Zum Inhalt springen

Kleinpritzer See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox See Der Kleinpritzer See, früher auch Nepersmühlensche See genannt,<ref>Schmettausche Karte von 1788.</ref> liegt in der Sternberger Seenlandschaft ca. 10 km südöstlich von Sternberg im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Lage und Beschreibung

Der Kleinpritzer See mit dem gleichnamigen Ort an seinem Ufer, liegt in einer naturbelassenen Landschaft im Naturschutzgebiet Durchbruchstal der Warnow und Mildenitz. Die durchschnittliche Tiefe beträgt 7,7 Meter. Er verfügt über eine sehr gute Wasserqualität, die Ufer sind fast durchgängig bewaldet, nur im Süden grenzen landwirtschaftliche Nutzflächen an den See. Am Ufer befinden sich die Orte Schlowe im Nordosten, Klein Pritz im Südosten und Kukuk im Südwesten. Der See hat eine markante Bucht im Südwesten bei Kukuk mit einigen kleineren Inseln. In Schlowe gibt es seit 1963 bis heute ein großes Ferienlager. Zunächst unter dem Namen "Hans Franke" war es eines von mehreren Betriebsferienheimen des VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig. Nach der Wende wurde es vom Berliner Jugendverband Kinderring e.V. weitergeführt. Seit dem 1. April 2019 ist der Verein "Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit in Berlin und Schlowe (JKBBS) e.V." angetreten, den Platz weiterzuentwickeln.<ref>[1]</ref> Auch Campingplätze und mehrere Badestelle sind vorhanden.<ref>Kleinpritzer See auf www.dabel.m-vp.de, abgerufen am 19. Juni 2018.</ref>

Der Schlower Bach im Nordosten ist ein über ein Wehr regulierter Abfluss. Der Bach ist reich an Flussmuscheln.

Im Westen befand sich auf einer Halbinsel eine ehemalige slawische Burganlage.

Fauna

Der See ist aufgrund seiner guten Wasserqualität als Angelgewässer ausgewiesen und beliebt.<ref>Homepage des Landesanglerverbandes M-V; abgerufen am 19. Juni 2018.</ref> Beispielsweise gibt es Hechte und Welse. Ein Berufsfischer aus Dabel bewirtschaftet den See und vergibt die Angelscheine. Im Mai 2013 gelang einem Angler der Fang eines 1,74 m langen und 41 kg schweren Wels, der als größter Fisch in Mecklenburg-Vorpommern seit 2008 gilt.<ref>Riesenwels. Der Fang seines Lebens auf www.svz.de; abgerufen am 19. Juni 2018.</ref> Folgende weitere Fischarten sind im See beobachtet worden (Stand 2006): Aale, Maränen, Barsche, Brachsen, Karpfen, Plötzen und Rotfedern.<ref>Kleinpritzer See. Fischhitparade, abgerufen am 19. Juni 2018.</ref>

Nepersmühlen

Das untergegangene Dorf Nepersmühlen wurde zwischen 1280 und 1287 als Newopperesmolen genannt. Später auch Neupersmolen, Nepersmolen und 1339 Nepermolen, das geht auf das altslawische Newoper zurück und könnte die "Mühle des Newoper" bedeuten.<ref>Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. MJB 46 (1881), S. 3–168.</ref> Der Kleinpritzer See wird auf den Karten von Schmettau 1788 und von Wiebeking 1786 als Nepersmühlenscher See bezeichnet, dort aber ohne Ansiedlung des Dorfes dargestellt.

