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Joseph Strobach von Kleisberg

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Joseph Strobach von Kleisberg (* 3. Dezember 1803 in Haida, Königreich Böhmen, als Joseph Strobach; † 22. Jänner 1890 in Oberdöbling in Niederösterreich, heute Bestandteil des 19. Bezirks Döbling) war 1860–1870 k.k. Polizeidirektor von Wien. Er wurde 1866 zum Ritter von Kleisberg geadelt und zu seiner Pensionierung im Jahr 1870 in den Freiherrenstand erhoben.

Leben

Herkunft, Ausbildung und Beamtenkarriere

Joseph Strobach stammte aus dem nördlichsten Teil Böhmens nahe der Grenze zum Königreich Sachsen. Er studierte in Prag Rechtswissenschaft und begann 1827 bei der Polizeidirektion im damals zum Kaisertum Österreich gehörigen Venedig zu arbeiten, wurde dann zu Polizeidienststellen in Vicenza und Verona versetzt, tat in der Kanzlei von Erzherzog Rainer, dem in Mailand amtierenden Vizekönig von Lombardo-Venetien, Dienst und wurde dann wieder in Venedig eingesetzt, wo er während der Revolution von 1848 Geheimakten in Sicherheit brachte.

1850 wurde Strobach als Polizeirat nach Prag versetzt und 1852 zum Polizeidirektor von Laibach befördert. 1855 wurde er Polizeidirektor in Linz, 1858 in Mailand, das jedoch 1895 gemeinsam mit der Lombardei für Österreich verloren ging. Zurück in Wien wurde er 1860 zum Hofrat befördert und zum Direktor der k.k. Wiener Polizeidirektion,<ref>Adolph Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger …. k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1861, S. 245 (Lehmann Online, S. 690 in wienbibliothek digital).</ref> die sich mitsamt seiner Dienstwohnung damals im 1. Bezirk, am Peter 364, heute Petersplatz 7, befand. (Die Direktion übersiedelte erst fünf Jahre nach Strobachs Ausscheiden an den Schottenring 11, wo sie dann bis 1945 blieb).

Im Herbst 1869 erkrankte Hofrat Strobach an einer nicht näher genannten Krankheit, sodass seither seine Pensionierung erwartet wurde. Noch im selben Jahr wurde auf Anweisung des in das Amt des k.k. Innenministers gekommenen Carl Giskra Regierungsrat Anton von Le Monnier (zeitgenössisch und auch amtlich als Lemonnier geschrieben<ref name="DiePresse-18700312-Abend" /><ref name="WrZ-18700312" />), seit Juli 1860 Polizeidirektor in Brünn, mit 10. Oktober nach Wien berufen und Strobach als Vizedirektor zur Seite gestellt.<ref name="ADB-1885" /> Mit Wirkung vom 9. März 1870 wurde Strobach seines Amtes enthoben<ref name="DiePresse-18700312-Abend" /> und – der amtlichen Diktion entsprechend – „Vorlage:Str trim“ versetzt sowie in Anerkennung seiner langjährigen Dienste taxfrei in den Freiherrenstand erhoben. Wie es bereits als ausgemachte Sache galt, folgte ihm Le Monnier, dieser gleichzeitig zum Hofrat<ref name="ADB-1885" /> und Ministerialrat ernannt, als Wiener Polizeidirektor nach.<ref name="DiePresse-18700312-Abend" /><ref name="WrZ-18700312" /><ref name="DiePresse-18700312" />

Wirken

Polizeidirektor Strobach bewährte sich 1862 bei der großen Überschwemmung von Wien durch Hochwasser der Donau und 1866 während des Krieges von Preußen gegen Österreich, der für Österreich verloren ging. 1867 entsandte ihn Graf Eduard Taaffe, Stellvertreter des Ministerpräsidenten des so genannten Bürgerministeriums und für Sicherheitsfragen zuständig, zum Studium der dortigen Sicherheitsvorkehrungen zur Pariser Weltausstellung. Auf Grund der in Paris gemachten Erfahrungen schlug Strobach Taaffe 1868 vor, nach französischem Vorbild an Stelle der in Wien tätigen (und wegen ihres Mangels an deutschen Sprachkenntnissen von den Wienern als „die Zarrucks“ [= zurück] bezeichneten) Militärpolizeiwache eine zivile k.k. Sicherheitswache zu gründen. 1869 genehmigte Kaiser Franz Joseph I. diesen Plan; am 15. Juni 1869 nahmen in der Leopoldstadt, dem 2. Bezirk, die ersten Sicherheitswachebeamten den Dienst auf. Weiters legte Strobach einen Plan zur Schaffung eines Korps von Kriminalpolizisten vor, der von 1872 an realisiert wurde, als er schon in Pension war.

