Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338 Międzychód – WikipediaZum Inhalt springen
Die Stadt Międzychód liegt im westlichen Teil Großpolens, 85 km westlich von Posen, zwischen der Warthe und dem Küchensee im sogenannten Land der 100 Seen.<ref>Website Land der 100 Seen (POL)</ref> Aufgrund der umgebenden Landschaft ist die Stadt in der Region als Urlaubs- und Erholungszentrum bekannt. In der Umgebung erstreckt sich der Sierakowski Landschaftsschutzpark.<ref>Vorlage:Webarchiv</ref> Die Naturschutzgebiete Dolina Kamionki (Kamionka-Tal),<ref>Website des Naturschutzreservats Dolina Kamionki</ref> Kolno Międzychodzkie<ref>Vorlage:Webarchiv Gmina Międzychód.</ref> sowie der Netze-Urwald<ref>Naturschutzreservat Puszcza Notecka. polandpoland.com</ref> grenzen ebenfalls an die Stadt.
Das heutige Stadtgebiet Międzychóds setzt sich aus ehemals drei Orten zusammen, die bis 1907 eigenständig waren:
Międzychód (Birnbaum) zwischen Warthe im Norden, Jezioro miejskie (Küchen-See) im Süden, dem Graben im Westen, der vom See in die Warthe fließt und dem Graben im Osten, der heute trockengelegt ist
Wielowieś (Großdorf) links des Grabens und des Jezioro miejskie (Küchen-See)
Lipowiec (Lindenstadt), der Gutsbezirk innerhalb Großdorfs mit Schloss und Gutshof
Nach 1945 baute man die Stadt im Osten und Westen weiter aus und legte das Dorf Wielowieś (Großdorf) hinter den südlichen Stadtgrenzen völlig neu an.
Die erste schriftliche Erwähnung der Siedlung Mézichod stammt aus dem Jahr 1378.<ref>Urkunde cod. dipl. No. 1756: Vorlage:"</ref> Die Stadtrechte erhielt sie bis 1400. In dieser Zeit lag Międzychód direkt an der Grenze zur Deutschen Ostsiedlung und deshalb in einem sprachlichen Mischgebiet. Um 1400 ist als Stadtvogt ein Deutscher belegt – ein Umstand, der darauf schließen lässt, dass deutsche Ansiedler sich in dem Orte schon damals Ansehen und hohe Stellungen erworben hatten.<ref>Max Radtke: 300 Jahre unter Gottes Schutz im Lichte des Evangelii. Versuch einer Geschichte der Ev. Gemeinde Birnbaum. Birnbaum 1900, S. 1 (Max Radtke war Oberpfarrer und Superintendent in Birnbaum).</ref> So gab es für die Stadt zwar den polnischen Stadtnamen Międzychód, der sich von den polnischen Worten między (zwischen) und chód (Weg) ableitet, aber auch den deutschen Stadtnamen Birnbaum, der sich auf den großen Birnbaum bezieht, der zur Siedlungsgründung führte. Genau an jenem Platz, wo einst dieser Birnbaum stand, befindet sich heute ein Fischerbrunnen.
Seit frühester Zeit war Międzychód eine städtische Grundherrschaft mit einem Grundherren an der Spitze, der den Titel Starost von Międzychód trug und seine Herrschaft vom Gutsbezirk Lindenstadt aus inmitten des Vororts Großdorf verwaltete. Die ersten heute bekannten Starosten Międzychóds waren Józef Łukaszewicz und Andrzej Nianczkowski, letzterer überließ die Stadt 1505 auf Wiederkauf dem Tomasz Krzyżanowski.<ref>Kurze historische Beschreibung der Parochiakirchen in der Provinz Posen Tom. II S. 438/39 (polnisch).</ref> Beide waren Glogauer Herzöge.
