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Lavendel (Gattung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Lavendel
Datei:Illustration Lavandula angustifolia0.jpg

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Illustration

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Gattung: Lavendel
Wissenschaftlicher Name
Lavandula
L.

Lavendel (Lavandula) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die 28 bis 37 Arten sind von Makaronesien über den Mittelmeerraum bis Westasien und auf dem Indischen Subkontinent verbreitet.<ref name="WCSP" /> Wirtschaftlich bedeutend sind der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der Speik-Lavendel (Lavandula latifolia) und der Lavandin (Lavandula hybrida).

Beschreibung

Datei:Lavandula Latifolia.jpg
Illustration des Breitblättrigen Lavendels (Lavandula latifolia)
Datei:Flower of Lavandula angustifolia.jpg
Sektion Lavandula: Zygomorphe Blüte des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) mit zweilippiger Krone

Vegetative Merkmale

Die Lavendel-Arten sind Halbsträucher, kleine Sträucher oder selten ausdauernde krautige Pflanzen.<ref name="FoC" /> Junge Zweige sind oft vierkantig. Alle Pflanzenteile enthalten ätherische Öle.

Die aromatisch duftenden, gegenständig bis wirtelig angeordneten, ungestielten Laubblätter sind ganzrandig, selten gezähnt oder fiederschnittig, und häufig dicht behaart.

Generative Merkmale

In endständigen, lang gestielten Scheinähren stehen Halbquirle. In den Achseln von oft häutigen oder bunten Tragblättern, die sich deutlich von den Laubblättern unterscheiden und die Blütenkelche kaum überragen, stehen in den Halbquirlen meist drei bis fünf (ein bis zehn) Blüten zusammen. Wenn Deckblätter vorhanden sind, dann sind sie relativ klein. Die Blüten sind kurz gestielt oder fast sitzend.<ref name="FoC" />

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind verwachsen mit meist 13 (8 bis 15) Nerven; die Kelchröhre ist walzlich, seine Oberlippe ist meist einzähnig und die Unterlippe vierzähnig. Die Kelchzähne sind klein, der obere trägt an der Spitze ein herzförmiges oder verkehrt-eiförmiges Anhängsel. Die fünf Kronblätter sind zu einer zweilippigen Krone verwachsen, die meist eine intensiv blaue bis violette Farbe aufweist. Die Oberlippe hat zwei, die Unterlippe drei rundliche, flache oder leicht zurückgebogene Kronzipfel. Es gibt zwei längere und zwei kürzere Staubblätter, die alle fruchtbar und vorne gebogen sind. Staubblätter und Griffel sind kürzer als die Kronröhre und daher nicht sichtbar. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der durch eine falsche Scheidewand in vier Teile geteilt wird. Der einfache Griffel hat zwei flache, eiförmige Narbenlappen.<ref name="FoC" />

Die Klausenfrüchte zerfallen in vier dünnschalige, glänzende Klausen, die eine kleine, grund- bis rückenständige Ansatzfläche (Areole) aufweisen.<ref name="FoC" />

Ökologie

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder Vögel (Ornithophilie).

Systematik und Verbreitung

Datei:Starr 071024-0197 Lavandula dentata.jpg
Sektion Dentatae: Französischer Lavendel (Lavandula dentata)
Datei:Lavandula stoechas.003 - Monfrague.JPG
Sektion Stoechas: Schopf-Lavendel (Lavandula stoechas)
Datei:L.viridis.JPG
Sektion Stoechas: Lavandula viridis
Datei:Lavandula canariensis 2.jpg
Sektion Pterostoechas: Lavandula canariensis
Datei:Starr 060325-6724 Lavandula multifida.jpg
Sektion Pterostoechas: Farnblättriger Lavendel (Lavandula multifida)
Datei:Chã das Caldeiras-Lavandula rotundifolia (4).jpg
Sektion Pterostoechas: Lavandula rotundifolia

Die Gattung Lavandula (von lateinisch lavandula, mittellateinisch auch lavendula, für Echter Lavendel<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 413 (zu lafendel, laffendel, lauendula und lavendel).</ref>) wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt.<ref name="SpPl" /> Synonyme für Lavandula <templatestyles src="Person/styles.css" />L. sind: Chaetostachys <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth., Fabricia <templatestyles src="Person/styles.css" />Adans., Isinia <templatestyles src="Person/styles.css" />Rech. f., Sabaudia <templatestyles src="Person/styles.css" />Buscal. & Muschl., Stoechas <templatestyles src="Person/styles.css" />Mill., Styphonia <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik.<ref name="WCSP" />

Die Gattung Lavandula gehört zur Untertribus Lavandulinae der Tribus Ocimeae in der Unterfamilie Nepetoideae innerhalb der Familie Lamiaceae.