Hofrat Strobachs Amtszeit als Polizeidirektor war jedoch nicht unumstritten, wie anlässlich seiner Amtsenthebung und Pensionierung den Medien zu entnehmen war. So wurde er zum Beispiel in der Presse am 12. März 1870 beschrieben als „Vorlage:Str trim“, der die Amtsgeschäfte so fortführte, wie er sie übernommen hatte „Vorlage:Str trim“ Er hielt demnach „Vorlage:Str trim“, behandelte seine Beamten „Vorlage:Str trim“. Dem Rat von Fachmännern sei er jedoch „Vorlage:Str trim“ gewesen und sei bei Hofe in Geltung gestanden.<ref name="DiePresse-18700312" />

Im Neuen Wiener Tagblatt war bereits tags zuvor, am 11. März, unter anderem zu lesen:

„… Mit Hofrath Strobach fällt ein Stück des alten Polizeiregime’s, das den Staatsgedanken des Vormärz und der Bach’schen Epoche dem Bürger zu Gemüthe führen sollte. Im neugefärbten Gewande, unter etwas veränderter Firma wurde unter Strobach nur fortgesetzt, was seine Vorgänger begonnen hatten. …“

Herr v. Strobach pensionirt. In: Neues Wiener Tagblatt, 11. März 1870, S. 1.<ref name="NWTagbl-18700311-S1" />

„… Nach einer mehr als 40jährigen Tätigkeit scheidet Herr v. Strobach aus dem Staatsdienst, die Brust mit einer großen Anzahl von Orden aus aller Herren Ländern geschmückt, die von seinen vielen Verdiensten Zeugnis geben sollen. Möge sich Hofrath v. Strobach derselben in seiner stillen Zurückgezogenheit noch lange erfreuen und in dieser Anerkennung der Potentaten einen Trost finden dafür, daß die Wiener mit seinem Regime sich nicht einverstanden erklärten, ihn ohne ‚Anerkennung‘ scheiden lassen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />X. Y.: „Die Polizei bin ich“ … In: Neues Wiener Tagblatt, 11. März 1870, S. 2.<ref name="NWTagbl-18700311-S2" />

Auszeichnungen

  • Im April 1854 wurde Joseph Strobach von Kaiser Franz Joseph I. mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet,<ref name="BLKOE-1880" /> womit er sich das Recht erworben hatte, auf Antrag in den Adelsstand erhoben zu werden.
  • Am 11. März 1866 erhielt er das Ritterstands-Diplom<ref name="BLKOE-1880" /> mit dem Namenszusatz Ritter von Kleisberg.
  • Am 19. September 1866 wurde Joseph Strobach Ritter von Kleisberg das Ritterkreuz des Leopold-Ordens verliehen.<ref name="WrZ-18660923" />
  • Am 9. März 1870 wurde er anlässlich seiner Pensionierung taxfrei in den erblichen Freiherrenstand erhoben,<ref name="WrZ-18700312" /><ref name="DiePresse-18700312" /> das Freiherrenstands-Diplom erhielt er, nun Joseph Strobach Freiherr von Kleisberg, am 1. Juli desselben Jahres.<ref name="BLKOE-1880" />

Privates und Tod

Joseph Freiherr Strobach von Kleisberg war mit der Tochter eines Mailänder Regierungsrathes verheiratet. Aus dieser Ehe stammten zwei Söhne und eine Tochter († 1887). Der eine Sohn, Franz, war Doktor der Rechte und im k. k. Handelsministerium angestellt; der zweite stand im Jahre 1870 in Holländisch-Indien im Seedienste.<ref name="BLKOE-1880" />

Seit 25. Juli 1888 befand er sich stationär in der „Leibesdorf’schen“ „Vorlage:Str trim“, wo er dann auch am 22. Jänner 1890 verstorben ist. Es wurde vermutet, dass der Tod seiner Tochter im Jahr 1887, „Vorlage:Str trim“, „Vorlage:Str trim“<ref name="WrZ-18900123" />

