Kanadische Goldrute
<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />
| Kanadische Goldrute | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Solidago canadensis 20050815 248.jpg
Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Solidago canadensis | ||||||||||||
| L. |
Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Asteroideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist natürlicherweise in Nordamerika verbreitet und gilt in Europa, Australien und Neuseeland als invasive Art, die manche heimische Arten verdrängt.
Beschreibung und Ökologie
Vegetative Merkmale
Die Kanadische Goldrute wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 200, in Ausnahmefällen bis zu 250 Zentimetern. Der Stängel ist aufrecht, rund, unverzweigt und im oberen Bereich dicht beblättert. Er ist anfangs dicht abstehend kurz behaart, verkahlt jedoch mit zunehmender Reife an der Basis.
Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet, lanzettlich geformt, werden zur Spitze hin schmäler und besitzen einen gesägten Blattrand im vorderen Bereich. Die Blattunterseite ist wie der Stängel kurz behaart. Die Blätter der unteren Stängelregion sind gestielt, während die weiter oben sitzenden Blätter sitzend und kleiner ausgebildet sind. Die Pflanze bildet kriechende Rhizome aus, die eine schnelle vegetative Vermehrung ermöglichen und zur dichten Bestandsbildung führen. Zusätzlich ist Solidago canadensis sehr regenerationsfähig: Selbst nach Rückschnitt oder Ausgraben treibt sie aus verbliebenen Rhizomfragmenten erneut aus, was eine effektive Bekämpfung erschwert.<ref>Solidago canadensis (Kanadische Goldrute) | Invaphyt. 8. August 2024, abgerufen am 7. Mai 2025.</ref><ref>Goldruten (Solidago canadensis & Solidago gigantea): Erwin Jörg. Abgerufen am 7. Mai 2025.</ref>
Generative Merkmale
Vorlage:Hinweisbaustein Die Kanadische Goldrute bildet zahlreiche, einseitswendige, deutlich gestielte, gelbe Blütenkörbchen auf der Oberseite der Rispenzweige. Die Rispenäste sind bogig gekrümmt. Der Gesamtblütenstand ist pyramidenförmig aufgebaut und besteht aus einer rispigen Endblüte mit nach oben gerichteten Köpfchen, die einen Durchmesser von 3 bis 5 mm aufweisen. Der Köpfchenboden ist kahl. Die Blütezeit reicht von September bis Oktober. Die Zungenblüten überragen die Blütenhülle nicht und sind kaum länger als die Röhrenblüten. Die Hüllblätter sind 2–4 mm lang, dünn, gelblich, dachziegelig angeordnet und spitz bis lang zugespitzt.
Eine einzelne Pflanze kann bis zu 19.000 Samen ausbilden. Diese werden als flugfähige Achänen mit einem Pappus weit verbreitet. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch Fliegen, Schwebfliegen und Falter.<ref>Patricia A. Werner, Ronald S. Gross, Ian K. Bradbury: THE BIOLOGY OF CANADIAN WEEDS.: 45. Solidago canadensis L. In: Canadian Journal of Plant Science. Band 60, Nr. 4, 1. Oktober 1980, ISSN 0008-4220, S. 1393–1409, doi:10.4141/cjps80-194 (nrcresearchpress.com [abgerufen am 7. Mai 2025]).</ref><ref>FloraWeb - Übersicht (Pflanzensteckbrief). Abgerufen am 7. Mai 2025.</ref>
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18 oder 54.<ref name="Oberdorfer2001" />
Systematik und ähnliche Arten
Solidago canadensis variiert stark. Häufig handelt es sich um die Solidago canadensis var. altissima. Allgemein weichen die Sippen in Europa durch zahlreiche Bearbeitung von der echten nordamerikanischen Art erheblich ab. Sie werden deshalb auch als Solidago anthropogena H.Scholz ined. bezeichnet.<ref name="Haeupler2000" />
Die Kanadische Goldrute kann mit der, meist kleineren, Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) verwechselt werden. Diese hat bis kurz unter den Blütenstand einen kahlen Stängel, während die Kanadische Goldrute spätestens ab dem Bereich der ersten Blätter behaart ist.
