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Livigno

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Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien

Livigno (Vorlage:LmoS, Vorlage:RmS oder Vorlage:Lang, deutsch Luwin) ist eine italienische Gemeinde (comune) mit Vorlage:EWZ Einwohnern (Stand Vorlage:EWD) in der Provinz Sondrio, Lombardei. Der Ort ist Zollausschlussgebiet der Europäischen Union.

Etymologie

Der Name taucht erstmals 1187 unter der Bezeichnung alpes vinee et vineole urkundlich auf und wurde bis 1339 für fast das gesamte Livigno-Tal verwendet, lediglich der südliche Talbereich wurde als Livignolo bezeichnet. Das Gebiet war im Besitz des Bischofs von Como – Ardizzone – und wurde laut Urkunde von 1187 an die Venosta, der Veltliner Linee der Herren von Matsch,<ref>Enrico Rizzi: Per una mappa delle fiere del bestiame nelle Alpi Walser nel Medioevo e nella prima età moderna. In: Andrea Bonoldi, Roberto Fantoni, Roberto Leggero (Hrsg.): Foires, marchés et marchands – Fiere, mercati e mercanti – Messen, Märkte und Händler. (=Histoire des Alpes – Storia delle Alpi – Geschichte der Alpen. Nr. 2024/29). Chronos, Zürich 2024, ISBN 978-3-0340-1767-1, S. 108.</ref> verlehnt.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Der Name Livigno leitet sich vermutlich aus dem lateinischen labineu (dt. leicht abrutschend) oder labina (dt. Bergrutsch) ab.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref> Er nimmt darauf Bezug, dass das Tal über Monate von Schnee bedeckt und von Lawinen gefährdet war. Aus dieser Deutung heraus würden sich auch der rätoromanische Name Lavin da Buorm und das deutsche Exonym Luwin oder Lobine erklären.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Geographie

Datei:Map of comune of Livigno (province of Sondrio, region Lombardy, Italy).svg
Lage der Gemeinde Livigno in der Provinz Sondrio

Der beliebte Wintersportort liegt rund 75 Kilometer nordöstlich von der Provinzhauptstadt Sondrio auf einer Höhe von Vorlage:Höhe in den Livigno-Alpen. Die Gemeinde ist ein beliebter Wintersportort. Sie liegt am Fluss Spöl (heute auch auf Italienisch so, früher Aqua Granda), der das Livigno-Tal von Süden nach Norden durchfließt, mit einer Staumauer an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz zum Lago di Livigno gestaut wird und danach bei Zernez im Engadin in den Inn und damit in die Donau mündet. Das Tal liegt also nördlich der Wasserscheide der Alpen und dessen Gewässer fließen als eine der wenigen in Italien letztendlich dem Schwarzen Meer zu.

Trepalle, ein Ortsteil Livignos, ist nach eigenen Angaben der höchste dauerhaft bewohnte Ort Europas auf einer Seehöhe von 1.907 bis 2.250 Metern, am Passo d’Eira. Die meisten Quellen gehen jedoch davon aus, dass der schweizerische Weiler Juf in der Gemeinde Avers GR diesen Titel verdient. Der Theorienstreit gründet daher, dass die höchsten Häuser von Trepalle tatsächlich höher gelegen sind als jene von Juf, die tiefsten Häuser in Trepalle jedoch über 200 Meter tiefer liegen als jene von Juf. Hinzu kommt, dass Juf – anders als Trepalle – eine geschlossene Siedlung bildet. Allgemein wird jedoch der Kern einer Siedlung (Amtsgebäude, Kirche …) als Referenzpunkt gewählt, da sonst zahlreiche Gemeinden in den Alpen aufgrund mehr oder weniger hoch über dem Ortskern thronender, teilweise mittlerweile ganzjährig bewohnter Alpsiedlungen, Maiensässe etc. diesen Titel in Anspruch nehmen könnten.

Die Nachbargemeinden sind (von Südwest über Nordwest nach Nordost) Poschiavo, Pontresina, Zuoz, S-chanf, Zernez und Val Müstair im Kanton Graubünden sowie (im Südosten) Valdidentro in der italienischen Provinz Sondrio.

