Kleostratos von Tenedos
Kleostratos von Tenedos (altgriechisch Κλεόστρατος ὁ Τενέδιος Kleóstratos ho Tenédios) war ein antiker griechischer Astronom,<ref>Pseudo-Skylax, 95 (Graham Shipley: The Periplous of Pseudo-Skylax: An Interim Translation, 2002 (Digitalisat))</ref> Dichter und Vorsokratiker.
Leben
Die Lebensdaten des Kleostratos sind unbekannt, doch wird angenommen, er könnte ein Schüler des Thales gewesen sein, da dieser auf Tenedos, der Heimat des Kleostratos, starb. Somit wäre er ins 6. Jahrhundert v. Chr. zu datieren. Aber nicht nur die Lebensdaten sind unsicher, auch seine astronomischen Leistungen sind umstritten und nur vage überliefert.
Werk
Kleostratos schrieb ein astronomisches Gedicht, die Astronomia<ref>Athenaios: Deipnosophistai, 7, 7 (auch: 7, 278 A) (Charles Duke Yonge: The Deipnosophists; or, Banquet of the learned, of Athenaeus. London 1854, S. 437 (Digitalisat))</ref> oder Phainomena,<ref>Achilleus Tatios Vita Arati, 5, 2, 5 (Ernst Maass: Commentariorvm in Aratvm reliqviae, Berlin 1848, S. 324 (Digitalisat))</ref> von dem jedoch nur zwei Verse überliefert sind:<ref>Hier ergänzt nach Franz Boll.</ref>
- „Wenn Bootes nach seinem Spätuntergang 83 Tage am Nachthimmel verbringt, dann geht der Anfang des Skorpions in der Morgendämmerung unter, zusammen mit den ersten Sternen des Bootes.“<ref>Eduard Schwartz: Scholia in Euripidem, Band 1, S. 340 (Digitalisat)</ref>
Andere antike Autoren berichten, dass er als erster die Tierkreiszeichen auf der Ekliptik erkannt habe, und zwar zuerst den Widder und den Schützen.<ref>Plinius der Ältere: Naturalis historia, 2, 8</ref> Er erkannte auch als erster die beiden Haedi (lat. Haedi = Zickenböcklein) genannten Sterne im Sternbild Fuhrmann. Im antiken Griechenland hießen sie Ai Eriphoi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) = die Zicklein), der Hauptstern Amaltheia und das Sternbild Heniochus ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) = Wagenlenker). Dies sollte an die mythische Überlieferung erinnern, nach der die Zeige Amaltheia, die gerade erst zwei Zicklein geboren hatte, den Gott Zeus säugte.<ref>Hyginus Mythographus: De astronomia, 2, 13 (Digitalisat)</ref>
Censorinus berichtet zudem, Kleostratos und nicht Eudoxos von Knidos habe die Oktaedris, den achtjährigen Kalenderzyklus, eingeführt.<ref>Censorinus: De die natali, 18, 5 (Digitalisat)</ref> Auch soll er Himmelsbeobachtungen vom Berge Ida gemacht haben.<ref>Theophrastos von Eresos: Über Wetterzeichen (James G. Wood, George James Symons: Theophrastus of Eresus on winds and on weather signs, London 1894, S. 54 (Digitalisat))</ref>
Rezeption
Der Mondkrater Cleostratus ist nach dem antiken Astronomen benannt.
Literatur
- Wilhelm Kroll: Kleostratos 7. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband IV, Stuttgart 1924, Sp. 913 f. ([1]).
- Richard Goulet: Cléostrate de Ténédos. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 2, CNRS Éditions, Paris 1994, ISBN 2-271-05195-9, S. 442
- Bartel Leendert van der Waerden: Die Astronomie der Griechen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03070-2
- Hermann Diels, Walther Kranz: Die Fragmente der Vorsokratiker, Band 2, S. 505–506 (Digitalisat)
Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kleostratos von Tenedos |
| KURZBESCHREIBUNG | antiker griechischer Astronom |
| GEBURTSDATUM | zwischen 6. Jahrhundert v. Chr. und 3. Jahrhundert v. Chr. |
| STERBEDATUM | zwischen 6. Jahrhundert v. Chr. und 3. Jahrhundert v. Chr. |