Vorkommen
Die Kanadische Goldrute stammt aus Nordamerika und ist vor 1648 nach Paris gekommen. Solidago canadensis var. altissima ist seit 1644 in Europa nachweisbar. Ursprünglich kommt sie in Kanada und in den östlichen und zentralen Vereinigten Staaten vor.<ref name="GRIN" /> Stärkere Verbreitung in den Gärten fand diese Art erst im 19. Jahrhundert. Seit dieser Zeit tritt sie auch als Neophyt in Europa auf.<ref name="Wimmer1998" /> Sie ist aber auch ein Neophyt in Australien und in Neuseeland.<ref name="GRIN" />
In großen Kolonien wächst sie auf brachliegenden Äckern und Bahnanlagen. Es handelt sich um eine Ruderalpflanze, die als Standort Schutt, Schläge und Ufer, aber auch Gewässerränder und Auwälder bevorzugt. Insbesondere wächst sie auf tiefgründigen Sand-, Ton- und Lehmböden.
Dieser eingebürgerte Neophyt ist in ganz Europa bis in Höhenlagen von über 1200 Metern anzutreffen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Klasse Artemisietea und kommt hier besonders in Gesellschaften der Verbände Senecion fluviatilis und Aegopodion podagrariae sowie auch der Ordnungen Onopordetalia oder Arrhenatheretalia vor.<ref name="Oberdorfer2001" />
Invasiver Neophyt
Die Kanadische Goldrute wird als invasiver und damit problematischer Neophyt eingeordnet, da die wuchskräftige Zierpflanze durch die Verwilderung eine große ökologische Auswirkung hat. Sie breitet sich auf Trockenrasen- und Brachflächen, etwa entlang von Bahnstrecken, stark aus.
In wärmeren Regionen und z. B. in Ackerweinbergen oder Magerrasen beeinflussen die Dominanzbestände des Neophyten den Ablauf der Sukzession und verdrängen somit die einheimischen, lichtliebenden Pflanzen. Besonders Pflanzen mit einem sehr engen Standortschwankungsbereich sind bedroht. Daraus folgt die Gefährdung von Tierarten, die diese Pflanzen als Nahrung benötigen. Auf der anderen Seite dient die kanadische Goldrute als Nahrungsgrundlage für diejenigen Tiere, die sich an ihr Vorkommen angepasst haben. Die Verbreitung erfolgt durch Samen, Goldruten-Arten können bis zu 19.000 Samen pro Stängel produzieren. Das Verdrängungspotential der kanadischen Goldrute äußert sich auch durch unterirdische Ausläufer, die große Flächen erobern.
Die Ausbreitung der kanadischen Goldrute beschleunigt somit den Artenwandel erheblich. Die Etablierung dieses weitverbreiteten Neophyten wird durch bereits vorhandene Störungen und Landschaftsschäden ermöglicht.
In der Schweiz wurde sie in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten aufgenommen und der Freisetzungsverordnung unterstellt.<ref>Bundesamt für Umwelt BAFU: Invasive gebietsfremde Arten. (admin.ch [abgerufen am 6. August 2019]).</ref><ref>S. Buholzer, M. Nobis, N. Schoenenberger, S. Rometsch: Liste der gebietsfremden invasiven Pflanzen der Schweiz. Hrsg.: Infoflora. (infoflora.ch [abgerufen am 6. August 2019]).</ref>
Bekämpfung
Um die weitere Ausbreitung der Kanadischen Goldrute durch den Menschen zu verhindern, muss die Neuansiedlung durch Pflanzung oder die nicht fachgerechte Entsorgung von Gartenabfällen verhindert werden. Die Einsaat brach liegender Flächen kann die Ausbreitung verhindern, da die Kanadische Goldrute sich bevorzugt dort ansiedelt.<ref name=":0">Ingo Kowarik: Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2., wesentlich erweiterte Auflage. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-5889-8, S. 180–188.</ref>
Bestehende Populationen werden durch die Entfernung der Rhizome bekämpft. Diese können im Mai ausgegraben oder mitsamt der oberirdischen Organe kurz vor der Blüte bei feuchtem Wetter ausgerissen werden. Kleine Flächen können mit lichtundurchlässiger Folie abgedeckt oder mit einer Fräse bearbeitet werden, was aber auch andere Pflanzen schädigt. Die Aussaat konkurrenzstarker Pflanzen auf dem entstandenen Offenstandort beugt der erneuten Ausbreitung der Kanadischen Goldrute vor.<ref name=":0" />