Geschichte

Seit 1000 n. Chr. ist das Tal von Livigno bewohnt, anfangs aus militärstrategischen Gründen. Im 17. Jahrhundert wurde Livigno die rechtliche und wirtschaftliche Autonomie durch die Bündner Herrscher des Veltlins verliehen. 1805 wurde Livigno wegen seiner exponierten und früher im Winter kaum erreichbaren Lage von Napoleon zur zollfreien Zone erklärt, damit es trotzdem ganzjährig bewohnt wird. Das Kaisertum Österreich erkannte diese Vorteile 1818 an. 1910 wurde Livignos Status vom Königreich Italien und schließlich 1960 auch von der Europäischen Gemeinschaft bestätigt. Livigno gehört gemäß Art. 4 Abs. 1 UZK nicht zum Zollgebiet der Union. Naturgemäß spielte der Schmuggel stets eine große Rolle, wovon heute noch Namen von Gasthäusern und Bezeichnungen von Wanderwegen zeugen.

Da der Ort bis 1951 sechs Monate im Jahr – straßenmäßig – von der Außenwelt abgeschnitten war, konnte er als unechte Exklave bezeichnet werden und erhielt den Übernamen Piccolo Tibet („Klein-Tibet“). Seither wird der Passo di Foscagno auch im Winter vom Schnee freigeräumt, und, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, ist Livigno von der italienischen Seite ganzjährig erreichbar.

Ein Teil des Ortes wurde in den 1960er-Jahren beim Bau des Speichersees Lago di Livigno zerstört.

Bevölkerungsentwicklung

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Tourismus

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Das Zentrum von Livigno
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Livigno vom Morteir

Die entscheidende Rolle im Tourismus in Livigno spielt der Wintersport, wenngleich versucht wird, durch attraktive Mountainbike- und Wandermöglichkeiten auch im Sommer Touristen zu gewinnen.

Im Winter stehen 33 Liftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 46.460 Personen/Stunde zur Verfügung, die 115 km Piste erschließen. Dazu kommen noch 40 km Langlaufloipe. Weil Arrangements von Samstag bis Samstag üblich sind, bilden sich in der Wintersaison an diesen Tagen jeweils lange Staus zwischen dem Ort und der Einfahrt zum einspurigen Munt-la-Schera-Tunnel.

Das Zentrum von Livigno ist Fußgängerzone, die aber von Autos zur An- und Abreise zu dort gelegenen Hotels befahren werden kann. Vier kostenlose Buslinien verkehren ganzjährig im Ort. Hinzu kommen insbesondere während der Sommer- und Winterferien sowie an Samstagen zahlreiche Einkaufstouristen, die von niedrigen Preisen auf zollfreie Artikel profitieren, v. a. auf alkoholische Getränke, Tabakwaren, Parfums und Kraftstoffe. Ähnlich wie Samnaun erhebt auch die Gemeinde Livigno geringfügige eigene Abgaben auf die ansonsten zollfreien Produkte, aber im Gegensatz zur schweizerischen „Konkurrenz“ wird in Livigno keine Mehrwertsteuer erhoben.

Verkehrsanbindung

Die Strada Statale 301 del Foscagno verbindet Livigno mit Bormio. Über den Foscagno-Pass und den Eira-Pass ist das Bergdorf mit dem restlichen Veltlin verbunden. Erreichbar ist Livigno außerdem von der schweizerischen Straße Nr. 28 zwischen Zernez und dem Ofenpass durch den in den 1960er-Jahren erbauten mautpflichtigen Munt-la-Schera-Tunnel sowie während der Sommermonate vom Berninapass über die Passstraße Forcola di Livigno.

Sehenswürdigkeiten

  • Das MUS! Museo di Livigno e Trepalle, das seit dem 22. Dezember 2015 geöffnet ist, zeigt ethnographisches Material, das die bäuerlichen Wurzeln von Livigno und Trepalle und die Dynamik, die zur Gegenwart geführt hat, erzählt. Das Gebäude stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und hat einige typische Elemente der traditionellen Häuser von Livigno, wie die sc'tua, die Küche mit dem cendré (Heizraum) und den Milchverarbeitungsraum.

Sport

Persönlichkeiten

Literatur

  • Vorlage:HLS
  • Anna Ferrari-Bravo, Paola Colombini: Guida d’Italia. Lombardia (esclusa Milano). Milano 1987, S. 400.
  • Lombardia – Touring club italiano, Touring Editore (1999), ISBN 88-365-1325-5, Livigno Online

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Gemeinden Provinz Sondrio