Kepler-70
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| Stern Kepler-70 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Vorlage:Sternkarte | |||||
| Vorlage:AladinLite | |||||
| Beobachtungsdaten Äquinoktium: J2000.0, Epoche: J2000.0 | |||||
| Sternbild | Schwan | ||||
| Rektaszension | Vorlage:RektaszensionEasy <ref name="SIMBAD">Kepler-70. In: SIMBAD. Centre de Données astronomiques de Strasbourg, abgerufen am 7. Mai 2022.</ref> | ||||
| Deklination | Vorlage:DeklinationEasy <ref name="SIMBAD">Kepler-70. In: SIMBAD. Centre de Données astronomiques de Strasbourg, abgerufen am 7. Mai 2022.</ref> | ||||
| Bekannte Exoplaneten | 2<ref name="NASA_Exo" /> | ||||
| Helligkeiten | |||||
| Scheinbare Helligkeit | 14,87 ± 0,02 mag<ref name="charpinet11">S. Charpinet et al.: A compact system of small planets around a former red-giant star. Nature, 480, 496 (2011). doi:10.1038/nature10631</ref> | ||||
| Spektrum und Indices | |||||
| B−V-Farbindex | −0,16<ref name="SIMBAD" /> | ||||
| U−B-Farbindex | −0,91<ref name="SIMBAD" /> | ||||
| R−I-Index | −0,29<ref name="SIMBAD" /> | ||||
| Spektralklasse | sdB<ref name="SIMBAD" /> | ||||
| Astrometrie | |||||
| Parallaxe | (0,91 ± 0,02) mas<ref name="SIMBAD" /> | ||||
| Entfernung | (3580 ± 80) Lj (1100) pc | ||||
| Eigenbewegung | |||||
| Rek.-Anteil: | 7,22 ± 0,03 mas/a | ||||
| Dekl.-Anteil: | −3,15 ± 0,03 mas/a | ||||
| Physikalische Eigenschaften | |||||
| Masse | 0,496 ± 0,002 M☉<ref name="charpinet11" /> | ||||
| Radius | 0,203 ± 0,007 R☉<ref name="charpinet11" /> | ||||
| Leuchtkraft |
22,9 ± 3,1 L☉<ref name="charpinet11" /> | ||||
| Effektive Temperatur | 27730 ± 270 K<ref name="charpinet11" /> | ||||
| Andere Bezeichnungen und Katalogeinträge | |||||
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Kepler-70 (auch KIC 05807616, KPD 1943+4058, KOI-55) ist ein Stern im Sternbild Schwan mit einer scheinbaren visuellen Helligkeit von 14,9 mag in einer Entfernung von rund 3600 Lichtjahren. Es handelt sich um einen heißen B-Unterzwerg, der seine Phase als Roter Riese vor rund 18 Millionen Jahren beendet hat.<ref name="charpinet11" /> Der Stern wird möglicherweise von zwei oder mehr Exoplaneten umkreist.
Planetensystem
Im Jahr 2011 wurde die Entdeckung von zwei Planeten in einer sehr engen Umlaufbahn um den Stern bekanntgegeben.<ref name="charpinet11" /> Die beiden Planeten Kepler-70 b und Kepler-70 c<ref group="Anm">Im Entdeckungsartikel von Charpinet et al. werden die beiden Planeten entgegen der Konvention als KOI-55.01 und KOI-55.02 bezeichnet.</ref> haben Massen von vermutlich weniger als einer Erdmasse und umkreisen ihn in nur 5,76 bzw. 8,23 Stunden in einem (projizierten) Abstand von 0,0060 bzw. 0,0076 AE. Die Planeten wurden in Daten des Kepler-Weltraumteleskops indirekt durch Schwankungen der Pulsationsperiode des Sterns nachgewiesen, wobei die Helligkeitsänderungen von weniger als 0,01 % durch von den Planeten reflektiertes Sternlicht verursacht werden.