Mähen im Mai und August kann Populationen der Kanadischen Goldrute schwächen, muss aber für mehrere Jahre erfolgen. Durch den verstärkten Austrieb erhöht sich nach der Mahd zunächst die Anzahl der Sprosse. Ist die Population genügend zurückgedrängt, kann auf die Mahd im Mai verzichtet werden. Die Beweidung mit Schafen, die die jungen Triebe der Kanadischen Goldrute fressen, kann die erneute Entwicklung der Population aus einzelnen, zurückgebliebenen Pflanzen verhindern. Regelmäßige Kontrollen sind dennoch nötig.<ref name=":0" /><ref>Nora Kabuce: NOBANIS – Invasive Alien Species Fact Sheet: Solidago canadensis. Hrsg.: Latvian Environment, geology and meteorology agency. 30. November 2006 (nobanis.org [PDF]).</ref>
Da die Kanadische Goldrute aus verbliebenen Rhizomen wieder austreibt und bereits die Samen einer einzigen Pflanze sehr zahlreich sind, müssen die Maßnahmen intensiv, gründlich und über mehrere Jahre umgesetzt werden, um nachhaltig zu wirken.<ref name=":0" /> Die Bekämpfung konzentriert sich daher oft auf Naturschutzgebiete.<ref>Fridli Marti: Bekämpfung von invasiven Goldruten in Naturschutzgebieten. Hrsg.: Baudirektion Kanton Zürich Amt für Landschaft und Natur Fachstelle Naturschutz. Juli 2013 (pfaeffikon.ch [PDF]).</ref>
Nutzung
Die Kanadische Goldrute wird als Zierpflanze und Bienenweide kultiviert.<ref name=":0" /> Ihr Haupteinsatzgebiet in der Heilkunde ist der Nieren-Blasen-Apparat. Sie wirkt stark harntreibend.
Die Kanadische Goldrute kann als Färberpflanze verwendet werden. Dabei kann die gesamte Pflanze zum Färben eingesetzt werden. Die gefärbten Stoffe haben je nach Beizung eine braun-gelbe bis goldene Ausprägung. Der durchschnittliche Farbstoffgehalt der Kanadischen Goldrute beträgt 0,5 bis 4 Prozent der Trockenmasse.<ref name="Nachwachsende" /> Die Hauptfarbstoffe sind Quercetin und Astragalin. Die Wasch- und Lichtechtheit liegt auf dem gleichen Niveau wie etwa Färber-Wau und wird der Kategorie „mittel“ zugeordnet.<ref name="Nachwachsende" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Wimmer1998"> Clemens Alexander Wimmer: 350 Jahre Goldrute, Essigbaum und geschlitztblättriger Flieder in Deutschland. In: Zandera. Band 13, Nr. 2, 1998, S. 77–87.</ref> <ref name="Nachwachsende">Michael Pankratius: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Nachwachsende Rohstoffe. Die Zukunft vom Acker. Kanadische Goldrute - Solidago canadensis - Färberpflanze. ( des Vorlage:IconExternal vom 29. März 2010 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Abgerufen am 29. März 2010.</ref> <ref name="Haeupler2000"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
Literatur
- Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783800158898 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
- Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, 1753, S. 878 (biodiversitylibrary.org – Erstbeschreibung).
Weblinks
- Solidago canadensis L., Kanadische Goldrute. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Kanadische Goldrute. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Solidago canadensis L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
- Thomas Meyer: Goldrute Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Martin Wolfangel: Indisches Springkraut, Japanischer Staudenknöterich und das massenhafte Auftreten anderer Neophyten – eine Gefahr für die biologische Vielfalt (Biodiversität). 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 29. April 2026.
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Parameterfehler
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2025-09
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:BibISBN
- Astereae (Tribus)
- Pflanze auf der Liste der invasiven Neophyten (Schweiz)
- Neophyt in Europa