen.<ref>De praestigiis Daemonum. Ausgabe Basel 1577, Sp. 156–158 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Nicht enthalten in den Ausgaben 1563, 1564 und 1566.</ref> Faust fand dort im Kaplan Johann Dorstenius einen gefälligen Menschen, der darauf hoffte, er werde ihm magische Künste beibringen. Dorstenius besorgte Faust Wein, und zur Belohnung wurde ihm ein Mittel versprochen, wie er sich den Bart ohne Rasiermesser abnehmen könne. Faust habe ihm empfohlen, den Bart mit Arsenik einzureiben. Dadurch lösten sich bei dem Kaplan jedoch nicht nur die Haare, sondern auch die Haut. Weyer hat die Geschichte angeblich mehrmals von Dorstenius selbst gehört.<ref>Vgl. dazu Günther Mahal, Hasso Böhme: Doktor Faust und Struwwelpeter. Eine Suche nach haarigen Verbindungen. 1998, S. 12.</ref>
Tod eines Alchemisten
Fausts Tod wird auf die Jahre 1540/41 datiert. Er soll im Hotel zum Löwen in Staufen im Breisgau<ref>{{#if:|{{#iferror: {{#iferror:{{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}|}}| |}}}}{{#if:|{{{autor}}}: }}{{#if:|{{#if:Historie, Dr. Faust|[{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|archivURL|1={{#invoke:URLutil|getNormalized|1={{{archiv-url}}}}}}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel=Historie, Dr. Faust}}]{{#if:| ({{{format}}})}}{{#if:| {{{titelerg}}}{{#invoke:Vorlage:Internetquelle|Endpunkt|titel={{{titelerg}}}}}}}}}|{{#if:https://www.loewen-staufen.de/historie-persoenliches.php%7C{{#if:{{#invoke:TemplUtl%7Cfaculty%7C}}%7C{{#invoke:Vorlage:Internetquelle%7CTitelFormat%7Ctitel={{#invoke:WLink%7CgetEscapedTitle%7C1=Historie, Dr. Faust}}}}|[{{#invoke:URLutil|getNormalized|1=https://www.loewen-staufen.de/historie-persoenliches.php}} {{#invoke:Vorlage:Internetquelle|TitelFormat|titel={{#invoke:WLink|getEscapedTitle|1=Historie, Dr. Faust}}}}]}}{{#if:| ({{{format}}}{{#if:{{#if: 2024-02-06 | {{#if:{{#invoke:TemplUtl|faculty|}}||1}}}}
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| {{#if:trim|Es ist auch um die zeit [gemeint ist der Reichstag in Regensburg 1541] der Faustus zu oder doch nit weit von Staufen, dem stetlin im Breisgew, gestorben. Der ist bei seiner zeit ein wunderbarlicher nigromanta gewest, als er bei unsern zeiten hat mögen in deutschen landen erfunden werden, der auch sovil seltzamer hendel gehapt hin und wider, das sein in vil jaren nit leuchtlichen [leichthin] wurt vergessen werden. Ist ain alter mann worden und, wie man sagt, ellengclichen gestorben. Vil haben allerhandt anzeigungen und vermuetungen noch vermaint, der bös gaist, den er in seinen lebzeiten nur sein schwager genannt, hab ine umbbracht. […] Die büecher, die er verlasen, sein dem herren von Staufen, in dessen herrschaft er abgangen, zu handen worden, darumb doch hernach vil leut haben geworben und daran meins erachtens ein sorgclichen und unglückhaftigen schatz und gabe begert. Den münchen zu Lüxhaim im Wassichin hat er ain gespenst in das closter verbannet, desen sie in vil jaren nit haben künden abkommen und sie wunderbarlich hat molestirt [belästigt], allain der ursach, das sie ine einsmals nit haben wellen übernacht behalten, darumb hat er inen den unrüebigen [unruhigen] gast geschafft.}}
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| „{{#if:trim|Es ist auch um die zeit [gemeint ist der Reichstag in Regensburg 1541] der Faustus zu oder doch nit weit von Staufen, dem stetlin im Breisgew, gestorben. Der ist bei seiner zeit ein wunderbarlicher nigromanta gewest, als er bei unsern zeiten hat mögen in deutschen landen erfunden werden, der auch sovil seltzamer hendel gehapt hin und wider, das sein in vil jaren nit leuchtlichen [leichthin] wurt vergessen werden. Ist ain alter mann worden und, wie man sagt, ellengclichen gestorben. Vil haben allerhandt anzeigungen und vermuetungen noch vermaint, der bös gaist, den er in seinen lebzeiten nur sein schwager genannt, hab ine umbbracht. […] Die büecher, die er verlasen, sein dem herren von Staufen, in dessen herrschaft er abgangen, zu handen worden, darumb doch hernach vil leut haben geworben und daran meins erachtens ein sorgclichen und unglückhaftigen schatz und gabe begert. Den münchen zu Lüxhaim im Wassichin hat er ain gespenst in das closter verbannet, desen sie in vil jaren nit haben künden abkommen und sie wunderbarlich hat molestirt [belästigt], allain der ursach, das sie ine einsmals nit haben wellen übernacht behalten, darumb hat er inen den unrüebigen [unruhigen] gast geschafft.}}“
