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Kalsdorf bei Ilz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kalsdorf (Dorf)
Ortschaft Kalsdorf bei Ilz
Katastralgemeinde Kalsdorf
Kalsdorf bei Ilz (Österreich)
Kalsdorf bei Ilz (Österreich)
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Hartberg-Fürstenfeld (HF), Steiermark
Gerichtsbezirk Fürstenfeld
Pol. Gemeinde Ilz
Koordinaten 47° 5′ 40″ N, 15° 57′ 26″ OKoordinaten: 47° 5′ 40″ N, 15° 57′ 26″ O
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f3f0
Einwohner der Ortschaft (k. A. Hilfef3f0)
Fläche d. KG Vorlage:FLNdep1 (Vorlage:Metadaten Fläche AT KG)
Postleitzahl 8262f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 14857
Katastralgemeindenummer 62223
Zählsprengel/ -bezirk Kalsdorf bei Ilz (62271 003)
Bild
Schloss Kalsdorf und dessen Umgebung in Kalsdorf bei Ilz
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk

Vorlage:Check Geschlecht gegen Wikidata

Kalsdorf bei Ilz ist eine Ortschaft auf dem Gebiet der gleichnamigen Katastralgemeinde in der Gemeinde Ilz in der Oststeiermark (Österreich). Die Ortschaft hat Vorlage:Metadaten Einwohnerzahl AT Ortschaft Einwohner (Stand ).<ref name="Metadaten Einwohnerzahl AT Ortschaft">Vorlage:Metadaten Einwohnerzahl AT Ortschaft</ref> Bis Ende 1967 war Kalsdorf bei Ilz eine eigenständige Gemeinde.<ref name="fusion">Vorlage:StatistikAustria Gemeindeänderungen</ref>

Geographie

Kalsdorf befindet sich etwa 2,5 km nordöstlich des Ortszentrums von Ilz im oststeirischen Hügelland. Benachbarte Siedlungen sind im Südwesten Neudorf bei Ilz, im Osten Riegersdorf. Das Dorf befindet sich im Flussgebiet der Feistritz, die östlich des Orts nach Südosten fließt. Kalsdorf ist etwa 1,5 km von der Südautobahn A 2 entfernt, wo der Knoten Riegersdorf mit der Fürstenfelder Schnellstraße S 7 liegt.

Geschichte

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Frühgeschichte und Namensherkunft

Die Entstehung des Ortes wird in der älteren Forschung teilweise mit dem im 12. Jahrhundert erwähnten Ministerialen Karl von Hohenberg in Verbindung gebracht. Neuere Deutungen gehen jedoch von einer deutlich älteren Siedlungsphase aus. Zu Grunde liegt der Personenname Chval, nach dem das Dorf benannt worden sein soll. Chval leitet sich vom altslawischen Verb „chvaliti“ (loben, ehren) ab. Der Ortsname könnte demnach auf eine Person mit der Bedeutung „der Lobenswerte“ verweisen. Feistritz entspricht dem slawischen Bistrica (klarer Bach). Die Besiedlung dürfte im Zusammenhang mit der slawischen Landnahme im Ostalpenraum im Frühmittelalter vom 6. bis 8. Jahrhundert stehen. Slawische Siedler ließen sich bevorzugt in Flusstälern nieder – so auch im Feistritztal. Nach dem steirischen Ortsnamenbuch zählen Kalsdorf und Ilz zu den ältesten Siedlungen der heutigen Marktgemeinde.<ref>Anton Ithaler: Wider das Vergessen. Sammlung der Flur-, Ried- und Ortsnamen der Gemeinden Ilz und Sinabelkirchen. Graz. Dezember 2021, S. 84.</ref>

Mittelalter

Ab dem 8. Jahrhundert kam es infolge der Kolonialisierung und Christianisierung zu einer zunehmenden Integration in das bairisch-fränkische Herrschaftsgebiet. Nach der Niederwerfung eines Slawenaufstandes im Jahr 772 und der Eingliederung des slawischen Fürstentums Karantanien in das Herzogtum Bayern wurde die Region Teil des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen.<ref name=":1" /> In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurden slawische Ortsnamen und Siedlungen zunehmend in das fränkische Herrschaftsgebiet integriert.