Freiherr von Strobach-Kleisberg wurde auf dem Hietzinger Friedhof bestattet.<ref name="WrZ-18900125" /> Sein Grab wurde zwischenzeitlich wohl aufgelassen.<ref>Die <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. (Memento des Vorlage:Referrer vom 13. April 2016 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-botSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Vorlage:Webarchiv/Wartung/URLSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. der Friedhöfe Wien liefert für den Hietzinger Friedhof nach Strobach (aber auch nach Kleisberg) kein Ergebnis, weder aktuell noch historisch; abgerufen am 21. April 2019.</ref>

Literatur

Einzelnachweise

<references>

<ref name="WrZ-18660923">Amtlicher Teil. In: Wiener Zeitung, 23. September 1866, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz: „Vorlage:Str trim“</ref>

<ref name="NWTagbl-18700311-S1">Herr v. Strobach pensionirt. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des („)Neuen Wiener Tagblatt(“) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse – Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, Tages-Ausgabe, 11. März 1870, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg</ref>

<ref name="NWTagbl-18700311-S2">X. Y.: „Die Polizei bin ich“ sagte er einmal zu dem Schreiber dieser Zeilen im vorwurfsvollen Tone, …. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ / Neues Wiener Abendblatt. Abend-Ausgabe des („)Neuen Wiener Tagblatt(“) / Neues Wiener Tagblatt. Abend-Ausgabe des Neuen Wiener Tagblattes / Wiener Mittagsausgabe mit Sportblatt / 6-Uhr-Abendblatt / Neues Wiener Tagblatt. Neue Freie Presse – Neues Wiener Journal / Neues Wiener Tagblatt, Tages-Ausgabe, 11. März 1870, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwg</ref>

<ref name="DiePresse-18700312">Local-Anzeiger: Pensionirung des Polizei-Directors Strobach. In: Die Presse, 12. März 1870, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/apr</ref>

<ref name="DiePresse-18700312-Abend">Wien, 12. März. In: Die Presse, Abendblatt., 12. März 1870, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/apr: „Vorlage:Str trim“</ref>

<ref name="WrZ-18700312">Amtliche Verlautbarung. In: Wiener Zeitung, Amtlicher Theil., 12. März 1870, S. 904 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz: „Vorlage:Str trim“</ref>

<ref name="BLKOE-1880">Constantin von Wurzbach: Strobach von Kleisberg, Joseph Freiherr. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 40. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1880, S. 58–60 ([http://Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:BLKÖ“ ist nicht vorhanden. Digitalisat]).</ref>

<ref name="ADB-1885">Cäsar Barazetti: Monnier, Anton Ritter von Le. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 172 f.</ref>

<ref name="WrZ-18900123">Kleine Chronik – Hofrath Freiherr von Strobach †. In: Wiener Zeitung, Wiener Abendpost, 23. Jänner 1890, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz: „Vorlage:Str trim“</ref>

<ref name="WrZ-18900125">Kleine Chronik – Hofrath Freiherr von Strobach †. In: Wiener Zeitung, 25. Jänner 1890, S. 16 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz: „Vorlage:Str trim“</ref>

</references>

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Kaisertum Österreich (bis 1873): k.k. Polizeidirektoren: Philipp Weber von Ebenhof | Joseph Strobach von Kleisberg | Anton von Le Monnier

Kaisertum Österreich (1873–1918): k.k. Polizeipräsidenten: Anton von Le Monnier | Wilhelm Marx von Marxberg | Karl Krticzka von Jaden | Franz von Krauß | Franz von Stejskal | Johann von Habrda | Karl von Brzesowsky | Ferdinand Gorup von Besánez | Edmund von Gayer | Johann Schober (Leiter)

Deutschösterreich, Republik Österreich und Bundesstaat Österreich (1918–1938): Polizeipräsidenten: Johann Schober | Franz Brandl | Eugen Seydel | Michael Skubl

Deutsches Reich (1938–1945): Polizeipräsidenten: Otto Steinhäusl | Ernst Kaltenbrunner | Leo Gotzmann

Republik Österreich (1945–2012): Polizeipräsidenten: Ignaz Pamer | Arthur Klauser | Josef Holaubek | Karl Reidinger | Günther Bögl | Peter Stiedl | Gerhard Pürstl

Republik Österreich (seit 2012): Landespolizeipräsidenten: Gerhard Pürstl

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