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Ludwig von Döderlein

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Datei:Johann Ludwig Christoph Wilhelm von Döderlein.jpg
Stich nach einer Zeichnung von Schreiner
Datei:Signatur Ludwig von Döderlein.PNG

Johann Ludwig Christoph Wilhelm Döderlein, ab 1862 Ritter von Döderlein (* 19. Dezember 1791 in Jena; † 9. November 1863 in Erlangen; latinisierter Name: Ludovicus Doederlein), war ein deutscher klassischer Philologe.<ref name="ndb">Johann Ludwig Döderlein: Döderlein, Johann Ludwig Christoph Wilhelm von. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 4. Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref>

Leben

Döderlein entstammte einer alten Professoren- und Theologenfamilie. Er wurde als Sohn des Professors für protestantische Theologie Johann Christoph Döderlein (1746–1792) und dessen Ehefrau Rosine Eleonore, geb. von Eckardt (1770–1832),<ref>Jean Paul Edition: Rosine Eleonore Niethammer. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. Juni 2025.</ref> der Tochter des Professors der Rechte in Jena Johann Ludwig von Eckardt (1732–1800), am 19. Dezember 1791 in Jena geboren. Die Mutter heiratete nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes den Philosophen und Theologen Friedrich Immanuel Niethammer. Von 1804 bis 1810 besuchte er mit einer Unterbrechung von 1804 bis 1807, die er auf Veranlassung seines Stiefvaters am Progymnasium in Windsheim verbrachte, die Fürsten- und Landesschule Pforta, wo er trotz krankheitsbedingten vorzeitigen Ausscheidens das „Reifezeugnis für den Übertritt an die Universität“ erwarb.<ref>Vgl. J. Simon, Briefe des Gymnasiasten Ludwig Döderlein in Pforta (s. unten Literatur) S. 3; ebd. Nr. 69–76, s. 69–77.</ref> Danach studierte er 1810 bis 1811 als Schüler von Friedrich Thiersch am Lyzeum in München, 1811 bis 1813 bei Friedrich Creuzer in Heidelberg und ab 1813 in Erlangen Philologie. Dort wurde er 1814 mit der Schrift Specimen novae editionis tragoediarum Sophoclearum über Prinzipien einer neuen textkritischen Edition der Tragödien des Sophokles promoviert. 1815 habilitierte er sich mit der Schrift Oratio in Academiae Friderico-Alexandrinae solemnibus saecularibus ... an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er noch nach der Promotion seine Studien bei Friedrich August Wolf, August Boeckh und Philipp Buttmann vervollkommnet hatte, und erhielt im selben Jahr einen Ruf auf die Professur für klassische Philologie an der Bern. 1819 wurde er Rektor des Gymnasiums Fridericianum Erlangen und zweiter Professor für klassische Philologie ebenfalls in Erlangen.<ref name="ndb" /> 1826 wurde er erster Professor der Philologie sowie Direktor des philologischen Seminars<ref>Otto Stählin, 1928, S. 15.</ref> und 1827 auch Professor der Beredsamkeit.<ref>Olaf Willett, 2001, S. 259.</ref> 1854 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.<ref>Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 69.</ref> Seit 1857 war er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.<ref>Mitgliedseintrag von Ludwig von Döderlein bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 10. September 2025.</ref> 1862 legte er sein Amt als Gymnasialdirektor nieder. Er war akademischer Lehrer von Iwan von Müller und Karl von Burger.

