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Kargowa

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Vorlage:Infobox Ort in Polen

Datei:Kargowa, Ratusz - fotopolska.eu (100154).jpg
Rathaus
Datei:Kargowa, widok z ratusza na kamieniczki.jpg
Rathausvorplatz
Datei:Kargowa, park przy pałacu (3).JPG
Parkanlage
Datei:17986 Kargowa palac.JPG
Ehemaliges Schloss Unruhstadt
Datei:Dworzec Kargowa.jpg
Bahnhofsgebäude

Kargowa [[[:Vorlage:IPA]]] (deutsch Unruhstadt, fälschlich<ref name="MK" /> Karge, poln. früher Unrugowo<ref name="MK" />) ist eine Stadt mit 3600 Einwohnern im Powiat Zielonogórski der polnischen Woiwodschaft Lebus. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) mit etwa 5800 Einwohnern.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in der historischen Region Großpolen, etwa 40 Kilometer nordöstlich der Stadt Zielona Góra (Grünberg in Schlesien) an der Obrzyca (Raule Obra).

Geschichte

Datei:Posen 1905.png
Unruhstadt, südwestlich der Stadt Posen und östlich der Stadt Züllichau, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die erste Erwähnung des Ortes Cargowo stammt aus dem Jahre 1360. Karge entwickelte sich zu einem Zentrum des bäuerlichen Handels und erhielt 1630 das Marktrecht verliehen. Der Marktflecken erhielt das Privileg zur Abhaltung von sechs Jahrmärkten. Die bekannten Karger Schweinemärkte brachten dem Ort im Volksmund den Namen Schweine-Karge ein.

1641 erwarb der Starost von Gniezno, Christoph von Unruh, den Marktflecken Karge und gründete in unmittelbarer Nachbarschaft eine Siedlung für evangelische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien, die seinen Namen erhielt. 1655 gilt als Gründungsjahr der neuen Ortschaft.<ref>Julius Kohte: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen, Band I: Politische, kulturgeschichtliche und kunstgeschichtliche Entwicklung des Landes nebst einer Denkmalkarte, Verlag Julius Springer, Berlin 1898, S. 24 (Google Books).</ref>

Die beiden Orte verschmolzen schnell, und 1661 erhielt Unruhstadt Stadtrecht. Der Mutterort Karge blieb dessen ungeachtet weiter bestehen und bildete bis 1945 eine selbständige Gemeinde im Kreis Bomst bzw. im Kreis Züllichau-Schwiebus.

1793 kam Unruhstadt zusammen mit der Neuerwerbung Südpreußen zu Preußen,<ref name="HW"/><ref>Julius Kohte: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen, Band I: Politische, kulturgeschichtliche und kunstgeschichtliche Entwicklung des Landes nebst einer Denkmalkarte, Verlag Julius Springer, Berlin 1898, S. 31 (Google Books).</ref> war dann zwischen 1807 und 1815 kurzzeitig Teil des Herzogtums Warschau.

1818 wurde die Stadt Teil des preußischen Kreises Bomst und trat 1938 zum Kreis Züllichau-Schwiebus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Unruhstadt ein Zentrum der Tuchmacherei. Die Hänge zwischen Obra und Fauler Obra wurden für den Weinbau genutzt. Die Evangelische Kirche unterhielt in Unruhstadt ein Hospital.<ref>Johannes Schlecht: Der Anteil der Evangelischen Kirche Posens an den Arbeiten der Inneren Mission. Posen 1875, S. 124.</ref> Um 1935 hatte Unruhstadt unter anderem zwei Hotels, drei Gasthöfe und Restaurants, eine Sparkasse, eine Zweigstelle der Wirtschaftsbank, eine Bierbrauerei, zwei Branntweinbrennereien, ein Holzsägewerk, eine Korbfabrik, einen Maschinenbauer, sechs Mühlen, eine Schokoladen- und Kakaofabrik, einen Zweitungsverlag und eine zahlreiche Gemischtwaren- und Einzelhändler, Dienstleister sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.<ref>Klockhaus' kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe, Band 1 B, Berlin 1935, 2. Teil, Provinz Ober-Schlesien, S. 1938–1939 (Google Books).</ref>

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es beim Vormarsch der Roten Armee im Frühjahr 1945 zu großen Zerstörungen in der Stadt und in deren Umgebung. Im selben Jahr wurde die Stadt von der Siegermacht Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen und von der polnischen Administration in Kargowa umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde größtenteils unter Missachtung der Atlantik-Charta von der polnischen Administration aus Unruhstdt vertrieben.