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#if: Es ist auch um die zeit [gemeint ist der Reichstag in Regensburg 1541] der Faustus zu oder doch nit weit von Staufen, dem stetlin im Breisgew, gestorben. Der ist bei seiner zeit ein wunderbarlicher nigromanta gewest, als er bei unsern zeiten hat mögen in deutschen landen erfunden werden, der auch sovil seltzamer hendel gehapt hin und wider, das sein in vil jaren nit leuchtlichen [leichthin] wurt vergessen werden. Ist ain alter mann worden und, wie man sagt, ellengclichen gestorben. Vil haben allerhandt anzeigungen und vermuetungen noch vermaint, der bös gaist, den er in seinen lebzeiten nur sein schwager genannt, hab ine umbbracht. […] Die büecher, die er verlasen, sein dem herren von Staufen, in dessen herrschaft er abgangen, zu handen worden, darumb doch hernach vil leut haben geworben und daran meins erachtens ein sorgclichen und unglückhaftigen schatz und gabe begert. Den münchen zu Lüxhaim im Wassichin hat er ain gespenst in das closter verbannet, desen sie in vil jaren nit haben künden abkommen und sie wunderbarlich hat molestirt [belästigt], allain der ursach, das sie ine einsmals nit haben wellen übernacht behalten, darumb hat er inen den unrüebigen [unruhigen] gast geschafft. | {{#if: |
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Hier spiegelt sich die zeitgenössische Ambivalenz zu dieser gelehrten Beschäftigung mit Alchemie wider. Froben Christoph hatte bei seinen Studien in Frankreich selbst heimlich alchemistische Experimente betrieben und sich auch entsprechende Literatur besorgt, andererseits konnte er dies mit seinen Glaubensgrundsätzen nicht vereinbaren und beendete diese Forschungen wieder. Was wir heute als Aberglauben bezeichnen, dass Geister und Gespenster heraufbeschworen werden könnten, war Überzeugung. In einem späteren Nachtrag – die Chronik blieb unvollendet – bleiben zwar noch die Glaubenszweifel, aber die Gespenstergeschichten entfallen:
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| {{#if:trim|Das aber die pratik solcher kunst nit allain gottlos, sonder zum höchsten sorgclich, das ist unlaugenbar, dann sich das in der erfarnus beweist, und wissen, wie es dem weitberüempten schwarzkünstler, dem Fausto, ergangen. Derselbig ist nach vilen wunderbarlichen sachen, die er bei seinem leben geiebt, darvon auch ain besonderer tractat wer zu machen, letzstlich in der herrschaft Staufen im Preisgew in großem alter vom bösen gaist umbgebracht worden.}}
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#if: Das aber die pratik solcher kunst nit allain gottlos, sonder zum höchsten sorgclich, das ist unlaugenbar, dann sich das in der erfarnus beweist, und wissen, wie es dem weitberüempten schwarzkünstler, dem Fausto, ergangen. Derselbig ist nach vilen wunderbarlichen sachen, die er bei seinem leben geiebt, darvon auch ain besonderer tractat wer zu machen, letzstlich in der herrschaft Staufen im Preisgew in großem alter vom bösen gaist umbgebracht worden. | {{#if: |
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Mit der zeitlichen Entfernung vom realen Ereignis wurden die Darstellungen über Fausts Leben und Sterben immer phantastischer. Das dramatische Ende Fausts kam seinen geistlichen und gelehrten Widersachern sehr entgegen. Kleriker sahen in ihm einen Gegner. Für Gelehrte und Ärzte war er ein Konkurrent, der ihnen Hörer bzw. Patienten abwarb. Eine abschließende Bewertung der historischen Faustgestalt erweist sich aufgrund der unzureichenden Quellenlage und früh einsetzenden Sagenbildung als schwierig. In der 1587 erschienenen Historia von D[oktor] Johann Fausten (auch Historia und Geschicht Doctor Johanni Fausti) des Buchdruckers Johann Spies<ref>Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreiten Zauberer und Schwartzkünstler. Frankfurt am Main 1587.</ref> ist der historische Faust unter den sagenhaften Zutaten kaum noch zu erkennen.
Literatur
- Leo Ruickbie: Faustus. Life and Times of a Renaissance Magician. History Press, Brimscombe Port 2009.
- Frank Baron: Der Mythos des faustischen Teufelspakts. Geschichte. Legende. Literatur. De Gruyter, Berlin 2019.
- Frank Baron: Doctor Faustus. From History to Legend. München 1978 (= Humanistische Bibliothek, Reihe I, Abhandlungen. Band 27).
- Frank Baron: Faustus. Geschichte, Sage, Dichtung. Winkler, München 1982.
- Frank Baron, Richard Auernheimer: War Dr. Faustus in Kreuznach? Realität und Fiktion im Faust-Bild des Abtes Johannes Trithemius (= Bad Kreuznacher Symposien. 3). Verlag der Rheinhessischen Druckwerkstätte, 2003.
- Ernst Beutler: Georg Faust aus Helmstadt. Nachklänge zur Frankfurter Faustausstellung. Leipzig 1936.
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- Carl Kiesewetter: Faust in der Geschichte und Tradition. Spohr, Leipzig 1893 (Nachdruck Olms, Hildesheim 1963).
- August Kühne (Hrsg.): Das älteste Faustbuch. Wortgetreuer Abdruck der editio princeps des Spies’schen Faustbuches vom Jahre 1587 […] nebst Varianten des Unicums vom Jahre 1590. E. Luppe, Zerbst 1868 (Google-Books).
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- Klaus Völker: Faust – ein deutscher Mann. Die Geburt einer Legende und ihr Fortleben in den Köpfen. Wagenbach, Berlin 1975.
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- Hans-Ulrich Stoldt: Der Mogeldoktor. In: Spiegel Online. 29. September 2009.
- Der historische Faust auf johannfaust.de
Anmerkungen
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- Johann Georg Faust
- Okkultist
- Geboren im 15. Jahrhundert
- Gestorben im 16. Jahrhundert
- Mann