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Karl Rasche

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Datei:Karl Rasche.jpg
Karl Rasche als Angeklagter bei den Nürnberger Prozessen

Karl Emil August Rasche (* 23. August 1892 in Iserlohn; † 13. September 1951 bei Basel) war ein deutscher Jurist und neben Walter Pohle und Reinhold von Lüdinghausen (Bebca) einer der Hauptakteure der Arisierungen ab März 1939 im Sudetenland in der Zeit des Nationalsozialismus. Er war Vorstandsmitglied und später auch Sprecher der Dresdner Bank sowie SS-Führer. Am 11. April 1949 wurde Rasche im Wilhelmstraßen-Prozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Raub und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Leben

Jugend und Ausbildung

Nach dem Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums in Iserlohn gehörte Rasche vom 1. April 1911 bis 30. März 1912 als Einjährig-Freiwilliger dem Infanterie-Regiment „Herwarth von Bittenfeld“ (1. Westfälisches) Nr. 13 in Münster an. Anschließend studierte er bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs Rechts- und Staatswissenschaften in Münster, Leipzig, Berlin und Bonn.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Rasche wieder zur preußischen Armee einberufen und als Soldat an der Westfront eingesetzt. Nach einer Verwundung kam er ins Lazarett Düsseldorf-Vinzenhaus. Während seiner Verwundetenzeit besuchte er dort die Kommunalakademie. Am 15. Oktober 1914 bestand er die erste Juristische Staatsprüfung als Notexamen mit dem Prädikat gut. Auf Anregung seines Professors Josef Lukas (1875–1929) begann er zu dieser Zeit außerdem mit der Arbeit an einer rechtswissenschaftlichen Dissertation mit dem Titel Der Polizeibegriff im heutigen preußischen Recht unter besonderer Berücksichtigung der Spezialgesetze, die er schließlich 1917 abschloss. Die mündliche Doktorprüfung hatte er bereits am 19. Februar 1916 mit dem Prädikat cum laude bestanden.

Um 1916 als Leutnant der Reserve an die Front zurückgekehrt, wurde Rasche erst an der Westfront und dann bis zum Kriegsende an der Ostfront eingesetzt. In der ersten Nachkriegszeit engagierte er sich bei der Baltischen Landwehr in Form von Spendensammlungen und der Rekrutierung von Freiwilligen.

Ab Juli 1919 war Rasche als Gerichtsreferendar in Hamm tätig und wechselte 1921 zum Barmer Bankverein, wo er zum Sanierungsspezialisten wurde. Ab Anfang 1933 war Rasche Vorstandsmitglied der Bochumer Westfalenbank, wo er auch mit Paul Pleiger zusammenarbeitete.<ref name="Ahrens641ff.">Ralf Ahrens: Der Exempelkandidat – Die Dresdner Bank und der Nürnberger Prozess gegen Karl Rasche. In: Institut für Zeitgeschichte München (Hrsg.): Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 52. Jahrgang, Heft 4, 2004, S. 641ff.</ref>

Zeit des Nationalsozialismus

1934 wurde Rasche zunächst stellvertretendes und ab August 1935 ordentliches Vorstandsmitglied der Dresdner Bank. Rasches Beschäftigungsverhältnis bei der Dresdner Bank war auch durch eine Intervention von Wilhelm Keppler zustande gekommen. Gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied Emil Meyer galt Rasche als Vertrauensbankier der SS.<ref>Klaus-Dietmar Henke, Johannes Bähr, Dieter Ziegler, Harald Wixforth: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. 2006, S. 477.</ref>

Eine Mitgliedschaft Rasches in der NSDAP zum 1. Mai 1933 erlangte keine Gültigkeit, da Rasche in der Ortsgruppe Essen keine Mitgliedskarte erhielt beziehungsweise auch keine Mitgliedsbeiträge zahlte. Erst zum 1. Mai 1937 trat Rasche der Partei bei (Mitgliedsnummer 5.919.397).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/33751531</ref><ref>Johannes Bähr: Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reiches. S. 95. In Klaus Dietmar Henke Hrsg.: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. München, Oldenburg 2006, S. 95.</ref> Ab 1933 soll Rasche auch Mitglied in der DAF, im NS-Rechtswahrerbund und NS-Bund für Leibesübungen gewesen sein.

