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Kahnschnabelreiher

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Kahnschnabelreiher
Datei:Cochlearius cochleariaPCCA20071227-8443B.jpg

Kahnschnabelreiher (Cochlearius cochlearius)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pelecaniformes
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Cochleariinae
Gattung: Kahnschnäbel
Art: Kahnschnabelreiher
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Cochlearius
Brisson, 1760
Wissenschaftlicher Name der Art
Cochlearius cochlearius
(Linnaeus, 1766)

Der Kahnschnabelreiher (Cochlearius cochlearius) oder Kahnschnabel gehört innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur monotypischen Gattung Cochlearius.

Beschreibung

Der Kahnschnabelreiher erreicht eine Größe von 50 bis 60 cm sowie ein Gewicht von 500 bis 1.000 Gramm. Männchen werden deutlich größer und schwerer als Weibchen. Markantes Merkmal ist seine recht große Federhaube, die schwarz gefärbt ist. Das Gefieder ist überwiegend grau. Stirn, die Seiten des Kopfes und der Kehlbereich sind weiß. Bauch und Beinbefiederung weisen eine gräuliche bis bräunliche Färbung auf. Der Kahnschnabelreiher hat für eine Art aus der Familie der Reiher eine ungewöhnliche Schnabelform. Er ist kurz und breit und somit nicht zum Stochern nach Beute geeignet. Sein Schnabel hat die Funktion eines Schöpfschnabels und ist 8 cm lang und 5 cm breit. Als nachtaktiver Jäger verfügt er über große Augen, mit denen er sich in der Nacht vorzüglich orientieren kann. Kahnschnäbel sind Einzelgänger. Die Lebenserwartung liegt bei rund 25 Jahren.

Verbreitung

Datei:Cochlearius cochlearius map.svg
Verbreitungsgebiet (grün) des Kahnschnabelreihers

Der Kahnschnabelreiher kommt von Mexiko bis Brasilien in ganz Mittel- und dem nördlichen Südamerika vor. Er bevorzugt dicht bewaldete Flussufer und Mangrovensümpfe.

Nahrung

Fische, Krebstiere, Insekten, kleine Amphibien, aber auch kleine Säugetiere gehören zur bevorzugten Nahrung des Kahnschnabelreihers.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund 3 Jahren erreicht. Abhängig vom Verbreitungsgebiet kann eine Paarung ganzjährig erfolgen. Kahnschnabelreiher leben außerhalb der Balz/Brut als Einzelgänger. Während der Brutzeit gesellen sie sich aber zu Kolonien zusammen. Das Männchen trägt während der Balz seine Federhaube zur Schau. Weiteres Merkmal der Balz ist das Klappern der Schnäbel von beiden Geschlechtern. Die Nester werden aus Reisig in mittlerer Höhe auf Bäumen in Wassernähe errichtet. Das Weibchen legt zwischen 2 und 4 bläuliche Eier, die von beiden Altvögeln 25–28 Tage bebrütet werden. Die Eier haben ein durchschnittliches Gewicht von 35 Gramm.

Unterarten

Datei:Boat-billed Heron 2 JCB.jpg
Die Unterart panamensis

Es sind folgende Unterarten bekannt:<ref>IOC World bird list Ibises, spoonbills, herons, Hamerkop, Shoebill, pelicans</ref>

