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Linamarin

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Linamarin, ein Pflanzengift, ist ein cyanogenes Glycosid, welches aus den Blättern und der Wurzel von Pflanzen wie Maniok, der Limabohne oder dem Flachs isoliert wurde. Das Aglycon ist das Acetoncyanhydrin; der Zuckerbaustein ist Glucose. Ein chemisch mit Linamarin sehr verwandtes Glycosid ist Lotaustralin, welches ein geringfügig anderes Aglycon, Butanoncyanhydrin, besitzt.

Bei Kontakt mit Enzymen und der Darmflora im menschlichen Verdauungsapparat wird Linamarin zu der giftigen Blausäure zersetzt.

Der Konsum von Maniokprodukten mit geringem Gehalt an Linamarin ist in den Tieflandtropen weit verbreitet, und daher waren unzulänglich verarbeitete Maniokwurzeln mit hohem Linamarin-Gehalt die Ursache für dort vorkommende nahrungsmittelbedingte Vergiftungen. Besonders die oberen Bewegungsneuronen waren davon betroffen. Diese Erkrankung wurde als Konzo bekannt. Zunächst wurde die Erkrankung von Trolli und später durch eine Forschungsgruppe unter Hans Rosling beschrieben.<ref name="Banea">J. P. Banea-Mayambu, T. Tylleskar, N. Gitebo, N. Matadi, M. Gebre-Medhin, H. Rosling: Geographical and seasonal association between linamarin and cyanide exposure from cassava and the upper motor neurone disease konzo in former Zaire, Trop Med Int Health 1997, 2, 1143–1151; PMID 9438470.</ref>

Die nahrungsmittelbedingte Aufnahme von Linamarin wurde als ein Risikofaktor zur Entwicklung von Glukoseintoleranz und Diabetes angesehen. Jedoch konnte dies im Tierexperiment nicht zuverlässig bestätigt werden.<ref name="Soto">B. Soto-Blanco, P.C. Marioka, S.L. Gorniak: Effects of long-term low-dose cyanide administration to rats, Ecotoxicol Environ Saf 2002, 53, 37–41; PMID 12481854.</ref> Heute geht man davon aus, dass Linamarin bestehende Erkrankungen fördern kann, aber nicht die Ursache für eine Erkrankung ist.<ref name="Yessoufou">A. Yessoufou, J.M. Ategbo, A. Girard, J. Prost, K.L. Dramane, K. Moutairou, A. Hichami, N.A. Khan: Cassava-enriched diet is not diabetogenic rather it aggravates diabetes in rats. In: Fundam Clin Pharmacol 2002, 20, 579–586; PMID 17109651.</ref>

Die Bildung von Blausäure aus Linamarin ist ein enzymatischer Prozess und wird durch Linamarase, welches sich in den Zellwänden der Pflanze befindet, verursacht. Aufgrund der Flüchtigkeit von Blausäure wird bei der Verarbeitung zum Nahrungsmittel das Gift durch Bleichen im Sonnenlicht, Kochen oder durch Fermentation entfernt.<ref name="Padmaja">G. Padmaja: Cyanide detoxification in cassava for food and feed uses. Crit Rev Food Sci Nutr 1995, 35, 299–339; PMID 7576161.</ref> Auf diese Weise werden Produkte wie Garri, Fufu und Agbelima aus Maniok hergestellt.

In einer Studie aus dem Jahre 2003 wurde mit Hilfe gentechnischer Verfahren die Linamarin-Bildung in der Pflanze reduziert.<ref name="Siritunga1">D. Siritunga, R. Sayre: In Generation of cyanogen-free transgenic cassava, Planta 2003, 217, 367–373; PMID 14520563.</ref>

Einzelnachweise

<references />

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