Im 12. Jahrhundert wurde hier auf der kleinen Anhöhe zwischen dem Ilz- und Feistritztal ein Turm errichtet, welcher im Besitz von Karl von Hohenberg war, einem Ministerialen der Wildoner. Als Turmhüter wurde so die Festung Fürstenfeld bewacht. Im 13. Jahrhundert gelangte der Ort in den Lehensbesitz der Familie Hager, welche mit der Kolonisierung der Umgebung betraut war. Urkundlich wird der Ort 1366 als Challenstorf erwähnt, 1443 als Calestorf in Ilczer pharr.<ref name="mayr" />

Neuzeit

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Kalsdorf zu einem regionalen Zentrum des Protestantismus in der Oststeiermark. Am 9. und 10. Juni 1600 wurde die protestantische Kirche in Kalsdorf von der Reformationskommission zerstört und der Kirchturm gesprengt.<ref name=":1" />

Ein schweres Hochwasser der Feistritz am 2. Juli 1678 verursachte erhebliche Schäden an den Feldern und Gebäuden des Ortes. Dabei wurden unter anderem die Hofmühle sowie mehrere Brücken zerstört; zudem veränderte der Fluss seinen Lauf.<ref name="mayr" />

Während den antihabsburgischen Aufständen von Franz II. Rákóczi wurde die Region am 25. und 26. Juni 1704 von Aufständischen verwüstet. Dabei brannte das gesamte Dorf Kalsdorf nieder. Zur Erinnerung an den in diesem Zusammenhang getöteten Pfarrer Johann Schmidt befindet sich beim westlichen Eingang der Pfarrkirche in Ilz ein Gedenkstein, der von dem Maler und Bildhauer Max Milo (*1938) aus Kalsdorf geschaffen wurde.<ref name="mayr" />

Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu Konflikten zwischen dem Müller Johann Georg Gutscher, der seit 1766 Besitzer der Schalk Mühle war, und den örtlichen Bauern. Streitpunkt war der Bau einer Wehr an der Feistritz, die Überschwemmungen verhindern sollte. Gutscher kam entsprechenden Forderungen zunächst nicht nach, was zu Spannungen mit der Dorfbevölkerung führte. Im August 1787 eskalierte der Konflikt: Nach einer Auseinandersetzung zwischen Gutscher und mehreren Dorfbewohnern wurde der Müller körperlich angegriffen und verletzt. In der Folge wurden die beteiligten Personen vor der Grundherrschaft einvernommen. Dabei gaben sie an, dass der Bau der Wehr bereits angeordnet worden sei und sie zur Mithilfe bereit gewesen wären.<ref name="mayr">Karl Mayr: Ilz. Ein Heimatbuch. 1965.</ref>

19. und frühes 20. Jahrhundert

Im Jahr 1877 wurde auf Inititave der Schlossherrin Cajetan Czeicke die Freiwillige Feuerwehr Schloss Kalsdorf gegründet, bestehend aus Männern von Kalsdorf und Neudorf.

Um 1910 erreichte Kalsdorf mit 216 Einwohnern in weniger als 30 Häusern seinen historischen Höchststand. Während dem Ersten Weltkrieg wurden von russischen Kriegsgefangenen zahlreiche Entwässerungskanäle für die Felder gegraben. Diese wurden Russengräben genannt. Man hörte die Gefangenen oft beim Singen ihrer schwermütigen Weisen oder auch beim Beten.<ref name="mayr" />

Nach einem Streit um die Führung der Feuerwehr im Jahre 1926 trennten sich die Kalsdorfer und Neudorfer und wurden zwei selbständige Wehren. Im selben Jahr wurde in Kalsdorf ein Rüsthaus errichtet. In der Zwischenkriegszeit entstand 1930 im Umfeld des Landbundes eine paramilitärische Bauernwehr im Ort.<ref name=":1" />

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Um 1934 entstand in Kalsdorf eine Ortsgruppe der NSDAP. Mehrere Einwohner beteiligten sich als Angehörige der SA am Juliputsch in Ilz. Strafrechtliche Konsequenzen blieben aus; stattdessen wurden sie vorübergehend in die Vaterländische Front eingegliedert.