Międzychód im Besitz der Familie Ostroróg 1550–1597
Stanisław Ostroróg, der Kastellan von Międzyrzecz, erwarb um 1550 Międzychód. Er war zusammen mit seinem Bruder Jakub Ostroróg (Erbherr Międzychóds) Anführer der lutherischen Reformation in Großpolen. Die Stadt wurde so erstaunlich früh überwiegend protestantisch, weil viele deutsche und polnische Stadtbewohner der Konversion seines Bruders folgten.<ref>Es wird erzählt, dass Jakub Ostroróg, als er einst über Tische hörte, dass seine Gemahlin abwesend sei, weil sie dem Gottesdienste der böhmischen Brüder in einem anderen Gemache seines Palastes beiwohne, aufgereizt von seinen dorthin eilte, um sie mit Gewalt in die lustige Gesellschaft zurückzuholen. Als er in die Versammlung der Brüder zornig eintritt, um die Andächtigen auseinanderzutreiben, veranlasst ihn der anwesende Pastor Georg Israel freundlich und ruhig einen Sitz einzunehmen und zuzuhören. Gezwungen durch den festen Blick des frommen Mannes setzt sich der Graf, hört die Predigt Czerwenkas und wird auf immer der Sache des Evangeliums gewonnen. Festschrift zum 300-jährigen Jubiläum der Ev. Gemeinde Birnbaum, S. 6, 1900 Birnbaum</ref>
Neben vielen polnischen Adligen kehrte nach der Gegenreformation jedoch Jan Ostroróg, der jüngere Erbherr, zum Katholizismus zurück und erhielt 1591 infolge seiner Bekehrung die Grundherrschaft Międzychód. Denn König Zygmunt III. Wasa betraute seit 1566 nur Katholiken mit Ämtern von politischer Bedeutung.<ref>Max Radtke: 300 Jahre unter Gottes Schutz im Lichte des Evangelii. Birnbaum 1900, S. 7.</ref> Jan Ostroróg bekämpfte mit allen Mitteln die Protestanten seiner Stadt, was dazu führte, dass die Polen alle wieder zum Katholizismus zurückkehrten, die meisten Deutschen die Stadt verließen und einige von ihnen ins katholische, polnische Lager übergingen. Im Jahr 1597 verkaufte der meist in Ruthenien lebende Jan Ostroróg die Stadt Międzychód (mit Muchocin und Gorzyn) an die deutsche Adelsfamilie von Unruh. Zu dem Zeitpunkt befanden sich kaum noch Deutsche in der Stadt.
Der ProtestantChristoph von Unruh († 1620) aus Schlesien kaufte 1597 den polnischen Adelsherren die Stadt ab, fand aber durch die Wappenverbesserung Zygmunt III. Wasa als Christopherus von Unrug auch Aufnahme in den polnischen Adel. 200 Jahre lang blieb die Stadt im Besitz seiner Familie und verdankt ihr seine Blüte.
Während des Dreißigjährigen Krieges sorgte die Adelsfamilie für eine
neue Masseneinwanderung deutscher Protestanten (vor allem schlesische Weber), die dank des Systems der Grundherrschaft in Międzychód Schutz ihrer Religion und Förderung ihrer wirtschaftlichen Interessen erlebten. Die Zahl der deutschen Einwanderer wuchs so rasant, dass die eher ländliche, polnische Bevölkerung wegen steigender Mietpreise ganz aus der Stadt hin in die Vorstädte Großdorf, Muchocin, Bielsko und Kolno verdrängt wurde.
In der Stadt entstand eine blühende Industrie, besonders bei den Webern, deren Tücher weit nach Kongresspolen und ins Ausland verkauft wurden, sogar nach Russland und China.
Der Erbherr Christoph von Unruh ließ auf dem Międzychóder Gutsbezirk Lindenstadt ein neues zeitgemäßes Schloss (1760) und eine evangelische Holzkirche für seine protestantischen, deutschen Stadtbewohner erbauen. Im Gedenken des Erbauers mauerten sie seinen Grabstein 1840 nach Zerstörung der Holzkirche in die Vorhalle der neuen aus Stein erbauten Evangelischen Kirche ein, der dort noch heute erhalten ist.
Schwere Stadtbrände 1692 und 1763 zerstörten die Stadt fast vollständig.
Im Jahre 1790 musste die Familie Międzychód verkaufen. Neuer Besitzer wurde Herr von Mielęcki, Ehegatte der Witwe des verstorbenen Starosten von Międzychód Bogusław von Unruh.