Er war Mitglied des Corps Saxonia Heidelberg.<ref>Kösener Korps-Listen 1910, 119a, 6.</ref>

Familie

Ludwig Döderlein wurde geboren als Sohn des Rektors und Professors Johann Christoph Döderlein, der verstarb, als Ludwig ein Jahr alt war.<ref name="ndb" /> Der Philosoph und Theologe Immanuel Niethammer wurde sein Stiefvater, als seine Mutter 1797 erneut heiratete.<ref>Otto Stählin, 1928, S. 43.</ref>

Ehrungen

Datei:Erlangen Friedrichstraße 40 002.JPG
Gedenktafel in der Erlanger Friedrichstraße

1862 wurde er ihm das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen, verbunden mit dem bayerischen Personenadel.<ref>Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 28.</ref> Bereits 1848 erhielt er das Ritterkreuz des Verdienstordens vom Heiligen Michael<ref>Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 46.</ref> und 1860 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.<ref>Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Bayern 1863, S. 91.</ref> Im Innenstadtbereich von Erlangen wurde die Döderleinstraße nach ihm benannt.<ref>Straßen und Namen auf seniorennetz-erlangen.de (Information nicht mehr abrufbar; Stand: 5. Januar 2019).</ref> Außerdem erinnert eine Gedenktafel an seinem Wohnsitz in der Friedrichstraße 40 in Erlangen an ihn.

Schriften

  • Briefe des Gymnasiasten Ludwig Döderlein in Pforta aus den Jahren 1807 - 1810. Hg. von Jakob Simon. In: Programm des k. humanistischen Gymnasiums Kaiserslautern für das Schuljahr 1889/1900, Kaiserslautern 1900, S. 3–77. online
  • Oeffentliche Reden. Mit einem Anhang pädagogischer und philologischer Beiträge. Heyder & Zimmer, Erlangen/Frankfurt am main 1860. online
  • De coena Nasidioni: Ad Horatii satiram 2, 8. Deichert, Erlangen 1855. (Digitalisat)
  • Handbuch der lateinischen Synonymik. Vogel Verlag, Leipzig 1849. (Digitalisat)
  • Reden und Aufsätze. Ein Beitrag zur Gymnasialpädagogik und Philologie, Bd. 1–2. Enke, Erlangen 1843–1847. online; Zweite Sammlung
  • Oratio in Academiae Friderico-Alexandrinae solemnibus saecularibus. Bläsing/Deichert, Erlangen 1843.
  • De Tacito: Transpositione verborum emendando scripsit. Bläsing/Deichert, Erlangen 1838.
  • Fünfzig Themata disponiert f. d. Schulgebrauch. Bläsing/Deichert, Erlangen.
  • Lateinische Synonyme und Etymologien: 6 Teile u. Beil. in 6 Bänden. 1826–1839. Nachdruck Scientia-Verlag, Aalen, ISBN 3-511-05530-X.
  • Homerisches Glossarium. Enke, Erlangen 1850. (Digitalisat Band 1), (Band 2), (Band 3)
  • Specimen novae editionis tragoediarum Sophoclearum. Hilpert in Kommission bei Seidel, Erlangen/Solisbaci (Sulzbach) 1814. (Digitalisat)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 1. Lehrstuhl: Gottlieb Christoph Harleß (1777–1815) | Ludwig Heller (1817–1826) | Ludwig von Döderlein (1826–1863) | Iwan von Müller (1864–1893) | Adolf Römer (1893–1913) | Otto Stählin (1913–1935) | Reinhold Merkelbach (1957–1961) | Alfred Heubeck (1962–1979) | Egert Pöhlmann (1980–2001) | Stephan Schröder (seit 2001)

2. Lehrstuhl: Joseph Kopp (1827–1842) | Carl Friedrich Nägelsbach (1842–1859) | Heinrich Keil (1859–1869) | Alfred Schöne (1869–1874) | Eduard Wölfflin (1875–1880) | August Luchs (1880–1920) | Alfred Klotz (1920–1939) | Otto Seel (1943–1947) | Carl Koch (1947–1956) | Rudolf Till (1958–1976) | Severin Koster (1979–2008) | Walter Kißel (kommissarisch, 2008–2016) | Christoph Schubert (seit 2017)

3. Lehrstuhl: Ferdinand Heerdegen (1902–1920) | Kurt Witte (1920–1950) | Otto Seel (1951–1972) | Klaus Stiewe (1975–1986) Vorlage:Klappleiste/Ende

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