  • Cochlearius cochlearius zeledoni (<templatestyles src="Person/styles.css" />Ridgway, 1885)<ref name="ridgway93">Robert Ridgway (1973), S. 93.</ref> kommt im westlichen Mexiko vor.
  • Cochlearius cochlearius phillipsi <templatestyles src="Person/styles.css" />Dickerman, 1973<ref name="dickermann113">Robert William Dickerman (1973), S. 113.</ref> ist im östlichen Mexiko und in Belize verbreitet.
  • Cochlearius cochlearius ridgwayi <templatestyles src="Person/styles.css" />Dickerman, 1973<ref name="dickermann113"/> kommt im südlichen Mexiko bis Honduras vor.
  • Cochlearius cochlearius panamensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Griscom, 1926<ref name="griscom11">Ludlow Griscom (1926), S. 11.</ref> ist in Costa Rica und Panama verbreitet.
  • Cochlearius cochlearius cochlearius (<templatestyles src="Person/styles.css" />Linnaeus, 1766)<ref name="linne233">Carl von Linné (1766), S. 233.</ref> kommt im nördlichen und zentralen Südamerika vor.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Kahnschnabelreihers erfolgte 1766 durch Carl von Linné unter dem wissenschaftlichen Namen Cancroma Cochlearia. Als Verbreitungsgebiet gab er Guyana an.<ref name="linne233"/> 1760 führte Mathurin-Jacques Brisson die neue Gattung Cochlearia ein.<ref name="brisson48">Mathurin-Jacques Brisson (1760), Band 1 S. 48, Band 5 S. 506.</ref> Gattungsname und Artname leiten sich von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) ab.<ref>Cochlearius The Key to Scientific Names. Edited by James A. Jobling</ref> Panamensis bezieht sich auf Panama.<ref name="griscom11"/> Ridgwayi ist Robert Ridgway (1850–1929)<ref name="dickermann113"/> gewidmet, phillipsi Allan Robert Phillips (1914–1996)<ref name="dickermann113"/> und zeledoni José Castulo Zeledón (1846–1923).<ref name="ridgway93"/> Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg eines Jungtieres, gesammelt am Río Paraguay zwischen Asuncion und Concepción, zur Verfügung. Das Exemplar hatte das typische bräunliches Jugendkleid. In der Literatur erwähnte John Graham Kerr, dass er deren Kopf als Trophäe bei den Indianern am Río Pilcomayo gesehen hat.<ref name="kerr232">John Graham Kerr (1901), S. 232.</ref> Ein zweiter Nachweis sah Laubmann ebenfalls am Río Pilcomayo durch Arnaldo de Winkelried Bertoni.<ref name="bertoni40">Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 40.</ref> Allerdings war er sich hier nicht ganz sicher, ob Bertoni sich nicht einfach nur auf die Beobachtungen Kerrs berief.<ref name="laubmann98">Alfred Laubmann (1939), S. 98.</ref>

Literatur

  • Arnaldo de Winkelried Bertoni in Mosè Giacomo Bertoni: Fauna paraguaya. Catálogos sistemáticos de los vertebrados del Paraguay : peces, batracios, reptiles, aves, y mamíferos conocidos hasta 1913. In: Descripcion fisica y economica del Paraguay. Band 59, Nr. 1. Establecimiento Gráfico M. Brossa, Asunción 1914, S. 1–86 (google.de).
  • Mathurin-Jacques Brisson: Ornithologie, ou, Méthode contenant la division des oiseaux en ordres, sections, genres, especes & leurs variétés: a laquelle on a joint une description exacte de chaque espèce, avec les citations des auteurs qui en ont traité, les noms quils leur ont donnés, ceux que leur ont donnés les différentes nations, & les noms vulgaires. Band 1. Ad Ripam Augustinorum, apud Cl. Joannem-Baptistam Bauche, bibliopolam, ad Insigne S. Genovesae, & S. Joannis in Deserto, Paris 1760 (biodiversitylibrary.org).
  • Mathurin-Jacques Brisson: Ornithologie, ou, Méthode contenant la division des oiseaux en ordres, sections, genres, especes & leurs variétés: a laquelle on a joint une description exacte de chaque espèce, avec les citations des auteurs qui en ont traité, les noms quils leur ont donnés, ceux que leur ont donnés les différentes nations, & les noms vulgaires. Band 5. Ad Ripam Augustinorum, apud Cl. Joannem-Baptistam Bauche, bibliopolam, ad Insigne S. Genovesae, & S. Joannis in Deserto, Paris 1760 (biodiversitylibrary.org).
  • Robert William Dickerman: A review of the boat-billed heron Cochlearius cochlearius. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club. Band 93, Nr. 3, 1973, S. 111–114 (biodiversitylibrary.org).
  • John Graham Kerr: On the Birds observed during a Second Zoological Expedition to the Gran Chaco. In: The Ibis (= 8. Band 1). Nr. 13, 1901, S. 215–236 (biodiversitylibrary.org).
  • James A. Kushlan, James A. Hancock illustrated by David Thelwell: The Herons. In: Bird families of the world. Band 14. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 0-19-854981-4.
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 98 (google.de).
  • Carl von Linné: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. 12. Auflage. Band 1. Imprensis Direct Laurentii Salvii, Stockholm 1766 (biodiversitylibrary.org).
  • Robert Ridgway: Description of a new species of boat-billed heron from Central America. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 8, Nr. 493, 1885, S. 93–94 (biodiversitylibrary.org).

Weblinks

Commons: Kahnschnabelreiher (Cochlearius cochlearius) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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