Mit der II. Teilung Polens 1793 kam die Stadt Międzychód unter königlich preußische Herrschaft und wurde als Birnbaum Kreisstadt des Kreis Birnbaum in Südpreußen. Die Polen im Kreis Birnbaum waren ab 1797 eine ethnische Minderheit im Königreich Preußen ohne eigenes Land. Sie hatten kaum Bürgerrechte.<ref name="Szczepanska-Hatzke-49">Krystyna Szczepańska-Hatzke: Międzychodzianie i ich miasto – Birnbaumer und ihre Stadt. S. 49.</ref>
Mit Hilfe Napoleon Bonapartes wurde Międzychód ab 1806 im Herzogtum Warschau wieder Teil eines polnischen Staates, fiel aber 1815 als Folge der Heiligen Allianz beim Wiener Kongress zurück an Preußen. In der Stadt wurde ein Landratsamt für den Kreis Birnbaum eingerichtet und in Lindenstadt um 1840 dafür ein architektonisch wertvolles Gebäude gebaut. 1816 wurde Międzychód Königlich preußische Domäne, was das Ende des Jahrhunderte geltenden Systems der Grundherrschaft bedeutete. Das Unruh’sche Schloss verlor an Bedeutung und verwahrloste. Im Jahr 1818 teilte man die Stadt der Provinz Posen zu. 1833 erhielt sie ihre besondere Städteordnung.
100 Jahre lang hieß die Stadt offiziell Birnbaum und wurde während dieser Zeit zur Wiege des deutschen Kaufhauses.<ref name="Puppe" />
Unter königlich preußischer Herrschaft erlebte die Stadt ihren Einzug in die Industrielle Revolution. Hatten die Teilungen Polens auf einem Schlag zum Verlust der ganzen Absatzgebiete der 188 Tuchmacher/Weber Birnbaums geführt, so entstanden nun zwei Brauereien, eine Brennerei, mehrere Ziegeleien, Windmühlen, zwei Molkereien, eine Getreidemühle, ein Sägewerk, die Birnbaumer Tabakindustrieen und der Binnenhafen. Der Bau der Birnbaumer Eisenbahn 1888 erfolgte im Auftrage der Preußischen Ostbahn. Das erste Gaswerk der Stadt wurde 1898 in Gang gesetzt. Die ersten großen Birnbaumer Industriefabriken um 1900 waren Fabriken der Landwirtschaft: die Konservenfabrik Pomona zur Verarbeitung der Bauernernte und die Fabrik Mecentra zur Reparatur von Landmaschinen. Allerdings waren die meisten Handwerksstätten und alle Betriebe der Stadt in deutscher Hand. Einzelne hatten polnische Besitzer, darunter u. a. Andrzej Majcherek, Antoni Sobkowski und der Malermeister Zygmunt Szafrański.<ref name="Szczepanska-Hatzke-152">Krystyna Szczepańska-Hatzke: Międzychodzianie i ich miasto – Birnbaumer und ihre Stadt, S. 152.</ref> Die Mehrheit der Polen arbeiteten weiter als Lohnarbeiter der wohlhabenden deutschen Handwerker und Kaufleute.<ref name="Szczepanska-Hatzke-49" />
Als Teil eines neuen polnischen Staates verlor Międzychód die meisten der deutschen und jüdischen Einwohner. Sie verkauften ihre Werkstätten sowie Betriebe an Polen und emigrierten nach Deutschland. Die folgende Inflation der 1920er Jahre und die Kieferneule in den umliegenden Wäldern beschied der Stadt den Anfang des Untergangs ihrer ganzen Industrie.<ref name="Szczepanska-Hatzke-152" /> Man knüpfte große Hoffnung an den Erholungs- und Heilungs-Tourismus und erhob Międzychód dank der bezaubernden Umgebung und des eigenartigen Mikroklimas nach Modernisierung der Badeanstalt offiziell zum Kurort.
Die Stadt wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit, Międzychód wurde Teil der Volksrepublik Polen. Die Deutschen wurden, soweit sie nicht bereits geflüchtet waren, aus der Stadt vertrieben. Erstmals in der Geschichte gab es in der Stadt ausschließlich polnische Bürger.
