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Kaliumthiocyanat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Strukturformel
Kaliumion Thiocyanation
Allgemeines
Name Kaliumthiocyanat
Andere Namen
Summenformel KSCN
Kurzbeschreibung

zerfließliche, hygroskopische Kristalle<ref>Eintrag zu Kaliumthiocyanat. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 206-370-1
ECHA-InfoCard 100.005.792
PubChem 516872
ChemSpider 9150
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 97,18 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,89 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

175 °C <ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

Zersetzung: 500 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

< 1 hPa (20 °C)<ref name="merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit
  • sehr gut in Wasser (2170 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />
  • gut in DMSO (200 g·l−1 bei 25 °C)<ref>Dimethyl Sulfoxide (DMSO) Solubility Data. Gaylord Chemical Company, L.L.C.; Bulletin 102, Juni 2014, S. 14. (PDF)</ref>
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 302+312+332​‐​318​‐​412
EUH: 032
P: 273​‐​280​‐​301+312​‐​302+352+312​‐​304+340+312​‐​305+351+338<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

854 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="merck" />

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−200,2 kJ/mol<ref name="CRC90_5_20">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-20.</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Kaliumthiocyanat (KSCN, auch: Kaliumrhodanid) ist ein Salz der Thiocyansäure (Rhodanwasserstoffsäure).

Eigenschaften

Kaliumthiocyanat besteht bei Raumtemperatur aus Kristallen, die an der Luft langsam zerfließen. Es löst sich sehr gut in Wasser, wobei die Lösung stark abkühlt. Die Schmelztemperatur beträgt etwa 175 °C. Die Kristalle sind in Ethanol und Aceton gut löslich.

Herstellung

Die Herstellung von Kaliumthiocyanat kann durch Zusammenschmelzen von Kaliumcyanid und Schwefel oder aus Kalilauge und Ammoniumthiocyanat erfolgen. Letzteres erhält man aus Schwefelkohlenstoff und Ammoniak unter Druck und erhöhter Temperatur:

<math>\mathrm{CS_2 + 2 \ NH_3 \longrightarrow NH_4SCN + H_2S}</math>

Verwendung

Kaliumthiocyanat dient als Nachweismittel für in wässrigen Lösungen vorliegende Fe3+-Ionen. Die Nachweisreaktion beruht auf der Bildung von Eisen(III)-thiocyanat, Fe(SCN)3, das in wässriger Lösung blutrot ist:

<math>\mathrm{Fe^{3+} + 3 \ SCN^- + 3 \ H_2O \longrightarrow [Fe(SCN)_3(H_2O)_3]}</math><ref name="HoWi2007">A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1.</ref>
Eisen(III)-Ionen und Thiocyanat-Ionen reagieren in einem wässrigen Milieu zum blutroten Eisen(III)-komplex.

Kaliumthiocyanat kann auch als Nachweisreagenz für Kupfer(II)-ionen dienen. Dazu werden Kupfer(II)-ionen mit Natriumsulfitlösung zu Kupfer(I)-ionen reduziert, die mit Thiocyanat einen farblosen Niederschlag bilden:

<math>\mathrm{2 \ Cu^{2+} + \ SO_3^{2-} + 3 \ H_2O \longrightarrow SO_4^{2-} + 2 \ H_3O^+ \ + 2 \ Cu^+ }</math>
<math>\mathrm{Cu^+ + \ SCN^- \longrightarrow CuSCN_{(s)}}</math>
Das Kupfer(I)-thiocyanat ist als farbloser Niederschlag erkennbar
Datei:Cobalt(II)-thiocyanat.jpg
Cobalt(II)-thiocyanat aus Cobalt(II)-chlorid und Kaliumthiocyanat (oben in Aceton, unten in Wasser)

Ebenso lassen sich Cobalt(II)-ionen mit Kaliumthiocyanat nachweisen. Hierbei entsteht in Wasser rotviolettes Cobalt(II)-thiocyanat, das bei Zugabe von Alkoholen oder Aceton blau wird.<ref>Heinrich Remy: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. Band II, Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig, Leipzig 1961, S. 356.</ref>

<math>\mathrm{Co^{2+} + 2\ SCN^- \longrightarrow Co(SCN)_2}</math>

Des Weiteren lässt sich der Chloridgehalt einer salpetersauren Lösung mit einer Kaliumthiocyanat-Maßlösung in der Methode nach Volhard bestimmen. Dabei handelt es sich um eine Rücktitration. Im ersten Schritt werden die Chloridionen mit einem definierten Überschuss an Silbernitrat als Silberchlorid ausgefällt. Im zweiten Schritt werden dann die überschüssigen Silberionen gegen Kaliumthiocyanat titriert. Als Indikator werden Fe3+-Ionen verwendet:<ref>Reinhard Matissek, Gabriele Steiner, Markus Fischer: Lebensmittelanalytik. 5. Auflage. Springer Spektrum, Berlin / Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-34828-0, S. 434 ff.</ref>

<math>\mathrm{Cl^{-} + Ag^+ \longrightarrow AgCl \downarrow}</math>

<math>\mathrm{Ag^{+} + SCN^- \longrightarrow AgSCN \downarrow}</math>

<math>\mathrm{Fe^{3+} + 3\ SCN^- \longrightarrow Fe(SCN)_3}</math>

Das Eisen(III)-thiocyanat bildet in wässriger Lösung oktaedrische Komplexe, die die Lösung tiefrot färben.<ref name="HoWi2007" />

Weitere Anwendungszwecke sind die Herstellung von Kältemischungen, Schädlingsbekämpfungsmitteln, Kunststoffen und Metallbeizen. Außerdem dient es in der Analogfotografie zum Tönen von Bildern.

Einzelnachweise

<references />