Krebsstammzelle
Krebsstammzellen oder Tumorstammzellen sind das zentrale Element einer 1997 erstmals aufgestellten Theorie zur Krebsentstehung. Sie kommen in Tumoren vor, haben typische Stammzelleigenschaften wie Selbsterneuerung und Differenzierungspotenzial und sind möglicherweise für das Tumorwachstum verantwortlich. Außerdem wird vermutet, dass sie gegen manche Therapien resistent sind und so zu Rückfällen und Metastasen führen.
Vor allem in verschiedenen Blutkrebsarten (Leukämien) wurde entdeckt, dass wenige Krebszellen – die sogenannten Krebsstammzellen – für das Wachstum verantwortlich sind. Andere Krebszellen machen zwar den Großteil der Masse maligner Zellen aus, tragen jedoch nicht im selben Maße zur Bösartigkeit der Erkrankung bei. Besonders interessant ist, dass einige Krebsstammzellen gebräuchlichen Chemotherapien widerstehen. Diese Resistenz könnte erklären, warum nach einer solchen Therapie Tumoren zuerst verschwinden, jedoch später oft erneut auftreten. Eine Therapie, die speziell auf Krebsstammzellen zielt, könnte die Heilungschancen verbessern.
Ursprung und Bedeutung
Das relativ neue und umstrittene Konzept der Tumorstammzellen geht auf die kanadischen Forscher Dominique Bonnet und John Dick zurück. Ihnen zufolge stellen Tumorstammzellen möglicherweise den Ursprung der Krebserkrankung dar und sorgen auch für die Resistenz maligner Tumoren und die häufigen Rezidive.<ref name="PMID9212098">D. Bonnet, J. E. Dick: Human acute myeloid leukemia is organized as a hierarchy that originates from a primitive hematopoietic cell. In: Nature medicine. Band 3, Nummer 7, Juli 1997, S. 730–737, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden.. PMID 9212098.</ref> Die Hypothese konnte bisher nicht verifiziert werden, weil es bislang nicht gelungen ist, die Stammzellen zu isolieren.
Das Konzept ist mit Hinblick auf eine mögliche Therapie von Krebserkrankungen von Interesse. Beispielsweise wurde in einer Studie<ref name="PMID19682730">P. B. Gupta, T. T. Onder u. a.: Identification of selective inhibitors of cancer stem cells by high-throughput screening. In: Cell. Band 138, Nummer 4, August 2009, S. 645–659, Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden.. doi:10.1016/j.cell.2009.06.034. PMID 19682730.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 23. November 2010 im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. In: Deutsches Ärzteblatt, 14. August 2009</ref> die tumorstammzellsuppressive Wirkung verschiedener Substanzen untersucht. Dazu wurden in-vitro zunächst aus Brustkrebszellen experimentell Zellen mit Stammzelleigenschaften erzeugt. Dabei seien diese Krebszellen genetisch so verändert worden, dass sie sich von normalen Epithelzellen in mesenchymale Zellen wandelten (siehe auch Epitheliale mesenchymale Transition). Mesenchymale Zellen besitzen die Fähigkeit zur Migration, was ein Charakteristikum von Krebszellen darstellt. In einem zweiten Schritt wurden 16.000 unterschiedliche Substanzen getestet, von denen 32 in der Lage gewesen seien, die experimentell erzeugten „Tumorstammzellen“ abzutöten, darunter die antibiotisch wirksame Substanz Salinomycin. Da Krebsstammzellen erhöhtes enolysosomale Eisenione (Fe2+ und Fe3+) enthalten, und Salinomycin dieses Eisen bindet und sequestriert, töet es preferenziel diese Art von Zellen<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>. Diese Forschungsergebnisse haben dazu geführt, dass neuartige Moleküle entwickelt werden könen, die speziell lysosomales Eisen aktivieren können, und somit Krebsstammzellen in menschlichen Biopsien angreifen<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>, die dann durch einen Zellmechanismus sterben, der Ferroptose<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> genannt wird. Auch die Möglichkeit einer klinischen Anwendung beim Menschen sei noch völlig unklar.
2012 lieferten einige Forschungsarbeiten unabhängig voneinander weitere Hinweise auf Krebsstammzellen bei Tumoren von Gehirn, Haut und Darm.<ref>Neue Hinweise auf Krebsstammzellen. In: Deutsches Ärzteblatt, abgerufen am 3. August 2012</ref><ref>Krebsstammzellen könnten Tumorwachstum befeuern. Spiegel Online, abgerufen am 3. August 2012.</ref><ref>Gerlinde Felix: Wölfe im Schafspelz. In: Stuttgarter Zeitung, 2. August 2012, abgerufen am 3. August 2012.</ref>
Literatur
- M. H. Yoo, D. L. Hatfield: The cancer stem cell theory: is it correct? In: Mol Cells. 26, 2008, S. 514–516. PMID 18711315
- J. M. Adams, A. Strasser: Is tumor growth sustained by rare cancer stem cells or dominant clones? In: Cancer Res. 68, 2008, S. 4018–4021. PMID 18519656 (Review)
- S. E. Kern, D. Shibata: The fuzzy math of solid tumor stem cells: a perspective. In: Cancer Res. 67, 2007, S. 8985–8988. PMID 17908998 (Review)
- L. J. Elrick u. a.: Punish the parent not the progeny. In: Blood. 105, 2005, S. 1862–1866. PMID 15528314 (Review)
- L. Lopper, M. Hajdú: Tumor stem cells. (PDF; 303 kB) In: Pathol Oncol Res. 10, 2004, S. 69–73. PMID 15188021 (Review)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skriptfehler: Ein solches Modul „WLink“ ist nicht vorhanden. ( vom 13. März 2016 im Internet Archive)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplUtl“ ist nicht vorhanden. In: Berliner Zeitung, 16. November 2005
- K. Hollricher: Wie entstehen Tumoren? In: Laborjournal, 10. Mai 2006
- Artikel über Krebsstammzellen. In: Neue Zürcher Zeitung, 2005
Einzelnachweise
<references />