davon 1084 Christen und 360 Juden, ohne den Verwaltungssitz Lindenstadt mit 368 Christen
1800
1592
in 258 Wohnhäusern, 348 Juden<ref name="Wuttke" />
1803
1739
<ref name="AAM5" />
1816
1996
<ref>Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 1, A–F. Halle 1821, S. 119, Ziffer 2695; books.google.de</ref> davon 1275 Evangelische, 241 Katholiken, 480 Juden<ref name="AAM5">Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 256–263, Ziffer 63; books.google.de</ref>
1821
2092
<ref name="AAM5" />
1826
2200
in 229 Häusern, 650 Juden<ref>Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III. Band 2, Teil 1. Berlin 1828, S. 92, Ziffer 1; Vorlage:Archive.org.</ref>
1837
2637
über ein Viertel Juden<ref name="Wuttke">Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 331–332; books.google.de</ref>
1843
2937
in 263 Häusern<ref name="Wuttke" />
1858
3240
<ref name="Wuttke" />
1861
3285
<ref name="Wuttke" />
1867
3379
am 3. Dezember<ref name="StatBüro" />
1871
3208
deutsche Einwohner, darunter 2000 Evangelische, 550 Katholiken und 650 Juden;<ref name="Neumann">Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2. G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 143, Ziffer 1; books.google.de</ref> nach anderen Angaben 3207 Einwohner (am 1. Dezember), davon 2028 Evangelische, 582 Katholiken, 11 sonstige Christen, 586 Juden<ref name="StatBüro">Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen. Berlin 1874, S. 84–85, Ziffer 1, S. 91–92; kpbc.umk.pl</ref>
Seit uralten Zeiten wohnten polnische Fischer am Stadtsee, der heute in kühlen Monaten durch unzählige in dieser Gegend überwinternde Vögel verzaubert. Direkt am See, anstelle des Stary Rynek (Alter Markt), befand sich eine Lichtung mit einem riesigen Birnbaum in der Mitte. Nach dem beendeten Fang pflegten die Fischer an den Birnbaumästen die Netze auszuhängen. Sie stellten eines Tages überraschend fest, dass auf dem Baum wie auch auf den umliegenden Bäumen fremde Netze ausgehängt wurden. Sie waren verwundert, da sie ein weiteres Fischerdorf in der Gegend bislang nicht wahrgenommen hatten. Sobald nach einigen Tagen Fischer erschienen sind, die am benachbarten See (heutzutage jezioro radgoskie) wohnten, wurde es offensichtlich. Beide Fischergruppen haben voneinander nicht gewusst. Infolge dieses zufälligen Treffens beschlossen sie zusammen zu ziehen und die Lichtung am Stadtsee zu besiedeln. Seitdem hängten sie gemeinsam die Netze an den Ästen aus. Das ist die Entstehungsgeschichte der Ansiedlung mit dem Birnbaum, der dann in das Wappen aufgenommen wurde.<ref>Otto Hupp: Die Wappen und Siegel der Deutschen Städte. 1898; kpbc.umk.pl</ref><ref>Vorlage:Webarchiv Sage von der Entstehung des Stadtwappens</ref>
Städtepartnerschaften
Skwierzyna, Polen (deutsch Schwerin an der Warthe)
Die katholische Pfarrkirche des Martyriums Johannes des Täufers (Kościół Męczeństwa św. Jana Chrzciciela) wurde 1591 von Jan Ostroróg gestiftet und mehrfach umgestaltet.<ref>Międzychód: kościół Ścięcia św. Jana Chrzciciela. dziedzictwo.ekai.pl</ref>
Die katholische Pfarrkirche des Unbefleckten Herzen Marias(Kościół pw. Niepokalanego Serca Maryi) ist die ehemalige evangelische Stadtkirche. Anstelle einer Vorgängerkirche des 18. Jahrhunderts wurde das heutige Gebäude 1829 von Karl Friedrich Schinkel im Rundbogenstil entworfen und 1838–1840 ausgeführt. Trotz ihrer Größe liegt ihr Schinkels Musterentwurf einer Normalkirche zugrunde. Sie verfügt über das typische Holztonnengewölbe, eine gerade Chorwand und zweistöckige Emporen.<ref>Karl Friedrich Schinkel – das architektonische Werk heute. books.google.de</ref> In der Vorhalle befindet sich der Grabstein des Grundherrn Christoph von Unruh († 1689). In die Kirchhofsmauer sind historische Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert mit deutschen Inschriften eingelassen.
Der Ortskern hat ein landstädtisches Gepräge. Neben den schlichten ein- bis zweistöckigen Häusern aus der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, die sich entlang der ul. Rynkowa giebelständig aufreihen, bestimmen repräsentative Bauten der Jahrhundertwende wie das Kaufhaus oder das ehemalige Hotel Schwarzer Adler das Stadtbild.