Während dem Zweiten Weltkrieg waren im Ort Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten, darunter aus Jugoslawien, Polen, der Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien, eingesetzt. Am 26. Juni 1944 warf ein in Richtung Wien fliegender Bomberverband neun mittelschwere Bomben im Notabwurf über dem Ortsgebiet ab. Dabei wurden eine Frau und ein sowjetischer Kriegsgefangener beim Heuarbeiten durch eine Bombe getötet. Zwei weitere Personen wurden schwer verletzt. Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es auch in Kalsdorf zu politischen Verfolgungen. Mehrere Einwohner wurden wegen regimekritischer Äußerungen, Kontakten zu Kriegsgefangenen oder anderer Vorwürfe verhaftet und zu Haftstrafen oder Aufenthalten in Konzentrationslagern verurteilt.<ref name=":1" />

Die aus Mozdok stammende Zwangsarbeiterin Olga Dozenka (*1924) arbeitete ab dem 10. April 1943 bei der Schalk Mühle. Sie drohte gegen Kriegsende einmal dem SS-Mann und Ortsbauernführer von Kalsdorf mit: „Wart nur, wenn die Russen kommen…“. Aus diesem Grund soll dieser die Ermordung von Olga angeregt haben. Am 31. März 1945 brachten sie SS-Männer in das SS-Quartier nach Reigersberg. Erst fünf Wochen später und drei Tage vor Kriegsende beim Abmarsch der SS, am 5. Mai 1945, wurde Olga erschossen und tot in einem Straßengraben aufgefunden.<ref name=":1">Engelbert Kremshofer: Leben, Lieben und Sterben. Geschichte des Wein- und Thermenlandes. Ottendorf 1994.</ref>

Nachdem die Volkssturmmänner sich im April 1945 von Fürstenfeld nach Ilz zurückgezogen hatten, befahlen sie den Kalsdorfern, den Russengraben zur Verteidigung gegen die heranrückende Rote Armee herzurichten. Im Morgengrauen des 8. Mai 1945 ergriffen die deutschen Kampftruppen die Flucht und sprengten zuvor noch in Kalsdorf die Feistritzbrücke sowie die Wehr der Schalk Mühle.<ref name="mayr" /> Die Rote Armee erreichte gegen 15:00 Uhr den Ort.<ref name="mayr" />

Zweite Republik

Mit 1. Jänner 1968 wurden die Gemeinden Kalsdorf bei Ilz, Buchberg bei Ilz, Kleegraben, Mutzenfeld, Neudorf bei Ilz und Reigersberg nach Ilz eingemeindet.<ref name="fusion" /> Es kam außerdem zu einer Flussbegradigung der Feistritz. Im Jahr 1976 wurde das Ziegelwerk im Ort stillgelegt. In den Jahren 1991 bis 1994 wurde ein neues Feuerwehrhaus im Ort errichtet und die Wehr wurde mit Buchberg zusammengelegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das Schloss Kalsdorf hat einen Arkadenhof. Der älteste erhaltene Trakt wurde 1537 erbaut. Ursprünge einer Wehrburg werden auf das Jahr 1160 datiert.

Die Gemeinde Kalsdorf errichtete im Jahr 1848 den Bildstock im Dorf anlässlich der Bauernbefreiung. Dieser wurde in den späten 1980er Jahren von der Dorfgemeinde renoviert. Bei der Renovierung der Bilder wurde vor allem auf die Beibehaltung der alten Motive geachtet. Die künstlerische Gestaltung übernahm der Künstler Max Milo. Zusätzlich wurde der Bildstock mit einer Gedenktafel versehen, die an die Gefallenen des Dorfes in den beiden Weltkriegen erinnert: 1914-1918: Annerer Franz († 1916 in Karst), Auer Josef († 1915 in Russland), Luttenberger Johann († 1914 in Galizien), Gruber Josef, Gollowitsch Josef, Maier Josef und Kleinhapl Johann; 1939-1945: Auer Anton († 1946 in Russland), Tauschmann Theresia († 1944 in Kalsdorf) und Romeder Raimund († 1944 in Frankreich).