Einwohnerentwicklung

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1800 1518 darunter 323 Juden; Stadt mit 259 Wohnhäusern, einer evangelischen Kirche (in Karge) und einer Synagoge, 36 Mühlen und einem öffentlichen Gebäude<ref name="HW" >Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463–465.</ref>
1816 1928 Stadt<ref name="AAM" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 57, Ziffer 298 (Google Books).</ref>
1836 2060 Stadt mit 300 Häusern und einer evangelischen Kirche, bedeutende Viehmärkte, adlige Besitzung<ref name="ZN">Leopold von Zedlitz-Neukirch (Hrsg.): Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 3, Berlin 1837, S. 155, Ziffer 3) (Google Books).</ref>
1852 2165 Stadt (Karge)<ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 641 (Google Books).</ref>
1864 2111 am 3. Dezember<ref>Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Posen. Berlin 1867, S. 18–25, Ziffer 131 (Google Books).</ref>
1867 2056 am 3. Dezember;<ref name="KSB" /> nach anderen Angaben 1734 Einwohner, ohne die Garnison: 3. und 4. Eskadron des Posener Ulanen-Regiments Nr. 10<ref name="JCR" >J. C. Reinecke: Preussisches Staatshandbuch – Mit einer statistisch-topographischen Uebersicht, Verlag F. Berggold, Berlin 1870, S. 388 (Google Books).</ref>
1871 1959 am 1. Dezember, davon 1537 Evangelische, 289 Katholiken un 133 Juden<ref name="KSB" >Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen. Berlin 1874. XIII. Kreis Bomst , S. 96–97, Ziffer 6 (kpbc.umk.pl).

</ref>

1875 1954 <ref name="MR" />
1885 1604 am 1. Dezember, davon 1289 Evangelische, 230 Katholiken, eine sonstige christliche Person und 84 Juden<ref>Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1888, S. 94–95, Ziffer 5 (Google Books).</ref>
1890 1724 am 1. Dezember<ref>Königliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat – III. Stadtkreis Berlin und Provinz Brandenburg – Auf Grund der Materialien der Viehzählung vom 1. Dezember 1892 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1894, S. 37, Ziffer 5 (Google Books).</ref>
1905 1695 am 1. Dezember, davon 1222 Evangelische (darunter 1218 mit deutscher Muttersprache, zwei mit polnischer Muttersprache), 409 Katholiken (181 mit deutscher, 228 mit polnischer Muttersprache), drei andere Christen und 61 Juden;<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Band V: Provinz Posen, Berlin 1908, S. 8–9 (Google Books).</ref> Stadt mit einer evangelischen Kirche, einer katholischen Kirche und einer Synagoge, viele Windmühlen, Weinbau<ref name="MK" >Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19. Leipzig/Wien 1909, S. 932 (Google Books).</ref>
1910 1612 am 1. Dezember, darunter 1388 mit deutscher Muttersprache (1150 Evangelische, 202 Katholiken und drei Juden) und 220 mit polnischer Muttersprache ,(sämtlich Katholiken)<ref> Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, 3. Kreis Bomst, S. 8–9 (Google Books)</ref><ref name="mgaz" >Unruhstadt, Kreis Bomst, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Unruhstadt (meyersgaz.org).</ref>
1825 1462 <ref name="MR" />
1933 1733 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1939 1715 <ref name="MR" />

Religionen

Im 19. Jahrhundert gab es in Unruhstadt eine evangelische Kirche und eine katholische Kirche.<ref name="JCR" /> Die Stadtbevölkerung war vor 1945 mehrheitlich evangelischer Konfession. Die Evangelischen hatten früher die alte evangelische Kirche in Karge besucht. 1805 wurde eine neue evangelische Kirche in Unruhstadt fertiggestellt.<ref>Deutsche Zeitschrift für Kirchenrecht, Band 4, Freiburg i. B. und Tübingen 1884, S. 331–334 (Google Books).</ref>

Das Gotteshaus der Evangelischen wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und nach dem katholischen Priester Maximilian Kolbe umbenannt.

Die seit 1945 und Vertreibung der Einheimischen anwesende polnische Stadtbevölkerung ist größtenteils katholischer Konfession.

Sehenswürdigkeiten

  • Rathaus aus dem 17. Jahrhundert
  • Marktplatz und Neuer Marktplatz
  • Ehemalige evangelische Kirche aus dem 19. Jahrhundert, heute St.-Maksymilian-Kolbe-Kirche
  • Giebelhäuschen aus dem 19. Jahrhundert
  • Spätbarockes Palais von 1732
  • Neogotische St.-Adalbert-Kirche von 1902, Turm und Erweiterung von 1932

Gemeinde

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Kargowa gehören neben der Stadt eine Reihe von Dörfern. Vorlage:Hauptartikel

Partnergemeinden

Persönlichkeiten, Töchter und Söhne

Literatur

  • Unruhstadt, Kreis Bomst, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Unruhstadt (meyersgaz.org).
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463 (Google Books).

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Normdaten