Muzeum regionalne (Regionalmuseum) mit reichen ethnografischen Sammlungen und Andenken der Stadtgeschichte
Laufpompa (Laufpumpe), ein artesischer Tiefbrunnen aus dem Jahr 1912 mit schwefelhaltigem Wasser
Oskar-Tietz-Park mit Gedenkstein
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehrsanbindung
Schienenverkehr
Über den Bau der EisenbahnstreckeRokietnica–Międzyrzecz für die Preußische Ostbahn erhielt Międzychód im Jahr 1888 ihren Anschluss an das Eisenbahnnetz und war seit 1907 dank des Ausbaus weiterer Strecken nach Szamotuły und Zbąszyń ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt mit zwei Bahnhöfen: Bhf Międzychód (Bhf Birnbaum) und Międzychód-Wschód (Birnbaum-Ost).<ref>Krystyna Szczepańska-Hatzke: Międzychodzianie i ich miasto – Birnbaumer und ihre Stadt, S. 135.</ref>
Bis in die 1990er Jahre blieben die Strecken allerdings nicht elektrifiziert und es fehlte weiter das Geld, sie zu modernisieren. So erfolgte trotz massiven Protests der Stadtbürger die Stilllegung des gesamten Eisenbahnnetzes in und um Międzychód.
Die Wiederinbetriebnahme wurde im Oktober 2023 bekannt gegeben.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>
Straßenverkehr
Durch den Ausbau der Autostrada A2/E30 im Jahr 2012 bietet Międzychód eine gute Anbindung ans Straßennetz. So ist die Stadt über die neue Autobahn von Frankfurt (Oder) aus in weniger als zwei Stunden zu erreichen (A2/E30 Ausfahrt Trzciel auf die Droga krajowa 92, dann weiter bis nach Międzychód auf der Droga wojewódzka 160). Von Poznań über die Droga krajowa 92 und anschließend über die Droga krajowa 24 in 1,25 Stunden.
Die Lage Międzychóds an der schiffbaren Warthe bewirkte, dass die Einwohner den Fluss als billigen Transportweg früh nutzten. So gab es hier im 18. Jahrhundert schon Holzhandel im großen Stil, der von hier aus nach Stettin transportiert wurde.<ref name="Szczepanska-Hatzke-39">Krystyna Szczepańska-Hatzke: Międzychodzianie i ich miasto – Birnbaumer und ihre Stadt, S. 39.</ref>
Der Schiffsverkehr auf der Warthe wurde mit der Zeit größer und beeinflusste die Entwicklung der Stadt. Im 19. Jahrhundert legte man hier ein Winterquartier für Lastkrähne und kleine Schiffe an, das im Laufe der Zeit zum Binnenhafen der Stadt Międzychód umgewandelt wurde. Mit Lastkähnen transportierte man neben Holz auch Agrarprodukte sowie Braunkohle.<ref name="Szczepanska-Hatzke-39" />
Die Warthe ist hier bis heute schiffbar, trägt aktuell aber nur selten noch Schiffe, nachdem der Hafen nach starken Auftragsrückgängen seine Bedeutung verlor und im Jahr 1951 schließen musste.
Ansässige Unternehmen
die Polstermöbelfabrik Christianapol GmbH
die Kunststoffverarbeitungsfirmen Sched-Pol GbR, Marbo, Domet und Doso
die Baufirmen Peach, Domex GbR sowie Piotr Gnoiński
die Lebensmittelindustrie Heinz AG (Abt. Międzychód)
das Sägewerk Dormowo
die Speditionsfirmen ABC Czepczyński, Lewidal und Wiktor Leszczyński
Öffentliche Einrichtungen
Międzychodzki Dom Kultury (Międzychóder Kulturhaus). Hier werden viele und vielfältige kulturelle Veranstaltungen organisiert, Konzerte, auch Festivals. Zahlreiche Tanz- und Musikvereine sind hier tätig.
Biblioteka Publiczna (Öffentliche Stadtbibliothek). Der Bestand beträgt über 66.000 Bücher. Es wird auch ein Sprachbuch-Punkt geführt, der vor allem an blinde Leser gerichtet ist. Auch kostenlose Fremdsprachkurse für Arbeitslose finden hier statt. Es gibt eine Regionalabteilung, in der historische Quellen und Dokumentierung des gesellschaftlichen Lebens angesammelt werden.