1280 wurde das Dorf Nepersmühlen mit Mühle und Krug durch einen wendische Edlen Newoper dem Kloster Sonnenkamp bei Neukloster mit seinem Propst Johannes geschenkt. Am 25. November 1280 bestimmte der Propst Johannes über die Verwendung der Einkünfte aus dem Gute Nepersmühlen mit Mühle, Waldungen und Fischerei.<ref>MUB II. (1864) Nr. 1552.</ref> Fürstin Anastasia von Mecklenburg überwies dem Kloster Sonnenkamp am 24. Juni 1283 das Dorf Nepersmühlen mit der Mühle und de Fischerei auf dem angrenzenden See.<ref>MUB III. (1865) Nr. 1686.</ref><ref>Fred Ruchhöft: Die Wüstungsphase des Spätmittelalters. 2001, S. 286–287.</ref> Am 18. Juli 1306 verlieh Heinrich, Fürst von Mecklenburg den Kloster Jungfrauen vom Sonnenkamp den See zu Neuperssmolen ganz und gar mit allen Rechten und der Fischerei. Dazu das Patronatsrecht der Kirche im Dorf und der Filiale zu Dabel.<ref>MUB V. (1869) Nr. 3102.</ref> Fürst Heinrich von Mecklenburg vergleicht wegen der Fischerei auf dem Nepersmühlenschen See am 27. Dezember 1306 in Sternberg das Kloster Sonnenkamp mit Gerhard von Cramon auf Klein Pritz.<ref>MUB V. (1869) Nr. 1369.</ref> Am 5. Oktober 1583 verständigten sich Herzog Ulrich von Mecklenburg und das Kloster Dobbertin zu einem Güteraustausch.<ref>LHAS 2. 12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 103.</ref> Der Herzog überließ dem Kloster die Feldmarken von Schlowe mit dem See, Neperdmühlen, den halben Holzendorfer See und die Patronatsrechte an der Kirche zu Dabel. Dafür überließen die Klosterprovisoren dem Herzog das Dorf Martersen (Matritz) im Amt Schwaan.<ref>LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 232.</ref><ref>LHAS 1.1-3 Kaufverträge. Nr. 246.</ref> Die aber erst 1585<ref>Fred Ruchhöft: Die Wüstungsphase des Spätmittelalters. 2001, S. 286–287.</ref> übertragene alte Dorfstätte lag nahe dem Nepermühlenschen See, heute Kleinpritzer See genannt. Dazwischen liegen das Rüster-, Hohen Pritzer und Klein Pritzer Feld. In diesen drei Feldmarken wird Nepersmühlen untergegangen sein, jedoch ist nicht klar, wie und wann. Es wird vermutet, dass Nepersmühlen am Ausfluss des Nepermühlschen Sees nach Borkow gelegen hat.<ref>Schildt: Die untergegangenen Dörfer Mecklenburg–Schwerin. MJB 56 (1891), s. 241.</ref> In den Klosterakten von 1662 bis 1686 finden sich Informationen zur Fischerei auf dem Nepersmühler See.<ref>LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 631 Bewirtschaftung der Seen.</ref> Um 1772 kam es zu Beeinträchtigungen bei der Fischerei auf dem Nepersmühler See und dem Woseriner See.<ref>LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 630 Bewirtschaftung der Seen.</ref>

Die Dobbertiner Klostervorsteher hatten auf dem Landtag zu Sternberg am 15. November 1803 freie Hand zum Verkauf des klösterlichen Anteils am Nepermühlenschen See erhalten, da der Fischerei Pachtkontrakt mit dem jetzigen Fischer "auf ein Minus zuwüchse".<ref>LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 15. November 1803, Nr. 15.</ref> Das Kloster Dobbertin besäße um den Nepermühlschen See nicht einmal soviel Land, dass der Fischer seine Netze ausbreiten und trocknen könnte. Die rühmliche Gefälligkeit des jetzigen Herrn Gutsbesitzers von Klein Pritz, Kammerherr und Obristleutnant von Plessen, wurde dem klösterlichen Fischer verweigert.<ref>LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 15. November 1803, Nr. 3.</ref> 1805 erfolgte die Abtretung an Klein Pritz.

Literatur

  • G. C. Masch: Das Glockenmoor und die Lage des Dorfes Nepermühlen. In. MJB 15 (1850) S. 351–353.
  • Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg. In: MJB 46 (1881), S. 3–168.
  • Schildt: Die untergegangenen Dörfer Mecklenburg-Schwerins. MJB 56 (1891) S. 214.
  • Jürgen Mathes: Klein Pritzer See. In: Grundlagen für ein Sanierungs – und Restaurierungskonzept der Seen in Mecklenburg-Vorpommern. Güstrow 1999.
  • Burghardt Keuthe: Parchimer Sagen. Teil 2, Brüel – Crivitz – Sternberg, Parchim 1987, ISBN 3-932370-27-9, S. 54, 145–146.
  • Fred Ruchhöft: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im Mittelalter. (= Rostocker Studien zur Regionalgeschichte. Band 5.) Rostock 2001, ISBN 3-935319-17-7.

Quellen

Gedruckte Quellen

Ungedruckte Quellen

Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS)

  • LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 103.
  • LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin.
  • LHAS 5.11-2 Landtagsverhandlungen, Landtagsversammlungen, Landtagsprotokolle und Landtagsbeschluß.

Karten

  • Topographisch oeconomisch und militaerische Karte des Herzogthums Mecklenburg-Schwerin, Klosteramt Dobbertin mit der Sandpropstei vom Grafen Schmettau 1758.
  • Wiebekingsche Karte von Mecklenburg 1786.

Siehe auch

Weblinks

Vorlage:Commonscat

Einzelnachweise

<references />