Die Mühlen in Kalsdorf

Das Leben in Kalsdorf war schon immer durch die Feistritz geprägt. Die Mühle war immer ein wichtiger Mittelpunkt des Alltagsgeschehens. Der Herrschaft Kalsdorf gehörten drei Mühlen. Zum einen die sog. Hofmühle, welche sich am rechten Ufer der Feistritz oberhalb der Landesstraßenbrücke befand. Unterhalb davon befindet sich die heutige Schalk Mühle, deren Besitzer sich bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. Zu dieser Zeit war Michael Müllner der Besitzer, welcher um 1590 starb. Die dritte Mühle, ebenfalls Hofmühle genannt, befand sich im heutigen Großwilfersdorf.<ref name="mayr" />

Im Jahr 1859 wurde schließlich Franz Schalk Besitzer der Mühle. Unter dem Mühlen-Besitzer Franz Wagner brannte die Hofmühle in Kalsdorf ab. Daraufhin wurde sie von Schalk gekauft und anschließend niedergerissen. 1894 übernahm der Sohn Franz die Mühle und richtete diese mit den modernsten Maschinen ein. Das eigene Elektrizitätswerk versorgte bis 1959 auch die Gemeinde Riegersdorf mit Strom. 1945 litt die Mühle schwer, als die deutsche Wehrmacht am 8. Mai die Wehr sprengte, wobei auch das Sägewerk einstürzte. Sämtliche Vorräte an Mehl, Getreide, Riemen, Holz, sowie Vieh und Fahrzeuge wurden weggeschafft. Mit dem Wiederaufbau wurde sofort begonnen, welcher im Februar 1946 fertiggestellt war. Im Jahr 1959 brannte die Säge ab und wurde 1960 neu aufgebaut und in Betrieb gesetzt. Mittlerweile wird seit 2015 der Familienbetrieb der Mühle in 6. Generation von Franz und Rainer Schalk geführt. Im selben Jahr wurde ein neues Wasserkraftwerk in Betrieb genommen, welches die alten Turbinen ablöste und ca. 1,2 Millionen Kilowatt Ökostrom pro Jahr produziert. Die Hälfte davon wird im eigenen Betrieb verwendet und der Rest wird als Überschuss in das öffentliche Netz eingespeist. Teilweise wird heute noch auf 100 Jahre alten Maschinenproduziert. Das Wasserkraftwerk besitzt außerdem eine moderne Fischaufstiegshilfe, die es den Fischen ermöglicht, die Wehranlage zu passieren. Die 2.000 m² große Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von ca. 350.000 KWh im Jahr ist zudem eine optimale Ergänzung zu dem Wasserkraftwerk. Seit der Übernahme wird auf 100% Bio-Qualität sowie CO2-neutraler Herstellung gesetzt. Es wird ein ausnahmslos veganes Produktsortiment von Bio-Rohstoffen aus Österreich angeboten.<ref name="mayr" /><ref>Die Geschichte & Idee. In: schalk-muehle.at. Schalk Mühle, 2025, abgerufen am 19. April 2026.</ref>

Persönlichkeiten

  • Adam von Herberstorff (1585–1629), Reichsgraf, bayrischer Statthalter von Oberösterreich, geboren in Schloss Kalsdorf
  • Georg Lembucher († 1446), Bischof von Seckau, geboren in Kalsdorf
  • Hartmut Skerbisch (1945–2009), österreichischer Künstler, lebte zuletzt im Schloss Kalsdorf

Weblinks

Commons: Kalsdorf bei Ilz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gemeindegliederung von Ilz