Während der Olympischen Sommerspiele 1936 war Rasche stellvertretender Leiter des Reichsfachamtes für Leichtathletik und durfte somit als Ehrengast Hitlers am Reichsparteitag dieses Jahres teilnehmen. Kurz danach wurde er durch Fritz Kranefuß im Herbst 1936 in den Freundeskreis Himmler eingeführt. In die SS (SS-Nummer 323.879) erfolgte Rasches Aufnahme im Mai 1939 rückwirkend zum November 1938 als SS-Hauptsturmführer. Als SS-Ehrenführer<ref>Das Urteil im Wilhelmstrassen-Prozessk. Amtlicher Wortlaut der Entscheidung im Fall Nr. 11 des Nürnberger Militärtribunals gegen von Weizsäcker und andere, mit abweichender Urteilsbegründung, Berichtigungsbeschlüssen, d. grundlegenden Gesetzesbestimmungen, e. Verz. der Gerichtspersonen und Zeugen und Einführungen von Robert M. W. Kempner u. Carl Haensel. S. 274 f.</ref> erreichte er 1943 den Rang eines SS-Obersturmbannführers.<ref>Klaus-Dietmar Henke, Johannes Bähr, Dieter Ziegler, Harald Wixforth: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. 2006, S. 482, 485.</ref>

Nach dem „Anschluss Österreichs“ im März 1938 engagierte sich Rasche bei der Ausweitung der Geschäfte seiner Bank in Österreich und später auch im Sudetenland sowie dem Protektorat Böhmen und Mähren. Daraufhin münzte man auf ihn den Spottvers:

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Dieser Spottvers basierte auf dem Umstand, dass die deutschen Staatsfinanzen infolge der von der Hitler-Regierung betriebenen maßlosen Rüstungspolitik notorisch klamm waren. Daher wurde nach jeder gewaltsamen Besetzung eines dem Deutsche Reich benachbarten Landes mit großer Eile das betreffende Land wirtschaftlich ausgeschlachtet (Beschlagnahmung der Goldreserven der jeweiligen Staatsbanken, Übernahme bedeutender Wirtschaftsbetriebe etc.), um die deutsche Staatskasse zu sanieren bzw. zu entlasten und den nahenden Finanzkollaps hinauszuzögern.

Ab Mitte der 1930er-Jahre amtierte er als Vorsitzender beziehungsweise Mitglied des Aufsichtsrates mehrerer kriegswichtiger Unternehmen. Außerdem leitete er die Ressorts der Tochtergesellschaften Handelstrust West N. V. (Amsterdam) und Continentale Bank S.A. in Brüssel.<ref name="Ahrens641ff." />

Als Vorstandsmitglied der Dresdner Bank analysierte Rasche in dem Fachblatt Der deutsche Volkswirt die durch das Unternehmen Barbarossa 1941 realisierbaren Chancen zur wirtschaftlichen Ausbeutung des Landes:

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Am 8. Juli 1942 hielt er im Haus der Flieger einen Vortrag über die Ausdehnung des deutschen Einflusses im Osten.<ref>Rolf-Dieter Müller: Der Manager der Kriegswirtschaft. Essen 1999, S. 107.</ref> Ende Dezember 1942 wurde Rasche zum Vorstandssprecher der Dresdner Bank ernannt. Nach der Umstrukturierung der Bank übernahm er im Dezember 1943 zusammen mit Carl Lüer die Vorstandsgruppe West in Bad Nauheim.<ref>Ralf Ahrens, Ingo Köhler, Harald Wixforth, Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank 1945–1957. Konsequenzen und Kontinuitäten nach dem Ende des NS-Regimes. 2007, S. 25.</ref>

Des Weiteren war Rasche während des Krieges auch an der Vermittlung von Krediten an die SS beteiligt, mit denen auch Zwangsarbeit in SS-Betrieben sowie Konzentrationslagern finanziert und auch die sogenannte „Germanisierung“ im besetzten Osteuropa betrieben wurden. Im Bankgeschäft war er wiederum an Arisierungen in den Niederlanden und dem Protektorat Böhmen und Mähren beteiligt. Ein Beispiel für seine Involvierung in die Raubpolitik des Regimes war beispielsweise die Einbindung tschechischer Rüstungsbetriebe in die Reichswerke Hermann Göring, die er gemeinsam mit Hans Kehrl durchführte.<ref>Gerald Braunberger: Drittes Reich – Opportunisten des Geldes: Bankiers unter dem Hakenkreuz. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ausgabe 33, 21. August 2005, S. 36.</ref>

Leben nach dem Kriegsende

Im April 1945 wurde Rasche bei Bad Nauheim festgenommen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Nachdem er in Paris vernommen worden war, konnte Rasche in der Französischen Besatzungszone begrenzt eine Tätigkeit zur „Intensivierung grenzüberschreitender Wirtschaftsbeziehungen“ für die französische Militärregierung aufnehmen. Im November 1945 wurde Rasche zwecks Informationsaustausch durch OMGUS-Ermittler in die amerikanische Besatzungszone bestellt und gleich nach seiner Ankunft in Frankfurt festgenommen. Zunächst wurde er im Darmstädter Gefängnis inhaftiert und gelangte nach Aufenthalten in Frankfurter Zuchthäusern in das Ludwigsburger Lager 74. Von dort wurde er in das Internierungslager Dachau überstellt und kam im April 1947 schließlich als Beschuldigter nach Nürnberg.<ref>Ralf Ahrens, Ingo Köhler, Harald Wixforth, Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank 1945–1957. Konsequenzen und Kontinuitäten nach dem Ende des NS-Regimes. 2007, S. 83f.</ref>