Die Gattung Lavandula kommt wild auf den atlantischen Inseln, im Mittelmeerraum, Afrika, Südwestasien bis Indien vor.<ref name="FoC" /> Sieben Arten kommen in Europa vor. Vereinzelte eingebürgerte Bestände des Echten Lavendels existieren auch nördlich der Alpen.

Die Gattung Lavandula wird in drei Untergattungen und acht Sektionen gegliedert und enthält 28 bis 37 Arten:<ref name="Upson2004" />

  • Untergattung Lavandula:
    • Sektion Lavandula:
      • Echter Lavendel (Lavandula angustifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Mill.): Die zwei Unterarten kommen vom nordöstlichen Spanien über Frankreich bis Italien vor. Er ist in vielen Gebieten ein Neophyt.<ref name="WCSP" /> Ein Synonym war Lavandula officinalis <templatestyles src="Person/styles.css" />Chaix et Vill., ein anderes Lavandula spica <templatestyles src="Person/styles.css" />L..
      • Wolliger Lavendel (Lavandula lanata <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss., Synonyme: Lavandula spica var. tomentosa <templatestyles src="Person/styles.css" />Lundmark, Lavandula spica var. lanigera <templatestyles src="Person/styles.css" />Webb, Lavandula tomentosa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lundmark) Pau): Er kommt nur im südlichen Spanien vor.<ref name="WCSP" />
      • Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Medik.): Er ist von Spanien bis Italien verbreitet.<ref name="WCSP" />
    • Sektion Dentatae <templatestyles src="Person/styles.css" />Suarez-Cerv. & Seoane-Camba:
      • Französischer Lavendel (Lavandula dentata <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Er ist im westlichen Mittelmeerraum, im nordöstlichen Afrika und in Vorderasien verbreitet.<ref name="WCSP" /> Man kann zwei Varietäten unterscheiden.<ref name="WCSP" />
    • Sektion Stoechas <templatestyles src="Person/styles.css" />Ging.:
  • Untergattung Fabricia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Adams.) Upson & S.Andrews:
    • Sektion Pterostoechas <templatestyles src="Person/styles.css" />Ging.:
      • Lavandula antineae <templatestyles src="Person/styles.css" />Maire: Die Heimat sind die Gebirge der Sahara in Algerien, Niger, Sudan und Tschad.<ref name="WCSP" /> Es gibt drei Unterarten.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula bramwellii <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & S.Andrews: Sie ist ein Endemit der Insel Gran Canaria.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula buchii <templatestyles src="Person/styles.css" />Webb & Berthel.: Sie ist ein Endemit der Insel Teneriffa.<ref name="WCSP" /> Es können drei Varietäten unterschieden werden.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula canariensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Mill.: Die sieben Unterarten kommen auf den Kanaren vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula citriodora <templatestyles src="Person/styles.css" />A.G.Mill.: Sie kommt nur auf der südwestlichen Arabischen Halbinsel vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula coronopifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Poir.: Das Verbreitungsgebiet reicht von den Kapverdischen Inseln bis zum südlichen Iran.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula mairei <templatestyles src="Person/styles.css" />Humbert: Die Heimat ist Marokko.<ref name="WCSP" /> Man kann zwei Varietäten unterscheiden.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula maroccana <templatestyles src="Person/styles.css" />Murb.: Die Heimat ist Marokko.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula minutolii <templatestyles src="Person/styles.css" />Bolle: Es gibt zwei Varietäten:<ref name="WCSP" />
        • Lavandula minutolii <templatestyles src="Person/styles.css" />Bolle var. minutolii: Dieser Endemit kommt nur im zentralen bis südlichen Gran Canaria vor.<ref name="WCSP" />
        • Lavandula minutolii var. tenuipinna <templatestyles src="Person/styles.css" />Svent.: Dieser Endemit kommt nur im westlichen Teneriffa vor.<ref name="WCSP" />