Gimnazjum (in Polen für alle Schüler obligatorische Mittelstufenschule, die im Alter von 13–16 Jahren besucht wird):
Gimnazjum Nr. 1, Międzychód, ul. Iczka 3
Gimnazjum Nr. 2, Międzychód, ul. Gorzycka 1
Szkoły średnie (weiterführende Schulen):
Allgemeinbildendes Lyzeum „Jarosław Dąbrowski“, Międzychód, ul. Sikorskiego 27
Drei Technika (Berufsoberschulen):
Schulkomplex Nr. 1, Międzychód, ul. Gwardii Ludowej 6
Schulkomplex Nr. 2, Międzychód, ul. Chrobrego 13
Schulkomplex Nr. 3, Międzychód, ul. Dworcowa 24
Grundberufsschule im Schulkomplex Nr. 2 (ul. Chrobrego 13)
Freizeit- und Sportanlagen
Hala Sportowa (Sporthalle). Die zahlreichen Sportvereine der Stadt nutzen seit 2001 die neue Sport- und Konzerthalle, die internationale Wettkämpfe, professionelle Konzerte und das Austragen von Tanzturnieren ermöglicht.
Joachim Hellwig (1932–2014), Dokumentarfilmregisseur, Dramaturg und Autor
Bernd Tödte (* 1944), Vizepräsident des Bundespatentgerichtes
Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen
Friedrich Wilhelm Buttel (1796–1869), deutscher Architekt und Hofbaumeister des (Groß-)Herzogtums Mecklenburg-Strelitz, kam nach seiner 1813 abgeschlossenen Maurerausbildung nach Birnbaum und erhielt eine Anstellung im Vermessungswesen als praktischer Feldmesser bei einem königlichen Oberförster namens „König“
Literatur
Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 269.
Krystyna Szczepańska-Hatzke: Międzychodzianie i ich miasto – Birnbaumer und ihre Stadt. Fotografischer Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jh. Mit Texten in Polnisch und Deutsch. Verlag Drukarnia Międzychód, 2008, ISBN 978-83-927744-0-2.
Artur Paczesny, Łucjan Sobkowski: Poczet burmistrzów Międzychodu. Obejmujący nazwiska 45 ojców miasta pełniących urząd w latach 1628–2007. Drukarnia Międzychód, 2007, ISBN 978-83-925419-8-1.
Torsten Lorenz: Von Birnbaum nach Międzychód. Bürgergesellschaft und Nationalitätenkampf in Großpolen bis zum Zweiten Weltkrieg (Frankfurter Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas, Band 10). Berliner Wissenschafts-Verlag, 2005, ISBN 3-8305-0552-3.
Helga Schultz: Die Bürger von Birnbaum. In: Dies. (Hrsg.): Preußens Osten – Polens Westen. Das Zerbrechen einer Nachbarschaft. Berlin Verlag Arno Spitz, Berlin 2001, S. 17–38 (Frankfurter Studien zur Grenzregion 7).
Lothar Snyders: Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau. Die Herrschaft Birnbaum in südpreußisch-napoleonischer Zeit. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Phil. Fakultät der Westfälischen Wilhelmsuniversität zu Münster (Westf), 1997 Inaugural-Dissertation uni-muenster.de (PDF; 7,6 MB)
Ryszard Skłodowski: Międzychód w epoce zaborów (Międzychód in der Epoche der Teilungen). In: Janisław Osięglowski (Hrsg.): Międzychód. Dzieje – gospodarka – kultura (Międzychód. Geschichte – Wirtschaft – Kultur). Warszawa 1981, S. 34–55.
Georg Christoph von Unruh: Recht und Gesetz in Birnbaum bis Anfang des 18.Jh. Birnbaum/Warthe 1980.
Wilhelm Barn: Die Landwirtschaft um Birnbaum. Birnbaum/Warthe 1980.
Stefan Krantz: Verband deutscher Katholiken in Polen Ortsgruppe Birnbaum. Birnbaum/Warthe 1974.
Hans Krüger: Wie es daheim einst war. Birnbaum/Warthe 1974.
Gerhard Buchwald: Die Ev. Kirchengemeinde Birnbaum bis 1945. Birnbaum/Warthe 1971.
Gustav Ehrich: So war es damals. Birnbaum/Warthe 1969.
Georg Tietz: Hermann Tietz. Geschichte einer Familie und ihrer Warenhäuser. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1965.
Max Radtke: Dreihundert Jahre unter Gottes Schutz im Lichte des Evangelii. Versuch einer Geschichte der Ev. Kirchengemeinde Birnbaum seiner durch 25-jährige Arbeit in Liebe ihm herzlich verbundenen Gemeinde gewidmet zur Feier ihres 300-jährigen Kirchenjubiläums. Buchwald, Birnbaum 1900.