Die beiden Planeten wären insofern bemerkenswert, als dass sie die Rote-Riesen-Phase des Sterns eigentlich nicht überlebt haben dürften. Den gängigen Modellen zufolge werden Planeten, die ihren Stern in weniger als etwa 1 AE umkreisen, von ihm verschluckt, wenn er sich zu einem Roten Riesen aufbläht.<ref>K.-P. Schröder, R.C. Smith: Distant future of the Sun and Earth revisited. Mon. Not. R. Astron. Soc., 386, 155 (2008). doi:10.1111/j.1365-2966.2008.13022.x, arxiv:0801.4031</ref>
Den Entdeckern zufolge waren Kepler-70 b und Kepler-70 c Gasriesen wie Jupiter, die ihren Stern ursprünglich auf weiter außen liegenden Bahnen umkreist haben. Als sich der Stern zum Roten Riesen aufblähte, wurden sie von seiner Hülle verschluckt. Dadurch wurden sie abgebremst und immer weiter nach innen gezogen, bis sie schließlich ihre Gashüllen verloren. Zurückgeblieben sind die beobachteten kleinen Kerne aus Gestein. Dieses Szenario wird durch Modellrechnungen bestätigt, denen zufolge die Vorgänger der jetzt beobachteten Planeten Massen von etwa einer Jupitermasse gehabt haben müssen.<ref>J.-C. Passy, M.-M. Mac Low, O. De Marco: On the Survival of Brown Dwarfs and Planets Engulfed by Their Giant Host Star. Astrophys. J., 759, L30 (2012). doi:10.1088/2041-8205/759/2/L30, arxiv:1210.0879</ref>
Möglicherweise wurde durch den Vorgang auch die Entwicklung des Sterns beeinflusst. Heiße Unterzwerge sind Sterne, die im Kern Helium verbrennen und nur eine sehr dünne Schale aus Wasserstoff besitzen. Normalerweise wird Helium von Roten Riesen fusioniert, die von einer massereichen Wasserstoffhülle umgeben sind. Heiße Unterzwerge wären dann die Kerne von Roten Riesen, die ihre Hülle verloren haben. Das kommt in engen wechselwirkenden Doppelsternsystemen vor, in denen der Begleiter Bahndrehimpuls auf die Hülle des Roten Riesen überträgt, die dadurch beschleunigt wird und abgelöst werden kann. Allerdings sind viele heiße Unterzwerge, so auch Kepler-70, Einzelsterne. In diesem Fall könnten anstelle eines stellaren Begleiters die Planeten die Ablösung der Hülle verursacht haben.
Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die beiden Planeten gar keine Überbleibsel des ursprünglichen Systems sind, sondern sich erst danach neu aus dem vom Stern abgestoßenen Material gebildet haben. Allerdings ist fraglich, ob die Zeit von 18 Millionen Jahren dafür ausgereicht hätte. Nach einem weiteren Szenario sind die beiden Planeten Bruchstücke eines einzigen, größeren Gasplaneten, der von der Hülle des Roten Riesen verschluckt und schließlich durch die Gezeitenkräfte des Sterns zerrissen wurde.<ref>E. Bear, N. Soker: A Tidally Destructed Massive Planet as the Progenitor of the Two Light Planets around the sdB Star KIC 05807616. Astrophys. J., 749, L14 (2012). doi:10.1088/2041-8205/749/1/L14, arxiv:1202.1168</ref>
Arbeiten der Jahre 2015 und 2019 bezweifeln die Existenz der beiden Planeten und sehen Sternpulsationen als alternative Quelle für die beobachteten Signale an.<ref name="Krzesinski2015">J. Krzesinski: Planetary candidates around the pulsating sdB star KIC 5807616 considered doubtful. In: Astronomy & Astrophysics. Band 581, 2015, A7, doi:10.1051/0004-6361/201526346.</ref><ref name="Blokesz2019">A. Blokesz, J. Krzesinski, L. Kedziora-Chudczer: Analysis of putative exoplanetary signatures found in light curves of two sdBV stars observed by Kepler. In: Astronomy & Astrophysics. Band 627, 2019, A86, doi:10.1051/0004-6361/201835003.</ref> Die würde insofern passen, da beide Signale für extreme enge Umlaufbahnen um den Stern sprechen würden und die beiden Planeten sich auch extrem nahe wären.
| Planet (Reihenfolge vom Stern aus) |
Entdeckt | Masse (Erdmassen) |
Radius (Erdradien) |
Große Halbachse der Bahn (AU) |
Umlaufzeit (Tage) |
Bahnneigung (Grad) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| b | 2011 | 0,440 | 0,759 | 0,0060 | 0,2401 | 65 |
| c | 2011 | 0,655 | 0,867 | 0,0076 | 0,3429 | 65 |
Anmerkung
<references group="Anm" />
Weblinks
- Pressemitteilung zur Entdeckung der Planeten (englisch)
Einzelnachweise
<references />