Als einziger Bankier aus der Privatwirtschaft wurde Rasche am 4. November 1947 im Wilhelmstraßen-Prozess, der im Rahmen der Nürnberger Prozesse stattfand, angeklagt. Sein Verteidiger war Egon Kubuschok<ref>Das Urteil, S. XXI</ref>, der schon Franz von Papen im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher verteidigt hatte. Am 11. April 1949 wurde Rasche schließlich als Kriegsverbrecher wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Raub und Plünderung, „wegen seiner Beteiligung an der Ausraubung Böhmens und Mährens sowie Hollands“<ref>Das Urteil, S. 236</ref>, sowie Mitgliedschaft in verbrecherischen Organisationen<ref>Das Urteil, S. 274</ref> zu sieben Jahren Gefängnis, beginnend mit dem 8. April 1945<ref>Das Urteil, S. 277.</ref>, verurteilt.<ref>Vgl. Rainer A. Blasius: Der Wilhelmstraßen-Prozeß gegen das Auswärtige Amt und andere Ministerien. In: Gerd R. Ueberschär: Die alliierten Prozesse gegen Kriegsverbrecher und Soldaten 1943–1952. Frankfurt am Main 1999, S. 187ff.</ref> Vom Vorwurf der Beihilfe zum Völkermord wurde Rasche freigesprochen.<ref>Florian Hauswiesner: Der Alien Tort Claims Act vom 12. Dezember 2002</ref>

Unter dem Anklagepunkt VII Sklavenarbeit konnte die Anklage nicht schlüssig beweisen, ob Rasche „einmal vor dem Kriege gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten zusammen Konzentrationslager besucht habe“ und „spricht den Angeklagten Rasche unter Punkt VII nicht schuldig“ weil: „Wir können nicht einfach die Regel aufstellen, daß ein Beamter einer Anleihebank sich schuldig gemacht hat durch die strafbaren Folgen, die eine Anleihe nach sich zog und die der Leiher vielleicht beabsichtigte“.<ref>Das Urteil, S. 270.</ref>

Rasche wurde im August 1950 vorzeitig aus dem Kriegsverbrechergefängnis Landsberg entlassen. Im Oktober/November 1950 wurde Rasche im Entnazifizierungsverfahren als Entlasteter eingestuft.<ref>Ralf Ahrens, Ingo Köhler, Harald Wixforth, Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank 1945–1955. Konsequenzen und Kontinuitäten nach dem Ende des NS-Regimes. 2007, S. 64, 455.</ref> Rasches Wunsch um Wiedereinstellung bei der Dresdner Bank wurde nicht entsprochen, allerdings einigten sich Vertreter der Dresdner Bank und Rasche im Mai 1951 auf eine einvernehmliche Regelung bezüglich seiner Abfindung und Pensionsansprüchen. Er war schließlich als Unternehmensberater tätig und verstarb infolge eines Herzschlags auf einer berufsbedingten Zugfahrt nach Basel.<ref name="Ahrens641ff." /><ref>Todesanzeige von Dr. jur. Karl Rasche, in: Die Zeit, Ausgabe 38 vom 20. September 1951</ref>

Tätigkeit in Aufsichtsräten

Vorsitzender des Aufsichtsrats

stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats

  • 1944 Allgemeine Versicherungs AG, Wien
  • 1936–1945: Dyckerhoff-Portland-Cement-AG, Mainz-Amöneburg
  • 1939–1945: Rheinische Kunstseide AG, Krefeld

Mitglied des Aufsichtsrats

Schriften

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Literatur

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}}, S. 637–670.

  • Ralf Ahrens, Ingo Köhler, Harald Wixforth, Dieter Ziegler: Die Dresdner Bank 1945–1957: Konsequenzen und Kontinuitäten nach dem Ende des NS-Regimes. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58303-8.
  • Klaus-Dietmar Henke, Johannes Bähr, Dieter Ziegler, Harald Wixforth: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. Oldenbourg, München 2006, ISBN 978-3-486-57759-4. In vier Bänden. Hier vorwiegend Band 1.
    • Band 1: Johannes Bähr: Die Dresdner Bank in der Wirtschaft des Dritten Reiches. München, Oldenburg 2006.
  • Christopher Kopper: Karl Rasche.In: Christopher Kopper: Bankiers unter dem Hakenkreuz. Carl Hanser, München 2005.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
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  • Das Urteil im Wilhelmstrassen-Prozess. Amtlicher Wortlaut der Entscheidung im Fall Nr. 11 des Nürnberger Militärtribunals gegen von Weizsäcker und andere, mit abweichender Urteilsbegründung, Berichtigungsbeschlüssen, den grundlegenden Gesetzesbestimmungen, einem Verzeichnis der Gerichtspersonen und Zeugen und Einführungen von Robert M. W. Kempner und Carl Haensel. Hrsg. unter Mitwirkung von C. H. Tuerck. (Amtlich anerkannte Übersetzung aus dem Englischen.) Bürger, Schwäbisch Gmünd 1950.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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