      • Farnblättriger Lavendel (Lavandula multifida <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Das Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Portugal über Spanien und Sizilien bis Süditalien und von Nordafrika bis zum nordöstlichen Sudan.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula pinnata <templatestyles src="Person/styles.css" />Lundmark: Sie kommt nur auf Madeira und Lanzarote vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula pubescens <templatestyles src="Person/styles.css" />Decne.: Das Verbreitungsgebiet reicht vom südöstlichen Mittelmeerraum bis zur westlichen Arabischen Halbinsel.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula rejdalii <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & Jury: Sie kommt nur im südlichen Marokko vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula rotundifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth.: Die Heimat sind die Kapverden.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula saharica <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & Jury: Die Heimat ist das südliche Algerien, das südliche Libyen und das südwestliche Ägypten.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula tenuisecta <templatestyles src="Person/styles.css" />Coss. ex Ball: Die Heimat ist Marokko.<ref name="WCSP" />
    • Sektion Subnudae <templatestyles src="Person/styles.css" />Chaytor:
      • Lavandula aristibracteata <templatestyles src="Person/styles.css" />A.G.Mill.: Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula dhofarensis <templatestyles src="Person/styles.css" />A.G.Mill.: Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor.<ref name="WCSP" /> Man kann zwei Unterarten unterscheiden.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula galgalloensis <templatestyles src="Person/styles.css" />A.G.Mill.: Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula macra <templatestyles src="Person/styles.css" />Baker: Die Heimat ist das nördliche Somalia und die südliche Arabische Halbinsel.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula nimmoi <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth. in A.P.de Candolle: Es ist ein Endemit der Insel Sokotra.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula qishnensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & S.Andrews: Dieser Endemit kommt nur im südöstlichen Jemen vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula samhanensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & S.Andrews: Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula setifera <templatestyles src="Person/styles.css" />T.Anderson: Die Heimat ist das nordöstliche Somalia und der südliche Jemen.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula somaliensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Chaytor: Dieser Endemit kommt nur im nördlichen Somalia vor.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula subnuda <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth.: Die Heimat sind die Staaten der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf und das nordöstliche Oman.<ref name="WCSP" />
    • Sektion Chaetostachys <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth.:
      • Lavandula bipinnata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Roth) Kuntze: Die Heimat ist Indien.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula gibsonii <templatestyles src="Person/styles.css" />J.Graham: Sie kommt nur im westlichen und südwestlichen Indien vor.<ref name="WCSP" />
    • Sektion Hasikenses <templatestyles src="Person/styles.css" />Upson & S.Andrews:
      • Lavandula hasikensis <templatestyles src="Person/styles.css" />A.G.Mill.: Dieser Endemit kommt nur im südlichen Oman vor.<ref name="WCSP" />
  • Untergattung Sabaudia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Buscal. & Muschl.) Upson & S.Andrews:
    • Sektion Sabaudia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Buscal. & Muschl.) Upson & S.Andrews:
      • Lavandula atriplicifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Benth.: Die Heimat ist Ägypten und die westliche Arabische Halbinsel.<ref name="WCSP" />
      • Lavandula erythraeae <templatestyles src="Person/styles.css" />(Chiov.) Cufod.: Dieser Endemit kommt nur in Eritrea vor.<ref name="WCSP" />

Ölgewinnung

Aus den Blütenständen mit Stängel wird Lavendelöl hergestellt. Siehe HauptartikelEchter Lavendel

Literatur

  • Tim Upson, Susyn Andrews, Georita Harriott, Christabel King, Joanna Langhorne: The Genus Lavandula. Timber Press, Portland, Oregon 2004, ISBN 0-88192-642-6.

Einzelnachweise

<references> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="FoC"> Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lavandula. In: </ref> <ref name="Upson2004"> Tim Upson, Susyn Andrews, Georita Harriott, Christabel King, Joanna Langhorne: The Genus Lavandula. Timber Press, Portland, Oregon 2004, ISBN 0-88192-642-6. </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 572 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D572%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D). </ref> </references>

Weblinks

Wiktionary: Lavendel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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